Iris‘ Sicht Es war nur ein Scherz. Ein kranker, grausamer Scherz. Das sagte sich Iris immer wieder, während sie in der Eisenwarenabteilung stand und ihre Finger über Reihen von Stahlriegeln und Ketten zitterten. Der Laden roch nach Maschinenöl und Sägemehl – zu sauber, zu grell –, und die Neonröhren über ihr schienen wie wütende Bienen zu summen und sich in ihren Schädel zu bohren, bis ihre Kopfschmerzen wie ein zweiter Herzschlag pulsierten. Ihr Spiegelbild starrte sie aus dem konvexen Sicherheitsspiegel an: blass, mit hohlen Augen, das Haar zu einem Knoten zusammengekämmt, der eher nach Niederlage als nach Stil aussah. Sie erkannte sich kaum wieder. „Man sieht besser aus, wenn man Angst hat.“ Die Worte brannten bei jedem Blinzeln hinter ihren Augenlidern. Der Zettel lag noch imm

