KAPITEL ZWEI
Mia wachte in völliger Dunkelheit auf.
Sie lag einen Moment lang einfach nur da und versuchte herauszufinden, wie spät es wohl war. Sie fühlte sich unglaublich ausgeruht, jeder Muskel ihres Körpers war entspannt, und ihr Kopf war völlig frei. Sie wusste sofort, dass sie sich in Korums Haus in Lenkarda befand und in seinem intelligenten Bett lag. Sie streckte sich gähnend aus und fragte sich, wie Korum es ausgehalten hatte, in New York auf einer normalen menschlichen Matratze zu schlafen. Sie konnte sich nicht vorstellen, für den Rest ihres Lebens jemals wieder auf etwas anderem schlafen zu wollen.
Die Laken waren um ihren Körper gewickelt und streichelten ihre Haut mit einer leichten und sinnlichen Berührung. Ihr war weder warm noch kalt, und das Kissen hatte sich genau richtig um ihren Kopf und ihren Hals gelegt. Die Anspannung, die sie vor dem Schlafen gespürt hatte, war wie weggeblasen.
Sie hatte nicht vorgehabt einzuschlafen, aber das Ausruhen hatte für ihre geistige Verfassung Wunder bewirkt. Nachdem Korum gegangen war, hatte sie sich geduscht und war dann ins Bett geklettert, um sich ein paar Minuten auszuruhen. Sobald sie darin gewesen war, hatten sich die Decken um sie herum bewegt, um sie in einen zarten Kokon einzuwickeln, und sie konnte die leichten Vibrationen unter den angespanntesten Teilen ihres Körpers spüren. Es fühlte sich an, als würden sanfte Finger die Knoten in ihrem Rücken und ihrem Nacken wegmassieren. Sie erinnerte sich daran, wie sehr sie dieses Gefühl genossen hatte, und dann musste sie auch schon eingeschlafen sein, denn von dem Moment an konnte sie sich an nichts mehr erinnern.
Offensichtlich bemerkte der Raum, dass sie wach war, denn um sie herum wurde es langsam heller, obwohl es keine offensichtliche Lichtquelle gab.
Das war eine clevere Sache, dass das Licht so langsam anging, dachte Mia. Helles Licht nach völliger Dunkelheit war oftmals sehr schmerzvoll für die Augen, und trotzdem funktionierten die meisten menschlichen Beleuchtungskörper auf diese Art. Sie gingen entweder an oder aus – obwohl diese Übergänge von hell zu dunkel in der Natur viel subtiler waren.
Unwillig, das gemütliche Bett zu verlassen, lag Mia einfach nur da und überlegte sich, was sie als Nächstes tun sollte. Das Gefühl von Übelkeit und Panik, das sie vor dem Schlafen noch verspürt hatte, war weg, und sie konnte wieder klarer denken.
Es stimmte schon, dass Korum sie benutzt und manipuliert hatte.
Aber fairerweise musste sie einräumen, dass er das getan hatte, um seine eigene Rasse zu beschützen – genauso wie sie von sich gedacht hatte, dass sie der gesamten Menschheit damit helfen würde, wenn sie ihn ausspionierte. Das Gefühl, betrogen worden zu sein, welches sie gestern verspürt hatte, war irrational und völlig unangebracht gewesen, wenn man ihre Beziehung zueinander und ihr Verhalten ihm gegenüber betrachtete. Die Tatsache, dass er überhaupt nichts getan hatte, um sie für ihren Verrat zu bestrafen, sprach Bände über seine Intentionen.
Sie hatte Unrecht gehabt, ihn bis jetzt immer so schlechtzumachen. Wenn er ihr für das, was sie bis jetzt alles gemacht hatte, nicht wehgetan hatte, würde er es wahrscheinlich nie tun.
