Zwei

1554 Words
Sheilas Sicht Ich zitterte heftig. Meine Angst und Verwirrung waren in meinem Gesicht abgebildet. Ich sah zu den Kriegern um mich herum, meine ängstlichen Augen trafen die meines Gefährten. Sein steinerner Ausdruck schwächte mich umso mehr. Auf Killians Befehl wurde ich grob an beiden Armen von den Kriegern gepackt. Mein gebrochener Blick weigerte sich, von Killians abzuweichen. „Was bedeutet das?“ Meine Stimme kam als Flüstern heraus und verriet total meine Gefühle. „Ich bin deine Gefährtin.“ Die Worte verließen meine Lippen und ich sah zu, wie sie vor Killians frostigem Blick zerbrachen. Aber ihm schien das nicht zu kümmern. Das war ihm egal. „Das wird dir genau zeigen, wie du dich in meinem Rudel verhalten sollst.“ Er betrachtete mich mit eisigen Blicken. „Nimm sie!“ Seine kalten Worte durchbohrten mich tief an der empfindlichsten Stelle, während er seine Arme um die andere Frau, seine Geliebte, hatte. Ich wurde ins Schloss geschleppt, durch die Korridore geführt und in ein dunkles Verlies geworfen, und die hölzerne Tür knallte hinter mir zu. Ich stürzte auf den harten, kalten Boden, während die Dunkelheit um mich herum kreiste. Wie gelähmt stand ich da und konnte immer noch nicht über diesen Moment hinwegkommen, den eisigen Blick meines Gefährten. Sein Hass und seine Wut mir gegenüber konnten nicht versteckt werden. Ich wusste nicht, wann sich Tränen in meinen Augen sammelten und sie sorglos aus meinen Augen rollten. Er hasste mich! Mein eigener Gefährte hasste mich! Ich brachte meine Hände in mein Gesicht und schluchzte hemmungslos. Das letzte Mal, dass ich mich so verletzt und gebrochen, mit Tränen in den Augen fühlte, war, als ich erst zwölf Jahre alt war und von meinem Vater gefoltert wurde, weil ich mit den Bediensteten gesprochen hatte. Ich wurde viel schlimmer gefoltert als jetzt, aber das tat nicht einmal so weh. Ich kauerte mich an die kalten Wände und schluchzte in der Dunkelheit. Ich hatte keine Ahnung, wann ich in der Dunkelheit eingeschlafen war. Ich wachte von der ohrenbetäubenden Stille auf, die durch die Wände hallte. Es gab keine Möglichkeit zu wissen, wie lange ich hier unten gewesen war. Es war kalt und was auch immer ich saß, ließ meinen Körper schmerzen. Der Boden war hart und feucht. Die kalte Luft um mich herum ließ mich zittern. Alles, was ich tun konnte, war im Dunkeln lange Zeit zu warten. Gleichzeitig knackte die große Holztür laut, und ein sehr helles Licht erhellte den Ort. Ich musste meine Hand hochziehen, um meine Augen vor dem Licht zu schützen, und als ich mich an die Umgebung gewöhnt hatte, schaute ich auf und sah Killian. Mein Atem stockte, blieb mir im Hals stecken. Seine große und dominierende Gestalt kam näher, während ich mich zwang, meine Beine zu erheben. Er war so groß, dass ich meinen Blick nach oben richten musste. Ein Flimmern roher Emotionen, die ich als Hass und Ekel erkannte, drückte auf mich herab. Ich krallte mich an dem seidigen Stoff meines Kleides fest und kämpfte gegen den Drang, zu weinen. „Lasst uns eines klarstellen. Ich habe nur eine Frau in meinem Leben, und das ist Thea, und niemand sonst.“ Seine Stimme war brutaler als der lebensgefährliche Winterwind und schärfer als jedes Schwert in meiner Brust. „Du bedeutest mir nichts, Sheila Callaso. Absolut nichts!“ Er betonte jedes Wort, das in den Wänden meines Kopfes widerhallte und mich tötete. „Ich habe ein paar Regeln, wie ich mein Rudel führe. Jeder hat sich daranzuhalten, und das schließt dich ein. Wenn du dich an diese Regeln hältst, wird dein Aufenthalt in meinem Rudel erträglich, bequem und lebenswert sein.“ Seine Stimme war so tief und so sanft, mit einem leichten Akzent. Ich könnte ihm den ganzen Tag zuhören, auch wenn er so erbarmungslos klingt. Ich schwieg. Ich konnte meiner eigenen Stimme nicht trauen, dass sie mich nicht verrät. Stattdessen hörte ich ihm zu, wie ein gehorsamer kleiner Wolf. „Erstens“, begann er, „sprichst du nur, wenn du angesprochen wirst. Zweitens darfst du deine Gemächer nicht ohne meine Erlaubnis verlassen. Drittens darfst du mein Büro nur betreten, wenn du gerufen wirst, und niemals meine Gemächer. Viertens darfst du auch das Schloss nicht ohne meine Erlaubnis verlassen. Und zu guter Letzt, halte dich aus Theas Weg. Das ist eine Warnung, Sheila.“ zischte er voller Hass, dass ich vor der Intensität zusammenzuckte. „Das Missachten dieser Regeln wird dir nur eine qualvolle Strafe einbringen.“ Beendete er emotionslos. Ich konnte nur vollkommen ungläubig auf seine Worte starren. Ohne zu zögern, drehte er mir den Rücken zu und ging zur Tür. „W-Warum?