Die Zeit im Tal der stillen Winde floss nicht mehr linear. Sie bog sich, dehnte sich, faltete sich zusammen wie Stoff unter geschickten Fingern. Was gestern ein Flüstern gewesen war, wurde morgen ein Chor. Was vor Jahrzehnten ein einzelner Samen gewesen war, wuchs nun zu einem Wald, dessen Blätter die Geschichten aller trugen, die je hierhergekommen waren. Mirael hatte das Summen in ihren Knochen gespürt, bis sie selbst Teil davon wurde. An dem Tag, als sie starb, weinte das Wasser nicht. Es sang lauter, als wollte es sie willkommen heißen in seiner Tiefe. Ihre Enkelin, eine Frau namens Lira, saß nun am Teich. Sie war neununddreißig, mit Händen, die rau vom Weben waren und doch sanft, wenn sie das blaue Licht berührte. Lira hatte nie die alten Kriege gesehen, nur die Lieder davon gehört.