Und trotzdem hatte er offensichtlich keine Probleme damit, ihre Wünsche völlig zu ignorieren. Typisches Beispiel: Sie war hier in Lenkarda. Aber wenn er die Wahrheit gesagt hatte, würde sie dennoch bald ihre Eltern besuchen können und sogar zurück nach New York kommen, um ihr Studium zu beenden.
Alles in allem war ihre Situation doch um einiges besser, als sie heute Morgen befürchtet hatte, als sie dachte, dass er sie für ihre Unterstützung des Widerstands umbringen werde.
Und trotzdem verunsicherten sie die Umstände, in denen sie sich befand. Sie war in einer Siedlung der Krinar, deren Sprache sie nicht sprach, in der sie niemanden außer Korum kannte und keine Ahnung hatte, wie sie die krinarische Technologie bedienen sollte, nicht einmal die einfachsten Sachen. Als ein Mensch war sie hier definitiv ein Außenseiter. Würden die Krinar denken, dass sie dumm sei, nur weil sie war, was sie war? Weil sie kein Krinarisch verstehen konnte und nicht zehn Bücher in ein paar Stunden lesen konnte, so wie Korum? Würden sie sich über ihre Unwissenheit und ihren technischen Analphabetismus lustig machen? Selbst für menschliche Verhältnisse war sie ein Desaster, was Technologie betraf. Sie fragte sich auch, ob Korums Arroganz einfach ein Teil seiner Persönlichkeit war oder ob das vielleicht typisch für seine Spezies und ihre Einstellung gegenüber den Menschen war.
Natürlich änderte es auch nichts, lange darüber nachzudenken. Ob sie das jetzt mochte oder nicht, sie lebte nun einmal für die nächsten Monate in Lenkarda und musste das Beste daraus machen. Und in der Zwischenzeit gab es hier so viele Sachen, die sie entdecken konnte …
Die Tür zum Schlafzimmer öffnete sich leise, und Korum kam herein, was sie aus ihren Gedanken riss. »Hey Schlafmütze, wie geht es dir?«
Mia konnte nicht anders als ihn anzulächeln und alle ihre Bedenken einen Moment lang zu vergessen. Zum ersten Mal seit sie ihn kannte, trug Korum krinarische Kleidung: ein ärmelloses T-Shirt aus einem weich aussehenden Material und eine graue Shorts, die ihm bis kurz über die Knie reichte. Es waren schlichte Sachen, aber sie standen ihm außerordentlich gut und betonten seine kräftig gebaute Statur. Er sah einfach zum Anbeißen gut aus. Seine glatte, bronzefarbene Haut strahlte vor Gesundheit, und die bernsteinfarbenen Augen leuchteten, als er sie auf seinem Bett liegen sah.
»Das Bett ist fantastisch«, bemerkte Mia. »Ich weiß gar nicht, wie du in etwas anderem schlafen konntest.«
Er grinste, setzte sich neben sie und nahm sich eine Strähne ihres Haars, um damit zu spielen. »Ich weiß. Das war wirklich ein Opfer – aber deine Gegenwart hat es ziemlich erträglich gemacht.«
Mia lachte, rollte sich auf ihren Bauch und fühlte sich einfach gerade unverschämt glücklich. »Und was jetzt? Werde ich jetzt auf noch mehr intelligente Sachen treffen? Ich muss sagen, eure Technologie ist echt sehr cool.«
»Du machst dir keine Vorstellung davon, wie cool unsere Technologie ist«, sagte Korum und sah sie mit einem geheimnisvollen Lächeln an. »Aber du wirst es bald herausfinden.«
Er beugte sich hinunter, gab ihr einen Kuss auf ihre entblößte Schulter und knabberte dann sanft an ihrem Hals. Sein Mund fühlte sich auf ihrer Haut warm und weich an, und Mia erschauderte vor Behagen und schloss ihre Augen. Ihr Körper reagierte sofort auf seine Berührung. Sie fühlte, wie sich eine Woge warmer Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen sammelte, und stöhnte leise auf.
Er hörte sofort auf und setzte sich gerade hin.
