Kapitel 3

1065 Words
Elizabeth Greene fühlte sich ein wenig verloren. Ehrlich gesagt fiel es ihr schwer, Richie Harrisons Worten Glauben zu schenken. So lange hatten sie und die Greenes wie Fremde nebeneinanderher gelebt – wie konnte es da Brüder geben, die ihre Schwester derart vergötterten? Vielleicht war es nicht völlig unmöglich, aber sie konnte den Gedanken nicht fassen, dass ausgerechnet ihr so etwas passierte. Ethan Greene war zwar in letzter Zeit nett zu ihr gewesen, aber das lag hauptsächlich daran, dass sie ihm bei seinen Geschäften geholfen hatte. Selbst dann fühlte es sich eher nach höflicher Dankbarkeit als nach echter Zuneigung an. Richie bemerkte Elizabeths leeren Blick, und ein Stich der Reue traf ihn. Was hatte seine Schwester bei den Greenes durchmachen müssen? Eigentlich sollte sie eine fröhliche kleine Prinzessin sein, aber jetzt wirkte sie so distanziert und verschlossen. Elizabeth wusste nicht, was sie sagen sollte. Beim Anblick ihrer Ratlosigkeit zog sich Robert Harrisons Herz zusammen, und er sagte sanft: „Schatz, lass uns nach Hause gehen, ja?“ Elizabeth nickte. „Okay.“ Schließlich wusste sie ohnehin nicht, wer ihre wahre Familie war, und diese Leute schienen es gut mit ihr zu meiden. Dieser sogenannte Vater... er schien sich wirklich um sie zu sorgen. Das Harrison-Imperium Als sie am Anwesen der Harrisons ankamen, verschlug es Elizabeth den Atem. Sie hatte gewusst, dass die Harrisons wohlhabend waren – aber das hier sprengte jede Vorstellungskraft. Konnte das wirklich wahr sein? War das das Harrison-Anwesen und war dies der Robert Harrison von der Starlight Group? Warte mal... bedeutete das, sie waren die reichste Familie auf dem gesamten Kontinent Y? Kein Wunder, dass Robert und Richie ihr so bekannt vorkamen; sie hatte ihre Gesichter definitiv schon auf den Titelseiten diverser Finanzmagazine gesehen. „Das ist unser Haus, und von jetzt an ist es auch dein Zuhause“, sagte Robert fast übermütig und gestikulierte umher. Seine Tochter endlich nach Hause zu bringen, schien sein persönliches Highlight des Jahres zu sein. Plötzlich erschien eine Frau am oberen Ende der Treppe. Ihre Präsenz war fesselnd – elegant, raffiniert und man sah ihr das Alter kaum an. Ehrlich gesagt hätte sie glatt als 35 durchgehen können, was völlig unmöglich schien, da ihr ältestes Kind bereits 27 war. Sie flog die Treppe fast hinunter und blieb vor Elizabeth stehen, ihr Blick voller Gewissheit. „Meine Tochter – mein Baby – du bist endlich zu Hause!“ Abby Harrisons Stimme brach leicht, ihre Augen röteten sich vor überwältigender Emotion, als sie Elizabeth fest in die Arme schloss. Während Abby sie drückte, stahl Elizabeth geschickt eine Haarsträhne von ihr und verbarg sie in ihrer Handfläche. „Ich... ich bin zurück“, murmelte Elizabeth und suchte nach Worten. Normalerweise war sie schlagfertig, aber jetzt war sie völlig sprachlos. Ein Filmstar als Bruder? „Hast du keine Angst, dass wir dich verkaufen oder so?“, scherzte sie innerlich. „Es ist gut, dass du da bist, wirklich“, sagte Abby Harrison unter Tränen. Zwanzig Jahre – zwanzig Jahre hatte sie auf diesen Moment gewartet. „Abby, es reicht jetzt. Du erschreckst Elizabeth noch. Sie braucht Zeit, um sich einzugewöhnen“, beruhigte Robert seine Frau und zog sie sanft in seine Arme. „Elizabeth, deine Mutter ist nun mal so. Sie hat zwanzig Jahre lang nur an dich gedacht. Nimm es ihr nicht übel, ja?