Emilys Sicht
Mit den Worten, die mir über die Lippen kamen, sah Layla mich an, als hätte ich völlig den Verstand verloren.
„Das meinst du nicht ernst?“ platzte sie heraus, ihre Augen vor Unglauben geweitet.
Ein langsames Lächeln umspielte meine Lippen. „Ich meine es todernst. Ich komme mit dir.“
Sie stand einfach da und starrte mich an, als wollte sie herausfinden, ob das ein Scherz war. War es nicht. Kein bisschen. Ich hielt ihrem Blick stand, ließ das Schweigen zwischen uns wachsen, gab ihr Zeit, meine Worte zu verarbeiten, denn ich würde sie nicht zurücknehmen.
„Bist du dir da sicher? Das ist eine ganz neue Stadt, Emily. Du wirst dort niemanden kennen“, sagte Layla schließlich, ihre Stimme voller Sorge.
„Ich bin sicher“, erwiderte ich fest. „Ich kann in dieser Stadt nicht ohne dich sein. Und mit dir und Danny dort werde ich nicht völlig verloren sein.“
Ihre Stirn legte sich in Falten. „Und was ist mit deiner Mutter? Willst du sie einfach hierlassen?“
Die Frage tat weh, doch ich zuckte nicht zusammen. „Meiner Mutter geht es ohne mich im Moment besser. Ich habe keinen Job, Layla. Ich kann mich nicht um sie kümmern, wie ich sollte. Vielleicht finde ich dort, so wie du, eine Arbeit und kann Geld zurückschicken. So kann ich nützlich sein. Also bitte, lass mich mitkommen. Ich brauche einen Neuanfang, weit weg von Ethan und den Folgen, ihn jemals geliebt zu haben.“
Ihr Ausdruck wurde weicher. „Das… ergibt tatsächlich Sinn.“ Sie seufzte, und ein zögerndes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. „Ich schätze, du kannst mitkommen.“
Erleichterung durchströmte mich, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, zog ich sie fest an mich. „Du wirst es nicht bereuen. Ich finde einen Job, und ich lasse dich und Danny in Ruhe, damit ihr euer Glück genießen könnt.“
„Wenn du meinst“, sagte sie, obwohl ein Anflug von Lächeln ihre Lippen umspielte. „Und wenn ich so darüber nachdenke, wäre es nicht schlecht, dich dabei zu haben.“
Das war alles, was ich brauchte. Vor Freude quietschend sprang ich in die Küche. „Weißt du was? Das müssen wir feiern. Wir ziehen beide um. Beide fangen neu an.“
Wenig später kam ich mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern zurück.
„Oh, du hast die besondere Flasche geholt“, stellte Layla fest, ihre Stimme weicher.
„Es ist ein besonderer Anlass“, flüsterte ich, während ich ihr das tiefrote Getränk einschenkte und dann mein Glas füllte.
„Ein Toast“, verkündete ich und hob mein Glas. „Auf Neuanfänge, auf frische Starts und darauf, die Vergangenheit hinter uns zu lassen.“
Layla stieß ihr Glas gegen meines. „Ich bin sicher, es wird wunderbar.“
Wir tranken, ließen die Wärme des Weins zwischen uns wirken, bis sich der Raum mit etwas füllte, das sich sehr nach Hoffnung anfühlte.
Die nächsten Tage vergingen in einem verschwommenen Durcheinander aus Kisten, Anrufen und letzten Verabschiedungen. Die Realität dessen, was ich tat, traf mich erst am Morgen unseres Fluges.
Ich stand in meinem halbleeren Schlafzimmer und starrte auf die letzten Dinge, die noch einzupacken waren. Mein Herz schlug schneller, erfüllt von einer seltsamen Mischung aus Aufregung und Nervosität. Das war es also. Ich ließ alles hinter mir – jede Straßenecke, jede schlechte Erinnerung, jeden Schatten von Ethan.
„Bist du fertig? Wir müssen jetzt los, sonst verpassen wir unseren Flug. Danny wartet schon im Auto“, rief Layla aus dem Wohnzimmer.
„Gib mir ein paar Minuten“, antwortete ich, während ich die letzten Kleidungsstücke in meine Tasche stopfte.