Überrascht öffnete Mia ihre Augen und sah ihn an. »Du willst mich nicht?«, fragte sie leise und versuchte dabei, sich nicht anhören zu lassen, dass sie verletzt war.
»Was? Nein, mein Schatz, ich will dich sogar sehr.« Und das stimmte auch; sie konnte in seinen ausdrucksvollen Augen die warmen, goldenen Flecken sehen, und das weiche Material seiner Shorts verbarg seine Erektion auch nicht.
»Und warum hast du dann aufgehört?«, fragte Mia und wandte ihre ganze Willenskraft auf, um sich nicht wie ein kleines Kind anzuhören, dem gerade die Süßigkeiten weggenommen worden waren.
Er seufzte und sah frustriert aus. »Ein Freund von mir kommt gleich vorbei, um dich kennenzulernen. Er wird in ein paar Minuten hier sein.«
Mia schaute ihn überrascht an. »Ein Freund von dir möchte mich kennenlernen? Warum?«
Korum lächelte. »Weil er von mir eine Menge über dich gehört hat. Und weil er einer unserer Top-Experten für alles, was mit dem Verstand zu tun hat, ist, und dir mit dem Eingewöhnungsprozess helfen kann.«
Mia runzelte leicht die Stirn. »Ein Experte für alles, was mit dem Verstand zu tun hat? Du möchtest, dass ich einen Seelenklempner treffe?«
Korum schüttelte grinsend seinen Kopf. »Er ist kein Seelenklempner. In unserer Gesellschaft ist ein Verstandesexperte jemand, der mit allen Aspekten des Gehirns zu tun hat. Er ist wie eine Kombination aus Neurochirurg, Psychiater und Therapeut – also im wahrsten Sinne ein Experte für alle Angelegenheiten, die den Verstand betreffen.«
Das war interessant, aber das beantwortete ihre Frage nicht wirklich. »Also warum möchte er mich sehen?«
»Weil ich denke, dass er etwas machen kann, was dazu beiträgt, dass du dich hier mehr wie zu Hause fühlst«, sagte Korum, und seine Finger strichen sanft ihren Arm hinab.
Das machte er gerne, war Mia aufgefallen, sie einfach beiläufig während ihrer Gespräche zu berühren, so als würde er das ständige Bedürfnis nach körperlichem Kontakt zu ihr verspüren. Mia störte das nicht. Das war die Chemie, über die er mit ihr gesprochen hatte; ihre Körper zogen sich gegenseitig an, so wie zwei Objekte im Weltall.
Sie zwang sich, ihre Aufmerksamkeit wieder der Unterhaltung zuzuwenden. »Und was zum Beispiel?«, fragte sie leicht misstrauisch.
»Na ja, würdest du zum Beispiel gerne unsere Sprache verstehen können?«
Mias Augen weiteten sich, und sie nickte begierig. »Natürlich!«
»Hast du dich jemals gefragt, warum ich so gut Englisch sprechen kann? Und alle anderen menschlichen Sprachen? Wie es möglich ist, dass alle von uns das können?«
»Ich wusste nicht, dass du außer Englisch auch noch andere Sprachen sprechen kannst«, musste Mia zugeben und starrte ihn erstaunt an. Sie hatte sich einmal kurz darüber gewundert, warum er ein so hervorragendes Amerikanisches Englisch sprach, aber sie war immer davon ausgegangen, dass die Krinar einfach alles lernten, bevor sie zur Erde kamen. Korum war unglaublich intelligent, also hatte sie es als normal hingenommen, dass er ihre Sprache so gut kannte und sie akzentfrei sprach. Und jetzt sagte er ihr gerade, dass er noch jede Menge anderer Sprachen sprechen konnte?
»Also sprichst du Französisch?«, fragte sie. Als er nickte, fragte sie weiter: »Spanisch? Russisch? Polnisch? Mandarin?« Jedes Mal machte er eine zustimmende Geste.
