HOFNUNGSFLÜSTERN

1214 Words
KAPITEL ZWEI Mary sprach mit Reyes, erfüllt von Schmerz und Qual. Doch er schien von ihren Worten unberührt. Es war, als ob er sie nur höhnisch anstarrte, während sie mit ihm sprach. Sie seufzte schmerzerfüllt und wischte sich die Tränen weg, als sie ihren Blick wieder auf ihn richtete. „Du bist so naiv, Mary... das ist das Problem mit dir. Männer sagen so etwas ständig, um die Frau zu umwerben, die sie verfolgen, und ich bin da nicht anders...“ Während er noch sprach, verließen Ava und Emma das Auto, in dem sie auf Karin und Brown gewartet hatten, und gingen in die Villa. Eva rannte und umarmte Brown, sobald sie ihn erblickte. „Papa! Warum dauert das so lange? Wir haben auf dich gewartet!“ Mahina, die schon lange unter dem Tisch geweint hatte, kam schließlich hervor. Der erste Mensch, den sie ansah, war ihr Vater, dann schaute sie zu Eva und dann zu Emma, die sich fest an ihre Mutter klammerte. Als sie sich umdrehte, um ihre Mutter anzusehen, war diese bereits im Begriff, zu Boden zu fallen. Mary brach am Boden zusammen, hielt sich schmerzerfüllt die Brust. Mahina bedeckte schockiert mit beiden Händen ihren Mund und sank auf die Knie. „Mutter! Mutter! Bitte wach auf, was ist mit dir?“ Mahinas Augen waren erfüllt von Tränen und Schmerz. Brown, Karin und ihre beiden Töchter standen nur daneben und sahen zu, wie die kleine Mahina verzweifelt versuchte, ihre Mutter aufzuwecken. Karin hingegen musste fast über die zusammengebrochene Frau auf dem Boden lachen, bis sie einen wütenden Blick von Brown erhielt. „Mutter! Mutter! Vater! Bitte komm und hilf meiner Mutter, sie bewegt sich nicht mehr.“ Mahinas Tränen tropften reichlich auf das Gesicht ihrer Mutter. Die kleine Mahina konnte nicht klar denken, sie war verwirrt über den Zustand ihrer Mutter. „Prinzessin, geh bitte zur Seite, lass mich deine Mutter ins Krankenhaus bringen.“ Marys treuer Leibwächter schob Mahina behutsam beiseite, nahm ihre Mutter eilig in seine Arme und brachte sie ins Krankenhaus. Mary wurde sofort in den Notaufnahmeraum gebracht, doch noch bevor der Arzt sie untersuchen konnte, gab sie ihren Geist auf. Der Arzt kam heraus und überbrachte der kleinen Mahina die Nachricht. „Kleines Fräulein... es tut mir leid... Ihre Mutter ist von uns gegangen.“ Nur wenige Schritte von ihr entfernt standen ihr Vater und ihre Stiefmutter. Sie waren gerade eingetroffen, als der Arzt den Tod ihrer Mutter bekannt gab. Sie seufzte und versuchte, die Reihe der Ereignisse und den Weg bis zu diesem Punkt nachzuvollziehen. Es war für Mahina fast unglaublich, dass ihre Mutter nur an einem gebrochenen Herzen wegen ihres Vaters gestorben war. Sie wollte glauben, dass mehr hinter dem Tod ihrer Mutter steckte, doch egal, wie sehr sie darüber nachdachte, sie fand keine Beweise dafür. Stille Tränen fielen kontinuierlich aus ihren Augen. Sie wischte sie weg, doch neue flossen unaufhörlich, egal wie oft sie sie abtrocknete. Kurz darauf näherte sich ein anderer Mann in einem Laborkittel Mahina und fragte sie: „Wie hätten Sie es denn gerne für Ihre Mutter: Feuerbestattung oder Erdbestattung?“ War das überhaupt eine Frage, die man einem jungen Mädchen wie ihr stellen konnte?, dachte sie... wie einfühllos manche Menschen sind. Sie sammelte all die Kraft, die sie aufbringen konnte, und antwortete: „Feuerbestattung!