“ „Ich habe keine Angst. Es ist nur... alles noch sehr neu für mich“, antwortete Elizabeth sachlich. Sie konnte nicht einfach von heute auf morgen „Mama“ und „Papa“ rufen. Was, wenn es am Ende wie bei den Greenes war – kalt und distanziert? „Schon gut, das ist völlig verständlich“, sagte Robert erleichtert. „Hey, du musst doch hungrig sein! Wie wäre es, wenn ich dir was zaubere?“, fragte Nicholas Harrison eifrig. Er wollte sie unbedingt zum Lächeln bringen. Irgendwann würde sie seine kleine, verwöhnte Prinzessin sein – da war er sich sicher. Alexander Harrison nahm unterdessen seine Maske ab und enthüllte sein markantes Gesicht, das direkt von einer Kinoleinwand stammen könnte. Elizabeth hielt inne, sichtlich überrascht. „Warte mal... bist du nicht dieser berühmte Schauspieler?“ Alexander erstarrte kurz, bevor sich ein selbstgefälliges Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete. Zum ersten Mal fühlte es sich richtig gut an, berühmt zu sein. Seine Schwester hatte ihn erkannt! „Du kennst mich also, hm?“, fragte er neckisch. Die anderen Brüder und Robert Harrison kochten vor Eifersucht. Dass ihre Schwester ausgerechnet den eitlen Schauspieler zuerst erkannte! Elizabeth schüttelte jedoch schnell den Kopf. „Ich ‚kenne‘ dich nicht wirklich. Aber die Zimmerwände meiner besten Freundin sind praktisch mit riesigen Postern von dir tapeziert. Es ist unmöglich, dein Gesicht zu vergessen.“ Die neue Realität Alexanders Lächeln gefror, während der Rest der Gruppe eine unerklärliche Genugtuung verspürte. Selbst der ernste Richie verzog die Mundwinkel. „Und warum kennt meine Schwester mich dann doch?“ „Meine beste Freundin ist dein absolut verrücktester Fan. Sie hat sogar ein lebensgroßes Kissen von dir in ihrem Bett“, erklärte Elizabeth und deutete die Größe mit den Händen an. Alexander: „...“ Fans waren heutzutage wirklich... intensiv. Nicholas brach in schallendes Gelächter aus. Alexander rieb sich genervt die Stirn. „Aber hey, ich habe zwei deiner Filme gesehen. Du bist wirklich ein guter Schauspieler“, schob Elizabeth schnell hinterher, um ihre Freundin nicht bloßzustellen. In Wahrheit hatte sie die Filme nur gesehen, weil ihre Freundin sie mitgeschleift hatte. „Kleine Schwester, sag uns jetzt endlich, was du essen willst!“, warf Nicholas wieder ein. „Ich bin nicht wählerisch“, antwortete Elizabeth. „Solange kein Koriander drin ist, esse ich fast alles.“ Bei den Greenes hatte sich nie jemand nach ihrem Geschmack erkundigt. Hier wollte sie sich nicht völlig verbiegen, aber auch nicht zu fordernd sein. Sie würde die Lage erst einmal ein paar Tage beobachten und prüfen, ob dies wirklich ihre Familie war. „Alles klar, Nick, du kochst, während ich unserer Schwester ihr Zimmer zeige“, klinkte sich Abner Harrison, der vierte Bruder, ein. Doch kaum hatte er das ausgesprochen, spürte er die „liebevollen Blicke“ seiner Eltern. Abby Harrison nahm Elizabeths Hand und lächelte: „Schatz, ich habe dein Zimmer persönlich vorbereitet. Schau es dir an und sag mir, ob es dir gefällt. Wenn dir irgendwas nicht passt, lassen wir es sofort ändern!“
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