Kapitel 5

905 Words
Zuerst war Hazel sicher, dass sie eine unsanfte Begegnung mit dem kalten Boden haben würde. Doch in der nächsten Sekunde wurde ihre schmale Taille sicher von dem langen, kräftigen Arm eines Mannes umschlungen. Ein Hauch von Minzduft stieg ihr in die Nase und nahm sie gefangen. „Dein Körper ist so heiß... hast du Fieber?“ Maurice sah auf die Frau in seinen Armen hinab. Sein üblicherweise kalte Miene trug nun einen Anflug von Besorgnis. Sie war so dünn, federleicht; das weckte augenblicklich seinen Beschützerinstinkt. „Das geht dich nichts an!“ Hazel fand ihr Gleichgewicht wieder und versuchte standhaft zu bleiben, entschlossen, sich aus der Umarmung des Mannes zu befreien. Wenn sie sich schon scheiden ließen, sollte die Trennung sauber und endgültig sein; dem Ex einen kühlen Abschied bereiten. Sie wollte nicht, dass er sie in einem so schwachen Zustand sah – das würde nur so wirken, als bettle sie um Mitleid! Hazel war stur, aber ihr Körper war ehrlich. Sie war völlig kraftlos, ohne jede Stärke. Maurice hob sie ohne weiteres im Brautgriff hoch. „Ich bringe dich ins Krankenhaus.“ „Was machst du da... Lass los!“ Hazel fühlte sich schrecklich und verlegen, während sie unaufhörlich zappelte. „Vergiss nicht, wir sind bereits geschieden...“ „Während der Bedenkzeit bist du immer noch meine Frau“, erwiderte Maurices Stimme fest und dominant, ohne Hazel eine Chance zum Widerspruch zu lassen. Als Bella sah, dass sie gehen wollten, wurde sie unruhig. Das war nicht das Ergebnis, das sie sich gewünscht hatte. Hastig umklammerte sie ihren Bauch, zeigte demonstrativ Schwäche und rief von hinten: „Maurice, warte auf mich. Es ist nicht leicht für mich zu laufen, wenn ich diesen dicken Bauch herumschleppe...“ „Bleib, wo du bist. Ich lasse dich von Desmond abholen.“ Maurice sprach, während er zu Hazel in seinen Armen zurückblickte. Seine Stimme klang feierlich: „Ihr Zustand ist nicht gut, ich kann sie nicht ignorieren.“ Als Hazel das hörte, verdrehte sie die Augen, bis sie fast einen Krampf bekam. Was sollte das alles? In der einen Minute verlangt er die Scheidung, um mit seiner schwangeren Geliebten zusammen zu sein, und in der nächsten spielt er den hingebungsvollen Liebhaber? Für wen hält er sich – für schwarzen Tee, der nach dem Trinken noch einen angenehmen Nachgeschmack im Mund hinterlässt? Ein perfektes Gegenstück zu Bella, dieser Tasse grünem Tee, in der Tat! In diesem Fall: Spielen wir eben mit. Hazel hörte auf zu zappeln, schmiegte sich einfach an Maurice, klimperte mit ihren großen Augen und sagte kokett: „Dann danke ich dir, lieber Ex-Verlobter.“ „......“ Maurices Gesicht verdunkelte sich plötzlich, sein Ausdruck war unergründlich. Bella hingegen lief grün an vor Neid und Wut! Nach ihrer Ankunft im Krankenhaus meldete Maurice sie an und begleitete Hazel zur Blutabnahme. Die Testergebnisse kamen schnell. „39,3 Grad, virale Infektion mit bakterieller Komplikation. Wäre sie später gebracht worden, hätte sie wahrscheinlich kein Fieber mehr, sondern wäre ernsthaft krank“, schimpfte der Arzt streng, nachdem er die Akte gelesen hatte. Er schob seine Brille hoch, fixierte Maurice und fuhr fort: „Was für ein Ehemann sind Sie eigentlich? Ihre Frau glüht vor Fieber, und Sie lassen sie so dünn angezogen herumschlafen. Haben Sie überhaupt ein Herz?“ Maurice wollte gerade ansetzen zu erklären, aber Hazel kam ihm zuvor und wimmerte: „Herr Doktor, schimpfen Sie nicht mit meinem Mann. Obwohl ich nach der Hochzeit mit ihm weder genug zu essen noch Wärme bekomme, jeden Tag seinen Zorn ertragen muss und er mich sogar betrogen und zur Scheidung gezwungen hat, mache ich ihm keine Vorwürfe. Wer kann seinem guten Aussehen schon widerstehen? Es war alles meine Entscheidung.“ Maurice: „???“ Was zum Teufel führt diese Frau im Schilde? Warum ist sie so anders, als er sie in Erinnerung hat? Das Weltbild des Arztes schien heftig erschüttert. Er sah Maurice an, dann Hazel, und seufzte wiederholt: Die jungen Leute von heute sind einfach unerhört! „Nach dieser Infusion und der Einnahme der Medikamente, die ich verschrieben habe, sollte sie keine Probleme mehr haben.“ Der Arzt verließ eilig den Raum. Im Krankenzimmer blieben nur Maurice und Hazel zurück, was die Atmosphäre plötzlich heikel machte. In ihren vier Ehejahren hatten sie selten Zeit allein verbracht. Maurice steckte die Hände in die Taschen und sah von oben herab auf Hazel. „Fertig mit der Show?“ Hazel gab ein verlegenes Husten von sich. „Fertig mit der Show.“ Wenn sie so weiterspielte, riskierte sie noch ihr Leben. „Warum hast du mich nicht angerufen, um den Termin zu verschieben, wenn du so krank bist?“ In diesem Moment war das Gesicht der Frau fiebrig rot, sie lag bemitleidenswert da und verwandelte sich zurück in dieses hilflose Kaninchen, was ihm unerklärlicherweise ein wenig das Herz brach. „Es wird regnen, Mutter wird heiraten, der junge Herr Stone lässt sich scheiden – es ergibt keinen Sinn, es aufzuschieben.“ Das hohe Fieber machte Hazel schwach. Sie schätzte Maurices Zärtlichkeit, aber sie wusste auch, dass sie sich ihr nicht hingeben durfte. „Danke für heute, mir geht’s okay, du kannst jetzt gehen, deine schwangere Geliebte wartet auf dich!“ Diese Worte schienen Maurice merklich ausgenüchtert zu haben. „In Ordnung, dann gehe ich jetzt.“ In diesem Moment trat eine hochgewachsene, schlanke Silhouette ins Krankenzimmer. „Boss Hazel, du lässt dich scheiden, wie hast du dich denn bitteschön ins Krankenhaus geschieden...“
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