Kapitel 22: Die Rote Klinge

1018 Words

Der Frühling kam zögernd in den Norden, als hätte er Angst, den Winter zu stören. Der Schnee schmolz nicht auf einmal, sondern tropfte langsam von den Dächern, bildete silberne Fäden, die in der Sonne glitzerten. Die Flüsse erwachten mit leisem Grollen, Eis brach krachend auseinander, und darunter floss Wasser, das nach Erde und neuem Leben roch. Das Herrenhaus stand nun nicht mehr isoliert. Es war das Herz eines wachsenden Reiches geworden. Banner mit dem silbernen Schattenmal wehten von jedem Turm. In den Höfen trainierten junge Wölfe, ihre Bewegungen geschmeidig und sicher. Ältere saßen in der großen Halle und webten Geschichten, die nicht mehr nur von Blut handelten, sondern von Wahl und Vergebung. Elena stand auf dem höchsten Balkon und sah hinaus. Der Wind trug den Duft von Kiefern

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