Sera grinste verschmitzt. „Natürlich. Sie sind der Herr des Hauses und für dieses gibt es keine bessere Navigation als Sie. Außer, Sie können es verantworten, dass ich morgen zu spät komme, weil ich mich hier verlaufen habe", konterte sie erheitert und stieg aus, um das Haus, das von einigen Lampen im Boden angeleuchtet wurde, näher zu betrachten.
Astarot nickte und wartete, bis sie eingetreten war.
Sie kamen in einen Flur, der sehr geräumig wirkte. Es gab einen Schrank für die Kleidung, ein Schuhregal und eine Kommode mit Spiegel.
Sehr hübsch, wie Sera zugeben musste. Sobald Astarot die Tür geschlossen hatte, kam das Personal, um ihn zu begrüßen.
Sera war erstaunt, wie höflich und adrett sie mit ihm umgingen. Dennoch schien das Verhältnis zwischen ihnen gut zu sein.
Es gab einen Gärtner, eine Art Hausmeister, der sich wohl um den Zustand des Hauses kümmerte und eine junge Frau, die scheinbar für alles andere zuständig war.
Sie begrüßten auch Sera, die ihnen mit einem Lächeln zunickte. „Kann ich Ihnen etwas bringen, Mister Diabolus?", fragte das Dienstmädchen und Sera musterte sie genauer. Sie war noch nicht sehr alt, weshalb sich ihr die Frage stellte, ob Astarot viele Angestellte hatte.
„Sera wird ab heute hier einziehen", erklärte er. „Es wäre gut, wenn du ihr ein bisschen dabei hilfst, sich zurechtzufinden", meinte er abwinkend.
Mit einem Nicken stimmte sie der Forderung zu und drehte sich dann um, damit die beiden ihr folgen konnten. Sera sah auf einem kleinen Schild an der Bluse der Frau, dass ihr Name Monica war. „Die Zimmer sind ein wenig staubig, aber ich kann ihr schnell eines herrichten", sagte sie und Sera winkte hastig ab. Sich bedienen lassen kam für sie nicht in den Sinn. Deshalb bat Sera die Frau, ihr lediglich zu zeigen, wo sie alles finden konnte.
„Natürlich", stimmte diese zu und schien kein Problem mit Seras Herangehensweise zu haben. Dann führte sie Sera in einen Raum, der ein gemütliches Schlafzimmer war.
Ein großes Bett mitsamt Nachtschränkchen stachen ihr sofort ins Auge. Der Schrank, in dem sie ihre Kleider unterbringen würde, stand genau gegenüber. Sogar eine kleinere Kommode, die an der Wand rechts neben der Tür stand, gab es. Hier konnte sie wohl Kleinigkeiten aufbewahren. Wie Sera feststellte, würde sie auch Zugriff auf den Balkon haben, der anscheinend rund um den ersten Stock führte. „Wow", entfuhr es ihr erstaunt.
„Sehr schön", meinte Astarot. „Nebenan gibt es ein Arbeitszimmer, falls Sie eines brauchen", erklärte er und öffnete eine Tür, das zu besagtem führte.
Geräumig mit einem großen Schreibtisch war das Zimmer eingerichtet. Was Sera erstaunte war, dass es hier einen modernen Drucker gab. Genauso einen hatte sie in ihrem Büro. „Das heißt, ich darf den Firmenlaptop mit nach Hause nehmen und auch von dort arbeiten?", fragte sie hoffnungsvoll. Wobei sie einen eigenen Laptop hatte, mit dem sie dann im Internet surfen konnte. Aber den musste sie zuerst aus Phoenix holen.
„Ja. Aber erst später", meinte Astarot und führte sie weiter in das große, geräumige Wohnzimmer. Es besaß eine offene Küche und auch einen großen Tisch.
Typisch amerikanisch, aber Sera liebte eine offene Wohnküche. Es gab ihr das Gefühl, frei zu sein. „Es gefällt mir hier", meinte sie schließlich und rieb sich die Nase.
„Sehr gut, dann können Sie erst einmal hier bleiben. Brauchen Sie am Wochenende Unterstützung bei Ihren Sachen?", fragte er und ließ sich auf dem Sessel nieder. Hier waren die Möbel nicht mit einem Schutztuch überzogen, wie im Arbeits- und Schlafzimmer.
