Prolog
Ich schlich durch den dunklen Wald, der im Schein des Vollmonds hell erleuchtet war, und bewegte mich lautlos, während ich überall suchte und Ausschau hielt. Bald sah ich Kieran, der bereits auf mich wartete, mit fragenden Augen, und ich ging auf ihn zu.
„Hey, warum hast du so lange gebraucht? Was ist los, warum hast du mich plötzlich gebeten, hierher zu kommen?“, fragte Kieran mit neugieriger Stimme.
Ich sah mich nervös um. „Entschuldige, ich habe nur sichergestellt, dass mir niemand folgt, deshalb bin ich zu spät gekommen. Und ich sollte mit dir weglaufen. Weißt du, meine Eltern wollen, dass ich mich mit dem Alpha-Prinzen Jayden vermache. Wenn sie herausfinden, dass ich meinen Seelenverwandten getroffen habe und mich heimlich mit ihm treffe, könnte das katastrophale Folgen für uns haben.“
Kieran kniff die Augen zusammen, seine Stimme klang ungläubig. „Was meinst du mit ‚katastrophal für uns? Sie sollten sich doch für uns freuen, oder? Ich liebe dich, wir sind Schicksalsgefährten. "Warum sollten sie wollen, dass du dich mit jemand anderem verbindest, wenn du deinen wahren Gefährten gefunden hast?"“
Sein Kiefer spannte sich an. „Und ich bin auch ein Alpha, auch wenn ich vielleicht auf derselben Ebene wie der Alpha-Prinz bin, aber ich bin kein minderwertiger Wolf. "Mein Rudel mag kleiner sein als das deiner Eltern, aber ich bin immer noch Alpha."
„Du kennst meine Eltern nicht“, sagte ich mit besorgter Stimme. „Du verstehst nicht, wozu sie fähig sind. Die Feier zur Wahl der Auserwählten steht in weniger als drei Monaten bevor. Seit meiner Kindheit haben sie mir beigebracht, wie man eine Königin und eine gute Partnerin für den Prinzen ist. Ich wurde ausgebildet und hatte die besten Lehrer des Königreichs. Sie wollen nichts anderes, als dass ich die auserwählte Partnerin des Prinzen werde. Ich habe Angst, dass sie etwas unternehmen könnten.“
Meine Augen flehten Kieran an. „Und ich habe noch niemandem erzählt, dass ich mit dir gepaart bin, nicht einmal Amelia und meinem Großvater mütterlicherseits. Bitte, lass uns weglaufen, okay. Ich will dich nicht verlieren, ich habe mir immer einen Partner gewünscht.“
„Keine Sorge, ich werde mit deinen Eltern sprechen und mich darum kümmern“, sagte er mit fester, ruhiger Stimme. „Du hast es bereits auf deine Weise geregelt, seit wir uns vor einer Woche auf dem Partnerball getroffen haben. Auch wenn deine Eltern der Alpha und die Luna eines mächtigen Rudels sind, werden sie mich dennoch respektieren, da ich ebenfalls ein Alpha bin. Ich verstehe deine Eltern, sie wollen nur das Beste für dich, okay. Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Sie denken, der König ist der beste Partner für dich, und deshalb wollen sie, dass du dich mit ihm verbindest. Lass mich mit ihnen sprechen, okay.“
Seine Augen hielten ihren Blick fest. „Außerdem sind sie gute und gütige Menschen, das weiß jeder im Königreich. Sie haben immer die Verbindung gefördert.“
„Nein, bitte Kieran, hör mir zu“, drängte ich mit verzweifelter Stimme. „Du wirst das nicht verstehen. Alles, was ich dir sage, ist wahr. Sie könnten dich umbringen. Lass uns weglaufen, ich habe schon meine Koffer gepackt.“
„Nein, ich werde nicht mit dir weggehen“, sagte Kieran mit festem Kinn. „Du verdienst das Beste, ich werde nicht mit dir durchbrennen und deinen Namen beschmutzen, und wir haben nichts Unrechtes getan. Du bist meine Gefährtin. Mach dir keine Sorgen, lass uns zu deinen Eltern gehen.“
Dann hörte ich hinter mir einen Applaus. „Was für eine wundervolle Szene, nun, Alpha Kieran, du brauchst nicht zu uns zu kommen, wir sind bereits hier“, hörte ich.
Als ich die Stimme hörte, packte mich die Angst wie eisige Finger; ich zitterte. Das ist die Stimme meines Vaters.
Ich drehte mich um, meine Stimme zitterte wie ein Blatt. „Dad, Mom, warum seid ihr hier?“
Die Augen meiner Mutter verengten sich, ihr Tonfall war von beißender Neugierde geprägt. „Oh, du willst also nicht, dass wir hier sind. Um dich und diesen Jungen zusammen zu sehen.“
Ich blieb still, die Worte blieben mir im Hals stecken.
