Kapitel Fünf
Die Bekanntgabe
Amelia trat ein und sah die Menge an Würdenträgern, die bereits bei der Veranstaltung versammelt war.
Er hatte ihr lediglich gesagt, sie solle im Büro erscheinen – angemessen für den Anlass gekleidet.
Sie wartete still unter den Gästen, während sie von einer Kellnerin, die die Eingeladenen bediente, ein Glas Champagner entgegennahm.
Ken betrat mit sichtbarem Stolz die Bühne, nahm das Mikrofon in die Hand, seine Stimme ruhig und souverän.
„Ich möchte Ihnen offiziell Amelia Hart vorstellen“, er machte eine Pause und ließ die Spannung steigen, „als meine Ehefrau.“ Er lächelte breit.
Ein Aufkeuchen ging durch das Publikum, gefolgt von aufgeregtem Gemurmel. Alle drehten sich in die Richtung, in der sie stand.
Amelia stockte der Atem. Ehefrau. Das Wort donnerte in ihrem Kopf. Sie war es nicht gewohnt.
Sie fügte sich und trat zu ihm auf die Bühne – würdevoll, mit einer Ausstrahlung, von der sie nie gewusst hatte, dass sie in ihr steckte.
Die Reporter verloren keine Zeit und feuerten eine Reihe von Fragen ab. Verwirrung spiegelte sich in Amelias Gesicht, als sie unsicher dastand, welche sie zuerst beantworten sollte.
„Seit wann haben Sie heimlich miteinander angebandelt?“, fragte ein hellhäutiger Mann und hielt ihr das Mikrofon direkt vor die Lippen.
Amelia wollte sprechen, doch sie blieb stumm, bevor sich Kens Lippen zu einem geübten Lächeln verzogen und er antwortete: „Schon eine Weile. Wir haben uns entschieden, nun offen damit umzugehen.“
Amelias Herz hämmerte. Sie spürte, wie sich seine Hand fest um ihre schmale Taille legte.
„Liebst du ihn?“, rief jemand.
Ihr Hals wurde trocken.
Sie zwang ihre Lippen auseinander. „Ja.“ Das einzelne Wort brach in ihrer Brust, und sie fragte sich, ob jemand die Leere darin hören konnte.
„Wird das Ihre Arbeit beeinflussen?“
„Ganz sicher nicht“, antwortete sie, ihre Stimme fester, als sie sich fühlte, obwohl ihr Puls in den Ohren pochte.
„War es Liebe auf den ersten Blick?“
Ken beugte sich näher, seine Stimme tief. „Auf jeden Fall. Als ich Amelia traf, wusste ich, dass sie einmal mir gehören würde.“
Amelia fixierte ihn. Wie gut er doch darin war zu schauspielern, wo doch zwischen ihnen eigentlich nichts war.
Ein zustimmendes Raunen ging durch den Saal. Amelia schluckte schwer. Seine Worte klangen so aufrichtig, und doch zog sich in ihr alles zusammen.
„Und Sie, Amelia? Wie fühlen Sie sich dabei, dass Ihre Beziehung nun öffentlich ist?“
Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Ich bin schüchtern, aber ich muss sagen, es ist wohl besser so. Da Mr. Ken eine öffentliche Person ist.“
„Wann dürfen wir mit einem kleinen Mr. Ken rechnen?“, fragte ein Reporter und hielt das Aufnahmegerät hoch.
Kens scharfe Stimme durchschnitt das Stimmengewirr. „Genug der Fragen. Wir sind fürs Erste fertig mit dem Rampenlicht.“
Die Menge wurde noch lauter, doch er ignorierte sie, packte Amelia am Handgelenk und zog sie in den Schatten seines Büros.
Die Tür schlug zu.
„Lass mich los!“, fauchte sie und riss ihre Hand aus seinem Griff.
„Ich bin kein Kind, Ken. Ich kann auf mich selbst aufpassen.“
Sein Kiefer spannte sich an. „Sie wirkten keineswegs überzeugend genug. Muss ich Sie daran erinnern, dass Sie keinen Cent von mir bekommen, wenn Sie sich nicht an den Plan halten?“
Ihre Brust schnürte sich zusammen, der Atem stockte vor Unglauben. „Ist das eine Drohung?“
Amelias Stimme bebte.
„Ich kann dich nicht fassen“, murmelte sie, Zorn blitzte in ihren Augen.
Ihre Fassung zerbrach und legte das Feuer darunter frei.
„Wofür, zum Teufel, glaubst du, brauche ich diesen Vertrag? Denkst du, es ist, weil ich dich liebe?“ Seine Worte zerschmetterten ihr Herz in tausend Stücke.
Amelia erstarrte.
„Sag es mir!“, ihre Stimme brach, bebend vor Verzweiflung. „Ich habe ein Recht zu wissen, warum du mich brauchst.“
Er wandte den Blick ab, sein Schweigen schwerer als jede Antwort.
„Um öffentliche Zustimmung zu gewinnen, nicht wahr? Das ist der Grund!“, schrie sie.
Er blieb reglos stehen und sagte nichts.
Ihre Lippen zitterten. „Für dich ist alles nur ein Geschäft, oder?“
„Ja.“ Das Wort schnitt wie eine Klinge.
Tränen brannten in Amelias Augen, ihre Brust hob und senkte sich in zittrigen Atemzügen.
„Und was ist mit mir? Diese falsche Ehe könnte mein Leben ruinieren.“
Kens Blick verdunkelte sich. „Dann ist das dein Problem. Sind wir uns klar?“
Ihre Worte versiegten in ihrem Hals. Sie konnte ihn nur anstarren, während ihr Herz unter der Last seiner Kälte zerfiel.
„Gut“, sagte er abweisend.
„Ich war dumm, mich überhaupt auf das hier mit dir einzulassen.“
„Du hast keine Wahl, Amelia. Ein Vertrag ist ein Vertrag. Du steckst mit mir fest, bis das vorbei ist.“
„Du bist herzlos!“, schrie sie.
Der Raum verschwamm, ihre Sicht wurde von Tränen getrübt, die sie sich weigerte, hier fallen zu lassen – nicht vor ihm.
Sie stieß die Tür auf und stolperte hinaus in die kühle Luft.
Wie sollte sie diesen schwierigen Moment überstehen – mit ihrer Mutter im Krankenhaus und einer Vertragsehe mit ihrem Boss?