»Okay … und was ist mit Suaheli?«, fragte Mia ihn und war sich sicher, dass sie ihn diesmal erwischt hatte.
»Das auch«, sagte er und lächelte, als er ihren verblüfften Gesichtsausdruck sah.
»Okay«, sagte Mia langsam. »Ich nehme an, dass du mir jetzt sagen wirst, dass das nicht nur dank deiner Intelligenz so ist.«
Er grinste. »Genau. Ich könnte die Sprachen auch selbst lernen, wenn ich die Zeit dazu hätte, aber es gibt da einen effizienteren Weg – und genau deshalb kommt Saret hierher, um dir zu helfen.«
Mia starrte ihn an. »Er kann mir beibringen, Krinarisch zu sprechen?«
»Viel besser als das. Er kann dir die gleichen Fähigkeiten geben, die ich auch habe – augenblickliches Verstehen und Sprechen aller Sprachen, egal ob menschlich oder krinarisch.«
Mia musste vor Aufregung nach Luft schnappen, und ihr Herz schlug auch gleich viel schneller. »Wie?«
»Indem er dir ein kleines Implantat einsetzt, das Einfluss auf eine spezifische Region deines Gehirns ausübt und als hochentwickeltes Übersetzungsgerät funktioniert.«
»Ein Gehirnimplantat?« Ihre Aufregung verwandelte sich augenblicklich in Furcht, da alles in Mia diese Idee ablehnte. Sie hatte schon Überwachungsgeräte in ihren Handflächen; das Letzte, was sie jetzt noch brauchte, war eine außerirdische Technologie, die ihr Gehirn manipulierte. Die Fähigkeit, die er beschrieben hatte, war unglaublich, und sie wollte das unbedingt auch alles können – aber nicht zu dem Preis.
»Das Gerät ist nicht das, was du dir vorstellst«, sagte Korum. »Es ist sehr klein, so klein wie eine Zelle, und du wirst überhaupt nichts davon spüren – weder während der Implantation noch danach.«
»Und wenn ich ablehne, sage, dass ich das nicht möchte?«, fragte Mia ruhig, da sie der Gedanke beunruhigte, dass der von Korum eingeladene Gedankenexperte schon auf dem Weg hierher war.
»Warum solltest du das nicht wollen?« Er sah sie mit leicht gerunzelter Stirn an.
»Musst du da wirklich noch fragen?«, fragte sie ungläubig. »Du hast mich bestrahlt – mir Überwachungsapparate, unter dem Vorwand, meine Handflächen zu heilen, implantiert. Denkst du wirklich, ich wäre damit einverstanden, wenn du etwas in mein Gehirn einpflanzen möchtest?«
Korums Stirnrunzeln verstärkte sich. »Das hier hat keine weiteren Funktionen, Mia.« Er zeigte keine Spur von Reue darüber, dass er sie einfach bestrahlt hatte.
»Ach wirklich?«, fragte sie ihn in einem beißenden Ton. »Es macht nichts Zusätzliches? Es beeinflusst auch nicht irgendwie meine Gedanken oder Gefühle?«
»Nein, mein Liebling, das macht es nicht.« Bei dem Gedanken daran sah er leicht amüsiert aus.
»Ich möchte kein Hirnimplantat«, sagte Mia bestimmt und sah ihn mit einem rebellischen Gesichtsausdruck an.
