P.o.V.: Erzähler
Louis und Harry hatten vollkommen recht mit ihrer Annahme, dass jetzt nach der Verlobung noch viel auf sie zukommen würde.
Sie wollten nicht mehr lange mit der Hochzeit warten. Wieso auch? Verlobt waren sie jetzt sowieso schon. Genau deshalb heirateten sie Anfang Dezember. Sogar das Wetter hatte mitgespielt und die Sonne strahlte an diesem Tag nur für Louis und Harry. Es war zwar nicht unbedingt warm, dennoch sahen die Bilder, die gemacht wurden perfekt aus.
Es war offensichtlich, dass beide sich dagegen entschlossen hatten kirchlich zu heiraten. Gläubig waren sie sowieso nicht. Doch auch die standesamtliche Hochzeit war wundervoll. Sie luden Freunde, Familie und Verwandte ein. Ein paar Arbeitskollegen von Louis und Harry waren auch dabei und insgesamt war der Tag perfekt.
Nach dem wirklich langweiligen und ewigen gebrabbel des Mannes der die Aufgabe hatte Louis und Harry zu trauen gingen alle in ein Restaurant, welches im Keller extra für Anlässe wie Hochzeiten, Taufen oder Geburtstagen einen großen Saal hatte. Dort wurde getrunken, gegessen, gelacht und gefeiert.
Auch die Hochzeitsnacht nach der Feier würden Louis und Harry als erfolgreich einstufen.
Die Flitterwochen verbrachten sie in Paris. Harry hatte einfach das Jahrestagsgeschenk verlängert, sodass sie nicht nur übers Wochenende, sondern von Freitag bis zum nächsten Sonntag dort waren.
Im Sommer nach der Hochzeit hatten sich Harry und Louis ein eigenes Haus gekauft. Es war etwas am Rand von London. Zwar nicht das größte, aber es hatte alles was es brauchte. Das beste daran waren die noch zwei leeren Zimmer dort, doch auch das sollte sich bald ändern.
Louis und Harry waren glücklicher denn je zuvor. Mit der Arbeit lief es bei beiden gut. Die Beziehung hatte keine Probleme und auch genug Zeit für Freizeit war noch da. Sie arrangieren alles so ziemlich perfekt. Auch der Kontakt zu ihren Freunden wurde keineswegs weniger.
Genau weil alles gerade so perfekt lief fühlten sich beide nur mehr als bereit dazu nun endlich im Frühjahr 2027 - 1½ Jahre nach der Hochzeit - eine Familie zu gründen.
Harry träumte schon immer davon mal zwei Töchter zu haben. Er liebte Mädchen einfach. Er fand sie süß und liebte es auch im Kindergarten, wenn er den kleinen Mädchen die Haare flechten konnte oder ihnen die verschiedensten Frisuren machen durfte. Auch die Kleider, die er dann später mal seiner Tochter anziehen würde hatte er schon vor seinem bildlichen Auge ausgesucht.
Auch Louis hatte nicht viel dagegen. Immerhin waren alle bis auf einer seiner Geschwister Mädchen. Mit Jungs hatte er einfach noch nie viel zu tun.
Und so kam es dann, dass sie bald schon zu viert in ihrem Haus in London wohnten. Louis, Harry, Lilly (2) und Nele (4). Anfangs war es wirklich nicht einfach. Nele, die ältere verstand schon, dass sie jetzt nicht mehr dort wohnte, wo sie die ersten vier Jahre ihres Lebens verbrachte. Es war schwer sie daran zu gewöhnen, dass sie jetzt ein neues zuhause hatte. Für ihr Alter war sie nämlich wirklich schlau. Schlau aber frech.
Lilly allerdings war noch so klein und schien das alles kaum mitzubekommen. Der kleine Umzug war für sie nicht schwer und auch Papa und Daddy konnte sie schon sagen.
Die erste Zeit mit den Kindern war die schönste Zeit, die sich Harry und Louis zuvor nur hätten erträumen können. Zusammen besuchten sie ihre Freunde. Alle waren sie vernarrt in die zwei Mädchen. Amy und Niall durften oft vorbei kommen um zu Babysitten. Manchmal verbrachten sie auch Tage mit Zayn und Liam, vor allem nachdem auch Amy schwanger war und sich Niall und sie nun eher auf ihr neues Familienmitglied fokussieren wollten. Die vier flogen auch zusammen in den Urlaub und genossen dort zusammen die Zeit am Meer im Süden von Europa.
Die ersten Jahre verstrichen und langsam aber sicher wurden auch die Mädchen etwas älter. Es dauerte nicht lange, da waren sie beide schon in der Schule.
Harry war ein wirklich guter Vater. Er tat alles um die beiden glücklich zu sehen. Fast täglich stellte er sicher, dass es ihnen in der Schule gut ging und mehrmals täglich umarmte er seine beiden Mädchen um ihnen zu zeigen wie lieb er sie hat. Dazu musste man sagen, dass Harry der liebe Papa ist. Er könnte niemals nein zu den großen Kulleraugen der Mädchen sagen. Er würde ihnen sofort alles erlauben, wenn sie ihn nur süß anlächelten.
Louis allerdings wusste, wie man nein sagte und wie man bei seinem nein blieb. Er war konsequent und erlaubte den beiden definitiv nicht alles. Er war zwar streng, aber liebevoll streng. Natürlich tat er alles dafür, dass es seinen Kindern gut ging und sie glücklich waren, doch so oft wie Harry war er nicht zuhause. Es gab von ihm nicht täglich eine Umarmung oder einen Kuss auf jede Wange. Er konnte sie nicht so oft wie Harry fragen, ob in der Schule alles okay war und wie es ihnen ging. Louis war öfter arbeiten. Er arbeitete mittlerweile mit einem großen Musikproduzenten zusammen in mitten von London. Wenn er nicht in dem großen Studio war, arbeitete er zuhause in seinem Büro. Oftmals sogar bis spät in die Nacht hinein.
Harry wusste manchmal gar nicht, was Louis so lange machen musste. Oft telefonierte er am Tag mit gefühlt 20 verschiedenen Leuten, oder er beantwortete Mails für 20 verschiedene Firmen.
Er wusste, dass Louis für sämtliches Management für sämtliche Touren verantwortlich war. Er regelte Flüge, Reisen mit Bus und Bahn und manchmal sogar per Schiff. Er stellte sicher, dass alles passte, was die verschiedensten Sänger mit ihm auf die Beine stellten.
Harry wusste, dass Louis talentiert war. Er wusste, wie man Musik produzierte. Er wusste, wie man Sänger oder kleine Bands organisierte. Er wusste auch, was man tun musste, wenn irgendwas mal nicht richtig lief. Scheiß egal was es war, aber Louis wusste immer sofort was zu tun war.
Doch so genaue Ahnung hatte Harry von all dem gar nicht, aber was er wusste war, dass es ihn traurig machte, dass Louis immer weniger da war und immer weniger für seine Kinder da sein konnte.
Am schlimmsten wurde es für ihn, als Louis dann auch noch öfter viel Reisen musste. Er begleitete seine Leute mit auf Konzerte oder Interviews. Er rückte immer mehr in die Öffentlichkeit, auch wenn Harry das eigentlich nie wollte. Es dauerte überhaupt nicht lange, bis so ziemlich jeder wusste, wer Louis Tomlinson war. Dazu versank Louis immer mehr in der Musik und dem Geld was dabei eine wortwörtlich große Rolle spielte.
Harry war bewusst, dass Louis das tat um seiner Familie ein schönes Leben zu ermöglichen. Aber brauchte es wirklich so viel Geld um glücklich zu sein? Harry war glücklich mit seinem Job als Erzieher. Er liebte es. Auch wenn es nur ein Bruchteil von dem war, was Louis verdiente.
Doch nachdem Louis oft für mehrere Wochen in Amerika war, ob es nun New York, LA oder Las Vegas war spielte keine Rolle. Es waren immer die großen Städte. Louis verbrachte viele Wochen im Jahr dort, während Harry zuhause in London war und sich um die Kinder kümmerte.
Fast täglich wurde er von seinen Mädchen gefragt, wann ihr Dad wieder kommt und wann er sie mal wieder in den Arm nahm.
Harry viel es schwer immer zu sagen, dass Louis bald wieder da sein würde, aber so genau wusste er nie, wann "bald" ist.
Manchmal war es nur eine Woche. Manchmal waren es zwei, oder auch drei.
Mittlerweile waren die Mädchen schon 9 und 11. Es war später Herbst und draußen war es schon lange dunkel, als Harry Louis anrufen wollte. Es sind schon zwei Tage vergangen, in denen er gar nicht mehr mit Louis gesprochen hatte. Weder über Telefon, noch über simple Nachrichten. Er musste einfach wieder Louis' Stimme hören, denn egal wie sehr sie sich gerade aus den Augen verlieren, Harry hatte nie an der Liebe zu Louis gezweifelt.
