Shadow 1/2

1151 Words
In einer Woche ist die Eröffnung, reiß dich zusammen… Clara saß an der Theke und rieb sich mit aufgestützten Ellbogen die Schläfen. Ihre Kopfschmerzen pulsierten stärker denn je in ihr umher. Ausgerechnet jetzt war einer ihrer hochwertigen Getränkelieferanten abgesprungen. Der Hersteller lamentierte irgendetwas von Exklusivrechten. Doch sie hatte keine Lust sich bettelnd auf den Boden zu werfen oder gar darum zu winseln das jener edle Tropfen in ihren Regalen stand! Nach etlichen Überstunden bis in die Nacht hinein, fand sie einen würdigen Ersatz und ließ sich sofort einen Termin zur Kostprobe geben. Alles passte! Die Marke, die Auswahl, der Geschmack und sogar der Preis. Clara war zufrieden. Doch wirklich freuen konnte sie sich nicht. In den letzten sechs Wochen glich ihr Leben einer radikalen Achterbahnfahrt zusammen mit einem gesichtslosen Chef, der offensichtlich wie ein Geist auftauchte und sofort wieder verschwand. Wenn er es denn war... Dabei schien er sich keinen Deut um seinen eigenen Nachtclub zu scheren, für den sie sich abrackerte! Gut, es war natürlich ihr Job... Dennoch hatte sie sich mehr Interesse für ihre harte Arbeit gewünscht. Dazu die Sache mit José, der Drogengang und der Polizei. Wobei ihr das fast schon wieder egal war. Denn der Schock und Adrenalinschub waren schneller vorbei als sie blinzeln konnte. Ganz anders erging es ihr da bei der Begegnung mit ihrem Exmann. Ihn mit seiner neuen Verlobten zu sehen, tat mehr weh als gedacht. Tiefe und innige Gefühle hatte sie keine mehr für ihn, doch das sie nach sieben Jahre Ehe so schnell ersetzt wurde, gab ihrem Stolz einen ordentlichen Knacks. Und Clara wusste nicht, wann ihr die nächste Hiobsbotschaft bevorstand! Ihr Magen knurrte plötzlich auf. Für heute war genug! Clara klatschte zweimal in die Hände. „Wir gehen was essen!“, rief sie laut in den Club hinein und es jubelte aus allen Ecken und Enden heraus. Zu zehnt spazierten sie der tiefliegenden Abendsonne auf dem breiten Gehsteig entgegen und schauten hier und da in die Restaurants hinein. Die Stimmung war entspannt und heiter, auch wenn Clara vergeblich versuchte dem Social Media Beauftragten und seiner Kamera auszuweichen. Der gesamte Umbau wurde nämlich von dem jungen Kerl in Fotos und Videos festgehalten. JJ, sein Kollege und die Mädchen kümmerten sich um sämtliche Reels und Stories in den Sozialen Medien. Binnen einer Woche hatten sie eine vierstellige Follower Anzahl. Und täglich stieg die Zahl an. Somit war die Werbung nahezu kostenlos! Ein Punkt weniger um den sich Clara kümmern musste. „Auf was habt ihr Lust, Ladys?“ JJ legte schwungvoll die Arme um Ashley und Tina, zwei der Tänzerinnen. „Tacos!“, rief CJ, die dritte Tänzerin, laut hervor und warf dabei schwungvoll die Hand in die Luft. „Also ich hätte ja mehr Lust an dir zu knabbern, JJ...“, meinte Tina und aus der Gruppe kam es pfeifend hervor gejubelt und ein paar anzügliche Bemerkungen prasselten auf das flirtende Pärchen ein. JJ wurde dabei tatsächlich rot. Also lief er mit der kichernden Tina allein weiter. Clara schmunzelte nur und kümmerte sich im Gehen um ihre E-Mails und Nachrichten. Auf einmal hörte sie JJ einen bekannten Namen rufen. „Carlos! Was machst du denn hier?“ Ein kleiner Mexikaner mit Sonnenbrille, weißem Ripp-Shirt und einer goldenen Kette um den Hals, breitete die Arme aus und begrüßte die Meute herzlich. „Big Boss kann einfach nicht auf mich verzichten, Mann! Der Club scheint einen Babysitter zu brauchen, also bin ich hier!“ Clara sprang fassungslos nach vorn. „Sie sind doch nicht etwa das versprochene Sicherheitspersonal?!“, rief sie ihm entgeistert ins Gesicht. „Wowowow, Lady! Mach' mal halblang“, beruhigte sie der Mexikaner, der gleichzeitig seine Sonnenbrille leger absetzte. An sich hätte Clara es sich denken können das ihr unbekannter Boss sie jetzt genauso belächelte und unter Druck setzte, wie bei ihrem Vorstellungsgespräch, dem Clubgebäude selbst und natürlich der Sache mit dem Zuckerdeal. Kein Wunder, war er wegen ihrem Drängen auf mehr Security, am Telefon so kurz angebunden! Und damit ging der klägliche Rest seiner zerbröselten Sexiness, in Claras Vorstellung vollends in Rauch auf! „Außerdem verlangte ich nach mehr als nur einer kläglichen Person!“, giftete sie nun harsch weiter. „Bleib mal locker, Lady. Meine Jungs und ich“, Carlos nickte hinter sich und sechs weitere Männer kamen hervor, „wir sind genügend, um deinen kleinen Zirkus hier zu beschützen.“ Das Wort Zirkus brachte sofort Unmut unter die anderen und ein Gezanke brodelte empor. Clara schüttelte genervt den Kopf und gab Byron und seinen Jungs ein schnippendes Zeichen. Schrill pfiff er durch die Luft und es war sofort still. Dann stellten sich seine Jungs zwischen die beiden Gruppen. Byron zuckte mit den Schultern und hielt die Hände vor sich verschränkt, während er beide Seiten argwöhnisch beobachtete. Mit der Schnellwahltaste rief Clara ihren Boss an. Als er abnahm, wetterte sie sofort auf ihn los. Zurück kam nur ein Lachen. „Gefällt Ihnen mein Geschenk etwa nicht, Clara? Dabei hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass Sie und Carlos sich gut miteinander verstehen würden.“ Erbost schimpfte sie mit ihm. „Sie machen sich über mich lustig, Monsieur!“ „Oh Oui und ich liebe es, Madame De Brouche…“ Sie schüttelte wieder den Kopf und musste plötzlich lachen. „Was zum Teufel habe ich Ihnen nur getan das sie so-so...“, ihr fehlten die Worte, um seine Unverschämtheit zu beschreiben und fuchtelte wild mit den Händen umher, „...eben SO! zu mir sind?!“ „Sie sind frech und eingebildet, Clara“, tadelte es auf der anderen Seite. „Sie setzen sich selbst auf ein derart hohes Ross, das sie den Rest völlig vergessen. Und ihre Manieren dazu!“ Ein schroffes Schnauben entfleuchte ihrer Nase. „Da ich Ihrer Meinung nach offensichtlich unverschämt bin, darf ich Sie an dieser Stelle daran erinnern, dass Sie unter all den Miniröcken, nun einmal MICH eingestellt haben, Monsieur! Besser Sie rufen Ihre zweite Wahl an, DENN ICH KÜNDIGE!“ Erzürnt legte sie auf und stapfte davon. Zurück ließ sie eine verdutzte Meute Angestellter. „Wie jetzt? Keine Tacos?“, fragte CJ blinzelnd. Auf ihrem Weg nach Hause klingelte ununterbrochen das Telefon. Irgendwann schaute Clara drauf. Ihr Ex Boss hatte sie in den wenigen Minuten sieben Mal angerufen. Nun erhielt sie eine Textnachricht von ihm. 📞Sieben Verpasste Anrufe von BOSS. BOSS: Kommen Sie zurück. Clara: Ich habe gekündigt! BOSS: Außer mir, wird Sie niemand anstellen. Clara: Lügner! BOSS: Fordern Sie mich nicht heraus. Ich bin mächtig. Clara: Ein Versuch ist es wert. Denken Sie nicht? BOSS: Wie Sie meinen... Viel Glück, Clara. „Danke, aber das habe ich nicht nötig!“, knirschte sie mit den Zähnen und schleuderte das Handy ins Gebüsch. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie schlug die Hände vors Gesicht und konnte einfach nicht glauben was gerade passiert war. Dann rannte sie nach Hause in ihre überhitzte Dachwohnung.
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