Marabellas Sichtweise
Luca zeigte mir das Innere der Villa. Sie war wunderschön mit gelben und grünen Tönen an den Wänden, Buntglasleuchten und Kunstwerken aus dem späten 18. Jahrhundert.
„Dieser Ort ist wunderschön, Luca. In welchem Jahr wurde er gebaut?“, fragte ich und schaute mit purer Faszination und Neugierde in seine fesselnden grauen Augen. Luca lachte, der Klang ließ mein Herz flattern und Schmetterlinge in meinem Bauch schwärmen.
„Er wurde 1889 von meinem Ur-Ur-Großvater gebaut. Er wollte etwas hinterlassen, das über Generationen weitergegeben werden könnte“, erklärte er stolz, sein Stolz war in seinen Augen und seiner Stimme zu spüren.
„Das hat er auf jeden Fall geschafft“, kommentierte ich, völlig überwältigt von dem Haus. „Luca, ich habe noch nie ein so schönes Zuhause gesehen, geschweige denn so groß“, quietschte ich. Er hatte mir einen Spielraum, zwei Wohnzimmer, ein Theaterzimmer und ein riesiges Esszimmer gezeigt.
Und jetzt führte er mich durch einen prächtigen Saal zu einer doppelten Reihe großer Eichentüren, die am Ende des Flurs thronten. Luca lachte, als er eine der Türen für mich öffnete, damit ich eintreten konnte.
Ich wurde von einem prächtigen Ballsaal begrüßt, in dem ein großer Kristallleuchter von der hohen Gewölbedecke hing. „Heilige Scheiße“, murmelte ich, während ich mich im Kreis drehte und den riesigen Raum auf mich wirken ließ.
Ein Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus. Ich spürte Lucas starken Arm um meine Taille, der mich herumwirbelte, um mich ihm zuzuwenden, und dann wurde ich fest gegen seine Brust gezogen. „Kannst du tanzen, amore (Liebling)?“, fragte er mit tiefer Stimme und mein Herz setzte einen Schlag aus.
Ich kicherte nervös, „Absolut nicht“, erwiderte ich gedehnt. Luca brach in ein tiefes, melodisches Lachen aus, warf seinen Kopf zurück, als seine Schultern mit seinem Lachen hoben. Mein Atem stockte, als sein Lachen Stromschläge durch mich schickte. Ich legte meine Hände auf seine Brust und lächelte sanft bei dem Gefühl, das ich in seiner Nähe empfand.
Warum fühle ich mich so? Glücklich, zufrieden, sicher und wertgeschätzt.
Ich habe das Gefühl, dass er wirklich ein Leben mit mir führen möchte. Aber warum? Meine Mutter hat mich an ihn verkauft. Nun gut, sie hat mich für ihre Schulden getauscht, also dasselbe, oder? Waren das seine Bedingungen oder ihre? Hatte er geplant, mich von Anfang an als Braut zu nehmen? Oder war es auch für ihn eine Überraschung?
„Wenn du dir Sorgen machst, tanzen zu können, kann ich es dir beibringen, meine Süße“, klang seine Stimme tief und von Besorgnis geprägt. „Ich wette, du könntest das“, antwortete ich leise mit einem kleinen Lächeln.
„Sag mir, was in diesem schönen Kopf von dir vorgeht?“, fragte er, sein Atem kitzelte mein Ohr. „Hast du meine Mutter um mich gebeten?“, meine Stimme wurde leise, während eine kleine Angst in meiner Brust aufstieg.
Luca zog sich zurück und betrachtete mein Gesicht, studierte mein schüchternes Auftreten. „Nein. Aber wenn sie es nicht angeboten hätte, hätte ich es getan“, antwortete er ehrlich und zog seinen Griff um mich enger. Mein Herz begann schnell zu schlagen. Warum wollte er mich?
„Warum?“, flüsterte ich. Luca berührte mein Kinn mit seinen Fingern und legte seinen Daumen unter meine Lippe, hob meinen Kopf, um mich anzusehen. „Weil ich noch nie jemanden wie dich getroffen habe. Keine Frau hat es geschafft, meine Aufmerksamkeit schon nach wenigen Sekunden, als sie durch die Haustür trat, zu erregen. Aber du hast es geschafft“, flüsterte er.