Doch gerade als er Louis anrufen wollte hörte er, wie sich die Haustüre öffnete. Sofort stand er vom Sofa auf und ging in den Hausflur. "Lou" Kurz lächelte er. Louis erwiderte das Lächeln und zog ihn in einen sanften Kuss. Harry verlor sich augenblicklich in dem wohligen Kuss.
"Schlafen die Mädchen schon?", war seine erste Frage.
Harry nickte. Innerlich fragte er sich, was das für eine bescheuerte Frage sei. Es war schon nach 10 Uhr abends und mitten unter der Woche war es auch. Mittwoch um genau zu sein.
"Wieso hast du nicht gesagt, dass du nach Hause kommst?", fragte er ihn und beobachtete, wie er sich die Jacke und die Schuhe ablegte. Seinen kleinen Reisekoffer ließ er einfach im g**g stehen.
Zusammen gingen die beiden ins Wohnzimmer. Erst dort fing Louis an zu erzählen.
"Ich war nicht geschäftlich in LA", begann er. "Nicht?" Harry verschränkte die Arme. Sofort lief es ihm kalt den Rücken runter.
Hatte er jemanden kennen gelernt?
Aber sowas würde Louis nie tun, da war er sich sicher. Er hatte eine Familie. Er hatte einen Mann und zwei Kinder. Da würde er niemals jemand anderen in Betracht ziehen.
Oder?
"Ich hab ein Haus gekauft", erzählte er, als wäre es das normalste auf der ganzen Welt. "Du hast ein Haus gekauft?", fragte Harry nochmal nach.
Louis nickte. "In LA. Mit Blick auf das Meer. Ziemlich nahe am Meer sogar. Zu Fuß sind es nur um die 10 Minuten. Es ist nicht das größte, aber der Garten ist riesig. Die Mädchen würden es lieben. Einen Pool gibt es auch", schwärmte er.
Harry schüttelte den Kopf. "Was? Woran denkst du bitte gerade? LA? Los Angeles? Louis, tut mir echt leid. Aber ich versteh dich nicht"
"Zwei Häuser. LA und London. Nele und Lilly wollen sicher mal nach Amerika" - "Also entschuldige mal. Erst kaufst du ein Haus in einem anderen Land ohne mir davon zu erzählen und dann denkst du auch noch daran einfach die Mädchen dort hin mit zu nehmen? Die Kinder gehen noch in die Schule und ich hab auch einen normalen Job. Wir können nicht einfach so von Land zu Land fliegen und hier oder dort Urlaub machen" So langsam wurde Harry etwas wütend. Erst verschwand Louis für über eine Woche wieder in die USA und dann kam er unangekündigt nach Hause und erzählte von einem neuen Haus. Was fiel ihm eigentlich ein einfach aus London weg zu wollen?
"Los Angeles ist umwerfend. Um weiten schöner als London. Allein schon das Wetter", redete Louis weiter. "Also willst du jetzt, dass wir umziehen?" Harry lachte kurz. Louis zuckte nur die Schultern. "Ich möchte, dass die Kinder mal was anderes seh-" - "Wir waren letzten Sommer in Griechenland. Diesen Frühling in Spanien und über ein verlängertes Wochenende sogar mal in Norwegen. Die Kinder sehen schon viel. Aber ein Umzug?! Sie haben hier ihre Freunde. Hier in London. Hier auf der Schule und hier in der Umgebung" Harry schüttelte seinen Kopf. "Nein Louis." Wieder lachte er kurz. "Ich glaub du hast sie nicht mehr alle!"
"Warst du nicht sonst immer der, der alles erlaubt hat?", fragte Louis witzelnd. Harrys Augen wurden klein. "Tut mir ja so leid, aber wenn du die meiste Zeit sonst wo in den USA umher fliegst oder hier in London in der Arbeit bist oder hier zu Hause nur im Büro bist, dann muss ich mir ja wohl andere Seiten anschaffen! Aber ein Umzug nach LA? Vergiss es, Louis. Da ist die Grenze jetzt wirklich erreicht"
"Harry-.. London ist nichts im Vergleich zu-" - "Ich will nichts von irgendwelchen vergleichen hören! Wir sind hier aufgewachsen! Ich liebe es hier! Und die Kinder auch! Wir gehören hier nach England, wir-"
Harry wurde unterbrochen.
