Es nieselte als sie vom Kino aus auf die andere Straßenseite rannten und hinunter in die U-Bahn trippelten. Rowan hielt Clara die ganze Zeit fest an sich gedrückt. Sie lachten und sprangen nach vier Stationen die Treppen wieder hinauf. Direkt in ein kleines Diner hinein.
„Du bist verrückt“, gluckste Rowan.
„Oh, nein, das bin ich nicht!“, lachte sie ihm entgegen und wackelte mit dem Finger. „Verrückt ist das zwischen uns.“ Nun sprang ihr Zeigefinger abwechselnd zwischen ihnen beiden hin und her.
„Findest du?“ Rowan blickte sie ernst, aber mit einem feinen Lächeln an. „Für mich sind es logische Schritte die wir gehen.“ Clara versank beinah in diesen Augen, die sie taxierten. Dabei hatte sie die Sache mit dem BH nie vorgehabt! Jetzt lief sie ohne herum und fühlte sich... begehrenswert. Von ihm.
Die Bedienung kam herbeigesprungen und nahm ihre Bestellung auf. Ihr Date mit Rowan war mit nichts zu vergleichen was sie kannte. Keine geheuchelte Dekadenz, keine Angeberei oder gar Protz. Sie ließen sich treiben. Und nun saßen sie um halb zwölf Uhr nachts im Diner und aßen Burger mit French Fries. Mit dem letzten Bissen konnte sie ihre Neugier allerdings nicht mehr verbergen und fragte Rowan, wo er die letzten Tage war.
„Ein Krankenbesuch. Ashwood, mein persönlicher Chauffeur und Majordome,“ - Clara hob bei dieser elitären Umschreibung für einen Kammerdiener, die Augenbrauen an - „lag in einem künstlichen Koma und ich habe ihn aus der Stadt gebracht, damit er sich erholt.“
Sie war völlig überrumpelt wie offen Rowan mit ihr war. „Was war passiert?“
„Ein Drogencocktail.“
„Oh...“ In dieser Gegend nicht verwunderlich, allerdings war Clara in einer heilen Welt voller Wölkchen und Einhörnern aufgewachsen, bis sie James' wahren Charakter zu spüren bekam. Nun hörte sie Rowan weiter zu.
„Ashwood ist für seine Zweiundsiebzig ein robuster Kerl, allerdings-“
„ZWEIUNDSIEBZIG?!“
Erschrocken hielt sie die Hand vor den Mund und biss sich auf die Zunge. Sie wurde rot. Es war ihr einfach so herausgerutscht. Laut, barsch und ungläubig. Rowans Mundwinkel zuckte keck nach oben. „Wie gesagt, er ist sehr robust für sein Alter und erholt sich in einem meiner Häuser im Norden vom Lake Michigan.“
Clara räusperte sich leise und wich seinem Blick aus. Das war ihr gerade unsagbar peinlich. Wie konnte sie so taktlos sein und ihren Boss anschreien? Ein Schatten legte sich über sie. Rowan war aufgestanden und hob ihr Kinn an. „Alles gut, Süße. Wenn du ihn triffst, wirst du sein Alter sowieso anzweifeln. Er hat sich bis jetzt gut gehalten.“ Er lachte sie leise und in diesem unglaublich verführerisch dunklen Ton an.
„Wann werde ich ihn kennen lernen?“, fragte sie. Rowans Daumen strich sanft über ihr Kinn, ihre Lippen und wieder zurück.
„Bald. Jetzt gehen wir tanzen.“
Mit Schwung wurde Clara vom Sitz gehoben und an der Hand aus dem Diner geführt.
Der teure Nachtclub zu dem Rowan sie geführt hatte, dröhnte und wummerte an allen Wänden. Dabei liefen sie gerade erst von draußen heran. Bevor sie hineingingen, dreht er sich zu ihr um. „Zieh deinen Pullover aus, drinnen ist es ziemlich warm.“ Seine Hände griffen bereits nach dem Saum, doch er erntete von Clara einen Klaps. „Rowan, ich arbeite jeden Abend in einem solchen Club. Ich hasse diese Musik und all die-“ Er erstickte ihren Redeschwall unter einem Kuss. Clara musste lockerer werden...
Die wenigen Momente, in denen sie sich gehen ließ, waren wertvoll für ihn geworden und Rowan wollte mehr davon. So viele, wie sein Erinnerungsvermögen nur zu ließ. Und er hatte ein Gedächtnis wie ein Elefant! Sonst könnte er diesen Job nicht machen, in den er unfreiwillig hineingerutscht war.
