Kapitel 2: Unerwünschte Braut

1447 Words
Lucians Perspektive Ich kann nicht glauben, dass ich irgendeine zufällige Wölfin heiraten muss, nur weil sie die Tochter eines Alphas ist. Warum zwingt meine Mutter mich dazu? Ich würde die Allianz mit der Klausel unterschreiben, dass ich sie beschütze, solange ich sie nicht heiraten muss, wenn ich damit durchkäme. Es ist veraltet, jetzt wo wir dank der neuen Königin alle in einem Bündnis sind. Ich verstehe nicht, warum wir diese Vereinbarung immer noch einhalten müssen. Meine Mutter besteht so sehr darauf, und ich habe keine Ahnung, warum ihr das so wichtig ist. Ich habe bereits genug Frauen, um mich zufriedenzustellen. Wenn meine Mutter möchte, dass ich eine Luna habe, könnte ich leicht eine von ihnen auswählen. Dann wüsste ich wenigstens, dass ich mich zu ihr hingezogen fühle, anstatt zu einer verzweifelten, verwöhnten Alphatöchter, die unbedingt sicherstellen will, dass sie einen Alpha heiratet. Es gibt keine Chance, dass ich ihr auch nur nahekomme. Sie bekommt ihr eigenes Zimmer und sollte besser nicht erwarten, in meinem Rudel etwas zu sagen zu haben. Ich habe die jüngere Tochter bereits kennengelernt, und sie ist die nervigste Person, der ich je begegnet bin. Ich hatte fast das Bedürfnis, sie gleich da und dort umzubringen. Es war wirklich knapp, ich habe sie sogar bedroht, als sie es wagte, meinen Arm zu berühren und mit mir zu flirten. Ich denke, ich muss sie wohl eingeschüchtert haben, und deshalb bieten sie jetzt ihre andere Tochter an, die ich noch nie getroffen habe. Sie ist vermutlich noch schlimmer, weil sie die Erstgeborene ist. Sie konnte es nicht einmal für nötig halten, mich zu treffen, als der Rest der Familie da war, so verwöhnt und unhöflich. Ich plane, ihr Leben hier zur Hölle zu machen, in der Hoffnung, dass ich sie loswerde. Unglücklicherweise habe ich nach der Vertragsunterzeichnung bemerkt, dass Mama in die Fußnoten geschrieben hat, dass die Ehe mindestens drei Jahre dauern muss. So wie ich sie behandeln werde, wird sie bis dahin von selbst weglaufen. „Freust du dich auf deine Hochzeit morgen?“, neckt mich mein Gamma Shawn. „Scheiße, Shawn. Wenn meine Mutter mich nicht hereingelegt hätte, würde ich das nicht machen. Sie wird in ein Zimmer gesteckt und in Ruhe gelassen. Sie sollte mir besser nicht in die Quere kommen, wenn sie weiß, was gut für sie ist“, knurre ich. „Hey, beruhig dich, ich mache nur Spaß. Du weißt ja nie, vielleicht ist sie heiß“, sagt er und wackelt mit den Augenbrauen. „Das ist mir scheißegal. Ich werde sie nicht anfassen. Ich habe genug heiße Frauen. Ich habe nicht vor, ihr falsche Hoffnungen zu machen. Ich will sie so schnell wie möglich loswerden“, fauche ich. „Na gut, ich bin sicher, sie ist überglücklich darüber“, lacht er. „Lucian!“, höre ich Mama rufen. „Ja, Mama“, sage ich und gehe zu ihr. „Ah, da bist du ja. Ich habe ein paar Sachen für Aurora bestellt, also brauche ich, dass du Platz in deinem Zimmer machst, um sie unterzubringen“, sagt sie zu mir. „Ich mag dieser Farce einer Hochzeit zugestimmt haben, aber sie wird nicht in meinem Zimmer bleiben. Das ist die Grenze. Bring sie in die Luna-Suite, wenn du musst, aber wenn ich etwas in meinem Zimmer finde, wird es zerstört, einschließlich ihr“, warne ich. „Sei nicht albern, sie wird deine Frau. Ihr solltet euch ein Zimmer teilen“, schnauft sie. „Ich meine es ernst, Mama. Leg dich nicht mit mir an. Ich will nicht, dass wir deswegen Streit haben. Ich werde keine nichtsnutzige Tussi in mein Leben lassen“, warne ich. „Göttin, Lucian, du hast das Mädchen noch nicht mal getroffen. Sie ist nicht wie ihre Schwester. Gib ihr eine Chance. Wenn sie nur ein Bruchteil ihrer Mutter ist, wird sie eine wunderschöne, wundervolle Frau sein“, sagt sie. „Luna Selma?