„Antworte mir, Kind“, drängte sie, ihre Stimme wie eine kalte Klinge.
„Alpha Bryson, ich wollte gerade zu Ihnen kommen, guten Abend“, sagte Kieran und trat mit ruhiger Würde vor. „Ich möchte nicht unhöflich sein, Ihre Tochter auf diese Weise kennenzulernen. Ich wollte gerade mit ihr zu Ihnen kommen. Ich bin ihr Partner, schön, Sie kennenzulernen, Sir und Ma'am.“
Kieran sprach, ohne zu wissen, in welchen Sturm wir geraten waren.
„Nun, was soll ich sagen, Alpha Kieran?“, sagte mein Vater mit einem Lächeln auf den Lippen, aber seinen Augen brannten wie heiße Kohlen unter der Oberfläche. „Meine Tochter hat keinen Partner. Sie ist dazu bestimmt, die Partnerin von Alpha Prince Jayden zu sein. Sie müssen sich also in der Partnerfrage irren.“
Kieran stand aufrecht da, seine Stimme war ruhig. „Alpha Bryson, ich weiß, dass alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen, aber sie ist wirklich meine Gefährtin. Wir haben uns vor einer Woche auf dem Paarungsball kennengelernt.“
Das Lächeln meines Vaters verschwand, seine Stimme sank zu einem leisen Knurren. „Was soll ich dazu sagen? Dann gibt es jemanden, der dumm genug ist, nicht zu wissen, worauf er sich eingelassen hat. Jemand holt die Wachen, wir haben einen Alpha, der sich heimlich in unser Rudel einschleicht, um unsere Sicherheitsvorkehrungen zu stehlen, unsere Pläne zu stören, unsere Sicherheitslücken zu kennen und mit den Feinden zusammenzuarbeiten, um Informationen weiterzugeben. Wir haben jedes Recht, ihn zu töten.“
„Das ist nicht wahr, Alpha Bryson, beschuldigen Sie mich nicht derart“, sagte Kieran mit scharfer Stimme, die seine Ablehnung deutlich machte. „Ich bin hierhergekommen, um Ihre Tochter zu treffen, das ist alles.“
Der Gesichtsausdruck meines Vaters versteinerte sich. „Das ist mir egal. Für mich zählt nur, dass Sie hier sind, um das zu tun, wofür ich Sie beschuldigt habe. Knebelt ihn und betäubt ihn“, befahl er seinen Wachen.
Kieran wehrte sich, seine Muskeln spannten sich gegen die plötzliche Übermacht an. Er wurde zu Boden gerissen, von der Überzahl überwältigt, seine Schreie wurden durch einen Stofflappen in seinem Mund erstickt.
„Nein, Dad, bitte tu das nicht“, flehte ich mit Tränen im Gesicht. „Ich bitte dich.“
Der Blick meiner Mutter durchbohrte mich und versetzte mir einen Schlag. „Du hättest wissen müssen, dass das passieren würde, wenn du dich mit ihm herumtreibst. Willst du unsere Pläne ruinieren? Hast du deine Pflicht vergessen? Wir haben dich seit deiner Kindheit ausgebildet. Du hättest es besser wissen müssen.“
„Mama, bitte“, flehte ich mit verzweifelter, brüchiger Stimme. „Seit meiner Kindheit habe ich in allem auf dich und Papa gehört. Bitte, lass mich einmal mit dem zusammen sein, den ich will. Tu mir das nicht an, töte ihn nicht.“
Die Augen meines Vaters waren wie kalte Steine. „Wir geben dir die Wahl. Entweder du brichst den Kontakt zu ihm ab, vergisst ihn, und wir lassen ihn am Leben. Oder du bleibst bei ihm, und wir töten ihn sofort. Du hast zwei Minuten Zeit, dich zu entscheiden.“
Ich stand wie erstarrt da, meine Gedanken waren ein chaotischer Sturm. Hatte ich etwas falsch gemacht, weil ich mit meinem wahren Partner zusammen sein wollte? Ich wollte Kieran. Ich hatte immer davon geträumt, mit meinem Schicksalspartner zusammen zu sein. Warum konnten sie mich ihn nicht haben lassen? War ihr Plan wichtiger als ich, ihre Tochter? War ich für sie nur eine Schachfigur?
Die Stimme meiner Mutter schnitt kalt und endgültig durch die Luft. „Da du nicht antwortest, habe ich bereits für dich entschieden. Töte ihn, Bryson. Er muss nicht leben, nicht wenn sie uns vollkommen gehorsam sein soll.“
„Töte ihn“, befahl mein Vater, und seine Worte fielen wie das Fallmesser einer Guillotine.