„Komm schon, Emily, wir sind spät dran. Ich will diesen Flug nicht verpassen“, drängte sie, ihre Stimme voller Dringlichkeit.
„Ich bin fertig“, verkündete ich, schwang die Tasche über meine Schulter und trat ins Wohnzimmer.
Sie musterte mich kurz, dann nickte sie zur Tür. „Los, bevor ich dich hierlasse.“
Wir eilten hinaus, zogen unser Gepäck hinter uns her, die Rollen ratterten über den unebenen Boden.
Als wir am Flughafen ankamen, hallte die Stimme des Ansagers durch die Halle. „Letzter Aufruf zum Boarding nach Belleza.“
„Wir verpassen den Flug“, jammerte Layla.
„Nicht, wenn wir rennen“, erwiderte ich und setzte mich in Bewegung.
Wir rannten, wichen Passanten aus und erreichten das Gate genau in dem Moment, als es geschlossen werden sollte. Atemlos und lachend über unser knappes Timing stiegen wir ein.
Als das Flugzeug die Startbahn entlangrollte, lehnte ich mich zurück, das Adrenalin noch in meinen Adern. Als die Räder den Boden verließen, überkam mich eine seltsame Ruhe. Das war der Moment, den ich mir monatelang herbeigesehnt hatte – der Moment, in dem ich mein altes Leben endlich hinter mir ließ.
„Emily, wach auf“, riss mich Laylas Stimme aus dem Schlaf.
Ich blinzelte, noch benommen, und sah sie lächelnd über mir stehen. „Du warst völlig weg. Ich wünschte, ich könnte im Flugzeug so schlafen wie du“, neckte sie.
„Wie lange war ich weg?“ murmelte ich und rieb mir die Augen.
„Lange genug, um den ganzen Flug zu verschlafen. Aber wir sind jetzt da, also los.“
Wir traten hinaus in die frische Luft von Belleza. Die Brise war kühler, klarer, und sie trug einen Hauch von Versprechen in sich.
Danny führte uns zum Auto, und während wir durch die Straßen fuhren, drückte ich mein Gesicht ans Fenster. Belleza war wunderschön – moderne Glasbauten ragten neben charmanten Kopfsteinpflasterstraßen empor, und überall war Grün zu sehen. Die Stadt fühlte sich lebendig an, auf eine Weise, wie es meine alte Stadt schon lange nicht mehr getan hatte.
„Wir sind da“, sagte Danny, als er vor einem hohen, cremefarbenen Gebäude mit eleganten schwarzen Balkonen hielt.
„Das ist es, Emily. Unser Wohnhaus“, verkündete Layla mit leuchtenden Augen.
Ich stieg aus und blickte hoch, beeindruckt von der schlichten Eleganz des Gebäudes.
Drinnen führte Layla mich die Treppen hinauf und blieb vor einer Tür stehen. „Ich wollte, dass es eine Überraschung ist“, sagte sie und schloss auf.
Als wir eintraten, blieb ich wie angewurzelt stehen. „Layla… das ist… wow.“
Die Wohnung war atemberaubend. Sonnenlicht fiel durch breite Fenster und legte sich wie goldener Staub auf den polierten Holzboden. Das Wohnzimmer war geräumig, luftig und in warmen Erdtönen eingerichtet.
„Das ist so viel besser als unsere alte Wohnung“, hauchte ich und drehte mich langsam im Kreis.
„Ich wusste, dass es dir gefallen würde“, sagte sie, ihr Lächeln ansteckend.
„Gefallen? Ich liebe es. Danke, dass ich dabei sein darf.“ Meine Stimme stockte leicht, und sie bemerkte es.
„Du musst mir nicht danken“, erwiderte Layla und zog mich in eine Umarmung. „Wir machen das gemeinsam.“
Ihre Worte legten sich wie ein Anker in mein Herz. Zum ersten Mal seit Langem fühlte ich mich nicht mehr, als würde ich treiben.
„Willkommen zu deinem Neuanfang, Emily“, flüsterte sie.
Und zum ersten Mal seit Ethan glaubte ich tatsächlich, dass ich einen haben könnte.