Sera lehnte sich gegen die Küchenzeile und sah in den Schränken nach Gläsern. „Wollen Sie auch etwas?", fragte sie, obwohl sie gar nicht wusste, was es eigentlich zum Trinken gab. Auch, was im Kühlschrank war, wusste sie nicht. „Und ja, ich werde Hilfe brauchen. Es ist nicht sehr viel, was ich habe. Vielleicht ein paar Kartons, die ich herbringen muss."
„Sehr gern. Wenn es Sie nicht zu sehr stört, würde ich heute Abend hier bleiben. Es ist bereits spät", erklärte er und streckte sich.
Da es genügend Zimmer gab, sah Sera kein Problem damit. Nach ausgiebigen inspizieren des Kühlschrankes, reichte sie ihm ein Glas Rotwein. Einen ähnlichen hatte sie im Pub getrunken.
Astarot bedankte sich und fragte, ob sie Essen bestellen wollten. Im Kühlschrank war nicht so viel.
„Woher kommen Sie eigentlich genau?"
Essen bestellen klang in Seras Ohren sehr gut, weshalb sie zustimmte. Morgen würde sie einkaufen gehen, das nahm sie sich fest vor. Über seine andere Frage musste sie den Kopf schütteln. „Haben Sie meine Bewerbung überhaupt angesehen?", wollte sie wissen. Schließlich stand dort ihre bisherige Adresse.
„Ja, aber ehrlich gesagt hab ich bei all den Bewerbern nicht mehr jedes Detail im Kopf", gestand er und zückte sein Handy, um zu bestellen.
„Ich bezahle", sagte Sera schnell. Als Zeichen ihres Danks, dass sie hier vorübergehend wohnen durfte. Wie viele Wohnungen er wohl hatte? „Ich komme aus Phoenix und bin eigentlich noch nicht viel herumgekommen", antwortete sie schließlich doch auf seine Frage.
„Haben Sie denn genug Geld für die nächste Zeit?", fragte er überrascht.
Sera erklärte, dass sie noch angespartes Geld besaß. Viel war es nicht, würde sie aber für ein paar Monate über Wasser halten, wenn sie gut hauswirtschaftete.
„Dann schauen wir in den nächsten Wochen, ob ich Ihnen ein Vorschuss auf Ihr Gehalt geben kann", meinte Astarot, als wäre das völlig normal.
Tadelnd hob Sera ihren Finger. „Unter einer Bedingung!"
„Sie stellen Bedingungen?", fragte Astarot belustigt. „Dabei dachte ich daran, dass ich Ihnen einen Teil Ihres Lohnes auszahle. Sollten Sie früher die Arbeit abbrechen als Ihre Auszahlung wäre, würde ich das Geld sowieso zurückverlangen."
Amüsiert schnalzte Sera mit der Zunge und ihre Augen funkelten. „Ich nehme den Vorschuss nur an, wenn Sie mit meiner Arbeit zufrieden sind und ich es verdiene", sagte sie ernst.
„Also genau das, was ich geplant hatte", meinte er nüchtern. „Bisher gibt es ja noch nicht so viel zum Beurteilen."
Erneut hob Sera tadelnd ihren Finger. „Bei Ihnen bin ich mir nicht sicher, woran ich bin, um ehrlich zu sein. Es wird eine Zeit dauern, Sie einschätzen zu können."
„So ist das Leben", meinte er abwinkend und reichte ihr das Handy, damit sie sich etwas aussuchen konnte.
Eine Weile sah sie sich die Liste an und wollte schließlich wissen, ob das chinesische Essen gut sei. „Gebratene Ente wäre toll."
„Ja, es ist eines der Besten", versicherte er. „Fast um die Ecke daher auch schnell und warm."
Dann konnten sie gleich dorthin gehen und es frisch essen. Allein der Gedanke an gebratene Ente ließ Sera das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hier schien es sehr gute Restaurants zu geben, die wohl auch bezahlbar waren. Das machte sie zufrieden.
„Leider ist das Restaurant fast immer überfüllt, sodass liefern die einzige Möglichkeit ist", seufzte Astarot und schickte die Bestellung ab.
