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Peter
Wir kehren nicht nach Japan zurück – mit Sara in den Klauen des FBI ist das zu riskant. Stattdessen fliegen wir nach Prag, wo unser Versteck in einem kleinen Dorf etwa zwanzig Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Es hat über Nacht geschneit, und der Ort sieht bemerkenswert malerisch aus, mit einer unberührten weißen Schicht, die alle Dächer und kahlen Äste bedeckt.
»Warum konnten wir nicht an einen warmen Ort gehen?«, schimpft Anton, als er aus dem Auto in eine dicke Schneeschicht steigt. »Im Ernst, der Unterschlupf in Indien klingt im Moment verdammt gut.«
Hätte ich die Frau, die mein Leben ist, nicht gerade gehen lassen, hätte ich über den angewiderten Blick in seinem Gesicht gelacht. Aber ich bin nicht in der Stimmung für Antons Schwachsinn, also sage ich nur kurz: »Weil Osteuropa der Ort ist, wo wir sein müssen.« Nicht, dass ich es sagen müsste – er weiß so gut wie ich, warum wir hier sind. Während des Fluges habe ich das Treffen mit Novak auf nächste Woche vorgezogen.
Henderson ist immer noch verschwunden, und wenn ich keine Zeit mit Sara verbringen kann, gibt es keinen Grund, das Treffen zu verzögern.
»Ich mag es hier«, sagt Ilya und schaut sich in der verschneiten Landschaft um. Wir haben hier nicht so viel Privatsphäre wie in Japan, aber das Haus ist weit genug von den Nachbarn entfernt, um uns zumindest die Illusion eines privaten Winterquartiers zu geben. »Es ist hübsch.«
»Ich stimme Anton zu. Ich habe die Kälte satt«, sagt Yan auf dem Weg zum Haus. »Wenigstens werden wir es bald warm haben. Ich habe gehört, Esguerras Anwesen im Dschungel ist hübsch und warm.« Er schaut mich an, als er das sagt, aber ich schlucke den Köder nicht.
Zu diesem Zeitpunkt muss niemand wissen, was ich wirklich plane.
So ist es für alle sicherer.
Erst als wir ausgepackt und in das neue Haus eingezogen sind, erlaube ich mir, an Sara zu denken und die quälende Leere zu spüren, die ihre Abwesenheit für mein Leben bedeutet. Es war erst ein Tag, aber ich sehne mich schon nach ihr, will sie so sehr, dass es mich innerlich zerreißt. Die Amerikaner beobachten sie, also bekomme ich tägliche Berichte, aber das ist nicht genug. Ich will sie hier, an meiner Seite. Ich will sie halten, ihr Lächeln sehen und sie lachen hören. Sie ficken, bis sie zu heiser ist, um meinen Namen zu schreien und das rohe Brennen in meinen Adern nachlässt.
Bald verspreche ich mir, als ich das Gebiet erkunde und das Grundstücksende mit Alarmen absichere. Ich werde mein Ptichka bald wiederhaben.
Vorläufig kann sie ihr früheres Leben genießen.