Kapitel 3

1222 Words
~~Oriana~~. Meine Augen blinzelten auf, „Ahhh“ stöhnte ich, mein ganzer Körper schmerzte, ich versuchte mich aufzusetzen, aber meine Sicht verdoppelte sich. Was zur Hölle, „Cassie“ meine Stimme klang fremd, sogar heiser. Ich sah ein Glas Wasser neben dem Bett, ohne nachzudenken griff ich danach und trank es in einem Zug leer. Endlich bekam meine Kehle wieder etwas Feuchtigkeit, ich tastete den Hinterkopf ab, es fühlte sich an, als wäre ich von einem Lastwagen überfahren worden. Was zur Hölle ist passiert? Ich sah mich um, die Wände waren dunkler als die der luxuriösen Zwei-Tage-Suite, die ich gebucht hatte. Der Raum strahlte eine maskuline Aura aus, die Bettwäsche war schwarz, graue Kronleuchter spendeten ein gedämpftes Licht und verliehen dem Zimmer eine noch geheimnisvollere Energie. Die Ereignisse der letzten Nacht schossen sofort zurück in mein Gedächtnis, ich war gerade vom Gericht gekommen und auf dem Weg zurück zur Suite gewesen. Keuch „Mord.“ Das Wort schoss schneller aus meinem Mund, als ich denken konnte, ich hatte gerade einen Mord gesehen. Ich stieß mich vom Bett ab, ignorierte den Schmerz, der durch meinen Körper jagte, und schleppte mich zur Eichentür. Ich drückte die Klinke, sie bewegte sich nicht, „Wer ist da. Lassen Sie mich hier raus“ ich hämmerte dagegen und schrie aus voller Kehle. Mir ging schnell die Luft aus, ich hielt inne und zwang meinen Atem zur Ruhe. Ich musste rational bleiben. Venedig war das Herz Italiens und zugleich das Zentrum des Verbrechens, also war es nicht schwer für irgendeinen lokalen Verbrecherboss, mich verschwinden zu lassen. Das Schloss klickte, ich machte einen Schritt zurück und ließ meinen Blick schnell durch den Raum schweifen, auf der Suche nach etwas, das als Waffe dienen konnte. Die Klinke drehte sich und mit einem Knarren öffnete sich die Tür endlich. Ich klammerte mich fest an das Kissen, für das ich mich entschieden hatte, eine alte Frau in weißem Overall mit einem Stethoskop um den Hals trat herein. „Ich würde das Kissen loslassen, wenn ich Sie wäre“ ihre Stimme war alt, sie ging direkt hinein und stellte das Tablett, das sie trug, auf den Nachttisch. Meine Augen folgten ihr aufmerksam, beobachteten jede ihrer Bewegungen genau, „Ich habe keine Zeit für Spielchen, komm Kind. Lassen wir das hinter uns“ sie klang gelangweilt. „Wo bin ich?“ fand ich endlich meine Stimme. „Sept tour“ sagte sie, als wäre es nichts Besonderes. Ich brach in lautes Gelächter aus und hielt mir den Bauch, „das ist unmöglich“ sagte ich zwischen Lachen und ignorierte ihren genervten Blick. „Jeder weiß, Sept tour ist das exklusive Zuhause des Mafia-Königs und Lords. Ciro Conti,“ Sie sah mich an, als hätte ich drei Köpfe bekommen, „Und wer, glauben Sie, hat Sie zurückgebracht?“ Sie hob eine Augenbraue. „Unmöglich“ stotterte ich, mein Gehirn setzte aus. Ein Gesicht blitzte in meiner Erinnerung auf wie eine Flutwelle, dieses langsame Hochziehen jener teuflischen Lippen, dieser Kiefer, diese rötlichen Augen, die wirkten, als würden sie direkt in meine Seele sehen. Ich taumelte zurück, zwei Worte hallten immer wieder in meinem Kopf, „Ich bin tot.“ murmelte ich. „Nicht solange ich hier bin. Jetzt komm, ich habe viel zu tun.“ Meine Augen schnellten zur Tür, ein Plan nahm schnell Gestalt in meinem Kopf an, „Denken Sie gar nicht erst daran.“ schnappte diese alte Stimme. Ich setzte mich benommen neben sie und versuchte zu begreifen, was geschah. Ich musste hier raus. „Wie fühlen Sie sich?