Er starrte zurück. »Mia«, sagte er sanft, »wenn ich ernsthaft so etwas ohne dein Wissen in dein Gehirn hätte implantieren wollen, hätte ich das auf eine Million verschiedene Arten und Weisen tun können. Ich kann jederzeit alles, was ich möchte, in deinen Körper pflanzen, ohne dass du etwas davon mitbekommst. Der einzige Grund dafür, dass ich dir diesen Übersetzter anbiete, ist der, dass ich möchte, dass du dich hier wohlfühlst und dich ohne fremde Hilfe verständigen kannst. Wenn du das nicht möchtest, ist das deine Entscheidung. Ich werde dich nicht dazu zwingen. Aber nur sehr wenigen Menschen bietet sich diese Möglichkeit, und ich würde dir raten, es dir gut zu überlegen, bevor du ablehnst …«
Mia sah weg, weil sie plötzlich begriff, dass er recht hatte. Er musste sie weder informieren noch sie um ihre Erlaubnis bitten, wenn er etwas mit ihr machen wollte. Die Panik, von der sie dachte, sie unter Kontrolle zu haben, drohte wieder hochzukochen, und sie verhinderte das nur unter großen Anstrengungen.
Irgendetwas ergab für sie keinen Sinn. Sie holte tief Luft, drehte sich wieder zu ihm herum und beobachtete seinen unleserlichen Gesichtsausdruck. Es störte sie, dass sie ihn immer noch so wenig verstand, dass die Person, die so viel Macht über sie hatte, ihr immer noch so fremd war.
»Korum …« Sie war sich nicht sicher, ob sie das ansprechen sollte, aber sie konnte nicht widerstehen. Diese Frage quälte sie seit Wochen. »Warum hast du mich bestrahlt? Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht mal den Widerstand getroffen, also musstest du mich überhaupt noch nicht für deinen großen Plan im Auge behalten …«
»Weil ich sichergehen wollte, dass ich dich jederzeit finden kann«, sagte er, und in seiner Stimme schwang eine besitzergreifende Note mit, die ihr Angst machte. »Ich habe dich an jenem Tag in meinen Armen gehalten und wusste, dass ich mehr wollte. Ich wollte alles, Mia. Von diesem Moment an warst du meine Mia, und ich hatte nicht vor, dich zu verlieren, nicht einmal für einen Moment.«
Nicht einmal für einen Moment? Merkte er, wie verrückt sich das anhörte? Er hatte ein Mädchen gesehen, das er wollte, und er hatte sichergestellt, dass er jederzeit wissen konnte, wo sie sich gerade befand.
Die Tatsache, dass er dachte, er habe das Recht dazu, machte ihr Angst. Konnte sie mit so einer Person leben? Er hatte kein Konzept von Grenzen, was sie anbelangte, und auch keinerlei Respekt vor ihrem freien Willen. Er hatte gerade beiläufig ein abscheuliches und selbstherrliches Verhalten zugegeben, und sie hatte keine Ahnung, was sie jetzt zu ihm sagen sollte.
Als sie weiterhin schwieg, atmete Korum tief ein und stand auf. »Du solltest dich jetzt anziehen«, sagte er ruhig, »Saret wird jeden Moment hier sein.«
Mia nickte, setzte sich auf und bedeckte ihren Oberkörper mit der Zudecke. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, die Komplexität ihrer Beziehung zu analysieren. Sie holte selbst tief Luft und drückte ihre Angst weg. Im Moment gab es nichts, was sie tun konnte, um ihre Situation zu ändern, und sich jetzt auf die negativen Seiten zu konzentrieren würde alles nur noch schlimmer machen. Sie musste einen Weg finden, um mit ihrem Liebhaber auszukommen, seine dominante Art besser zu beeinflussen.
»Was soll ich anziehen?«, fragte Mia. »Ich habe keine Kleidung mitgebracht …«
»Möchtest du wie immer Jeans und T-Shirt tragen oder dich wie alle anderen hier anziehen?«, fragte Korum, und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Ein Teil der Anspannung im Raum verschwand.
»Ähm, wie jeder andere vielleicht?« Sie wollte ja schließlich nicht unangenehm auffallen.
»Alles klar.« Korum führte eine kleine Handbewegung aus und reichte ihr ein helles Stück Stoff, das vor einer Sekunde noch nicht hier gewesen war.
Mia starrte den Stofffetzen, den er ihr gerade gegeben hatte, an. »Noch mehr Instantfabrikation?«, fragte sie und versuchte so zu tun, als sei es nicht immer noch ein riesiger Schreck, dabei zuzusehen, wie Dinge aus dem Nichts auftauchten.
