Die dunklen Wolken über ihrer Liebe
.......
Sabrinas Sicht
Wir lagen eng umschlungen da, und das Lächeln auf meinen Lippen wollte einfach nicht verschwinden. Es war schon seit fünf Minuten da und schien sich auch nicht zu ändern.
Dann hob Kevin den Kopf und sah mich an. Seine Augen hatten immer etwas mit mir zu tun – dunkel und tief, aber mit einem Hauch von Gold durchzogen, der das Licht auf eine fast übernatürliche Weise einfing. Sein Haar war lang und von einem ungewöhnlichen Grauton, die einzige Farbe in seiner Familie. Ich hatte es immer schon faszinierend, ja sogar geheimnisvoll gefunden. Es stand ihm gut.
„Immer glücklich, wenn ich nach Hause komme und das hier vorfinde“, sagte er.
Ich legte den Kopf schief. „Nach Hause kommen zu *mir*, meinst du?“
„Der s*x, Babe.“ Ein breites Grinsen huschte über sein Gesicht. „Du gehörst natürlich auch dazu.“
Ich schnalzte mit der Zunge. „Ich dachte, es wäre andersherum. Ich zuerst, der s*x als Bonus.“
Er warf mir diesen Blick zu, der sagte, dass er mich gleichermaßen amüsant und anstrengend fand. „Na ja. Was gibt’s denn zu feiern?“
Mein Lächeln wurde breiter. Ich hatte das schon seit Tagen in meinem Kopf gewälzt, und jedes Mal, wenn ich die Entscheidung aus einem neuen Blickwinkel betrachtete, kam ich zum selben Schluss. Ich war mir sicher. Ich war bereit.
Ich lehnte mich gegen das Kopfteil des Bettes und sah ihm direkt in die Augen. „Ich möchte dir meine Liebe beweisen.“
Er zog eine Augenbraue hoch. „Tust du das nicht jeden Tag?“
„Ja. Aber ich möchte noch etwas mehr tun.“
„Was denn zum Beispiel?“
Ich holte tief Luft. Vor einem Jahr war mein Vater gestorben und hatte mir die Verantwortung für das Tweed-Rudel, seine Mitglieder, sein Vermächtnis, seine Zukunft hinterlassen. Damit kam auch der Titel der Alpha-Königin, und mit dem Titel kamen die Gerüchte. Es gab jene, die der Meinung waren, eine Frau hätte auf diesem Thron nichts zu suchen, dass irgendwann jemand aus königlichem Geblüt auftreten und ihn mir streitig machen würde.
Kevin war mir in all dem beigestanden. Er war einer der wenigen, die nie zurückschreckten, nie zögerten. Er sagte mir, die Drohungen seien nichts als Gerüchte und Lärm, niemand würde es wagen, mir das wegzunehmen, was mir rechtmäßig zustand. Und er hatte Recht gehabt. Ich hatte meinen Thron sauber und ohne Widerstand bestiegen, und ich hatte nie vergessen, dass er an meiner Seite stand, als andere zurückwichen.
Jetzt wollte ich ihm etwas zurückgeben. Etwas, das mir alles bedeutete.
„Du weißt, dass ich die Alpha-Königin bin“, sagte ich.
„Kaum zu übersehen.“
„Und du bist mein Verlobter.“
Er beugte sich vor und küsste mich einmal, sanft und bestimmt. „Soweit ich weiß.“
„Aber ich will nicht, dass es so bleibt. Ungleich. Ich will, dass wir auf Augenhöhe sind, oder besser gesagt, ich will dich über mich stellen.“ Ich sah ihm in die Augen. „Ich will dir meine Position anbieten. Alpha-König des Tweed-Rudels. Du besteigst den Thron und machst mich zu deiner Luna. Zu deiner Frau.“
Er verstummte.
Einen Moment lang sah er mich nur an, und ich konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten. Dann sagte er leise und fast zärtlich: „Würdest du das wirklich alles aufgeben? Für mich?“
„Ja“, sagte ich ohne zu zögern. „Das würde ich.“
„Das klingt nach etwas, was du erst sagst, wenn ich dir tatsächlich einen Antrag mache.“
Ich lachte, und er lachte mit, und für einen Moment fühlte sich der Raum federleicht an.
„Also, was soll ich sagen?“, fragte er.
„Sag, du stimmst zu.“
„Okay, Liebling. Ich stimme zu.“ Er strich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Was ist mit deinem Rat?“
„Ich werde mit ihnen sprechen. Ich wollte aber zuerst zu dir kommen.“
Er neigte den Kopf. „Ist das klug?“
„Der Alpha hat immer das letzte Wort. Und außerdem“, ich lächelte, „heiraten wir. Welchen Grund hätten sie, Einwände zu erheben?“
Er nickte langsam und musterte mich mit einem Ausdruck, der fast wie Staunen wirkte. „Du hast dir das wirklich gut überlegt.“
„Ja.“
Er schob seine Hand zwischen meine Schenkel, und jeder klare Gedanke, den ich gehabt hatte, löste sich in diesem Moment auf. Sekunden später lag ich auf der Seite, er drückte sich an meinen Rücken, und ich dachte überhaupt nicht mehr an die Ratssitzungen.
Genau das, was ich von ihm wollte.
Kevins Sicht
Ich schlüpfte aus ihrem Bett, während sie noch schlief, drehte mich um und rannte los.
