KAPITEL SIEBEN
Im Fords Clan Hotel, einem der größten und teuersten Hotels der Stadt, hatten sich Finn und einige seiner Freunde zu einer Cocktailparty versammelt. Die Stühle waren im Cocktailstil arrangiert. Die Halle war raffiniert; funkelnde Kronleuchter hingen von der Decke, und die Wände waren im klassischen französischen Stil gehalten. Die Böden waren so glänzend, dass man die Reflexionen des Lichts deutlich darauf sehen konnte. Die Halle erfüllte leise Musik und das kleine Geplauder der eleganten Gesellschaft.
Finn stand zusammen mit Ava und Emma um einen runden Cocktailtisch, kicherte und plauderte, als Darla den Saal betrat. Sie trug ein silbernes Abendkleid mit einem Oberschenkelschlitz, High Heels und ihr Haar war zu einem lockeren Dutt hochgesteckt. Ihr Make-up war dezent; es unterstrich ihr ohnehin schon schönes Gesicht. Finn konnte seine Augen nicht von ihr wenden. ‚Heute war der Tag, an dem er Darla für sich gewinnen würde, und wenn es das Letzte war, was er tat.‘ Er hatte ihr schon lange den Hof gemacht, ohne Fortschritte. Jedes Mal, wenn er dachte, sie möge ihn, war stets das Gegenteil der Fall. Also hatte er beschlossen, diesmal bei Ava und Emma um Hilfe zu bitten, da sie befreundet waren. Darla winkte Ava und Emma fröhlich zu, da sie ihre Freundinnen waren. Sie deuteten ihr an, zu ihnen zu kommen. Sie ging eilig zu ihnen hinüber.
Damals, an der Universität, waren fast alle Mädchen eifersüchtig auf Mahinas Haltung und Schönheit. Als Erbin der Firma ihres Onkels, der Lourdes Fashion World, und als das Gesicht seines Unternehmens war sie sehr beliebt und hatte viele Verehrer. Darla war eines dieser Mädchen, das Mahina damals beneidete. Sie tat alles, was sie konnte, um ihr das Leben in der Schule schwer zu machen. Als Mahina und Finn ein Paar waren, liebte sie Finn und tat alles in ihrer Macht Stehende, um sich zwischen sie zu drängen, während sie so tat, als sei sie Mahinas Freundin. Trotz ihrer Popularität war Mahina nur als Finns Freundin bekannt, obwohl sich andere fähige und gutaussehende Männer ihr mehrfach genähert hatten. Sie wies alle ihre Avancen zurück und hielt zu ihrem Freund Finn. Er war ihre ganze Welt, und sie liebte ihn von ganzem Herzen.
Mahina traf in einem Taxi im Fords Clan Hotel ein. Sie eilte zur Tür und stellte sich dem Türsteher; sie nannte ihm den Namen ihres Bekannten, bevor sie eintreten durfte. Als Mahina eintrat, war sie von der Schönheit des Hotels überwältigt. Sie erinnerte sich daran, wie ihr Leben früher einmal gewesen war, doch dieser Gedanke zerbrach schnell, als sie sich daran erinnerte, was sie überhaupt hierher gebracht hatte. Sie sah sich um und erblickte einen Flur. Sie folgte ihm, landete aber irgendwie auf dem Parkplatz. Als sie merkte, dass sie sich am falschen Ort befand, drehte sie sich zum Gehen um, als sie die Stimmen eines Mannes und einer weinenden Frau hörte. Sie folgte dem Geräusch mit leisen Schritten dorthin, wo es herkam. Dann sah sie das Duo im Gespräch.
„Mr. Alba, ich liebe Sie wirklich!!!“, hallte eine schrille Frauenstimme auf dem hell erleuchteten Parkplatz wider. Mahinas Herz sank vor Angst. Sie bedeckte ihren Mund mit beiden Händen und schüttelte den Kopf.
„Was haben Sie gesagt?“, fragte Alba nonchalant. Seine Stimme war frei von jeglicher Emotion.
„Ich liebe Sie, Alba, ... Ich habe es versucht! Ich habe meinem Herz befohlen, Sie nicht zu lieben, aber ich habe nicht einmal gemerkt, wann ich mich in Sie verliebt habe“, die Dame war emotional und ihre Stimme klang brüchig. Mahinas Herz zog sich zusammen, als sie auf die Antwort des Mannes wartete; es kam ihr vor, als schaue sie eine Filmoper.
„Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, dass ich mit Liebe nichts anfangen kann, sondern nur mit Freunden mit gewissen Vorzügen, und auch, dass in dem Moment, in dem Sie Gefühle entwickeln, unsere Freundschaft beendet ist.“ Die Stimme des Mannes war ausdruckslos. Mahina war von ihm eingeschüchtert. Sie sah die Dame mitleidig an. ‚Scheiß Männer, sie sind Versager. Keine Sorge ... er ist Sie nicht wert‘, murmelte sie leise. Die brüchige Stimme sprach erneut.
„Ich weiß ... aber ... man kann seinem Herz nicht vorschreiben, wen es lieben soll, oder?“, beharrte die Dame. Mahina sah ihn an in der Hoffnung, er würde die Dame annehmen, die ihm ganz offensichtlich rettungslos verfallen war, doch seine Antwort schockierte sie.
