Kapitel 15 – Die Stimmen unter der Erde

1248 Words

Der Pfad wurde schmaler, je weiter Liora nach Osten vordrang. Das Gras wich steinigem Boden, die Bäume standen dichter beieinander, ihre Kronen verschlangen das Licht. Zwischen den Stämmen hing Nebel wie zerrissene Schleier, und selbst am helllichten Tag wirkte der Wald gedämpft, als würde er Geräusche verschlucken. Liora hatte gelernt, auf Stille zu achten. Nicht jede Stille bedeutete Frieden. Seit sie das Kloster verlassen hatte, trug sie eine neue Gewissheit mit sich. Das Herz der Finsternis war zerstört, doch das Gleichgewicht, von dem die Schriften gesprochen hatten, war kein starres Gesetz. Es war lebendig. Beweglich. Zerbrechlich. In der dritten Woche ihrer Reise begann sie, es wieder zu spüren. Zuerst war es kaum mehr als ein Zittern unter ihren Füßen, so schwach, dass sie es

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