Ich sank vor ihm auf die Knie, Verzweiflung schnürte mir die Kehle zu. „Dad, bitte tu das nicht, lass ihn am Leben! Ich verspreche, alles zu tun, was du gesagt hast, ich bin bereit, ihn zu verstoßen, bitte töte ihn nicht, Dad.“
„Tut es“, sagte er zu seinen Wachen, seine Stimme klang wie eine Steinmauer.
Sie handelten schnell und gnadenlos. Kierans Leben erlosch in einem brutalen Augenblick, und ich spürte es, oh, ich spürte es wie einen reißenden Schmerz in meiner Seele. Selena heulte vor Qual in meinem Kopf, ein Schrei voller Schmerz, der durch jede Faser meines Körpers hallte. Der Schmerz war erdrückend, als würde mein Herz zerreißen, mit jedem schwindenden Herzschlag seines Lebens. Es tat so weh.
„Warum, warum tust du das?“, fragte ich mit vor Schmerz zitternder Stimme. „Bin ich überhaupt deine Tochter? Warum kannst du mir nicht einfach einmal geben, was ich will? Bin ich nur eine Schachfigur in deinem Plan, die königliche Familie zu stürzen? Ist das alles, was ich für dich bedeute?“
Das Lächeln meiner Mutter war eine kalte, grausame Krümmung ihrer Lippen. „Du hast recht, du bist nicht meine Tochter. Für mich bist du nichts als eine Marionette, ein Werkzeug, um uns unserem Ziel näher zu bringen, um den Weg für meinen Sohn zu ebnen. Aber biologisch gesehen bist du die Tochter deines Vaters mit einer anderen Frau.“
Die Worte trafen mich wie ein Schlag; mir stockte der Atem. Was hatte ich da gerade gehört? Sprach sie aus Wut, oder war es die Wahrheit? Mein Kopf schwirrte, während ich versuchte, das zu begreifen.
„Warum erzählst du ihr das?“, fragte mein Vater mit leiser Warnung in der Stimme.
„Warum sollte ich nicht?“, spie sie mit giftigem Blick. „Ich habe sie wegen ihrer Mutter so sehr gehasst.“
„Wovon redest du?“, fragte ich mit verwirrter Stimme, während Verwirrung wie dunkler Nebel in meinem Kopf herumwirbelte.
Die Augen meiner Mutter glänzten mit einem harten, bitteren Licht. „Du bist nicht mein Kind. Du bist die Tochter seiner Geliebten, sie starb bei deiner Geburt.“
Ich schnappte scharf nach Luft. „Das stimmt nicht! Opa hätte es mir gesagt, wenn ich nicht von dir geboren worden wäre“, sagte ich, während sich Verleugnung wie ein verzweifelter Schutzschild in mir aufbaute.
Meine Mutter Elena lachte, ein leises, freudloses Lachen. „Wenn er es gewusst hätte. Aber das tut er nicht. Alle denken, du bist meine Tochter. Das haben wir ihnen erzählt, und das weiß die ganze Welt. Ich wurde zur gleichen Zeit schwanger wie die Frau, die dich tatsächlich geboren hat. Aber ich habe einen Sohn zur Welt gebracht, der heimlich trainiert wurde, um ein fähiger Prinz zu werden. Nachdem dein Vater König geworden ist, nachdem wir die königliche Familie gestürzt haben, wird er bereit sein.“
Die Worte schnitten wie kalte Messer in mich hinein und hinterließen gezackte Wunden. Ich spürte, wie ich mich Faden für Faden auflöste.
„Wer war sie?“, verlangte ich zu wissen, während Wut wie Säure in meinen Adern brannte. „Sag mir, wer meine Mutter ist. Sofort.“
Elenas Blick heftete sich auf meinen, ihre Augen funkelten vor Triumph und Bosheit. „Deine Mutter war die Prinzessin der königlichen Familie, die seit ihrer Jugend verschollen war. Tatsächlich wurde sie von deinem Großvater väterlicherseits entführt, um ein Kind mit königlichem Blut zur Welt zu bringen. Ein legitimer Erbe, geschaffen für den Tag, an dem sie die Königsfamilie selbst stürzen würden.“
Die Worte trafen mich wie eine Sturmflut und zerstörten alles, was ich zu wissen glaubte. Königliches Blut. Entführte Prinzessin. Die Teile drehten sich in meinem Kopf, zerklüftet und brutal.
