**Kapitel Drei**

1444 Worte
Adrian beobachtete sie genau – wie sich ihre Schultern anspannten, ihre Augen nervös zum Ausgang zuckten wie die eines in die Enge getriebenen Tieres. Diese Reaktion hatte er erwartet – ihren Widerstand, ihren unerschütterlichen Willen zu kämpfen, selbst wenn alles gegen sie sprach. Genau das hatte ihn einst an ihr fasziniert. Doch jetzt entfachte ihr Feuer nur seine Wut. Sie dachte, sie könnte ihn verlassen. Nach allem. Nachdem sie ihn hatte glauben lassen, er bedeute ihr etwas, war sie ohne ein Wort verschwunden und hatte ihn mit den Trümmern seines gebrochenen Herzens zurückgelassen. Und jetzt, sie wiederzusehen – zerzaust, verzweifelt – war Balsam für seinen gekränkten Stolz und gleichzeitig ein Funke für das brodelnde Feuer unter seiner kontrollierten Fassade. Adrian trat näher, verringerte die Distanz zwischen ihnen. „Hast du überhaupt eine Ahnung, wie es sich angefühlt hat, Selena?“, fragte er, seine Stimme leise, aber voller Emotion. „Eines Morgens aufzuwachen und festzustellen, dass du weg bist? Keine Erklärung, kein Abschied – nur Leere.“ Selena hielt seinem Blick stand, ihre Augen funkelten mit unterdrückten Tränen. „Ich habe es für dich getan“, spie sie hervor, ihre Stimme zitternd vor Wut und Schmerz. „Du würdest es nicht verstehen.“ Sein Kiefer spannte sich an, seine Fäuste ballten sich. „Oh, ich verstehe es sehr gut“, sagte er scharf. „Du dachtest, du könntest mich beschützen, indem du davonläufst. Aber in Wahrheit hast du mir nur gezeigt, wie wenig du mir vertraust. Wie wenig du an uns geglaubt hast.“ Ihre Lippen öffneten sich, doch keine Worte kamen. Für einen Moment sah es so aus, als würde sie etwas erklären – als wolle sie die Kluft zwischen ihnen überbrücken. Doch dann verhärtete sich ihr Blick. „Du hast recht“, sagte sie kalt. „Ich habe dir nicht vertraut. Und ich tue es immer noch nicht.“ Die Worte trafen ihn wie ein Schlag, doch Adrian ließ sich nichts anmerken. Zu viele Nächte hatte er mit dem Schmerz verbracht, den sie ihm zugefügt hatte – jetzt war sie an der Reihe. Sie sollte jeden Tropfen des Verrats spüren, jede Sekunde des Schmerzes, den sie ihm hinterlassen hatte. „Ist mir egal“, sagte er ruhig, beinahe gelassen. „Denn Vertrauen ist nicht nötig für das, was als Nächstes kommt.“ Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, Verwirrung blitzte in ihrem Gesicht auf. „Was meinst du damit?“ Adrian trat noch näher, seine Präsenz überwältigend. „Du hast mich dazu gebracht, mich in dich zu verlieben, Selena. Du hast mich glauben lassen, wir hätten eine Chance. Und dann hast du mich gebrochen.“ Er hielt inne, sein Blick verfinsterte sich. „Jetzt bin ich an der Reihe. Ich werde dich wieder in mich verliebt machen – und genau in dem Moment, in dem du dich sicher fühlst, werde ich dich zerstören.“ Selena schnappte nach Luft, ihre Hände zitterten. „Du bist ein Monster“, flüsterte sie. Adrian grinste kalt. „Vielleicht. Aber du hast mich zu dem gemacht.“ Er wandte sich an seinen rechte Hand, der das Gespräch stumm verfolgt hatte. „Bring sie ins Haus“, befahl Adrian scharf. „Und sorg dafür, dass sie keinen Unsinn macht.“ Der Mann nickte und trat vor, um Selenas Arm zu greifen. Sie zuckte zusammen, leistete aber keinen Widerstand. Ihre kämpferische Art war durch Adrians Worte für den Moment erstickt worden. Adrian sah ihr nach, während sie fortgeführt wurde, ein Sturm der Gefühle unter seiner ruhigen Oberfläche. Ein Teil von ihm – ein kleiner, verletzlicher Teil – wollte sie in die Arme ziehen, Antworten verlangen, wissen, warum sie ihn so tief verletzt hatte. Aber der andere Teil – der, den ihr Verrat verhärtet hatte – war fest entschlossen. Selena hatte mit seinem Herzen gespielt. Jetzt hatte er die Kontrolle. Als sie aus dem Blickfeld verschwand, wandte sich Adrian den Männern zu, die ihre Bewachung vergeigt hatten. Sein Blick verfinsterte sich, seine Wut suchte ein neues Ziel. „Ihr hattet nur eine Aufgabe“, sagte er gefährlich leise. „Und ihr habt sie beinahe entkommen lassen.“ Die Männer wichen zurück, ihre frühere Arroganz war Angst gewichen. Adrian lächelte kalt. „Ich dulde keine Inkompetenz. Das wird Konsequenzen haben.