“, lache ich. „Nicht diese Furie, sei nicht lächerlich. Zander und Auroras Mutter starb, als sie sieben war. Ihr Vater hatte da schon diese Schlampe geschwängert, die Suzie bekam. Ich war gut mit ihrer Mutter befreundet. Aurora war ein bezauberndes Kind. Als ich das arrangierte, war es ihre Hand, die ich wollte, nicht die dieses Görs“, erklärt sie. „In zwölf Jahren kann sich viel ändern, Mama. Sie hatte nicht einmal den Anstand, sich mir zu zeigen, als ich das Rudel besucht habe. Wahrscheinlich hält sie sich für zu gut dafür“, spotte ich. „Schluss mit deinen Vorurteilen. Du weißt nicht, was in anderen Rudeln passiert“, argumentiert sie. „Und du auch nicht, Mama. Ich bin fertig mit dem Thema. Sie wird in einem anderen Zimmer schlafen. Darüber diskutiere ich nicht weiter“, stelle ich klar und gehe weg, während ich sie seufzen höre. „Du warst ein bisschen hart zu Luna. Vielleicht hat sie einen Punkt“, sagt Shawn. „Du auch noch? Ich will darüber nicht mehr reden. Ab morgen ist sie hier, und ich bin an sie gebunden. Kann ich wenigstens heute etwas verdammte Ruhe haben?“, seufze ich. „Kein Problem, ich erwähne es nicht mehr“, sagt er und macht eine Bewegung, als ob er seinen Mund mit einem Reißverschluss verschließt. Wir machen weiter mit Rudelsaufgaben und entscheiden uns später, mit meinem Beta Fred und meinem Bruder Lee auszugehen und uns zu betrinken, um meine morgige Hochzeit zu ‚feiern‘. Die Nacht verschwimmt schnell, je mehr wir von dem starken Wolfsalkohol trinken. Ich wache am Morgen von lautem Klopfen und Rufen an meiner Tür auf. Als ich mich halb schlafend umschaue, sehe ich zwei nackte Rudelschlampen in meinem Bett. Ich kann mich kaum noch an die Nacht erinnern, aber anscheinend habe ich das Beste daraus gemacht. „Raus und verschwindet“, knurre ich sie an. Sie ziehen sich schnell an – soweit man die Kleidung nennen kann – und verlassen hastig das Zimmer. Als sie rausrennen, kommen Lee, Fred und Shawn herein. „Wir haben versucht, dich ewig zu erreichen. Du musst duschen und dich fertig machen, sonst kommen wir zu spät“, beschwert sich Lee. „Verdammt, okay, ich mache mich fertig“, stöhne ich und gehe zur Dusche, während sie meine Kleidung heraussuchen. Wenn es nicht schlecht aussehen würde, wäre es mir egal, ob ich zu spät komme oder gar nicht auftauche. Ich dusche schnell, ziehe mich an, und wir eilen zur Tür hinaus. Zum Glück ist das Lichtmondrudel nicht weit, also kommen wir schnell dort an. Ich begrüße meine neuen Schwiegereltern, die alle glücklich über die Hochzeit wirken – bis auf Zander. Alpha Bernard entschuldigt sich, um die Braut zu holen. Nun, da bleibt nichts mehr zu machen. Ich sollte wohl meinen Platz einnehmen, denke ich und bemitleide mich selbst. Ich schaue gerade weg, als ich den verlockendsten Duft wahrnehme, den ich je gerochen habe, und mein Wolf Luca wird aufmerksam. Als ich mich umdrehe, sehe ich, wie der Alpha die schönste Frau, die ich je gesehen habe, auf mich zu führt. Sie sieht absolut unglücklich aus, hier zu sein, was mich aus irgendeinem Grund wütend macht. Gerade als ich dachte, es könnte nicht schlimmer werden, höre ich Luca in meinem Kopf schreien: Gefährtin. Oh verdammt, das kann nicht sein. Das ändert nichts. Ich will trotzdem nichts mit ihr oder dieser Ehe zu tun haben. Ich schalte unsere Verbindung schnell ab, damit er mich nicht beeinflusst und mich zu etwas Dummem bringt. Als sie bei mir ankommt, sehe ich, dass sie genauso verwirrt und genervt aussieht wie ich. Wie kann sie es wagen, nicht bei mir sein zu wollen? Für wen hält sie sich? Ihr Vater legt ihre Hand in meine und will ihr einen Kuss geben, doch sie zieht sich von ihm zurück. Interessant, offensichtlich ist sie nicht zufrieden mit ihm. Entweder haben sie eine schlechte Beziehung oder sie ist wütend auf ihn wegen der Hochzeit. Er sieht wütend aus, weil sie ihn bloßstellt, beschließt aber, nicht zu viel Aufsehen zu erregen. Ich spüre das Kribbeln von unserer Berührung, aber ich kann ihren Wolf nicht spüren. Ich weiß, dass sie erkennen kann, dass wir Gefährten sind, wegen ihrer Reaktion. Also werde ich nicht nur zu einer Ehe gezwungen, sondern meine Gefährtin ist auch noch wolflos. Wie viel schlimmer kann es noch werden? Sie zieht ihre Hand zurück, als könnte sie es nicht ertragen, in meiner Nähe zu sein, bevor sie sich zum Ältesten wendet. Luca kämpft, um die Kontrolle zu übernehmen. Ich drohe, sie hier und jetzt zurückzuweisen, wenn er sich nicht beruhigt. So geht er schließlich still. Verdammt, worin habe ich mich hier hineingeritten?
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD