Sag mir, wie du dich fühlst - 1

1390 Words
Nick Santos beobachtete seine gelassen wirkende Assistentin und zog eine Augenbraue hoch. Er hatte nicht erwartet, dass eine Frau sich so verhalten würde, wenn sie nach Hause käme und eine solche Szene vorfände. „Hat sich deine Sicht auf die Dinge jetzt geändert?“, fragte er und biss sich auf die Zunge, um nicht zu lachen. „Ja. Ich hoffe, sie alle rächen sich an ihren fremdgehenden Typen.“ „Ist es das, was du jetzt tun willst? Dich rächen?“ Er betrachtete sie, während sie das Bettzeug abzog. Dabei war sie besonders darauf bedacht, nicht die Stelle zu berühren, die noch ganz durchnässt vom s*x der beiden Verräter war. Dann warf sie das Bettlaken auf den Boden. „Ich weiß nicht. Das ist nicht das erste Mal, dass Freunde mich hintergehen. Aber ich hätte es nicht von ihr erwartet. Ich habe alles für sie gemacht. Sie war für mich wie eine Schwester.“ Sie starrte auf das Bett und seufzte dann laut. „Das kann man nicht wieder in Ordnung bringen, oder?“ „Die wichtigere Frage ist: Wirst du in Ordnung sein?“ „Ja. Sie hat meinen Wein nicht getrunken, also werde ich die Flasche leeren und dann in meinem Gästezimmer schlafen. Morgen kaufe ich eine neue Matratze und neue Bettwäsche. Aber verdammt, ich mochte diese wirklich. Es war mein Weihnachtsset.“ Sie stieß es mit dem Fuß an, bevor sie auch die Kissenbezüge abzog und auf den Haufen warf. „Ich habe es in diesem niedlichen kleinen Laden in meiner Heimatstadt gekauft.“ „Heimatstadt?“ „Ja, ich komme doch aus einem kleinen Ort im Alpenvorland.“ „Fährst du da auch über Weihnachten hin? Du fährst doch am Dienstag, richtig?“ Er war immer noch verärgert, dass sie sich die gesamten Feiertage freigenommen hatte. In seiner Familie stand Urlaub, besonders zu dieser Jahreszeit, nie auf der Agenda. Doch in den letzten fünf Jahren nahm sie sich immer eine Woche vor Weihnachten Urlaub und kam erst am ersten Arbeitstag nach Neujahr zurück. Dieses Jahr nahm sie sechzehn volle Tage, weil die Personalabteilung ihr gesagt hatte, dass sie ihren Resturlaub noch aufbrauchen müsse. Denn früher im Jahr hatte Nick zwei ihrer Urlaube kurzfristig gestrichen. „Ja.“ Sie gab ein nicht gerade ladylikes Schnauben von sich. „Wenn ich jetzt daran denke, dass meine Mutter mich gebeten hat, Arlo mitzubringen. Der erste Mann, den ich seit Ewigkeiten ernsthaft gedatet habe. Sie war schon so aufgeregt, ihn zu treffen, obwohl ich ihr eine Million Mal gesagt habe, dass es noch nicht an der Zeit ist. Es hat sechs Monate gedauert, bis ich mich in seiner Nähe genug entspannt habe, um mit ihm zu schlafen. Aber dann komme ich fünf Tage später nach Hause und muss dabei zusehen, wie er mich betrügt. Ich hätte meinem Bauchgefühl vertrauen sollen. Ich hoffe, sein Schwanz ist wirklich gebrochen. Ist es falsch, einem Mann ein Leben voller Schmerzen da unten zu wünschen?“ Sie setzte sich auf die Bettkante und schaute auf das Weinglas, das sie auf den Nachttisch gestellt hatte. „Vielleicht warte ich einfach, bis ich nach Hause komme, und schaue dann, ob eine der Freundinnen meiner Mutter eine Weihnachtsdecke hat, die sie noch nicht verkauft hat. Sie stellen zu Weihnachten immer so wunderschöne Decken her, die sie dann meist für einen guten Zweck verkaufen. Ich mochte diesen Bettbezug wirklich!“ „Dich scheint der Verlust des Bettbezugs mehr zu stören, als die Situation hier gerade.“ Er fand ihre Reaktion auf das Ganze wirklich verwirrend. Sollte sie nicht weinen und mit Dingen um sich werfen? Wenn es eine seiner Schwestern gewesen wäre, die das durchgemacht hätte, würden jetzt Dinge aus den Regalen fliegen und die beteiligten Personen hätten weit schlimmere Verletzungen als nur einen gebrochenen p***s. „Hazel hat mir gesagt, mein Herz wurde von meinem ersten Freund so sehr gebrochen, dass es irreparabel ist. Daher halte ich jeden Mann, den ich date, zu sehr auf Abstand. Weil ich Angst habe, erneut verletzt zu werden. Sie nennt mich aus Spaß Eiskönigin. Sie hat wahrscheinlich recht. Ich habe Schwierigkeiten, Menschen zu vertrauen. Und jetzt weiß ich auch warum! Ich habe ihn sechs Monate lang gedatet. Wir hatten in dieser Zeit vielleicht zehn oder elf Dates und ich habe ihr am Samstag gesagt, dass ich dachte, mein gefrorenes Herz könnte langsam auftauen. Wir haben ein Date für Samstagabend abgemacht und Hazel hat mir sogar geholfen, mich fertig zu machen, und mir gesagt, ich solle aufhören, mich zurückzuhalten und endlich nachgeben. Sie saß genau hier.