Erste Begegnung*

612 Words
Das Lagerfeuer knackte und warf tanzende Schatten auf die Gesichter um mich herum. Lachen und Gespräche erfüllten die Luft, während das Rudel feierte. Ich stand am Rand, hielt einen Becher fest und versuchte, mich unauffällig zu geben. „Storm!“ rief Paige und bahnte sich ihren Weg durch die Menge. Ich drehte mich um und schenkte ihr ein kleines Lächeln. „Hey.“ Sie schlang ihren Arm um meinen. „Komm schon, lass uns unter die Leute mischen. So eine Versammlung haben wir nicht jeden Tag.“ Ich zögerte, doch sie zog mich vorwärts. Wir schlängelten uns durch die Menge und begrüßten bekannte Gesichter. Als wir uns einer Gruppe in der Mitte näherten, trafen sich meine Augen mit seinen. Alpha Chase stand groß und stolz da, seine durchdringenden blauen Augen fixierten mich. Die Zeit schien stillzustehen. „Storm,“ flüsterte Paige und stieß mich an. „Er sieht dich an.“ Ich schluckte schwer. „Ich habe es bemerkt.“ Er begann auf uns zuzugehen, die Menge teilte sich mühelos für ihn. „Storm, richtig?“ Seine tiefe Stimme hallte. Ich nickte, mein Herz schlug heftig. „Ja, Alpha.“ Er schenkte mir ein leichtes Lächeln. „Genießt du die Versammlung?“ „Es ist… lebedig,“ brachte ich hervor. Er lachte leise. „In der Tat.“ Eine peinliche Stille legte sich, bevor er wieder sprach. „Es gibt etwas Besonderes an dir.“ Ich erwiderte seinen Blick. „Das hat man mir schon gesagt.“ Er nickte nachdenklich. „Wir werden bald mehr reden.“ Damit wandte er sich ab und verschwand in der Menge. Paige packte meinen Arm. „Was ist gerade passiert?“ Ich schüttelte den Kopf, noch ganz unsicher. „Ich weiß es nicht.“ Aber tief in mir spürte ich eine Verbindung, einen Funken, den ich nicht ignorieren konnte. Die Menge um mich herum verschwamm, doch in meinem Kopf spielten sich immer wieder diese eisblauen Augen ab, wie sie mich durchsucht hatten, als wäre ich ein Geheimnis, das er entschlüsseln musste. Ich spürte einen Sog, den ich nicht verstand. Einen Sog, vor dem ich Angst hatte. „Storm?“ Paiges Stimme schnitt durch meine Gedanken. „Alles okay?“ Ich blinzelte und nickte, zwang ein Lächeln auf mein Gesicht. „Ja. Nur... überrascht, denke ich.“ Sie musterte mich, die Stirn legte sich in Falten. „Das war nicht nur ein ‚Hallo‘, weißt du. Er hat nach etwas gesucht.“ Ich sah weg und biss mir auf die Lippe. „Ich weiß nicht mal mehr, wer ich eigentlich bin, Paige. Der Rudel... die Zeremonien... das alles ist so viel.“ Sie drückte meine Hand. „Du musst nicht heute alles verstehen. Aber du kannst nicht für immer weglaufen.“ Ich wollte widersprechen, sagen, dass ich nicht weglaufe. Aber tief in mir wusste ich, dass ich es tat. „Komm schon,“ drängte Paige leise, „lass uns Meghan suchen. Sie wartet schon.“ Wir bahnten uns einen Weg durch die Menge, bis Meghan uns mit einem warmen Lächeln begrüßte. „Du siehst heute anders aus, Storm.“ „Vielleicht fühle ich mich anders,“ gestand ich. Meghans Augen waren freundlich, aber scharf. „Du veränderst dich. Das ist ganz natürlich. Du kannst nicht vor dem fliehen, was du bist.“ Bevor ich antworten konnte, legte sich eine Stille über die Lichtung. Alle Augen richteten sich auf die Feuerstelle, wo die Ältesten bereitstanden, das Ritual zu beginnen. Mein Herzschlag beschleunigte sich. Paige beugte sich vor und flüsterte: „Heute Nacht ändert sich alles. Bist du bereit?“ Ich schluckte schwer, starrte in die Flammen und fragte mich, ob ich es jemals sein würde. ---
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