“ Während er mit ihnen abrechnete und den Drogendeal abschloss, kreisten seine Gedanken weiter um Selena. Sie dachte, sie könnte ihm entkommen – aber sie irrte sich. Diesmal, schwor Adrian, würde sie bleiben. Und sie würde lernen, was es heißt, sich gegen ihn zu stellen. --- **Im Nachtclub** Adrians selbstgefälliges Grinsen wich nicht, während Selena ihn anfunkelte, trotzig trotz ihrer Lage. Er trat näher, und sie wich instinktiv zurück, bis sie gegen die gepolsterte Sitzbank stieß. „Selena“, sagte er, seine Stimme samtweich, aber gefährlich. „Du vergisst wohl, mit wem du es zu tun hast. Wegzulaufen war dein erster Fehler. Zu glauben, du könntest es zweimal tun – das ist einfach nur beleidigend.“ Ihr Herz hämmerte, doch sie zwang sich zur Fassung. Er sollte nicht sehen, wie sie zerbrach. Nicht noch einmal. „Du besitzt mich nicht“, fauchte sie, Gift in ihrer Stimme. Adrian lachte – ein tiefes, fast belustigtes Geräusch, das ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Red dir das nur weiter ein“, sagte er und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie wich zurück, doch er schien es nicht zu stören. In seinem Blick lag nun ein dunkler Ernst. „Aber vergiss nicht: Ich bekomme immer, was ich will.“ Bevor Selena etwas erwidern konnte, summte sein Handy. Er warf einen Blick aufs Display, und seine Miene wurde eisig. Mit einer schnellen Bewegung nahm er den Anruf entgegen. „Ja?“, sagte er scharf, drehte ihr dabei den Rücken zu. Selena fing Wortfetzen auf – „Lieferung“, „Hafen“, „Zahlung“. Die Wahrheit wurde klar: Adrian war nicht nur gefährlich. Er war Teil von etwas Größerem. Etwas Tödlichem. Er beendete das Gespräch und wandte sich wieder ihr zu. „Ich habe zu tun“, sagte er und nickte einem seiner Männer zu. „Bring sie ins Haus. Und diesmal sorg dafür, dass sie bleibt. Wenn sie nochmal flieht…“ Die Drohung blieb unausgesprochen, aber sie lag schwer in der Luft. Selena schluckte hart. Adrian beugte sich vor, flüsterte ihr mit eisiger Stimme ins Ohr: „Wir reden später weiter.“ Dann wandte er sich ab und verließ den Club, seine Männer folgten ihm wie Schatten. --- **Am Hafen** Der Geruch von Salz und Maschinenöl lag schwer in der Luft, als Adrians Konvoi schwarzer SUVs den düsteren Hafen erreichte. Unter dem matten Licht der Lampen türmten sich Container wie vergessene Monumente dunkler Geschäfte. Adrian stieg aus. Trotz des schmutzigen Ambientes war sein Anzug makellos. Mit prüfendem Blick überflog er das Areal, wo eine Gruppe Männer auf ihn wartete. „Boss“, sagte einer seiner Leute, reichte ihm ein Klemmbrett. „Die Lieferung ist da. Sie warten nur auf dein Zeichen.“ Adrian nickte kühl. „Machen wir’s schnell. Ich habe keine ganze Nacht Zeit.“ Ein stämmiger Mann mit Glatze und schwerem russischen Akzent trat vor. „Adrian“, grüßte er respektvoll. „Pünktlich wie immer.“ „Und du bist zu spät“, erwiderte Adrian kühl. „Also lass uns keine Zeit verschwenden. Hast du die Ware?“ Der Russe gab einem seiner Männer ein Zeichen. Der öffnete den Container – drinnen gestapelte, versiegelte Pakete. Der Inhalt war eindeutig: reines Rauschgift im Millionenwert. Adrian prüfte ein Päckchen, musterte jedes Detail. Zufrieden nickte er. „Die Zahlung ist auf dem gewohnten Konto. Meine Männer übernehmen den Rest.“ Der Deal lief reibungslos. Doch Adrians Gedanken waren bei Selena – bei ihrem Trotz, ihrer Angst, ihrem ungebrochenen Feuer. Sie glaubte, sie könne ihm entkommen, dem Netz, das er gesponnen hatte. Aber sie verstand nicht. Adrian war kein gewöhnlicher Mann. Er war ein Sturm. Als die letzten Kisten verladen wurden, wandte er sich an Viktor. „Kümmere dich um die Lieferung. Alles muss bis morgen früh gesichert sein.“ Viktor nickte. „Und die Männer, die sie entkommen ließen?“ Adrians Kiefer spannte sich. „Sie werden bestraft. Niemand widersetzt sich mir und bleibt ungeschoren.“ Viktor grinste. „Verstanden.“ Adrians Handy vibrierte – eine Nachricht: *Sie ist im Haus. Keine Probleme.* Gut, dachte er. Sie würde nicht wieder entkommen. Nicht dieses Mal. Als er ins Auto stieg, lag seine ganze Entschlossenheit in einem Gedanken: Er würde sie wieder für sich gewinnen – nur um sie dann zu zerstören. Dies war keine Rache. Es war Kontrolle. Und Adrian hatte immer die Kontrolle.
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