## Kapitel Zwei

1488 Worte
Selena kämpfte verzweifelt, riss und drehte ihren Arm, doch der Griff des Mannes war fest wie eiserne Fesseln. Ihr Herz pochte wild, ihre Kehle brannte vom Schreien, doch die Männer um sie herum schienen sich zu amüsieren. Sie tauschten höhnische Blicke, ihre Augen funkelten vor sadistischer Freude. „Tu das nicht!“, rief sie, ihre Stimme brach unter der Last ihrer Verzweiflung. „Bitte, nicht!“ Ihr Vater stand nur wenige Schritte entfernt, den Blick gesenkt, das Gesicht bleich vor Scham. Seine Hände zitterten, doch er weigerte sich, ihr in die Augen zu sehen. Sein Verrat schnitt tiefer als alles andere. „Dad, hilf mir! Bitte!“, Selinas tränenüberströmtes Gesicht wandte sich ihm zu, suchte nach einem Funken des Mannes, der sie einst beschützt hatte. Stattdessen murmelte ihr Vater: „Selena, das... das ist der einzige Weg. Du musst es verstehen. Tu es für mich. Für uns.“ Seine Stimme war hohl, ohne die Liebe, der sie einst vertraut hatte. Selena stockte der Atem, ihre Sicht verschwamm vor Tränen. „Wie kannst du das sagen? Ich bin deine Tochter! Du sollst mich beschützen!“ Doch ihre Bitten verhallten ungehört. Einer der Männer trat vor, ein Kerl mit einer gezackten Narbe von der Schläfe bis zum Kiefer. Ohne ein Wort packte er Selena und warf sie sich wie einen Sack über die Schulter. „Nein! Lass mich los!“, schrie sie, schlug mit den Fäusten auf seinen breiten Rücken. Ihre Schreie hallten durch die stille Nachbarschaft, doch niemand kam ihr zu Hilfe. Türen blieben geschlossen, Vorhänge zugezogen. Hier war Schweigen gleichbedeutend mit Sicherheit; die Menschen wandten sich von den Schrecken um sie herum ab. Der Griff des Mannes wurde fester, sein Lachen dröhnte wie Donner. „Eine Kämpferin, was? Du wirst einen guten Preis bringen.“ Selena erstarrte, seine Worte ließen ihr das Blut in den Adern gefrieren. Preis? Ihr Verstand raste, verband Punkte, die sie nicht verbinden wollte. Es ging nicht nur um die Schulden ihres Vaters – es war etwas viel Schlimmeres. Als sie sich einem glänzenden schwarzen SUV am Bordstein näherten, stieg ihre Panik. Sie wand sich und trat um sich, ihre nackten Füße trafen die Beine des Mannes, doch es war zwecklos. Der Kerl stieß sie in das Auto, wo zwei weitere Männer warteten. „Haltet sie fest“, bellte einer, als sie versuchte, zu entkommen. Starke Hände packten ihre Handgelenke und Schultern, zwangen sie auf den Sitz. Selena strampelte, ihre Nägel kratzten und rissen an allem, was sie erreichen konnte, doch es brachte ihr nur spöttisches Gelächter ein. „Beruhig dich, Süße“, höhnte einer der Männer, sein whiskygetränkter Atem ließ sie würgen. „Du machst es dir nur schwerer.“ „Lass mich los!“, schrie Selena, wand sich vergeblich. Ihr Telefon vibrierte in ihrer Gesäßtasche, ein schwacher Hoffnungsschimmer. Sie versuchte, danach zu greifen, doch einer der Männer bemerkte es. „Oh, was haben wir denn da?“, sagte er und zog es heraus. Der Bildschirm leuchtete mit einem eingehenden Anruf ihrer besten Freundin. „Gib es zurück!“, schrie Selena und stürzte sich auf ihn. Er grinste und kurbelte das Fenster herunter. „Ups.“ Mit einer Handbewegung warf er das Telefon auf den Asphalt. Der Bildschirm zersplitterte, ihre letzte Verbindung zur Außenwelt war verloren. Selena sank das Herz. Tränen strömten über ihr Gesicht, doch ihre Verzweiflung verwandelte sich schnell in Wut. Als einer der Männer sich zu nahe heranlehnte, biss sie ihm in die Hand, fest genug, um Blut zu ziehen. „Ah, du kleine—“ Er ohrfeigte sie, die Wucht ließ ihren Kopf zur Seite schnellen. Sterne tanzten vor ihren Augen, der metallische Geschmack von Blut erfüllte ihren Mund. Ihr Körper wurde schlaff, Schmerz und Erschöpfung überwältigten sie. Während das Auto durch die Straßen raste, flackerte Selinas Hoffnung wie eine sterbende Glut. Als sie erwachte, bewegte sich der SUV stetig durch unbekanntes Gelände. Das Geplapper der Männer vorn drang durch den Nebel ihres Bewusstseins. „Sie ist zäher, als ich dachte“, sagte einer mit einem Kichern. „Egal. Der Boss mag sie mit ein bisschen Feuer“, antwortete ein anderer. Selena wurde schwer ums Herz, als sie ihre Worte zusammensetzte. Sie brachten sie zu jemandem – einem „Boss“. Ihr Körper schmerzte, doch ihr Geist raste, suchte nach einem Ausweg. Das Auto begann zu bremsen, bog von der Hauptstraße auf einen Schotterweg ab. Selena stellte sich schlafend, ihre Atemzüge flach, während sie lauschte. „Wir halten hier kurz“, sagte der Fahrer. „Müssen uns die Beine vertreten.