„Ist das alles, was Sie wollten?“ Mahina schnappte nach Luft voller Ungläubigkeit. Dann bemerkte sie das Gesicht der Dame genauer und erkannte, dass es sich um Helen Garcia handelte, das berühmte Model für Glitz Schuhe und Taschen. Sie war überrascht. ‚Sogar erfolgreiche Frauen wie Helen Garcia werden abserviert ... dann sollte ich mich nicht schlecht fühlen, dass ich abserviert wurde, weil das Familiengeschäft meiner Familie zusammengebrochen ist. Es tut mir leid ... aber ich fühle mich getröstet ... ich weiß, es ist falsch, sich über das Unglück eines anderen zu freuen, aber ... es tut mir leid‘, dachte sie bei sich.
„Männer! Bringt Helen zurück in ihre Wohnung.“ Einige Männer in schwarzen Anzügen kamen aus einem Mercedes Benz und führten Helen zum Auto. Sie weinte, als sie den Männern zum Wagen folgte.
„Wenn Sie Ihre Karriere schätzen, werden Sie nicht noch einmal mit mir über Liebe reden, Miss Helen ... und ich will Sie nie wieder sehen“, warnte Alba Helen. Mahina war enttäuscht von Helen. Wie konnte sie nur einem ‚Nichtsnutz‘ wie diesem Mann erlauben, sie so zu behandeln? Sie war schließlich ein Model, eines der bestbezahlten und berühmtesten Models überhaupt. Mahina seufzte voller Frustration und drehte sich zum Gehen um.
Helen stieg traurig in das Auto und wurde weggefahren. Mahina machte ihre leise, charakteristische Bewegung, um den Parkplatz zu verlassen, als sie die bedrohliche Stimme erneut hörte.
„Hey! Sie! Kommen Sie sofort da hervor!“, befahl die ausdruckslose Stimme mit großer Autorität. Mahinas Beine wurden eiskalt. Sie zitterte. Ihre Wangen fühlten sich heiß an. ‚Wurde ich gerade beim Lauschen erwischt? Scheiße! Bin ich ein Kind?‘ Plötzlich spürte sie einen Adrenalinstoß und rannte so schnell sie konnte aus dem Parkplatz, ohne sich umzudrehen. Alba lächelte über ihre Reaktion. Nachdem Mahina von dort weggegangen war, beschloss sie, nach dem Weg zu fragen; sie würde nicht zulassen, dass sie sich zweimal in so eine Situation brachte.
Sie fragte eine der Angestellten nach dem Weg und wurde zu ihrem Ziel geleitet. Mahina konnte die leise Musik schon vom Eingang der Halle hören. Sie war glücklich, als sie sich näherte. Endlich würde sie Darla treffen. Sie waren im letzten Studienjahr Freundinnen geworden. Nach dem Abschluss war Darla nach Florida gezogen, sodass sie nicht in Kontakt bleiben konnten, bis Mahina eine Nachricht von ihr erhalten hatte, in der stand:
„Hey Süße, hier ist Darla. Ich bin in der Stadt, lass uns treffen, Mädchen. Ich habe jede Menge Tratsch für dich.“ Sie war so aufgeregt, als sie eintrat, doch als sie ihre Augen hob und sich umsah, sah sie Finn, wie er auf einem Knie kniete und Darla bat, seine Frau zu werden. Sie war von der ganzen Szene verwirrt. ‚Hat der Arsch nicht gesagt, er stirbt? Oder habe ich mir das nur eingebildet?‘ Als sie realisierte, was vor sich ging, schüttelte sie traurig den Kopf. Das Leben ist wirklich wie die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Dies muss der Winter meines Lebens sein.
Als ihre Anwesenheit bemerkt wurde, richteten sich aller Blicke auf sie und das Scheinwerferlicht wurde auf sie gerichtet. Es war, als ob die ganze Inszenierung nur aufgeführt worden war, um ihre Reaktion zu sehen und um sich über ihr Leid lustig zu machen. ‚Was bringt es ihnen, mich am Boden zu sehen?‘, dachte sie bei sich.
Mahina wusste gar nicht, dass sie noch Tränen übrig hatte, bis sie etwas Warmes spürte, das ihre Wangen hinunterlief. Sie wischte es mit den Fingern weg und lachte. Alle sahen sie an, als wäre sie ein Clown oder so etwas; sie dachten alle, sie wäre vor Herzschmerz verrückt geworden. Sie schwelgten in ihrem Elend. Die Menschenmenge dort bestand aus Leuten, die sie kannte, ihren ehemaligen Kommilitonen. Sie schluckte schwer angesichts ihres gegenwärtigen Dilemmas, als sie rückwärts ging.
Mahina drehte sich um und rannte eilig von dort weg. Ava, Emma, Finn und Darla folgten ihr, zusammen mit einem Teil der Menge. Sie alle sahen sie an und lachten über ihr Leid. Ihre Augen waren tränenfeucht, aber sie lächelte immer noch. Sie schwor sich, niemanden mehr an ihrem Schmerz nähren zu lassen. Als sie gerade den Saal verlassen wollte, stieß sie gegen etwas, das sich wie eine starke Wand anfühlte. Nein! Es war keine Wand, sondern eine Brust, erkannte sie. Sie sah direkt darauf; sie war stark und verlässlich. Sie hob langsam die Augen und sah, dass es der Arzt war, der sie im Elites Gesundheitszentrum behandelt hatte:
„Doktor!“, sah sie ihn mit tränenfeuchten Augen an.