Sprachlos starrte ich ihn an. Wie konnte ich seine Aufmerksamkeit erregen? Ich bin ein Niemand, aus einem drogenverseuchten Zuhause, der hart arbeiten musste, um überhaupt zu essen. Ich verstehe nicht, wie ich seine Aufmerksamkeit erregen konnte.
„Hey“, flüsterte er und brachte damit meine Blicke auf ihn zurück. „Darf ich dich jetzt etwas fragen?“, seine Stimme war verletzlich, als er seinen Kopf zur Seite neigte. Ich nickte leise, während ich ihn erwartungsvoll ansah. „Warum hast du keine Angst vor mir?“, sagte er.
Ich zuckte mit den Schultern und legte meine Arme um seinen Hals. „Sollte ich?“, fragte ich spielerisch. Luca runzelte leicht die Stirn. „Ich hatte Männer mit gezogenen Waffen in deinem Haus, Marabella“, murmelte er, als wäre er von seinen eigenen Worten beschämt.
„Sie waren nie auf mich gerichtet. Mir wurde sogar eine geliehen“, rechtfertigte ich mich mit einem weiteren Schulterzucken. „Mara“, sagte er mit fester Stimme, als er meine Taille drückte. „Es ist schwer zu erklären, Luca“, seufzte ich, während meine untere Lippe vorwurfsvoll vorgeschoben wurde. Luca rieb fest über meine Lippe mit seinem Daumen. „Versuch es“, befahl er.
Ich seufzte und schaute auf seine Brust, nur um mein Kinn erneut angehoben zu bekommen. „Als meine Augen gestern Abend auf dich trafen, sah ich keine Feindseligkeit oder spürte Gefahr. Tatsächlich fühlte ich mich … sicher“, flüsterte ich.
„Das warst du. Sobald du durch diese Eingangstür gegangen bist“, stimmte er sanft zu. „Ich fühle mich anders in deiner Nähe, Luca. Deine Familie ist … erstaunlich. Ich … ich weiß nicht“, stolperte ich über meine Worte. „Ich fühle mich auch anders mit dir, Mara. Du bringst Gefühle an die Oberfläche, die ich noch nie gespürt habe“, gestand er leise.
Mein Herz machte einen Sprung bei seinem Geständnis. Ich hatte Angst, dieses Gespräch zu führen, aber jetzt bin ich froh, dass wir es getan haben. Luca beugte sich vor, strich sanft mit seinen Lippen über meine, bevor er sie in einem langsamen, leidenschaftlichen Kuss versiegelte.
Meine Hände ruhten an seinem Nacken, während unsere Lippen sich berührten. Lucas Zunge strich über meine untere Lippe, und dieses Mal öffnete ich meinen Mund ohne zu zögern und traf seine Zunge mit meiner.
Der Kuss wurde grober, dominanter, als Lucas Finger in mein Haar am Nacken griffen und sich festzogen, was mir ein leises Stöhnen entlockte. Ich fuhr mit meinen Fingern den Nacken entlang und in sein schwarzes, seidiges Haar.
Luca stöhnte und zog mich näher an seine Brust, indem er meine Taille festhielt. Unsere Lippen verschmolzen miteinander, während sich eine Hitze in meinem Inneren bildete. Lucas Hand legte sich flach auf meine Hüfte, bevor er sie grob packte, was ein wollüstiges Stöhnen aus meiner Brust entweichen ließ.
„Wow, inmitten des Ballsaals?“, unterbrach uns eine vertraute, nasale Stimme. Luca stöhnte, als er langsam meine Lippen losließ, um Zera anzustarren. Ein Wimmern entwich mir protestierend, was sofort Lucas Aufmerksamkeit zurück auf mich zog. Seine Augen verengten sich auf meine Lippen, bevor seine dunklen Augen meine trafen.
Mein Atem stockte angesichts der Warnung in seinem Blick. Seine Pupillen waren geweitet und verliehen seinen rauchgrauen Augen eine dunklere Aura. Seine Augen trugen eine Warnung in sich, eine Warnung, nach der mein Körper sich sehnte, zu entdecken.
Luca brach den Blickkontakt und starrte Zera an. „Was machst du hier, Zera?“, klang seine Stimme kalt und distanziert. Seine Hand war immer noch in meinem Haar verankert, während sein Arm mich mit Wut umklammerte.