“ Sie winkte zu ihrem Bett. „Es war am Sonntagnachmittag. Da ließ sie mich ihr erzählen, wie alles gelaufen ist.“ Plötzlich traf sie der Verrat ihrer Freundin. „Es tut weh, zu erfahren, dass sie schon wusste, wie er im Bett ist. Weil sie ihn vor mir gebumst hat!“ Sie wischte sich eine einzelne Träne von der Wange. „Ihr Verrat tut viel mehr weh als seiner. Wie konnte sie mir das nur antun?“ „Vielleicht aus Eifersucht? Sie will mich und du arbeitest für mich. Das hat sie gesagt.“ Allein die Vorstellung daran ließ ihn erschaudern. „Sie könnte leicht besessen von Ihnen sein.“ Grier verzog das Gesicht. „Egal, wie viele unschöne Wahrheiten ich ihr über Sie erzähle. Sie liest viele dieser Liebesromane mit dem rauen CEO und der unschuldigen Empfangsdame. Allerdings ist sie nicht so unschuldig, wie sie tut.“ „Warum hat sie gesagt, dass du ihr den Job gestohlen hast?“ Er wollte das Thema wechseln, denn es machte ihn kribbelig. „Sie hatte sich am Tag der Ausschreibung für den Job als Ihre Verwaltungsassistentin beworben. Sie arbeitet am Empfang im Foyer des Gebäudes und hat einen Abschluss in Büromanagement. Ich arbeitete als Verwaltungsassistentin von Herrn Pink in der Finanzabteilung und war zufrieden mit meinem Job. Also hatte ich mich nicht beworben. Doch dann kam Ihre scheidende Verwaltungsassistentin mit viel zu vielen Dingen in den Händen durch die Tür.“ Sie warf ihm einen genervten Blick zu und er hatte keinen Zweifel daran, dass er ihr das in den letzten Jahren auch oft angetan hatte. „Und dann habe ich ihr halt kurz geholfen. Wir kamen ins Gespräch und sie bestand darauf, dass ich meinen Namen in die Bewerberliste eintrage. Das tat ich allerdings nicht. Als sie das dann herausfand, schrieb sie meinen Namen selbst auf die Liste. Sie meinte, ich wäre besser geeignet als alle anderen Kandidatinnen, weil sie und ich uns in der Persönlichkeit ähneln würden.“ „Ich hätte dich sofort eingestellt, aber wegen der Personalabteilung mussten wir die restlichen zehn Interviews leider auch noch führen. Es war eine Tortur. Ich wusste, was ich wollte, aber wegen der Personalrichtlinien musste jeder seine faire Chance bekommen. Es hätte ja noch jemand Besseren geben können. Was natürlich Blödsinn war. Es gab keine Bessere.“ Er hielt inne. „Also arbeitet Hazel am Empfang, ja?“ Er konnte sich wirklich nicht daran erinnern, sie jemals dort gesehen zu haben. Allerdings schenkte er den Empfangsdamen auch nicht allzu viel Beachtung. „Ja.“ „Und sie will wirklich mit mir schlafen?“ Er war völlig beleidigt von der Vorstellung. Was dachte sich dieses Mädchen? „Stört es Sie etwa?“ „Du siehst doch, wie viel Lippenfüller sie in ihren Lippen hat, oder? Als ihre Freundin, hast du ihr nicht gesagt, dass volle Lippen zu haben nicht bedeutet, dass ihre Lippen kurz vorm Explodieren stehen sollen? Ich würde sie nicht einmal in die Nähe meines Schwanzes lassen. Möglicherweise würden ihre Lippen dann explodieren und ich hätte eine Klage am Hals. Und auch ihre Haare. Hast du ihre Haare gesehen? Ich wette, wenn man eine Handvoll nimmt, knirscht es. Warum sind ihre Haare überhaupt so blond? Ihre Haarwurzeln haben doch offensichtlich die Farbe meiner Schuhe.“ „Lassen Sie alles raus ...“ „Ich habe auch keinen Bedarf an einer Frau, die ihre eigene Freundin so hintergeht. Mir ist egal, was ihre Ausrede ist, wenn du sie wieder als Freundin aufnimmst, werde ich dich so schnell feuern, dass dir schwindelig wird. Ich werde gerne für die unrechtmäßige Entlassung zahlen.“ Er meinte es ernst. Er würde es nicht tolerieren, eine Assistentin zu haben, die sich wie Dreck behandeln ließ. Sie musste stark sein. Und sich von solchen Blutegeln aussagen zu lassen, würde keinen guten Eindruck machen.
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