“, fragte ich atemlos, voller Schmerz und Tränen. „Warum Killian? Ich bin deine Gefährtin.“ So sehr ich darüber nachdachte, konnte ich keinen plausiblen Grund finden, warum er mich so sehr verabscheute. Er blieb eine Minute lang stehen und drehte sich zu mir um. In einem Augenblick war Killian vor mir, seine große Hand an mir, aber nicht so, wie ich es gewollt hätte. Sein fester Griff presste meinen Hals, schleuderte meinen Rücken gegen die gnadenlose Wand. „K-Killian?“, würgte ich, unfähig zu atmen, während meine Hände auf seinen lagen. „Ich habe dich gewarnt, es ist Alpha für dich.“ Sein Griff wurde fester, und ich rang nach Luft. „Bitte... du tust mir weh“, konnte ich kaum meine Stimme hören, während ich in seine Augen starrte, die in einem leuchtenden Streifen gelb oder golden glühten. Aber er ließ nicht los. Meine Hände klammerten sich fest an ihn, flehend. Ich konnte die kribbelnden Funken spüren, die beim bloßen Kontakt aufstiegen. „Bitte, Alpha“, flüsterte ich, eine Träne rollte über mein Gesicht. Widerwillig ließ er los und ließ mich auf den Boden fallen. Ich umklammerte meinen Hals, schluckte so viel Luft wie möglich in Tränen. „Du wirst den Rest der Nacht hier verbringen und deine Strafe absitzen.“ Er starrte mich an, als wäre ich absolut nichts wert. Mit einem letzten Blick auf mich stürmte Killian aus dem Verlies und ließ mich allein in einem dunklen und kalten Raum zurück. Ich kauerte mich auf dem Boden zusammen und weinte. Nach einer Weile quietschte die hölzerne Tür auf und ein Teller mit Essen wurde hineingeworfen. Ich beendete mein Essen und wartete schweigend. Das waren die schlimmsten Stunden meines Lebens, eingesperrt von meinem eigenen Gefährten. Ich schlief eine Zeit lang, obwohl mein Körper die ganze Zeit über sehr lebendig schien. Es war eine Nacht voller meiner üblichen Albträume, die mich die ganze Zeit erschreckt aufwachen ließen. Die hölzerne Tür öffnete sich erneut und ließ einen Sonnenstrahl in den Raum, begleitet von einem vertrauten Gesicht. Die junge Frau, der ich außerhalb des Schlosses begegnet war. „Hallo, erinnerst du dich an mich? Ich bin...“ „Brielle“, sagte ich und erinnerte mich an ihren Namen. Sie lächelte leicht. „Der Alpha hat mich gebeten, dich in deine Gemächer zu bringen.“ Ich stand still und sagte kein Wort. Brielle führte mich aus dem Kerker heraus. Endlich wurde ich zu dem gebracht, was wie meine eigene Kammer aussah. Brielle schloss die Tür ab und sah mich nachdenklich an. „Oh, meine Herrin, warum hast du dich mit Thea angelegt? Hat dir der Alpha nichts gesagt?“ „Über seine Geliebte? Nein“, antwortete ich wahrheitsgemäß und schüttelte den Kopf. Sie sah mich mitleidig an. „Nun, das ist es. Thea ist wie die liebste Person des Alphas im Schloss.“ Es schmerzte mich in der Brust. „Es tut mir leid. Das hätte ich nicht sagen sollen. Ich wollte nur, dass du weißt, dass er sich sehr um sie kümmert.“ Ich konnte kaum ein Wort hervorbringen. „Ich werde dir ein warmes Bad einlassen, meine Herrin, und danach jemanden schicken, um dir etwas zu essen zu besorgen. In der Zwischenzeit, wenn du etwas brauchst, lass es mich einfach wissen, meine Dame.“ Sie huschte an mir vorbei, aber ich hielt ihre Hand fest. „Danke. Und bitte, nenn mich Sheila.“ Sie lächelte. „In Ordnung, Sheila.“ Sie ging ins Badezimmer und war in wenigen Minuten zurück. Sie wollte gerade etwas sagen, als es an der Tür klopfte. Ein junges Mädchen schwebte herein. Sie sah jünger aus als ich, mit schwarzen Haaren, die ihr herzförmiges Gesicht perfekt umrahmten. „Ah, das ist Riannon und sie wird dir dienen“, informierte mich Brielle. Das junge Mädchen lächelte, senkte den Kopf als Zeichen des Respekts. „Zu Diensten, meine Herrin.“ „Bitte nenne mich einfach Sheila“, sagte ich und fühlte mich unwohl mit so viel Formalität. Sie lächelte und warf einen Blick auf Brielle. „Wenn das in Ordnung ist, junger Mann-“ Sie hielt inne. „Sheila,“ „Und ich werde dich Ria nennen.“ „Übrigens, die Ältesten sind hier,“ sagte Ria hastig und wandte sich an Brielle. Die Ältesten? Die Ältesten des Rates? Jeder Alpha im Norden war Teil des Rates, einschließlich des Alphas des Crescent Nordrudels, Killian, meinem Gefährten. Der Rat war ein Kreis, der aus verschiedenen übernatürlichen Wesen bestand, von denen jedes einen Vertreter im Rat hatte. Die Rat-Ältesten sind die ältesten Wölfe und repräsentieren unsere Art im Rat. Ich sah Brielle an, deren ängstliche Augen die meinen festhielten, dann sah ich Ria an. Warum sind die Rat-Ältesten hier?
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