“ Sie bereitete eine Spritze vor und schnippte zweimal dagegen. „Als hätte mich ein Mob zerquetscht“ „Gut. Wenigstens fühlen Sie etwas, diese Idioten haben Sie überdosiert.“ schnaubte sie. Kein Wunder, dass ich das Bewusstsein verloren hatte, ich war unter Drogen gesetzt worden. „Rechter oder linker Arm“ sie hob die Nadel. „Sie werden mir nicht irgendetwas davon spritzen“ fauchte ich. „Das ist das Gegenmittel zu der Droge in Ihrem System. In den nächsten fünf Minuten hören Sie auf zu atmen“ sagte sie flach, als spräche sie nicht über ein Leben. „Sie haben mich vergiftet,“ sagte ich scharf. „Ich nicht. Aber wie Sie meinen, vier Minuten.“ Mein Herz begann zu brennen, mein Kopf drehte sich, mein Atem beschleunigte sich, „Drei Minuten“ diese kalte Stimme hallte erneut wie ein Todes-Countdown. Scheiß drauf. Ich streckte meinen Arm aus, etwas Warmes floss in meinen Körper, mein Atem wurde ruhiger. Kälte lief mir über den Rücken bei dieser knappen Begegnung mit dem Tod. „Brava ragazza“ [Gutes Mädchen] eine Stimme, kalt wie Stahl, sprach hinter mir, ich hob den Kopf zur Quelle. Eine Gestalt trat aus den Schatten, ganz in Schwarz gekleidet, während der Kronleuchter Licht auf sein teuflisch gutaussehendes Gesicht warf. Ciro Conti. Meine Nägel gruben sich in meine Handfläche, nachdem ich Männer wie ihn jahrelang ins Gefängnis gebracht hatte, wer hätte gedacht, dass ich eines Tages in den Händen des Königs unter ihnen allen landen würde. „Lassen Sie uns allein“ Sie verbeugte sich und ging hinaus, ohne zurückzublicken. Meine Zehen krümmten sich, als er näher kam, „Was wollen Sie?“ Meine Worte klangen fest und verrieten nicht das Chaos in mir. „Meine tapfere Kleine“ er streckte die Hand aus, ich schlug sie weg, bevor er mich berühren konnte, „Behalten Sie Ihre Hände bei sich“ fauchte ich, „warum haben Sie mich entführt. Ich könnte Sie dafür verhaften lassen.“ Belustigung blitzte in seinen Augen auf, „Mich verhaften?“ Er verzog die Lippen. „Sie mögen ein Mafia-König sein, Mr Ciro. Aber das Gesetz gilt noch immer und ich werde dafür sorgen, dass Sie für Ihre Verbrechen im Gefängnis verrotten“ Seine Lippen hoben sich, „Ich würde gern sehen, wie Sie das versuchen“ „Lassen Sie mich gehen,“ presste ich hervor. „Sie sind lediglich ein Besucher, Kätzchen,“ er breitete die Hände aus, „ich habe Sie nicht ans Bett gekettet…“ er pausierte, „noch nicht“ beendete er. „Einen angeblichen Besucher festzuhalten ist illegal. Ganz zu schweigen davon, einen Bürger Italiens zu ermorden“ ich presste sofort die Lippen zusammen, ich wusste, mein Reden würde mich eines Tages in Schwierigkeiten bringen, aber nicht in den Tod. Sein Grinsen wurde breiter, „Ich dachte schon, Sie hätten Ihr Gedächtnis verloren oder so. Das wäre lästig gewesen“ er streckte sich. Er setzte sich auf das Sofa und öffnete eine Schublade. Die Farbe wich aus meinem Gesicht, als er eine Pistole herausnahm und sie auf den Tisch legte, dann zog er ein Dokument hervor und legte es daneben. „Ich… ich… habe nichts gesehen.“ stotterte ich, mein Herz raste. „Beruhigen Sie sich, Kätzchen. Sie haben mir noch keinen Grund gegeben, Sie zu töten.“ „Hören Sie auf, mich so zu nennen“ presste ich hervor. „Wie du willst, Puppe“ ein leises Lachen verließ seine Lippen. Er genoss das. Ich darf nicht sterben, noch nicht. Ich biss mir auf die Lippen. Er reichte mir das Dokument. „Sie haben zwei Möglichkeiten. Das oder den Tod", die Verspieltheit von zuvor verschwand völlig, ersetzt durch eine scharfe Präzision, die die Luft durchschnitt und sich direkt auf mich richtete. In fetten Buchstaben standen die Worte „EHEVERTRAG“
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