Es stellte sich heraus, dass seine Ex-Frau wirklich so schön war.
Vor allem die Augen — als würden sie Sterne enthalten: klar und entschlossen, aber mit einem Hauch von Sturheit.
Derek stand plötzlich verblüfft da.
Diese Augen gaben ihm das Gefühl, sie würden ihn kennen.
Während Derek noch starrte, lachte Bertha plötzlich, ihre Augen funkelten vor Kälte und Verachtung. „Wie peinlich — du bist nicht würdig, mit mir zu tanzen.“ Dann richtete sie elegant ihre Kleidung.
Vorbeigehende Personen, die Berthas Worte hörten, tuschelten miteinander.
„Dieses Mädchen ist zu arrogant. Sie wagt es, Dereks, der Nummer-eins-CEO von Stadt X, zu sagen, er sei nicht würdig?“
Dereks Gesicht wurde sofort finster; das vertraute Gefühl, das er vorhin verspürt hatte, wurde von Berthas Worten komplett über den Haufen geworfen.
Hätte er es nicht mit eigenen Augen gesehen, er hätte es nicht geglaubt, dass Bertha sich so verhalten würde.
Seine Hand war noch ausgestreckt, und er antwortete: „Es ist doch nur ein Tanz — hast du Angst?“
Berthas Blick wurde ebenfalls kalt. Was bildete sich dieser Mann ein? Sie verstand nicht, was er meinte.
Bertha sah Derek nur verächtlich an und sagte nichts weiter.
Ihre Blicke trafen sich, und zwischen ihnen lag nun förmlich der Geruch von Schießpulver.
Als die Atmosphäre zunehmend angespannter wurde, lächelte Venn und stand auf.
„Bertha ist meine Begleitung — warum musst du meine Person wegschnappen?“
Venn schob Dereks Hand beiseite und warf einen Blick auf Laura, die neben ihm stand. „Frag doch deine Freundin zum Tanz, mach sie nicht eifersüchtig.“
Derek blieb stehen und rührte sich nicht.
Bertha war etwas verärgert; sie sagte noch etwas zu Venn und verließ dann den Festsaal, um im Blumenhain des Restaurants ein wenig frische Luft zu schnappen.
Derek wollte ihr folgen, doch Venn zog ihn zurück, um die anderen Präsidenten zu begrüßen — Derek konnte also nicht weg.
Obwohl Laura und Rose am Nebentisch nicht alles mitbekamen, sahen die beiden Mädchen, wie Derek und Bertha einander mit aufmerksamem Blick musterten.
Rose wurde zornig und starrte Berthas Rücken nach. „Diese Schlampe. Sie ist geschieden und klebt trotzdem an meinem Bruder.“
Lauras Gesicht lief vor Wut rot an. „Vielleicht… mag Bertha Derek. Wenn er auch Gefühle für sie hat, dann trete ich zurück.“
Nachdem sie das gesagt hatte, begann sie zu schluchzen.
Rose geriet in Panik.
„Auf keinen Fall, Laura. Warum willst du zurücktreten? Ich akzeptiere dich doch als meine Schwägerin. Diese abscheuliche Frau — ich hasse sie bis aufs Blut. Solange ich hier bin, wird sie niemals durch die Tibble-Tür gehen.“
Laura hörte nicht auf zu weinen; im Gegenteil, ihre Wut wurde noch stärker, und ihr erbärmliches Auftreten wirkte besonders hilflos.
„Rose, aber ich… was soll ich denn sonst tun…“
Rose warf Laura einen Blick zu, dann schaute sie wieder in die Richtung, in die Bertha gegangen war. Sie überlegte kurz und hatte dann eine Idee.
„Laura, lass das ruhig mich regeln. Ich werde dafür sorgen, dass diese Schlampe nie wieder eine Chance hat, mit dir zu konkurrieren.“
„Rose, was hast du vor?“
Rose beugte sich zu Lauras Ohr und flüsterte ein paar Worte.
Lauras Augen waren naiv. „Ist das… wirklich okay?“
„Warte nur ab, du wirst ein tolles Schauspiel sehen.“
Mit einem boshaften Lächeln stand Rose auf und ging in den Blumenhain.