“ Ihre traurige, sanfte Stimme durchbohrte das Herz des Arztes. Ihm wurde bewusst, wie hart seine Frage gewesen war, und er entschuldigte sich: „Es tut mir leid“, sagte der Mann und verneigte sich leicht, bevor er sie niedergeschlagen zurückließ. Da war niemand, der sie tröstete oder ihr sagte, dass alles gut werden würde. Sie war nur ein kleines Mädchen, das dachte, es habe alles, was es sich im Leben nur wünschen konnte. Eine Mutter, die sie innig liebte, und einen Vater, der auf sie aufpasste – bis vor wenigen Augenblicken, als sich alles auf den Kopf stellte. Wohin sollte sie jetzt gehen? Sie war zu verwirrt, um klar zu denken. Sie war am Boden zerstört und fühlte sich in der ganzen, weiten Welt allein. Sie umarmte sich traurig, als sie weinend in einer Ecke stand. Kurz darauf brachte ein Mann die Überreste ihrer Mutter in einer Urne heraus und überreichte sie ihr. Sie nahm sie, drückte sie fest an sich und ging zum Ausgang. Die Männer ihrer Mutter geleiteten sie zum Auto. Es war eine stille Fahrt zum Ahnentempel ihrer Mutter, wo sie die letzte Ehre erweisen sollte. Ihre Mutter war nicht mehr. All die Erinnerungen, die sie an sie hatte, waren nur noch eine Erinnerung daran, dass es sie gegeben hatte. Während der gesamten Fahrt war sie unruhig, blieb aber entschlossen, das letzte Geleit für ihre Mutter zu geben. Bei ihrer Ankunft stand bereits ein Auto in einer Ecke des Tempels. Es war das Auto ihres Vaters. Sie schenkte ihm keine große Beachtung. Sie trug die Überreste ihrer Mutter und stieg nachdenklich die Stufen zum Tempel hinauf. Sie betrat den Tempel und stellte die Urne ihrer Mutter an ihren Platz. Sie faltete die Hände zum Gebet und ließ all ihren Schmerz in Form von Tränen aus ihren Augen fließen. Während sie das tat, spürte sie eine starke Hand auf ihrer Schulter. Sie öffnete die Augen und sah, dass es ihr Vater war. Er kniete nicht einmal nieder, um seinen Respekt zu erweisen, er stand nur da und sagte zu ihr: „Wenn du mit der letzten Ehre für deine Mutter fertig bist, brauchst du nicht zurück in die Villa kommen. Hier ist die Nummer deines Onkels. Die Nummer des Bruders deiner Mutter. Ruf ihn an, damit er dich hier abholt. Ich werde die Dinge in Ordnung bringen, indem ich Karin heirate. Wir werden unsere Kinder mit ihr zusammen als eine große Familie aufziehen.“ „Vater, was ist mit mir? Bin ich nicht auch dein Kind?“ Das war die schmerzhafteste Frage, die Mahina ihren Vater zu stellen wagte. In der Hoffnung, ihn daran zu erinnern, dass auch sie seine Tochter war und dass sie sehr lebendig war. „Vielleicht bist du das! Aber du bist ein Fehler. Was soll ich mit einer kränklichen Erbin wie dir anfangen? Es tut mir leid, dass wir dich in diese Welt gebracht haben... aber du sollst wissen, dass ich dich als mein Kind ablehne. Du enterbt.“ Es war still. Mahina sagte kein Wort mehr. Sie stand nur da und sah den Mann an, entsetzt über den Lauf der Ereignisse. An diesem Tag reisten ihr Vater und ihre Stiefmutter auf eine Insel und heirateten dort. Währenddessen nahm Mahinas Onkel Damian sie auf und zog sie wie sein eigenes Kind groß. ENDE DER RÜCKBLENDE Mahina schrie auf und sackte am Straßenrand zusammen, während der Regen unbarmherzig weiter auf sie niederprasselte. Ihre Knochen schmerzten vor Kälte; sie kämpfte mit den Symptomen ihres Leidens. Langsam schloss sie die Augen und wartete auf das Schlimmste. Gerade als sie dachte, dies sei der Tag, an dem sie endlich ihrer Mutter und ihrem Onkel folgen würde, hatte sie plötzlich das Gefühl, hochgehoben zu werden. In diesem Moment glaubte sie an das Sprichwort: 'Während du denkst, du planst dein Leben, plant das Universum etwas anderes für dich.' Sie konnte die leisen Stimmen der Menschen um sich herum hören, selbst mit geschlossenen Augen. Obwohl sie sich wünschte, sie hätten sie dem Tod überlassen.
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