Kapitel 4

1325 Words
Elizabeth Greene nickte und schickte sich an, Abby Harrison nach oben zu folgen. Robert Harrison warf seinen verbliebenen vier Söhnen einen Blick zu, fest entschlossen, sie davon abzuhalten, die Wiedervereinigung zwischen ihm und seiner Tochter zu stören. „Wenn ihr sonst nichts zu tun habt, geht in die Firma und konzentriert euch auf eure Arbeit.“ Verschwindet, macht schon, alle zusammen. Hier so rumzustehen? Es ist, als würdet ihr versuchen, die Aufmerksamkeit meiner süßen Tochter zu stehlen. Die vier Söhne: „...“ Nicholas Harrison: „Meine Kochkünste werden endlich von meiner Schwester probiert! Sobald sie einen Bissen von meinem Essen kostet, werde ich definitiv ihr Lieblingsbruder sein! Oh ja! (^ -^)V“ Abby Harrison interessierte sich nicht für die kleinen Ränkespiele ihres Mannes, aber eines war klar: Ihre Tochter gehörte ihr! Das Prinzessinnenzimmer im Obergeschoss war ohne Frage der größte Raum des gesamten Anwesens. Es befand sich im dritten Stock, direkt neben dem Hauptschlafzimmer. Elizabeth öffnete die Tür, und sofort fiel ihr Blick auf einen Raum, der komplett in Rosa gehalten war – ein völlig übertriebenes Prinzessinnen-Thema. Sogar das Bett schrie förmlich nach „niedlich“. Die ganze Atmosphäre? Nicht wirklich ihr Ding. Dennoch konnte jeder sehen, dass Abby ihr ganzes Herzblut hineingesteckt hatte. Alles im Zimmer – von den Möbeln bis zum Dekor – war erstklassig. Nicht nur importiert, sondern alles limitierte Editionen! Dazu gab es jede Menge Sammlerpuppen... Offensichtlich hielten sie sie wirklich noch für ein Kind. Abby Harrison sah Elizabeth Greene erwartungsvoll an. „Schatz, gefällt es dir? Wenn irgendwas nicht passt, kann ich es sofort ändern lassen.“ Ihr Blick brannte vor Eifer, wie bei einem Kind, das auf ein Lob wartet. Elizabeth wollte sie eigentlich bitten, das Bett abzubauen, aber als sie diesen Blick sah, brachten sie die Worte nicht über die Lippen. „Es gefällt mir. Es ist wunderschön. Nichts muss geändert werden, danke.“ Elizabeths Antwort war einfach, aber Abby war bereits überglücklich. „Hauptsache, es gefällt dir! Das ist alles, was zählt!“ Abby warf Robert Harrison einen triumphierenden Blick zu. „Siehst du? Ich habe dir doch gesagt, dass unsere Tochter es mögen würde! Aber du meintest ständig, sie würde das Bett nicht mögen. Schau es dir an – es ist bezaubernd! Das perfekte Prinzessinnenbett.“ Elizabeth zog eine Augenbraue hoch, als sie Robert, ihren „vorläufigen“ leiblichen Vater, ansah. Wer hätte gedacht, dass dieser Mann ihren Geschmack tatsächlich verstand? „Ja, ja! Du hast absolut recht. Du kennst sie am besten – ich habe gar nichts zu sagen!“, stimmte Robert sofort unterwürfig zu. Augenblicke zuvor hatte er das kurze Aufflackern von Abneigung in Elizabeths Augen bemerkt, als sie das Bett sah. Und doch hielt sie sich zurück. Das zeigte ihm, wie rücksichtsvoll sie gegenüber ihren Gefühlen war. Robert war darüber zutiefst gerührt! „Das hier wird von nun an dein Zimmer sein. Ich war heute draußen und habe dir eine neue Karte besorgt. Das Passwort und die Karte liegen auf dem Schreibtisch; darauf ist dein Taschengeld für diesen Monat. Am Ersten jedes Monats werden dein Vater und ich deinen Lebensunterhalt auf die Karte einzahlen“, sagte Abby Harrison herzlich und führte Elizabeth in den Raum. „Übrigens ist dieser Betrag nicht fix. Wenn du mal mehr brauchst oder etwas Großes kaufen willst, sag mir einfach Bescheid. Ich kann dir mehr überweisen oder es direkt kaufen!“ Schließlich kontrollierte Abby die Hälfte der Finanzen ihres Mannes – was konnte sie ihrer Tochter nicht ermöglichen? Als Elizabeth die Karte hielt, fühlte sie, wie ihre Handfläche warm wurde. Sie hatte keine Ahnung, wie viel Geld darauf war, aber nach dem eleganten schwarz-goldenen Design zu urteilen, war dies nichts, was normale Leute einfach so bekamen. „Danke, aber ich glaube nicht, dass ich viel Geld brauchen werde.