Nachdem sie fort war, kehrte Lauras verzogene Miene zurück; in ihren Augen blitzte Genugtuung.
Rose war zwar dumm, aber sie funktionierte für Laura: ein paar Worte von Laura, und Rose ging in die Falle.
„Hoffentlich enttäuscht sie mich nicht“, dachte Laura.
—
Im Garten.
Bertha lehnte verschränkt am Rand des Brunnens und atmete die frische Luft ein. Wenn sie nicht nach draußen gegangen wäre, wäre sie von der geschäftigen Stimmung im Festsaal fast überwältigt worden. Sie bevorzugte ruhige Orte.
„Bertha!“
Plötzlich ertönte eine scharfe Stimme von hinten.
Sie drehte den Kopf und sah Rose stolzierend auf sie zukommen.
„Hast du nicht schon genug Schläge bekommen? Oder willst du, dass ich dich noch mal schlage?“ sagte Rose kalt.
Rose platzte beinahe vor Wut, wollte Berthas Haare packen, musste aber an ihren Plan denken und ballte deshalb die Fäuste, um sich zu beherrschen.
Sie holte eine Bankkarte aus ihrer LV-Tasche, hielt sie Bertha hin und sprach mit mitleidigem Ton:
„Da sind 30.000 Dollar drauf. Wenn du zustimmst, nie wieder vor meinem Bruder aufzutauchen, jetzt die Stadt X zu verlassen und nie zurückzukehren, gehört dir das Geld.“
Bertha runzelte die Stirn und betrachtete die Karte mit einem seltsamen Ausdruck.
Mit 30.000 Dollar kann man vielleicht ein paar Dinge kaufen, aber man kann nicht wirklich alles kaufen — und erst recht nicht Berthas Würde, dachte sie. Sollte man sie mit so wenig Geld zwingen wollen, die Stadt zu verlassen?
Rose sah Berthas Miene, glaubte, Bertha habe gezögert, und wurde noch zufriedener.
„Was ist los? Du hast doch bestimmt schon oft Geld gesehen, oder? Für mich ist das nur Taschengeld für eine Woche, ich denke, du wirst es brauchen.“
„Ich erinnere mich, dass du früher meine Mutter um Geld gebeten hast. Damals hat sie dich abgewiesen, aber jetzt ist es anders. Mit diesem Geld kannst du dir alles kaufen, was du willst.“
„Na? Gefällt es dir nicht?“
Roses Augen funkelten vor Aufregung; innerlich flüsterte sie: nimm das Geld, nimm es schnell.
Ihr Gesicht drückte Überzeugung aus. Früher hatte Victoria ihr alle Zuwendungen gestrichen. In den Jahren bei der Familie Tibble konnte Bertha sich kaum Designerklamotten leisten.
Rose war sich sicher: so arm, wie Bertha ist, würde sie dem Angebot nicht widerstehen.
Wenn Bertha das Geld vor Ende der Feier annahm, würde Rose behaupten, das Geld sei gestohlen worden, Bertha beschuldigen und die Polizei rufen. Wäre Bertha dann im Gefängnis, würde Rose Wärter bestechen, Bertha misshandeln lassen und sie als Diebin brandmarken — so würde Bertha ihr ganzes Leben lang ruiniert sein.
Bei dem Gedanken daran funkelten Roses Augen vor Schadenfreude.
„Nimm das Geld. Was vorhin war, meinte ich nicht so. Entschuldige. Diesmal bin ich ehrlich — wenn du knapp bei Kasse bist, nimm es.“
Bertha neigte den Kopf und musterte Rose, las jede Nuance in ihrem Gesicht und schüttelte dann sarkastisch den Kopf.
Sofort nahm sie ihr Handy und schickte eine SMS an Alex, Venns persönlichen Assistenten:
Die schwarze Karte ist in meiner Tasche im Auto. Bitte heb 1.000.000 Dollar ab und bring sie her. Ich bin im Blumenhain, beeile dich.
Fast zwei Sekunden später kam die Antwort:
Verstanden. Bin in zwei Minuten da.