Er leckte mit seiner Zunge über ihre weichen Lippen, die wundervoll breit waren und sich in der Mitte frech nach oben reckten. „Sieh es… als Anregung für neue Ideen im eigenen Nachtclub an.“ Sie schnaubte erbost und schielte verärgert zu ihm hoch, dann zum Eingang rüber und wieder zurück.
Volltreffer! Er sah es genau in ihren hellen Augen.
„Gut. Wir fangen oben an und arbeiten uns dann nach unten“, schlug sie konzentriert vor, als würden sie einen Vertrag abschließen. Dann zog sie ihren Pullover aus und Rowan löste danach ihren Dutt vom Kopf. Leicht wellten sich ihre ansonsten glatten Haare, über ihre Schultern. Sie trug nur noch das anliegende Tanktop aus breiter Rippe, was ihre natürliche Busenform hervorhob.
Okay, Rowan... Pass gut auf dein Mädchen auf, ermahnte er sich nun selbst.
Es war wirklich extrem warm, wenn nicht sogar heiß, im Club. Das Ambiente passt ebenfalls dazu. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Dschungel. Und überaus exklusiv!
Wie versprochen brachte Rowan sie direkt nach oben. An der dortigen Bar nahmen sie sich einen Drink und schlenderten langsam die Etagen wieder nach unten. Er hatte sein Jackett ausgezogen und an der Garderobe abgegeben, genau wie ihren Mantel und den Pullover. Außerdem öffnete er zwei weitere Knöpfe seines Hemdes und Clara bekam einen Blick auf seine kräftige Brust.
In jeder Etage brachte er ihr einen neuen Drink.
„Willst du mich betrunken machen?“, neckte sie ihn. Er grinste und gab ihr einen Kuss hinters Ohr.
„Non, ich befreie dich nur von deiner selbst auferlegten Strenge, meine Liebe.“
Nach zwei Stunden kamen sie am Main Floor wieder an und Clara wippte mittlerweile zu der Dance und Technomusik mit. Irgendwann fand sie sich wild drehend und hüpfend auf der Tanzfläche wieder und Rowan beobachtete sie vom Rand aus. Er lehnte leger an einem der Stehtische und trank nach wie vor Whiskey. Er hatte sich bereits nach drei Songs von der Tanzfläche zurückgezogen und Clara wusste in diesem Moment, dass auch er diese Musikrichtung nicht mochte.
Dieser hinterhältige Heuchler, gluckste sie innerlich. Wobei ihr das mit all dem Alkohol im Blut egal war. Ihr Körper bewegte sich wie von selbst und sie schwang die Arme in die Luft. Plötzlich legten sich ein paar unbekannte Hände auf ihren Bauch, drehten sie herum und ein blonder, junger Mann mit Bierflasche, zog sie johlend an sich heran.
„Yeah, Baby! Kannst deinen geilen Arsch auch auf meinem Freund hier umher schwingen!“ Mit angeheiterten Grinsen und der Einstellung, ihm gehöre die Welt, zeigte er in obszöner Geste auf seinen Schritt.
„Lass mich los!“, knurrte sie und stieß ihn mit der flachen Hand von sich.
„Komm schon! Nicht so schüchtern!“
„Verschwinde!“ Clara befreite sich erneut unfein von ihm und der Blonde Mann wurde wütend.
„Ey, Alte! Was soll der Scheiß?! Kannst mir gleich ein Blasen!“
Sie ignorierte ihn und seinen entwürdigenden Ausruf auf ihre gewohnt schnippische Art und lief von ihm weg. Zwei Meter weiter wurde sie allerdings von drei weiteren Männern aufgehalten und eingekreist.
Was soll das denn werden?
Schrill hämmerte nach wie vor die Musik im Club umher. Menschenmengen zuckten in wilden Bewegungen um sie herum und interessierten sich für niemanden, außer ihrer eigenen Performance auf der Tanzfläche.
„Fällig, b***h!“, hörte es Clara hinter sich durch die wummernde Musik blaffen. Gierig schoben sich die unbekannten Hände unter ihr Top und drückten ihre nackten Brüsten zusammen. „Aufhören!“, schrie sie. Es lachte lallend um sie herum und Clara versuchte sich zu befreien. Niemand sah oder hörte ihre Notsituation oder war gar bereit ihr zu helfen. Panik überkam sie.
Bis sie zwei eisblaue Augen hinter den Männern aufblitzen sah.