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1281 Words
Die Champagnerkelche stehen perfekt aufgereiht. Vierundzwanzig Stück, aufgereiht auf der Marmortheke wie kleine Glassoldaten, die bereit für die Schlacht sind. Ich habe drei Stunden damit verbracht, dafür zu sorgen, dass alles perfekt ist – vom Licht bis zur Musik und der Art, wie die Kerzen flackern. Gerade richtig, damit das Esszimmer romantisch wirkt und nicht verzweifelt. Es sind drei Jahre vergangen. Drei Jahre verheiratet mit Daemon Blackwood, und ich versuche immer noch zu beweisen, dass ich hierher gehöre. „Erbärmlich“, murmle ich vor mich hin und richte eine Serviette zum fünften Mal auf. Meine Wölfin winselt im Hinterkopf, aber ich dränge sie zurück. Sie ist seit Monaten unruhig, läuft auf und ab und knurrt Schatten an. Ich habe heute Abend keine Zeit für ihre Paranoia. Heute Abend ist unser Jahrestag. Heute Abend wird alles anders sein. Ich streiche mein Kleid glatt. Rote Seide. Die Farbe, von der er in unserer Hochzeitsnacht sagte, dass sie ihm an mir gefällt. Die einzige Nacht, in der er mich so berührt hat, als würde er es ernst meinen. Die einzige Nacht, in der ich mir vorgemacht habe, dass aus dieser arrangierten Paarung etwas Echtes werden könnte. Mein Handy vibriert. Eine Nachricht von Daemon: Verspäte mich. Fang schon mal ohne mich an. Ich starre auf das Display, bis der Bildschirm schwarz wird. Natürlich verspätet er sich. Er verspätet sich immer. Aber daran bin ich inzwischen gewöhnt. Ich bin an viele Dinge gewöhnt. Das Geräusch von Lachen dringt von oben herunter – hoch, feminin und vertraut. Mir dreht sich der Magen um. Das ist nicht das Personal. Das Personal lacht nicht so, so hauchend und intim. Ich gehe auf die Treppe zu, meine Absätze klacken auf dem Marmor. Das Lachen wird lauter. Dann höre ich sie: die Stimme meiner Schwiegermutter, triefend vor Amüsement. „Oh, Aurelia, du bist wirklich zu viel. Die arme Seraphina denkt wahrscheinlich, dass der heutige Abend etwas ganz Besonderes wird.“ Meine Hand umklammert das Geländer so fest, dass meine Knöchel weiß anlaufen. „Das denkt sie immer“, antwortet eine andere Stimme. Es ist Aurelia, die Gesandte des Rudels, die hier zu Besuch ist. Die Wölfin, die seit sechs Monaten unter dem Vorwand „diplomatischer Beziehungen“ in unserem Haus wohnt. „Es ist schon fast traurig. Merkt sie denn nicht, dass sie nur ein Platzhalter ist?“ „Daemon hat das von Anfang an klargestellt“, sagt meine Schwiegermutter, und ich kann das Lächeln in ihrer Stimme hören. „Das Bündnis mit ihrer Familie war notwendig, aber temporär. Sobald wir die westlichen Territorien gesichert haben, nun ja… gibt es bessere Optionen.“ „Bessere Blutlinien“, fügt Aurelia hinzu. „Ich meine, sie kann sich nicht einmal richtig verwandeln. Was für eine Luna kann bitteschön ihre Wölfin nicht kontrollieren?“ Beide lachen wieder, und in meinem Inneren zerbricht etwas. Ich will da raufstürmen. Ich will schreien, Antworten fordern, sie dazu bringen, mich als etwas anderes zu sehen als eine praktische Figur auf ihrem politischen Schachbrett. Aber meine Füße bewegen sich nicht. Weil ich es tief im Inneren schon wusste. Ich habe es schon immer gewusst. Die Haustür hinter mir öffnet sich. Ich wirbele herum, und da steht er: Daemon Blackwood, Alpha des Blackwood-Rudels, mein Ehemann und Gefährte. Er lockert seine Krawatte, sein dunkles Haar ist leicht zerzaust, seine grauen Augen wirken müde. Er sieht mich an, als hätte er bis zu diesem Moment vergessen, dass ich überhaupt existiere. „Sera“, sagt er und weicht meinem Blick aus. „Du hättest nicht auf mich warten müssen.“ „Es ist unser Jahrestag“, flüstere ich. Er hält inne, seine Hand erstarrt an seiner Krawatte. Für eine Sekunde flackert etwas wie Schuld in seinem Gesicht auf. Dann ist es verschwunden. „Richtig, tut mir leid. Es war ein langer Tag.“ Er geht an mir vorbei auf die Treppe zu, bleibt dann stehen. „Du solltest ins Bett gehen. Ich muss mich noch um ein paar Rudelangelegenheiten kümmern.“ Rudelangelegenheiten… mit Aurelia, oben in unserem Haus. „Daemon…“ „Nicht heute Nacht, Sera.“ Seine Stimme ist flach und abweisend. „Bitte.“ Er ist schon die halbe Treppe hinauf, bevor ich antworten kann. Ich sehe zu, wie er um die Ecke verschwindet, höre, wie seine Schritte verhallen, und dann höre ich es: Eine Tür öffnet sich, dann schließt sie sich. Ich stehe in der Eingangshalle, umgeben von Champagnerkelchen, Kerzen und den Trümmern meiner Illusionen, und lasse den Schmerz endlich zu. Nicht die Wut, sondern die knochentiefe Erschöpfung, eine Rolle zu spielen, für die ich nie bestimmt war. Meine Wölfin knurrt, drängt gegen mein Bewusstsein und fleht mich an, mich zu wehren. Aber ich tue es nicht. Ich tue es nie. Ich gehe zurück in das Esszimmer, nehme einen der Champagnerkelche und leere ihn in drei Zügen. Ich nehme ein zweites Glas, und beim vierten Glas zittern meine Hände. Irgendwo beim zehnten Glas höre ich Schritte hinter mir. Ich drehe mich nicht um, weil ich bereits weiß, wer es ist. Meine Schwiegermutter verpasst nie eine Gelegenheit, das Messer noch einmal herumzudrehen. „Oh, Seraphina“, sagt sie mit zuckersüßer Stimme. „Wartest du immer noch auf ihn? Wie rührend.“ Ich stelle das Glas vorsichtig ab, bevor ich mich zu ihr umdrehe. Sie trägt ihre Lieblingsperlen, die wahrscheinlich mehr gekostet haben als das gesamte Anwesen meiner Familie. Ihr perfekt gestyltes blondes Haar sitzt makellos. Sie sieht mich an, wie man einen Fleck auf einem teuren Teppich ansehen würde. „Er kommt nicht mehr runter“, sage ich. Meine Stimme klingt seltsam, ruhig und distanziert. „Nein“, stimmt sie lächelnd zu. „Das tut er nicht.“ „Wie lange schon?“, frage ich. „Wie lange fegelt er sie schon?“ (Note: Or a smoother, dramatic alternative: „Wie lange geht er schon mit ihr ins Bett?“) Ihr Lächeln wird breiter. „Spielt das eine Rolle? Du warst immer nur temporär, Liebes. Das hast du doch sicher gewusst.“ In meinem Inneren reißt etwas. „Raus“, flüstere ich. „Wie bitte?“, sagt sie mit verächtlichem Spott. „RAUS.“ Meine Wölfin bricht hervor, und zum ersten Mal seit Monaten dränge ich sie nicht zurück. Meine Augen blitzen gold auf. „Das ist immer noch mein Zuhause. Geh, bevor ich dich dazu zwinge.“ Für einen kurzen Moment tritt echte Überraschung in ihr Gesicht. Dann fängt sie sich wieder und glättet ihren Ausdruck zu polierter Verachtung. „Wie herrlich temperamentvoll“, sagt sie. „Aber wir wissen beide, dass du nichts tun wirst. Das tust du nie.“ Sie dreht sich um, um zu gehen, hält dann aber an der Tür inne. „Oh, und Seraphina? Du solltest vielleicht deine Koffer packen. Daemon plant, nächste Woche die Scheidung einzureichen. Er wollte eigentlich bis nach dem Jahrestag warten, aber…“ Sie zuckt mit den Schultern. „Nun, du hast ja gesehen, wie das gelaufen ist.“ Sie lässt mich dort stehen, inmitten des Champagners, der Kerzen und des perfekten Abendessens, das niemand essen wird. Ich sollte weinen, schreien, nach oben rennen und das gesamte Rudelhaus niederbrennen. Stattdessen lache ich, denn natürlich ist es genau das, wie es endet. Nicht mit einem Streit, nicht mit Leidenschaft, nicht mit irgendetwas, das darauf hindeuten würde, dass ich überhaupt eine Rolle gespielt habe. Einfach nur… eine Absagung. Ein weggeschobenes Stück Papier. Ich lache immer noch, als ich ihn spüre – den ersten Krampf. Tief in meinem Unterleib, scharf und falsch. Ich presse meine Hand auf meinen Bauch, und plötzlich begreife ich es. Ich bin überfällig. Zwei Wochen überfällig. Und plötzlich schmeckt der Champagner wie Gift in meinem Mund.
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