„Ich werde euch alle umbringen“, spie ich, jedes Wort voller Gift, während sich Ekel wie Galle in meinem Magen zusammenbraute. „Ich hasse euch. Wie konntet ihr das nur tun, um an Macht zu gelangen? Das ist so widerlich. Ihr habt euren Sohn versteckt und mich als Schachfigur benutzt, um euch der königlichen Familie anzunähern und mir dabei zu helfen, die Familie meiner Mutter zu töten. Ich hasse euch, ich werde mich daran nicht beteiligen.“
Der Gedanke an Bryson-Blut in meinen Adern drehte mir den Magen um; ich fühlte mich beschmutzt, befleckt von genau der Abstammung, die ich jetzt verabscheute.
„Weißt du, warum ich dir das alles erzähle?“, sagte Elena mit einem kalten Lächeln im Gesicht. „Weil wir danach alle deine Erinnerungen auslöschen werden. Und du wirst auch nach heute noch die gehorsame Tochter sein, die du immer warst.“
Während sie sprach, traf mich etwas Scharfes und Gnadenloses. Dunkelheit umhüllte mich wie ein schwarzer Flügel, und ich verlor das Bewusstsein.
„Du hättest ihr das alles nicht erzählen sollen“, sagte Bryson zu Elena mit tiefer, warnender Stimme.
Elenas Lippen verzogen sich zu einem berechnenden Lächeln. „Keine Sorge, die Hexen warten schon im Haus. Sie werden ihre Erinnerung löschen, und wenn sie aufwacht, wird sie sich an nichts mehr erinnern. Nicht einmal an ihren geliebten Partner, der gerade gestorben ist.“
Bryson kniff die Augen zusammen, Schatten tanzten über sein Gesicht.
Elena fuhr fort: „Und nicht viele Menschen erinnern sich an die Prinzessin, die für tot erklärt wurde. Ich würde nicht einmal wissen, dass es einmal eine Prinzessin in der königlichen Familie gab, wenn du es mir nicht erzählt hättest.“
Bryson senkte seine Stimme, die nun einen befehlenden Unterton hatte. „Aber sei das nächste Mal vorsichtig. Ich möchte nicht, dass wir noch einmal darüber sprechen müssen. Ich werde Alpha Kierans Tod bekannt geben und ihn des Verrats bezichtigen. Sein Tod wird bedeutungslos sein. Wir haben zu viele Schritte unternommen, um unsere Pläne zu verwirklichen. Ruiniere sie nicht, indem du deine Zunge nicht im Zaum hältst.“
Die Luft war schwer von unausgesprochenen Drohungen, das Gewicht ihrer Intrigen war spürbar.
„Ich werde von nun an vorsichtig sein“, sagte Elena mit leiser Stimme. „Gott sei Dank habe ich gemerkt, dass beim Paarungsball etwas nicht stimmte. Ich habe jemanden beauftragt, jede ihrer Bewegungen zu verfolgen. Sonst wäre sie mit ihm davongelaufen und hätte unseren Plan ruiniert.“
Bryson nickte kurz und entschlossen. „Gut. Gehen wir.“
Mit einer knappen Geste befahlen sie ihren Männern, alles aufzuräumen, den Wald zu säubern und keine Spuren zu hinterlassen. Effizient und lautlos bewegten sich die Schatten, um den Befehl auszuführen. Mit kalter Endgültigkeit wandten sich Bryson und Elena ab, um den Wald zu verlassen, verschluckt von der Dunkelheit, die sie selbst geschaffen hatten.
Irgendwo über dem dunklen Wald schien eine leuchtende Gestalt zu schweben, unsichtbare Augen beobachteten das Drama und sahen zu, wie Bryson und Elena gingen. Hätten Sterbliche sie erblickt, wären sie verblüfft gewesen, denn sie strahlte Schönheit aus wie Mondlicht auf Schnee, göttlich und ätherisch. Sie war die Mondgöttin, verehrt von Werwölfen und Lykanern, von der in alten Überlieferungen geflüstert wurde.
„Es tut mir leid, mein Kind“, flüsterte sie mit einer Stimme, die wie silbernes Windspiel in der Nachtbrise klang. „Bald wirst du das überwinden. Es wartet noch so viel auf dich. Und Kieran war nicht dein Schicksalsgefährte. Es war eine List, die ich angeordnet habe, um deinen wahren Weg zu verschleiern.“
Ihr Blick verweilte, durchdringend und zärtlich. „Du musst stark bleiben. Es bleibt noch viel zu tun: Du musst dein Schicksal erfüllen. Die Prophezeiung braucht dich.“
Und mit diesem Flüstern verschwand die Mondgöttin und hinterließ nur Schatten, Stille und das Echo eines noch nicht erfüllten Schicksals.