“ „Ich wollte dir gerade sagen, dass du anhalten sollst, ich muss pissen“, grunzte einer der Männer hinten. „Ich auch.“ Einer trat sie, um zu sehen, ob sie noch wach war, doch sie blieb reglos. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, dass alle gleichzeitig aus dem Auto stiegen. Selena wartete, bis sie die Autotüren hörte und das Geräusch von Schritten auf dem Kies. Sie öffnete ein Auge, bestätigte, dass zwei der Männer ausgestiegen waren. Der dritte saß noch auf dem Fahrersitz und scrollte durch sein Handy. Das war ihre Chance. Sie sammelte all ihren Mut, rutschte zur Tür. Ihre Hände tasteten nach dem Schloss, doch sie schaffte es, es leise zu öffnen. In dem Moment, als ihre Füße den Boden berührten, rannte sie los. Ihre nackten Füße schlugen auf den Kies, scharfe Steine schnitten in ihre Sohlen, doch sie hielt nicht an. Adrenalin übertönte den Schmerz, als sie die leere Straße entlang sprintete. „Hey! Sie rennt!“, rief einer der Männer, seine Stimme voller Wut. Selena sah nicht zurück. Sie winkte verzweifelt, als Scheinwerfer in der Ferne auftauchten. „Hilfe! Bitte, halten Sie an!“ Das Auto verlangsamte sich, ein teurer schwarzer Sedan mit getönten Fenstern. Der Fahrer zögerte einen Moment, bevor er das Beifahrerfenster herunterkurbelte. „Steig ein!“, sagte der Mann drinnen. Ohne nachzudenken, riss Selena die Tür auf und warf sich hinein. „Fahren Sie! Bitte, einfach fahren!“ Der Fahrer stellte keine Fragen. Er trat aufs Gas, und das Auto raste davon, ließ die Männer fluchend im Staub zurück. Selena sank in den Sitz, ihre Brust hob und senkte sich heftig, als Erleichterung sie überkam. „Danke“, flüsterte sie, ihre Stimme kaum hörbar. Der Mann neben ihr antwortete nicht sofort. Er hielt die Augen auf die Straße gerichtet, sein Kiefer angespannt. Schließlich sagte er: „Du bist jetzt in Sicherheit.“ Selena sackte gegen den Sitz, Erschöpfung übermannte sie. Als das Adrenalin nachließ, glitt sie in einen unruhigen Schlaf. Als sie aufwachte, parkte das Auto vor einem neonbeleuchteten Gebäude. Der wummernde Bass der Musik vibrierte durch die Luft. „Wo sind wir?“, fragte sie, ihre Stimme schläfrig. Der Mann öffnete seine Tür. „Komm rein. Du wirst hier sicher sein.“ Selena zögerte, doch sie hatte keine andere Wahl. Sie folgte ihm in den Club, doch sie hatte das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Etwas war furchtbar falsch. Drinnen war der Lärm ohrenbetäubend. Der Mann führte sie mühelos durch die Menge, seine Präsenz gebot Respekt – oder Angst. Als sie eine private Nische erreichten, erstarrte Selena. Ihre Entführer saßen dort, ihre Gesichter eine Mischung aus Wut und Verwirrung. „Nein“, flüsterte sie, wich zurück. Ihre Augen wandten sich dem Mann zu, der sie gerettet hatte, nun zog er seine Sonnenbrille ab. Ihr Atem stockte, als sie ihn erkannte. „Adrian?“, stammelte sie, ihre Stimme zitterte. Er grinste, seine Augen kalt. „Hallo, Selena. Dachtet du wirklich, du könntest vor mir davonlaufen?“ Selena wurde schwindelig, als die Erkenntnis sie wie eine Flutwelle traf. Sie war einem Albtraum entkommen, nur um in einen anderen zu geraten. Selena knickten fast die Knie ein, ihr Puls hämmerte in den Ohren. Die Menge um sie herum verschwamm, die dröhnende Musik wurde zu einem fernen Echo. Adrian trat näher, sein Grinsen wurde breiter, als er sie wanken sah. „Du siehst jetzt nicht mehr so mutig aus“, sagte er, seine Stimme glatt wie Seide, die sich um eine Klinge wickelte. Selena ballte die Fäuste, ihre Nägel gruben sich in die Handflächen. „Warum tust du das?“, verlangte sie, ihre Stimme zitterte, aber immer noch trotzig. Adrian neigte den Kopf, tat neugierig. „Du denkst, es geht um das, was du mir schuldest?“ Er lachte, der Klang ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. „Es ging nie ums Geld, Selena. Es geht um dich. Und ich teile nicht, was mir gehört.“ Selena erstarrte, ihr Atem stockte, als Adrians vertrautes Grinsen einen Stich in ihrer Brust auslöste. Es waren Monate vergangen, seit sie ihn zuletzt gesehen hatte, doch die Erinnerungen kehrten mit brutaler Klarheit zurück – die Wärme seiner Umarmung, wie er sie ansah, als wäre sie seine ganze Welt. Und jetzt war sein Blick eiskalt, erfüllt von etwas viel Dunklerem. Ihr Herz zog sich schmerz
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