Aus dem Schloss entlassen

1556 Words

Das Schloss hatte sich noch nie so leer angefühlt. Selbst in den ruhigsten Zeiten gab es immer Bewegung – Diener, die durch die Korridore eilten, Adlige, die hinter mit Juwelen verzierten Händen flüsterten, das entfernte Klirren von Kelchen aus unsichtbaren Sälen. Doch jetzt hatte sich die Stille wie ein Leichentuch über alles gelegt, während die Angst in die Mauern gesickert war. Das Königreich, an das ich mich einst um Rat gewandt hatte, wandte sich nun von mir ab – mit vor Sorge versteiften Rücken. Seit ich meine Sehergabe verloren hatte, war ich nur noch ein Symbol des Untergangs. Ich hörte das Flüstern, das ängstliche Murmeln derer, die noch im Schloss verweilten, während sie von alten Katastrophen sprachen – von einer Zeit, als ein Seher seine Gabe verlor und das Königreich kurz da

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