Die Tweed Woods waren um diese Stunde still, nur die dunklen Bäume, der kalte Boden unter meinen Pfoten und mein eigener Atem, der die Stille durchbrach. Ich rannte, bis meine Lungen angenehm brannten und mein Kopf frei war von allem außer der Nachtluft. Als ich mich zurückzog und durch meine Haustür trat, fühlte ich mich wie neugeboren.
Thomas war noch wach. Er war immer wach.
Er bemerkte die trockenen Blätter in meinen Haaren, noch bevor ich den Schrank erreichte. „Heute Abend wieder ein wilder Lauf?“
„Durch die Tweed Woods.“ Ich warf meine Jacke über die Stuhllehne und griff nach der Champagnerflasche, die ich mir aufgehoben hatte.
„Gibt es etwas zu feiern?“
„Warum fragst du?“ Ich schenkte mir ein Glas ein und drehte mich zu ihm um.
Er hatte sich nicht von der Stelle an der Wand gerührt, die Arme verschränkt, und beobachtete mich mit seinen aufmerksamen Augen. „Du bist gerannt, was du fast nie tust. Und du trinkst guten Champagner um“, er warf einen Blick auf seine Uhr, „ein Uhr morgens. Irgendetwas ist passiert, Kevin.“
Ich nahm einen langen Schluck und ließ ihn warten. Thomas Palmer war vor allem eines: geduldig. Er konnte die ganze Nacht still und regungslos wie ein Gemälde in einer Ecke stehen, und es hatte ihn nie gestört.
„Komm, setz dich“, sagte ich schließlich. „Ich erzähle es dir.“
Er ging durch den Raum und ließ sich auf dem Sofa nieder, präzise in allem, sogar in seiner Sitzhaltung. Der Mann hätte Priester werden sollen.
Ich reichte ihm das Glas. „Sag schon. Wie fühlt es sich an, der Beta eines Alphas zu sein?“
Thomas sah mich ruhig an. „Ich bin bereits dein Beta. Das weißt du.“
„Ja. Ich frage mich nur, wie es sich anfühlen würde, der Beta eines Alpha-Königs zu sein.“
Eine Pause. Seine schweren Brauen hoben sich leicht. „Erzähl weiter.“
Ich stellte das Glas ab und stand auf, zu unruhig, um sitzen zu bleiben. „Nach heute Abend hat sie mir gesagt, was sie sich für uns beide wünscht. Sie wird mir ihren Platz geben. Alpha-König des Tweed-Rudels, mein, innerhalb einer Woche. Ich muss sie nur zu meiner Luna machen.“ Ich breitete die Hände aus. „Was ich sowieso vorhatte.“
Thomas schwieg einen langen Moment. Er nahm das Glas zurück und drehte es langsam, sein Zeigefinger fuhr in kleinen Kreisen am Rand entlang. Irgendetwas tat sich in seinen Augen zusammen.
„Was?“, fragte ich.
„Gibt es einen Haken?“
„Den Haken habe ich dir doch gerade verraten. Ich habe sie geheiratet.“
„Hm.“ Er drehte das Glas noch einmal langsam. „Und du bist dir sicher, dass das kein Problem für dich sein wird?“
Etwas in seinem Tonfall ließ mich zurücklehnen. „Worauf willst du hinaus, Thomas?“
„Hat sie mit ihrem Rat darüber gesprochen?“
„Nein. Sie sagte, sie würde es ihnen später sagen.“
„Natürlich hat sie das.“ Er stellte das Glas ab und sah mich direkt an. „Hier ist, was sie nicht weiß, oder vielleicht will sie es nicht wahrhaben. Es gibt ein Gesetz in diesem Rudel, älter als die Herrschaft ihres Vaters. Eine Alpha-Königin darf einen Alpha heiraten, aber sie kann ihre Position nicht an ihn abgeben. Der Thron bleibt bei ihr. Der Titel bleibt bei ihr. Du wärst ihr Gemahl, Kevin. Nicht ihr König.“
Stille breitete sich im Raum aus.
„Der Rat wird es durchsetzen“, fuhr er fort. „Sie werden bei der Hochzeit lächeln und dann alle Türen verschließen, die sie verschließen können. Du wirst ein Mann sein, der in einen Posten eingeheiratet hat, der dir nie wirklich angeboten wurde.“
Ich nahm das Glas und leerte es.
„Es gibt einen Weg“, sagte Thomas. Seine Stimme hatte sich verändert, war leiser geworden, fast flüsternd. „Du gehst genau nach Plan vor. Du nimmst ihr Angebot an, lässt die Krönung stattfinden. Und dann“, er beugte sich leicht vor, „beseitigst du sie. Lehnst sie als deine Luna ab, bevor das Band besiegelt ist. Und dann tötest du sie. Lass es wie einen Unfall aussehen. Mit ihrem Tod löst sich ihr Rat auf, du bildest deinen eigenen, und niemand mehr kann dieses Gesetz anwenden.“ Er hielt inne. „Es ist der einzig saubere Weg zum Thron, Kevin.“
Die Worte lasteten in der Stille zwischen uns.
Ich sah Thomas lange an, die ruhige Gewissheit in seinem Gesicht, die Art, wie er etwas wie Mord aussprach, so selbstverständlich, als würde ein anderer Mann eine alternative Reiseroute vorschlagen.
Und ich sagte ihm nicht Nein.