Er grinste. »Das ist richtig. Wenn du es nicht magst, kann ich dir etwas anderes machen. Probiere es doch einfach mal an.«
Mia ließ die Bettdecke los und stieg, ohne ein Problem mit ihrer Nacktheit zu haben, aus dem Bett. Trotz all seiner Fehler hatte Korum, was Mias Körperbild und Selbstbewusstsein betraf, Wunder bewirkt. Weil er ihr andauernd sagte, wie schön er sie fand, machte sie sich keine Sorgen mehr, ob sie zu knochig war oder krauses Haar und blasse Haut hatte. In ihrer Teenagerzeit wäre er ein Segen für sie gewesen.
Nein, streich diesen Gedanken. Kein Teenager sollte jemandem ausgesetzt sein, der so umwerfend war.
Sie nahm das Kleid, zog es an und ging dabei auch sicher, dass der tiefe Ausschnitt sich auf dem Rücken befand. »Was denkst du?«, fragte sie und vollführte eine kleine Drehung.
Er lächelte sie mit einem warmen Glanz in den Augen an. »Es sieht wie für dich gemacht aus.«
Seine Shorts wiesen jetzt eine Ausbeulung auf, und Mia lächelte zufrieden in sich hinein. Trotz allem war es schön, zu wissen, dass sie diesen Effekt auf ihn hatte, dass er sie genauso begehrte wie sie ihn. Zumindest in diesem Punkt nahmen sie sich nichts.
Da sie neugierig darauf war, zu sehen, wie es an ihr wirkte, ging sie zu dem Spiegel am anderen Ende des Schlafzimmers.
Und Korum hatte recht, das Kleid war wunderschön. Vom Stil her war es so ähnlich wie diejenigen, die sie bei den weiblichen Keiths gesehen hatte. Es schmiegte sich perfekt an ihren Körper und war in einem wundervollen Elfenbeinton mit pfirsichfarbenen Einstichen gehalten. Ihr Rücken und ihre Schultern lagen größtenteils frei, während ihre Vorderseite sittsam bedeckt war und strategisch günstig gelegene Falten im Brustbereich ihre Nippel kaschierten. Die Länge des fließenden Rocks, der einige Zentimeter über ihren Knien aufhörte, war ebenfalls genau richtig für sie.
Als sie sich umdrehte, reichte er ihr ein Paar flache, elfenbeinfarbene Sandalen, die aus einem ungewöhnlich weichen Material waren. Mia probierte sie an. Sie passten perfekt und waren unglaublich bequem.
»Hübsch, danke«, sagte sie. Dann erinnerte sie sich an ein letztes wichtiges Teil und fragte: »Was ist denn mit Unterwäsche?«
»Wir tragen eigentlich keine«, sagte Korum. »Ich kann welche für dich machen, wenn du drauf bestehst, aber du kannst ja auch mal ausprobieren, nur unsere Kleidung zu tragen.«
Keine Unterwäsche? »Und was ist, wenn das Kleid hochrutscht, oder so?«
»Wird es nicht. Dieses Material ist auch intelligent. Es ist dafür entwickelt worden, genau passend an deinem Körper zu haften. Wenn du dich bewegst oder dich in eine Richtung beugst, wird es sich mit dir mit bewegen, und du wirst immer bedeckt sein.«
Das war praktisch. Mia dachte an die vielen Busenblitzer in Hollywood, die mit der krinarischen Kleidung hätten vermieden werden können. »Okay, dann denke ich, dass ich fertig bin«, sagte sie. »Ich muss nur noch mal ins Badezimmer, und dann kann es losgehen.«
»Hervorragend«, sagte Korum lächelnd. »Wir sehen uns dann im Wohnzimmer.«
Und nach einem schnellen Kuss auf ihre Stirn verließ er den Raum.