„Mir wurde gesagt, dich darüber zu informieren, dass Snacks bereit sind“, sagte Zera und heuchelte Süße. „Nein. Ich meine in meiner Villa, auf meinem Grundstück. Warum bist du hier?“, betonte er mit deutlichem Ärger in seiner Stimme.
Zeras Gesicht verzog sich überrascht, gemischt mit etwas Angst. „Oh. Ich wollte nur meinen Kindheitsfreund besuchen“, sprach sie mit falscher Fröhlichkeit. „Carlo ist nicht in diesem Raum und ich persönlich denke, er ist heute genug von dir satt. Geh. Geh nach Hause“, sagte Luca emotionslos. Ich presste meine Hand fester um seinen Bizeps, während die andere immer noch in seinem Haar ruhte.
Lucas Blick wanderte zu mir und ein verführerisches Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. Zera stand immer noch da und starrte fassungslos in unsere Richtung. Ihr Gesicht war jeglicher Farbe beraubt. Ich drehte meinen Kopf, um sie anzuschauen. Lucas Hand folgte meiner Bewegung, blieb aber in meinem Haar ruhen.
„Er hat dir gesagt zu gehen“, wiederholte ich und ließ den Abscheu, den ich für diese Schlampe empfand, in meine Worte einfließen. Zeras Kiefer spannte sich an, bevor sie spöttisch schnaubte. Sie drehte sich auf ihren Stiletten um und stampfte aus dem Ballsaal, während meine Blicke Löcher in den Hinterkopf bohrten.
Als ich zu Luca zurückschaute, hatte sich sein Grinsen vertieft. „Was?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue. Luca lachte, zog meinen Kopf zu sich und versiegelte unsere Lippen in einem rauen, dominierenden Kuss. Als er sich zurückzog, legte er seine Stirn auf meine.
„Du überraschst mich immer wieder, bellissima (Wunderschöne)“, flüsterte er, dabei kräuselten sich seine Lippen leicht vor Amüsement. „Lass uns unsere Besichtigung beenden, ja?“, schlug er sanft vor und gab mir einen sanften Kuss auf die Lippen.
Ich nickte demütig und ergriff seine Hand. Luca führte mich den Flur entlang. Wir bogen am Ende nach rechts ab und gelangten direkt zu einer großen Eichentür.
Der Geruch alter Bücher stieg in meine Nase, als Luca die Tür öffnete. Das Erste, was mir auffiel, waren Regale von Boden bis zur Decke, randvoll mit verwitterten Büchern. „Wow, Luca“, sagte ich und nahm die Vielfalt der Genres wahr. „Ich glaube, das ist mein neuer Lieblingsraum“, flüsterte ich, während ich meine Finger über die Buchrücken gleiten ließ.
„Das dachte ich mir“, erklang Lucas tiefe Stimme in der stillen Bibliothek. Ich lächelte, während ich durch jede Reihe ging. Jedes Genre war in diesem Raum vertreten - Literatur, Belletristik, Sachbücher, Nachschlagewerke - alles war hier zu finden.
„Luca?“, fragte ich leise und drehte mich zu ihm um. Lucas Augen hatten mich festgenagelt, während er an der Tür stand. Er kam auf mich zu und sagte, „Ja, amore (Liebling)?“, mit einer sanften und verführerischen Stimme.
„Darf ich noch arbeiten?“, fragte ich nervös. „Nicht bei Nicks“, antwortete er streng und verschränkte die Arme vor der Brust. „Das weiß ich. Ich meine allgemein“, fragte ich. Dann dämmerte es mir, dass ich ihm nie erzählt hatte, wo ich arbeite.
„Warte mal“, sagte ich und warf Luca einen skeptischen Blick zu. „Ich habe dir nie erzählt, wo ich arbeite. Wie wusstest du das?“, fragte ich. Lucas Gesicht verzog sich zu einem Ausdruck des „Oh Scheiße“, bevor er es versteckte, aber nicht schnell genug, dass ich es nicht gesehen hätte.
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust, während er seine entfaltete. Ich war nicht wütend auf ihn. Ich hatte damit gerechnet, dass er alles über mich herausfinden würde, aber ich wollte, dass er es mir eingesteht.
