Kapitel 2

750 Words
Kein Wunder, dass Maurice wollte, dass sie noch heute Abend auszieht. Lag es daran, dass jemand Neues es eilig hatte, sich im Haus einzunisten? Ha! Wenn sie daran dachte, dass sie sich wegen eines solchen Mannes so viele Sorgen gemacht hatte, hätte sie sich am liebsten selbst geohrfeigt! Bella trat arrogant an Hazel heran, ihre Worte trieften vor Verachtung. „Bist du Hazel? Du bist immer noch nicht weg?“ „Maurice hat dich vor die Tür gesetzt und du zögerst immer noch? Was für eine schamlose Person!“ Hazel ignorierte die Provokation und packte schweigend ihr verstreutes Gepäck weiter ein. „Hey, bist du taub? Hörst du nicht, dass ich mit dir rede?“ „Tut mir leid, ich habe dich nicht gehört.“ Hazel hob schließlich den Kopf, ihr Gesichtsausdruck war vollkommen ruhig. „Ich habe nur ein ununterbrochenes Hundegebell gehört!“ „Wie kannst du es wagen, mich einen Hund zu nennen!“ „Ich habe dich nicht beleidigt. Wer auch immer antwortet, gibt es eben zu.“ Damit zog sie ihren Koffer hinter sich her und wandte den Kopf leicht zu der vor ihr stehenden Bella: „Entschuldige mich, gute Hunde blockieren nicht den Weg.“ „Du ...!“ Bella stampfte wütend auf, ihr Gesicht lief erst rot an und wurde dann blass. Hieß es in den Gerüchten nicht, dass die Ehefrau von Maurice Stones dafür bekannt sei, sich alles gefallen zu lassen? Wie konnte sie so eine scharfe Zunge haben? Als die Bedienstete die Situation sah, trat sie schnell wie eine Speichelleckerin vor. „Fräulein Bella, beruhigen Sie sich. Es ist es nicht wert, sich über eine Nebenfrau zu ärgern!“ „In Zukunft werden Sie die Herrin dieser Villa sein. Diese Frau ... ist wertlos ...“ „Wir haben Ihr Zimmer bereits nach Herrn Maurices Anweisungen vorbereitet. Lassen Sie mich Sie hinbringen!“ Bella war besänftigt, ließ Hazel links liegen und folgte der Bediensteten in die Villa. In dem bitterkalten Wind blieb Hazel allein zurück. Beim Anblick des prächtigen, hoch aufragenden Gebäudes herrschte in ihrem Kopf Chaos. Vier Jahre ihres Lebens hatte sie hier verschwendet, und sie hätte nie mit einem so erbärmlichen Ende gerechnet. Es war wahrhaft ironisch. „Lebt wohl, Stones!“ Mit einem tiefen Atemzug ging Hazel weg, ohne sich noch einmal umzusehen. In jener Nacht mietete sie eine kleine Einzimmerwohnung im Stadtzentrum. Das Zimmer war klein, aber zumindest war sie sicher. Plötzlich fühlte sie sich sehr entspannt. Befreit vom Titel der „jungen Herrin der Familie Stones“ konnte sie in aller Ruhe tun, was sie wollte. Hazel holte ihr Handy heraus und wählte die Nummer, die sie vier Jahre lang blockiert hatte. „Boss, es sind vier Jahre vergangen. Du hast dich endlich an mich erinnert!“ Jason, einer der vier Prinzen von Steeze, war eigentlich immer eigensinnig, doch am Telefon klang er nun wie ein kleiner Bruder, seine Stimme voller Aufregung. „Ich habe gehört, du lässt dich scheiden. Glückwunsch, Gratulation! Diesen Maurice mit dem Eisblock-Gesicht hätte man schon vor langer Zeit beiseite kicken sollen!“ „Du hast ja keine Ahnung. Während du all die Jahre die folgsame Schwiegertochter bei den Stones gespielt hast, gab es in der Unterwelt überall Legenden über dich. Wenn diese alten Gangmitglieder wüssten, dass du der Top-Boss bist, den sie unbedingt ausgraben wollten, würden ihnen wahrscheinlich die Augen aus dem Kopf fallen!“ „Also, wirst du dieses Mal etwas Großes drehen? Als dein kleiner Bruder würde ich ...“ „Stopp!“ Hazel war so genervt, dass ihr der Kopf wehtat. Sie überlegte kurz, diesen exzentrischen Kerl wieder zu blockieren. „Ich habe Opa versprochen, dass ich den Kreis nicht mehr betreten werde. Wenn du mich wirklich als deinen Boss betrachtest, behältst du dieses Geheimnis für dich.“ Tatsächlich war ihre „Vergangenheit“ aufregend gewesen, aber sie war eben genau das: Vergangenheit. Sie wollte nicht viel darüber sprechen. „Ich rufe dich diesmal an, weil du mir helfen sollst, etwas zu untersuchen ...“ Nachdem Hazel das Gespräch mit Jason beendet hatte, legte sie auf. Im selben Moment ging eine SMS ein. Sie war von Maurice! Ihr Herz begann zu rasen. „Morgen, neun Uhr, Stadtgericht.“ Nur einfache fünf Worte, ohne jede Emotion, als wäre jedes zusätzliche Wort eine Gnade. Die Wellen in ihrem Herzen glätteten sich wieder. Nun, sie wusste es ja – sie sollte keine Erwartungen mehr an diesen Mann haben. „Alles klar.“ Hazel antwortete innerhalb von Sekunden, ebenfalls emotionslos und sehr direkt.
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