"Daddy!", rief Lilly und sprang die letzten zwei Stufen der Treppe runter, nur um dann auf Louis zu zu rennen.
Louis ging sofort in die Hocke und schloss seine jüngere Tochter in seine Arme.
Nele stand noch auf der letzten Stufe und sah etwas skeptisch drein.
Louis hob Lilly hoch und drückte ihn einen Kuss auf die Nase. "Hey, Süße. Was machst du denn noch wach? Euer Papa hat gesagt ihr schlaft schon"
Lilly schüttelte ihren Kopf. "Ihr wart so laut", meinte sie. Louis entschuldigte sich sofort für seine Lautstärke.
Harry sah zu Nele. Er wusste, dass sie nicht blöd ist. Sie wusste genau, dass die beiden sich gerade gestritten hatten. Es war nicht das erste mal. Manchmal, da stritten sie sogar am Telefon.
"Wieso streitet ihr so viel?", fragte sie ihn leise, als Harry sich zu ihr setzte.
Louis war immer noch mit Lily beschäftigt. Er wirbelte sie im Kreis. Sie lachte dabei, als wäre alles wie früher. Alles perfekt und unbeschwert. Damals, als Louis noch nicht zum Arbeitstier wurde und zu tief in den Teller gesehen hatte.
Harry legte sanft einen Arm um Nele und drückte ihr einen Kuss auf den Kopf. "Dein Dad hat Mist gebaut. Er denkt zur Zeit wieder nur an sich..", gab er zu. "Was hat er gemacht?", wollte sie wissen. "Die Arbeit" - "Das sagst du immer", bemerkte sie. Leicht nickte Harry.
"Nele! Nele! Nele!", rief Lilly und kam schon um die Ecke gerannt. In der Hand hielt sie Louis' Tablet. "Guck! Daddy hat das gekauft!" Ihre Augen waren riesig und sie wirkte glücklich.
Sie zeigte Harry und Nele das, was es auf dem Tablet zu sehen gab und wischte über den großen Bildschirm. Zu sehen gab es Bilder von dem Haus, von welchem Louis Harry bereits erzählt hatte.
"Wir ziehen um?", fragte Nele und sah sofort zu Harry. Harry schüttelte sofort den Kopf. "Nein. Und was hab ich gesagt? Keine Medien mehr nach Bettgehzeit" Er nahm ihr das Tablet aus der Hand und legte es ausgeschalten ein paar Stufen nach oben.
Lilly schmollte und rannte zurück ins Wohnzimmer. "Daddy!", schrie sie nach Louis. "Papa will nicht mit", hörte Harry sie sagen.
"Nele, geh bitte wieder schlafen. Morgen ist Schule" Er küsste ihre Schläfe und stand auf. "Papa ich will nicht umziehen..", murmelte sie. Sofort schüttelte Harry den Kopf. "Werden wir nicht. Versprochen" Er lächelte sanft und war froh darüber, als sie ohne zu widersprechen nach oben ging.
Harry ging zurück ins Wohnzimmer wo er Lilly und Louis auf dem Sofa sitzen sah. Beide redeten sie ununterbrochen. Er blieb im Türrahmen stehen. Bemerkt wurde er nicht. Sie verstanden sich so prächtig, dass es fast schon weh tat.
"Daddy bleibst du jetzt länger hier? Papa ist manchmal ganz schön streng..", plapperte Lilly.
Harry machte das traurig. Immerhin musste er gerade dabei zusehen, wie seine kleine Tochter so unglaublich glücklich neben ihrem Dad aussah.
Harry wusste, dass Louis die Kids liebte. Er konnte es nur nicht so oft zeigen, wie er selbst es tat.
Zu seiner Verwunderung nickte Louis auf Lilly Frage. Louis würde jetzt doch länger hier bleiben? Aber was heißt bei ihm schon länger? Wahrscheinlich nur um alles nötige hier zu packen und dann wieder abreisen.
"Ich hab dich lieb, Daddy", nuschelte Lilly und kuschelte sich eng an Louis. Dieser schlang seine Arme um sie und zog sie eng an sich. "Ich dich auch, Prinzessin"
Harry entfernte sich von der Türe und ging nach oben. Er wollte nicht länger dabei zu sehen, wie Louis verehrt wird. Obwohl er so oft weg ist. Obwohl er die Kinder selten zur Schule brachte. Kaum einmal hatte er sie abgeholt. Nur an ein paar Tagen im Monat war er mal alleine mit den Kids zuhause. Doch wenn er mal zuhause war, dann war alles so als wäre nie etwas passiert. Als wäre er der beste Vater der ganzen Welt.
