Der Weg in die Freiheit

616 Words
Lucifer "Was ist denn mit euch passiert?" Ich versuchte emotionslos zu bleiben, konnte mir das Grinsen aber nicht verkneifen. Dolor funkelte mich wütend an und versuchte sich die verkohlten Haare aus dem Gesicht zu streichen. "Das ist nicht lustig Lucifer! Hast du schon mal gegen zwei Erzengel gekämpft? Und als sich dein Vater auch noch einmischte war es eh schon zu spät. Wir können froh sein das wir uns rechtzeitig zurückziehen konnten, ansonsten wären wir wahrscheinlich allesamt pulverisiert worden!", zeterte Dolor und pustete sich eine Strähne aus dem Auge, woraufhin diese und jede Menge weiterer Strähnen zu Boden segelten. Seine sonst so tadellose Frisur war sehr in Mitleidenschaft gezogen. Desperatio, Paenitet und Iuctus sahen nicht besser aus, Iuctus fehlten sogar ein paar Stacheln und Desperatio sah so aus als würde er sich häuten so wie die Schuppen von ihm abfielen. Paenitet betrachtete mit gequältem Blick ihre abgebrochenen Nägel und sogar Maxime hatte überall Rußflecken und sah etwas zerzaust aus. Außerdem rauchten sie alle aufgrund der kleineren Flämmchen, die sich nicht löschen ließen. "Sag mir wenigstens, dass wir nicht umsonst von deinen Brüdern vermöbelt wurden. Ist Uriel bereits hier?" Meine gute Laune verschwand. "Nein. Obwohl es geplant war das er vor euch hier auftaucht." "Warum so ungeduldig, Bruder? Vertraust du mir etwa nicht?" Ertönte eine Stimme aus der Dunkelheit. Uriel trat mit einem triumphierenden Lächeln aus dem Schatten. Der Gegenstand in seiner Hand spiegelte den Feuerschein wider. Ich hielt den Atem an. "Der Dolch! Du hast ihn!", flüsterte ich und streckte meine Hand danach aus. Uriel zog eine Augenbraue hoch, machte jedoch keine Anstalt mir den Dolch zu geben. Ich setzte ein, wie ich hoffte brüderliches, Lächeln auf. "Gib mir den Dolch, Bruder!" "Wenn du ihn hast, was hast du damit vor?", fragte Uriel, während er den Dolch in seinen Händen hin und her drehte. "Das weißt du doch! Der Dolch ist die Möglichkeit für mich, wieder aus diesem Höllenloch auszubrechen, und mich ein für alle Mal an Gabriel zu rächen! Du hast doch keine Zweifel bekommen, oder?", fragte ich mit zusammengekniffenen Augen. Uriel gab keine Antwort. Ich seufzte, dann schlenderte ich zu ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Ich sehe es schon vor mir, du und ich auf der Erde. Den ganzen Spaß, den wir mit diesen erbärmlichen Kreaturen haben werden, während Vater damit beschäftigt ist, Gabriel...na du weißt schon! Keiner wird uns im Weg stehen! Stell es dir vor, Menschen, die die Drecksarbeit für uns erledigen, und die ganzen schönen Frauen!" "Ich bin nicht an Menschenfrauen interessiert." "Kein Problem, es gibt auch genug Männer! Das ist in der heutigen Zeit gar nicht mehr so schlimm!" "So war das nicht gemeint! Ich habe generell kein Interesse an den Menschen! Du weißt, wie es ausgeht, wenn einer von uns sich in einen Menschen verliebt! Niemals gut!" "Bruderherz, ich rede nicht von Liebe, sondern von Vergnügen! Unserer Anziehungskraft widersteht niemand, du hast ein reiches Angebot!" "Du meinst ich soll meine Macht missbrauchen? Das ist ein Sakrileg!" "Was soll schon passieren? Du schmiedest mit dem Teufel einen diabolischen Plan, um deinen Bruder und Vater zu stürzen. Dafür ist dir bereits eine Suite im tiefsten Höllenkreis der Unterwelt reserviert. Du kommst also so oder so in die Hölle!" "Sehr witzig Lucifer!" Uriel machte sich von mir los und starrte kurz auf den Dolch. Dann streckte er ihn mir mit einem resignierten Seufzer hin. "Also gut!" Mit einem triumphierenden Leuchten in den Augen nahm ich den Dolch entgegen. Die Macht pulsierte durch meinen Körper. Ich umschloss ihn fest und blickte zuerst zu Dolor und dann zu Uriel zurück. "Es ist so weit! Der Weg in die Freiheit ist greifbar! Jetzt bin ich am Zug, Gabriel. Willkommen zur Teufelszeit!"
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD