Kapitel 2

1187 Worte
„Nur zu, ich bin ganz Ohr.“ Nach einem kurzen Zögern begann ich: „Es geht um die Wahl deiner ...“ Doch bevor ich meinen Satz beenden konnte, durchbrach die Stimme einer Zofe die angespannte Atmosphäre, klar und förmlich. „Eure Hoheit, Eure Anwesenheit wird auf der Party erwartet“, sagte die Zofe, und mein Herz sank. „Lass uns gehen, wir können unser Gespräch später fortsetzen“, schlug Jayden vor. Das war ein ungünstiger Moment. Ich habe endlich meinen Mut zusammengenommen ... Er wandte sich um und ging zurück in den belebten Saal, und ich folgte ihm, während meine Augen die Menge absuchten und Flüstern durch die Luft ging, in denen kommentiert wurde, wie perfekt wir zusammenpassten. „Sie passen perfekt zusammen, der eine aus dem Königshaus, die andere aus dem Adel. Sie passen perfekt zusammen.“ Nein, nicht ich. „Der Prinz ist so gutaussehend. Ich finde, er ist der attraktivste Mann in unserem Rudel. Jede Wölfin hier würde ihn heiraten wollen.“ Nein, nicht ich. Ich schrie in meinem Kopf. Jayden ließ sich auf einen Stuhl neben dem Thron sinken, seine Präsenz zog mühelos die Aufmerksamkeit auf sich. Währenddessen machte ich mich auf den Weg zu meiner Freundin Amelia. „Konntest du mit ihm sprechen?“, fragte Amelia, ihre Augen funkelten vor Neugier. Ich schüttelte den Kopf und verspürte einen Stich der Enttäuschung. „Nein, das konnte ich nicht.“ Bald darauf betraten der königliche Alpha-König und die Luna-Königin feierlich den Saal und strahlten eine majestätische Würde aus. Es wurde still im Saal, alle Augen waren auf sie gerichtet. Die älteren Ratsmitglieder schritten mit ihnen herein, ihre Gesichter streng und ernst. Der König und die Königin nahmen auf dem Thron Platz, während die Ältesten sich neben Prinz Jayden aufgestellten. Der Prinz tauschte Begrüßungen mit den Ältesten aus, seine ruhige Haltung unerschütterlich. Ein Ältester erhob sich und forderte die Aufmerksamkeit der Versammelten. „Wie Sie alle wissen, sind wir heute hier zu einem bedeutenden Anlass zusammengekommen. In nur einem Monat, also am nächsten Vollmondtag, wird der Prinz seinen 21. Geburtstag und den Tag seiner Krönung feiern. Er muss eine Gefährtin auswählen, die an diesem bedeutenden Tag an seiner Seite zur Königin gekrönt wird“, sprach er mit fester Stimme. „Es ist eine geschätzte Tradition, dass der Prinz heute seine Gefährtin auswählen muss und dass das Paarungsritual am Tag seiner Krönung beginnt. Der Prinz hat das uneingeschränkte Recht zu wählen, und die auserwählte Gefährtin darf nur dem Prinzen treu sein. Und wenn die Auserwählte ihren Partner vor dem Paarungsritual trifft, muss sie ihn zurückweisen“, fuhr der Älteste fort und setzte sich mit einer Geste entschlossener Endgültigkeit wieder hin. Mit dieser Erklärung stand Jayden auf und zog alle Blicke im Raum auf sich. „Ich habe meine Entscheidung bereits getroffen“, erklärte er mit fester und klarer Stimme, was eine Welle der Vorfreude durch die Menge schickte. Mein Herz raste vor Aufregung, die Realität des Augenblicks überrollte mich wie eine Flutwelle und erfüllte mich mit Angst und Schrecken. Sobald die Worte Jaydens Mund verlassen hatten, überkam mich eine Welle der Schwindeligkeit und ich spürte, wie sich ein Knoten in meinem Magen bildete. Nicht ich, nicht ich, nicht ich. Ich betete in Gedanken. Selena knurrte ängstlich: „Ich hoffe, er wählt uns nicht.“ „Meine auserwählte Gefährtin ist niemand anderes als Davina Bryson, die Tochter von Alpha Bryson vom Crescent Moon Pack. Willst du meine Gefährtin sein?“, fragte Prinz Jayden, während er auf mich zuging, seine Augen leuchteten vor Wolfskraft. Er stand vor mir und wartete auf meine Antwort. Mein Blick schweifte durch den Raum und traf auf eine Flut unterschiedlicher Reaktionen: Schock, Unzufriedenheit und Gleichgültigkeit. Die Gesichter meiner Eltern stachen hervor, ihre Blicke waren durchdringend, ihre Augen verlangten meine sofortige Zustimmung. Im Gegensatz dazu strahlten der Alpha-König, die Luna-Königin und die Älteste Zufriedenheit aus, ihre Freude war spürbar. Ich kämpfte darum, meine Tränen zurückzuhalten, und fühlte mich gefangen, hin- und hergerissen zwischen dem Schicksal, auf das ich vorbereitet worden war, und meinen eigenen Wünschen. Mein Leben war nicht der Rede wert angesichts des Schicksals, das für mich vorgesehen war. „Ja, ich akzeptiere, deine Gefährtin zu sein, Prinz Jayden“, sagte ich mit kaum mehr als einem Flüstern. Die Worte fühlten sich wie ein Gewicht auf meiner Zunge an. Während ich sprach, fixierte Jayden mich mit seinem Blick. Der Raum schien den Atem anzuhalten, die Luft war voller Erwartung. Mit meiner Zustimmung brach Jubel aus, der wie ein fernes Gewitter am Horizont klang. Mein Herz sank, mein Schicksal war nun untrennbar mit dem von Jayden verbunden und führte mich auf einen Weg, den ich weder vorhersehen noch entkommen konnte. Endlich war ich an diesem Punkt angelangt. Ich stand da, erstarrte in einer Mischung aus Unsicherheit und Resignation. Jaydens Hand streckte sich aus, seine Finger streiften meine, und ein Schauer lief mir über den Rücken. Als Prinz Jaydens Finger meine berührten, verspürte ich einen Schock und trat zurück, meine Augen huschten über die versammelte Menge. Der Saal, der zuvor von leisem Gemurmel erfüllt gewesen war, war nun still geworden, alle Augen waren auf uns gerichtet. Das Gewicht der Unausweichlichkeit lastete wie ein schwerer Schleier auf mir und nahm mir den Atem. Dieser Moment, den ich so lange gefürchtet hatte, war endlich gekommen, und mein Herz schmerzte vor einer Mischung aus Angst und Resignation. Ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, warum ich für diesen Weg bestimmt war. Die Gesichter meiner Eltern, des Alpha-Königs und der Luna-Königin verschwimmen vor meinen Augen, als ich auf die Menge erwartungsvoller Gesichter blickte. Ich fühlte mich gefangen, wie eine Schachfigur in einem Spiel, das ich nicht spielen wollte. Von Verzweiflung gepackt, hob ich mein Kleid und drängte mich durch die Menge, ohne auf die Glückwünsche und guten Wünsche zu achten, die mir entgegengebracht wurden. Als ich mich an den Menschen vorbeidrängte, hörte ich Prinz Jaydens Stimme, die mich rief: „Davina, warte!“ Aber ich schaute nicht zurück, wagte es nicht. Ich hielt meinen Blick auf die Tür gerichtet, mein Herz pochte in meiner Brust. Ich stürmte durch die Türen, die kühle Nachtluft traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Außerhalb der Halle schien die Dunkelheit alles zu verschlingen, nur das sanfte Flackern der Fackeln in der Ferne war zu sehen. Ich machte mich gedankenverloren auf den Weg in den Wald. Ich möchte Frieden in der Natur finden. Ich sehne mich danach. Als ich den Wald betrat, erfüllte der Geruch von feuchter Erde und vermoderten Blättern meine Nase. Ich verwandelte mich sofort in meine Wolfsgestalt und spürte das vertraute Gefühl von Kraft und Freiheit. Der Wald um mich herum erwachte zum Leben, mit dem Zwitschern der Vögel und dem Rascheln der Blätter. Ich begann durch den Wald zu rennen und nahm die natürlichen und erfrischenden Wald Gerüche, die Geräusche der Vögel und Tiere und das Knirschen der Blätter unter meinen Pfoten in mich auf. Der Wind rauschte an mir vorbei und peitschte mein Fell hin und her, während ich immer schneller rannte, bis ich meinen und Amelias Lieblingsplatz im Wald erreichte, den Bach. Ich sank sofort zu Boden.
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