KAPITEL 72 : DAS ERWACHEN 1

1022 Words

Ich presse die Kiefer zusammen, meine Finger umschließen das leere Glas fester. Das ist eine Schwäche. Die schlimmste Schwäche. Beobachtung ist Kontrolle. Verlangen ist eine Blöße. Ich sollte den Bildschirm ausschalten. Ins Bett gehen. Das Weitere planen: die Lektionen, die Regeln, die Umstrukturierung ihrer Realität um meine herum. Dennoch bewege ich mich nicht. Ich bleibe der stille Wächter ihres Schlafs. Der Gefängniswärter, gefangen im eigenen Gefängnis. Schließlich färbt die Morgendämmerung die Ränder des Bildschirms grau und verwandelt das Fenster ihres Zimmers in eine bleigraue Platte. Sie schläft immer noch. Friedvoller jetzt. Ich erhebe mich endlich, der Körper steif, die Augen brennend. Ich unterbreche die Videoübertragung. Der Raum ist plötzlich in tiefes Dunkel getaucht.

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