Seufzend trank Sera ihren Rotwein. „Wie lange dauert die Lieferung? Vielleicht schaffe ich es noch, mich umzuziehen und frisch zu machen. Es ist schon spät." Wenn sie auf die Uhrzeit sah, wusste sie, dass das späte Essen ein Nachspiel für sie haben würde. Trotzdem hatte sie Hunger und würde sich gebratene Ente nicht entgehen lassen.
„Ich denke zwanzig Minuten", meinte Astarot. „Das sollte reichen."
Zufrieden stellte Sera ihr Glas auf dem Tresen ab und verschwand kurzerhand in das modern eingerichtete Bad. Nebst einer Dusche gab es auch eine Eckwanne. Perfekt für ein paar Stunden Erholungen. Da Sera sich jedoch beeilen wollte, zog sie die Dusche vor und stand zehn Minuten später fast angezogen im Wohnzimmer. Lediglich ihre leichte Jacke, die sie gern über ihrem Oberteil trug, wenn sie fror, fehlte noch.
Astarot schien sich keinen Millimeter bewegt zu haben. Er lehnte auf dem Sofa und trank Wein. Die Musik hatte er jedoch angestellt.
Es wäre der jungen Frau nie eingefallen, eines Tages mit ihrem Chef, der so lässig auf dem Sofa saß, in ihrer vorübergehenden Wohnung gemeinsam zu essen. Die absurde Situation ließ Sera grinsen, als sie in den Schränken nach Teller suchte. Zwar wurde das Essen bereits so geliefert, dass es einfach gegessen werden konnte, aber Sera war kein Freund davon, aus Kartons zu essen. Deshalb deckte sie einfach den Tisch, ohne ihren Chef zu fragen.
Er sah, trotz einem langen Tag im Büro, noch fit aus und keineswegs erschöpft.
Sera bemerkte, dass er sie beobachtete, doch er blieb weiterhin lässig sitzen.
Sie hatte den Tisch gerade fertig gedeckt, als es an der Tür klingelte. Von Monica wusste sie, dass diese mittlerweile gegangen war. Daher ging sie zur Tür und öffnete.
Ihr Glück, denn sie wollte sowieso bezahlen. Daher traf es sich gut und sie nahm die heiße Tüte entgegen, nachdem sie dem Lieferant das Geld in die Hand gedrückt hatte. Wechselgeld wollte sie nicht, weshalb sie recht schnell wieder die Tür schloss und mit der Beute ins Wohnzimmer kam.
Mit einem Blick auf Astarot, der noch immer da saß, grinste sie schief. „Entweder Sie kommen an den Esstisch oder Sie werden hungrig schlafen gehen. Ich werde Ihnen das Essen nicht servieren und Ihre Portion stattdessen mit essen."
Astarot lachte, streckte sich und erhob sich, bevor er langsam zum Esstisch kam. Dabei leerte er sein Glas und ließ sich schließlich nieder.
Sera stellte sein Essen vor ihn hin und holte anschließend die Flasche Wein, um ihm einzuschenken. Dann wünschte sie ihm einen guten Appetit und zog die mitgelieferten Holzstäbchen geschickt auseinander und fing zu essen an.
Schon der erste Bissen war so köstlich, dass Sera ihre Augen schloss und genussvoll stöhnte.
„Dabei dachte ich, Sie wollen mich nicht bedienen", lachte Astarot. Auch er nutzte die Stäbchen geschickt, hatte sich aber Sushi bestellt.
„Nicht auf die Art, wie Sie es vielleicht gewöhnt sind", konterte Sera und widmete sich voll und ganz ihrem Essen. Sehr viel gab es nicht zu sagen, weshalb sie es vorzog, zu schweigen. Allerdings würde sie antworten, sollte Astarot etwas wissen wollen.
Das Essen verlief schweigend und beide genossen es.
Nachdem sie fertig waren, schnappte sich Sera wortlos die Teller und spülte sie zusammen mit den Gläsern ab. Ordnung musste sein und sie wollte noch ihr Zimmer abstauben, bevor sie sich endlich zur Ruhe legte. Ihr Chef würde sicherlich bald schlafen gehen, weshalb sie ihm eine angenehme Nachtruhe wünschte.