Leise öffnete Harry die Türe zu Neles Kinderzimmer. Sie lag in ihrem Bett und sobald die Türe aufging sah sie ihm in die Augen. "Papa.. Bekomm ich noch einen Gute Nacht Kuss?", fragte sie und drückte ihr Stoffschaf feste an sich.
Natürlich ging Harry zu ihr und drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Wange, die andere, die Nase und die Lippen. So machte er es immer. Leise kicherte Nele. "Ich hab dich lieb, Papa", flüsterte sie. Harry zog ihre Decke noch etwas höher und fuhr ihr durch ihre längeren blonden Haare. "Schlaf gut, mein Schatz. Ich liebe dich auch"
Er ging langsam wieder aus dem Zimmer. "Kannst du die Türe offen lassen?", fragte Nele. Harry lächelte. "Natürlich. Gute Nacht", wünschte er ihr. "Gute Nacht", erwiderte sie. Harry ließ die Türe einen Spalt offen und ging dann in sein Schlafzimmer.
Umgezogen im Bett dachte er nochmal nach. Über alles. Über Louis. Über ihre Beziehung. Über die Kids. Über Louis' Arbeit und seinen ständigen Standortwechsel. Über das neue Haus in LA. Über das, was Harry fühlte..
Er musterte seinen Ring an seinem Ringfinger. Seinen Hochzeitsring. Er war gold und innen waren sogar ihre Namen eingraviert.
Langsam drehte er ihn hin und her. Er nahm ihn wirklich nur selten ab. Meistens zum Backen, wenn er die Finger benutzen musste oder im Kindergarten, wenn er sich mal wieder zu den Kids in den Sand setzte um mit ihnen zu Spielen.
Doch heute nahm er ihn zum Schlafen ab. Er wusste nicht wieso er das tat. Ohne darüber nachzudenken legte er ihn auf seinen Nachttisch und kuschelte sich dann unter die Decke.
Wie lange es schon wieder her ist, dass Louis ihn in seine Arme geschlossen hatte, zu sich gezogen und mit ihm kuschelte. Zusammen so dran liegen, bis sie einschlafen.
Wie konnte sich Louis nur so in der Arbeit verlieren? Wie konnten sie sich nur so aus den Augen verlieren? Wie konnte eine einst so perfekte Beziehung langsam aber sicher auseinander reißen?
Leise begann Harry zu weinen.
Was hatte er falsch gemacht, dass sich Louis so distanzierte?
Diese Frage stellte er sich öfter. Immer und immer wieder überlegte er, wie er das alles wieder gut machen konnte.
Dabei entging ihm, dass Louis und Lilly unten im Wohnzimmer zusammen lachten und spielten, bis Louis sie erst gegen Mitternacht ins Bett brachte. Lilly liebte Louis sehr, doch selbst mit ihren 9 Jahren schien sie noch nicht so wirklich zu begreifen, was da zwischen Harry und Louis war.
Als Harry schon längst schlief, alleine in dem großen Bett, kroch Louis langsam neben ihn. Normalerweise hätte er ihm vielleicht einen Kuss auf die Wange gegeben, oder ihm die Haare, die mittlerweile schon wieder viel zu lang waren hinters Ohr geschoben. Doch diesmal machte er nichts. Er legte sich neben ihn, drehte ihm den Rücken zu und schloss seine Augen.
Was hielt die beiden eigentlich noch zusammen?
Waren es die Kinder? Es sind immer die Kinder.
Louis wollte es selbst nicht aussprechen, aber wenn die Kinder nicht wären, dann wäre er vielleicht nicht mehr mit Harry zusammen.
Er hatte sich in Amerika verliebt. Er liebte LA. Er liebte die wirklich großen Städte. Er liebte das warme Wetter und den Strand dort. Die Leute. Das Essen.
Was gab es schon in England? Was sollte er hier noch?
Wieso England, wenn er die Möglichkeit hatte dort zu leben? Seinen Traum zu leben.
Es waren die Kinder. Die zwei Mädchen, die er wirklich von ganzem Herzen liebte. Er wollte, dass es ihnen gut geht und an nichts fehlte. Das war das einzige, was Louis wollte. Neben der Arbeit.