Chapter 4

660 Words
Vincenzo Perspektive Er wachte jeden Morgen mit dem Wunsch auf, richtig zu handeln, ein guter und bedeutungsvoller Mensch zu sein und, so einfach es sich auch anhört und so unmöglich es war, glücklich zu sein. Und an jedem Tag sank sein Herz von seiner Brust in seinen Magen. Bis zum frühen Nachmittag war er von dem Gefühl überwältigt, dass nichts richtig war, oder nichts für ihn richtig war, und von dem Wunsch, allein zu sein. Am Abend war er erfüllt, allein in der Größe seines Kummers, allein in seiner ziellosen Schuld. Allein sogar in seiner Einsamkeit. „Ich bin nicht traurig“, wiederholte er immer wieder zu sich selbst. „Ich bin nicht traurig.“ Als ob er sich eines Tages selbst überzeugen oder sich selbst täuschen oder andere überzeugen könnte. Das Einzige, was schlimmer ist, als traurig zu sein, ist, wenn andere wissen, dass man traurig ist. Denn sein Leben hatte unbegrenztes Potenzial für Glück, insofern es ein leerer, weißer Raum war. Er würde einschlafen mit seinem Herz unter seinem Bett, wie ein domestiziertes Tier, das kein Teil von ihm war. Und jeden Morgen würde er mit ihm wieder im Schrank seines Rippenkastens erwachen, es war ein wenig schwerer geworden, ein wenig schwächer, aber es schlug noch immer. Und am Nachmittag war er wieder überwältigt von dem Wunsch, woanders oder jemand anderes zu sein. Jeder Mann hat seine geheimen Sorgen, die die Welt nicht kennt. Die Stille, die ihm folgte, wenn er das Café betrat, war eine schmerzhafte Erinnerung daran, was andere von ihm hielten. Rücksichtslos und kalt. Oft nennen wir einen Mann kalt, wenn er nur traurig ist. Das ist die bittere Wahrheit des Lebens. Niemand kümmert sich darum, was hinter verschlossenen Türen passiert, sie urteilen nur über das, was nach außen hin getan wird. Sein einziges Bedauern war, dass er die Vergangenheit nicht ändern konnte oder das, was sie aus ihm gemacht hatte, was die Einsamkeit in seinem Herzen schuf. Millionen von Menschen wollten in seiner Nähe sein, aber nur wenige kümmerten sich wirklich um ihn. Seine Familie – Vater, Mutter, zwei Brüder, eine Schwester und sein Sohn – sind seine Familie, nicht die, die sich Verwandte nennen. Alle anderen wollten nur etwas von ihm, meistens sein Leben. Er hatte nie geglaubt, dass sein Herz wieder schlagen könnte, bis er sie sah. Ein zerbrechliches, schüchternes und sanftes Mädchen, das sein Herz zum ersten Mal seit Jahren wieder schlagen ließ. Sie hatte eine skulpturale Figur, die dünn wie Draht war. Ihre Taille war schmal, und sie hatte einen goldenen Teint. Ein Paar geschwungene Augenbrauen blickten auf ihre langen Wimpern. Ihre zarten Ohren umrahmten eine kleine Stupsnase. Ein strahlendes Set von engelsgleichen, weißen Zähnen blitzte auf, als sie sanft auf ihre karminroten Fingernägel blies. Es war ein Genuss, ihr fließendes, erdbeerblondes Haar zu sehen. Ihre verführerischen, himmelblauen Augen blickten ihn über ihre vollen, herzförmigen Lippen hinweg an. In seinen Augen sah sie aus wie eine Halbgöttin, ihre zarte Figur verführte ihn, sie für immer in seinen Armen zu halten. Und wenn sie lächelte, wäre er fast ohnmächtig geworden, so dass ihm der Atem ausging. Ihre Stimme war so zuckerhaltig, dass sie jedes steinerne Herz schmelzen konnte – sogar das seine, das aus Felsen zu bestehen schien, schmolz allein bei ihrer Stimme. Wer ist sie?, dachte er bei sich. Ein Engel, antwortete er sich selbst. Er wollte sie, und der Gedanke, dass sie mit einem anderen zusammen sein könnte, brachte sein Blut zum Kochen. Sie könnte die Einsamkeit und Bitterkeit auslöschen, die er fühlte. Er könnte sie einfach nach Hause ziehen, aber er entschied sich dagegen. Sie verdiente etwas Besseres als das, aber in seinem Herzen wusste er, dass sie nicht freiwillig bei ihm sein würde. Er war schließlich der Don der Mafia, ein Mädchen wie diese Engel würde nicht bei ihm sein, und deshalb würde er sie sich mit Gewalt nehmen. Er würde alles tun, um sie an seiner Seite zu behalten, und niemand konnte ihn davon abhalten.
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