„Ich habe deine Uniform erkannt“, versuchte er sich zu retten. Ich hob eine Augenbraue. „Oh, wirklich?“, neckte ich ihn. „Weil ich mich genau daran erinnere, wie du gesagt hast und ich zitiere, ‚Woher kommst du so angezogen?‘“, imitierte ich ihn und versuchte seine tiefe Stimme nachzubilden.
Lucas Gesicht brach in einem breiten Grinsen aus, als er mich gegen das Bücherregal drückte. Er stützte seine Hände auf beiden Seiten meines Kopfes gegen das Regal und umschloss mich mit seinen Armen. „Das war verdammt süß“, knurrte er.
Ich legte meine Hand auf seine Brust und zwang ihn, auf meine Hand hinunterzuschauen. „Du versuchst, das Thema zu ändern“, schmollte ich.
Luca sah wieder zu mir auf und grinste. „Ich habe eine Akte über dich“, flüsterte er neckend. „Und wo ist meine Akte über dich?“, fragte ich und zog eine Augenbraue hoch. Luca grinste, während er sich meinem Ohr näherte. „Du bekommst keine“, sagte er.
Ich runzelte die Stirn und drehte mein Gesicht zu ihm. „Das ist nicht sehr fair, oder?“, fragte ich traurig. „Ich werde jede Frage beantworten, die du stellst“, rechtfertigte er sich. „Das würde ich auch“, entgegnete ich. „Würdest du?“, fragte er skeptisch, während er sich zurückzog, um mein Gesicht anzusehen.
„Ja“, runzelte ich die Stirn und behielt meine Position bei. „Würdest du mir also von deinem Studium erzählt haben oder davon, dass du alleine die Rechnungen im Haus deiner Mutter zahlst?“, fragte er und zog misstrauisch eine Augenbraue hoch. „Ja. Deshalb fragte ich, ob ich arbeiten darf. Ich wollte zu den anderen Dingen kommen“, antwortete ich und ließ meine Ehrlichkeit mit meinen Worten fließen.
„Und würdest du mir von deiner Krankenakte erzählt haben?“, fragte er und bohrte seine Augen in mich. Mein Herz blieb in meiner Brust stehen, während mein Gesicht die Farbe verlor. Hat er auch meine Krankenakte? Natürlich hat er sie.
„Jetzt verstehe ich besser, warum du wolltest, dass Carl tot ist“, flüsterte er leise. Ich wandte schuldbewusst meinen Kopf ab. Das waren nicht die einzigen Male, in denen Carl mich verletzt hatte. Das waren nur die Zeiten, in denen es so schlimm war, dass ich keine andere Wahl hatte, als ins Krankenhaus zu gehen, weil ich mich nicht selbst behandeln konnte.
Lucas Finger umfassten mein Kinn. Er drehte meinen Kopf und zwang mich, ihn anzusehen. „Erzähl mir“, seine Stimme war tief und forderte. Ich schüttelte langsam meinen Kopf. „Nein. Nein, ich hätte es dir nicht erzählt“, gestand ich leise.
Lucas Nasenflügel bebten. „Warum?“, fragte er, Verletzung in seinem Ton mitschwingend. „Weil es der Vergangenheit angehört. Es spielt keine Rolle mehr. Hat es eigentlich nie“, antwortete ich feierlich. Luca runzelte tief die Stirn. „Natürlich spielt es eine Rolle. „Alles an dir zählt. Deine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie alle zählen, besonders für mich“, sagte er leise, während er seinen Daumen sanft über meinen Kiefer strich.
„Kann ich dich etwas fragen?“, flüsterte er. Ich nickte und schaute ihn erwartungsvoll an. „Hat er auch deine Mutter geschlagen?“, fragte er sanft. Ich befreite mein Kinn aus seinem Griff und schaute wieder weg.
Nein, verdammt nochmal. Das hat er nicht. Ich war der Prügelknabe, weil er mich nicht ficken konnte. Was zum Teufel? Wie soll ich das meinem zukünftigen verdammten Ehemann sagen? Jeder ihrer Freunde war so. Denn das war die Regel meiner Mutter. Als Gegenleistung durften sie ihren Ärger an mir auslassen, um sie glücklich zu halten.
Tränen stiegen mir in die Augen. Ich schloss sie fest und konzentrierte mich auf meine Atmung. Verdammt. Nicht hier. Nicht jetzt. Ich schüttelte den Kopf, während die Enge um meine Brust mich ergriff. Verdammt. Hilf mir.