“ Elizabeth ahnte nicht, dass ihre einfache Antwort von Abby und Robert Harrison völlig missverstanden wurde. Sie nahmen sofort an, dass sie im Hause Greene schlecht behandelt worden war und nicht einmal Geld für persönliche Ausgaben gehabt hatte. Allein der Gedanke schmerzte sie noch mehr für ihre Tochter! An der Türschwelle belauschten ihre Brüder das Gespräch und fanden sofort, dass ihre kleine Schwester viel zu höflich und rücksichtsvoll war. Ohne zu zögern, zückte Richie Harrison sein Handy, öffnete seine Banking-App und überwies 50 Millionen Dollar auf ihr neues Konto. „Ein Willkommensgeschenk für meine kostbare Schwester!“, dachte er. Der zweite Bruder, ein Mega-Star mit Einkünften, die einem Vermögen glichen, wollte nicht zurückstehen und überwies lässig ein paar Millionen, als wäre es Kleingeld. Nicholas Harrison, der keine Ahnung hatte, was seine Brüder trieben, war in der Küche voll konzentriert und kochte gewissenhaft für Elizabeth. Der vierte und fünfte Bruder hatten zwar nicht so viel Geld wie die Älteren, überwiesen aber jeweils 10 Millionen – der Wille zählte. Schließlich standen sie noch am Anfang ihrer Karrieren. „Du bist zu süß, aber hör mir zu: Das Geld, das wir dir geben, ist zum Ausgeben da. Je mehr du ausgibst, desto härter wird dein Vater arbeiten, um noch mehr zu verdienen. Versuch nicht, für ihn zu sparen, okay?“, versuchte Abby Harrison ihre Tochter mit mütterlicher Wärme zu überzeugen. Die harten Zeiten lagen hinter ihr. „Genau!“, pflichtete Robert bei. „Ich arbeite so hart, damit du und deine Mutter das Leben genießen könnt. Wenn du nichts ausgibst, was bringt es dann, all das Geld zu verdienen?“ „Ich... ich gebe wirklich nicht viel aus...“, stammelte Elizabeth verlegen. Sie war bei weitem nicht so mittellos, wie sie glaubten, aber alle schienen sich auf dieses Narrativ eingeschossen zu haben. „Elizabeth, die Greenes sind ein Haufen herzloser Leute. Von jetzt an wollen wir nichts mehr mit ihnen zu tun haben, okay?“, sagte Abby wütend. Sie hatte gehört, wie die Greenes Elizabeth ohne Zögern vor die Tür gesetzt hatten, als sie erfuhren, dass sie nicht ihre leibliche Tochter war. So eine Familie brauchte man nicht. Ursprünglich wollte sie die Greenes entschädigen, aber jetzt? Völlig unnötig. „Eigentlich war es bei den Greenes gar nicht so schlimm. Sie waren nur ziemlich gleichgültig. Keine Schläge oder Schreie. Ich hatte keine große Bindung zu ihnen. Früher dachte ich, es läge daran, dass sie Jungen bevorzugten, aber jetzt weiß ich, dass es einfach daran lag, dass ich nicht wirklich zur Familie gehörte“, erklärte Elizabeth ruhig. Zehn Jahre emotionale Vernachlässigung – sie hatte sich daran gewöhnt. „Das war trotzdem emotionaler Missbrauch! Sie haben dich gezwungen, im Stillen zu leiden! Diese Leute sind furchtbar!“, verdunkelte sich Roberts Gesicht vor Zorn. Elizabeth merkte, dass sie es nur schlimmer machte, je mehr sie versuchte, es zu erklären. Vergiss es, dachte sie. Es spielt keine Rolle mehr – warum die Mühe? Abby spürte wohl Elizabeths Unbehagen und wechselte mit einem strahlenden Lächeln das Thema. „Elizabeth, dein Kleiderschrank ist voll mit den neuesten Outfits der Saison. Wie wäre es, wenn du etwas Neues anprobierst? Oh, und das Essen deines dritten Bruders ist fantastisch – du musst heute ordentlich zuschlagen!“ „In Ordnung“, nickte Elizabeth gehorsam, „ich ziehe mich erst einmal um.“ Nachdem Abby und Robert das Zimmer verlassen hatten, verhärtete sich Elizabeths sanfter Gesichtsausdruck sofort. Sie streckte ihre Hand aus und betrachtete die Haarsträhne von Abby Harrison in ihrer Handfläche. Sie wählte eine Nummer. „Komm zum Harrison-Anwesen. Ich habe etwas für dich, das du abholen und testen musst. Ich will die Ergebnisse bis morgen haben.“ „Was für ein Test?“ „Ein DNA-Test.“ „... Das dauert mindestens drei Tage.“ „Spar dir den Unsinn. Ich gebe dir bis morgen Abend um sechs Uhr Zeit. Lass dir was einfallen.“ Elizabeth gab der Person am anderen Ende keine Chance zu widersprechen und legte entschlossen auf. Ohne groß nachzudenken, griff sie nach einem zufälligen Kleid aus dem Schrank, ohne das Design zu prüfen, und ging nach unten. Als die anderen sie sahen, waren sie völlig fassungslos.
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