Der Tee hatte den Tisch kaum berührt, als sich alles veränderte. Emily saß am hohen Fenster im östlichen Salon, das späte Nachmittagslicht schnitt in dünnen, blassen Linien durch die Vorhänge. Der Palast war ungewöhnlich still — zu still. Selbst die Zofen bewegten sich mit einer seltsamen Zurückhaltung, ihre Schritte vorsichtig, ihre Blicke länger gesenkt als nötig. Die Dienerin trat mit gesenktem Kopf näher, die Hände ruhig, das Gesicht ausdruckslos. „Euer Tee, meine Luna.“ Emily sah nicht sofort auf. Das hatte sie gelernt — zuerst beobachten, dann reagieren. Etwas an der Luft fühlte sich angespannt an, wie ein angehaltener Atemzug. Als sie schließlich den Blick hob, sah sie es. Die Hände der Dienerin zitterten. Nur leicht. Zu leicht. Und ihre Augen — weit, wachsam, huschten einmal

