Kapitel 10

1006 Worte
Tief unter der Erde, vor neugierigen Blicken verborgen, lag ein geheimnisvoller Ort, der von Mysterien umgeben war. Die Luft war schwer vom Geruch feuchter Erde und Verwesung, und die Dunkelheit schien sich wie ein Lebewesen zu winden, deren Tentakel sich um die kalten Steinwände rankten. Nur wenige wussten von seiner Existenz, und noch weniger hatten jemals seine verwinkelten, labyrinthartigen Tunnel gesehen. Die Gestalt, in Schatten gehüllt, schlüpfte durch einen versteckten Eingang, ihre Schritte hallten von den kalten Außenwänden wider. Der Umhang wehte hinter ihr wie eine dunkle Wolke, und ihr Gesicht blieb verborgen, verdeckt von der Kapuze. Die Gestalt bewegte sich mit Leichtigkeit durch die gewundenen Gänge, ihre Bewegungen waren geübt und bedächtig. Sie blieb vor einer großen, alten Tür stehen, die mit Symbolen der Dunkelheit und Macht verziert war. Die Tür quietschte beim Öffnen und gab den Blick auf eine Kammer frei, die von flackernden Fackeln beleuchtet wurde. Darin saß ein Mann auf einem thronartigen Stuhl, sein Gesicht von den Spuren unzähliger Jahre gezeichnet. Seine Augen glänzten mit einer überirdischen Intensität, und seine Präsenz schien die Luft aus dem Raum zu saugen. Er war uralt, und seine Macht war spürbar. Die vermummte Gestalt näherte sich, ihre Schritte hielten sich von den Steinwänden wider. „Mein König“, sagte die Gestalt, die außer Gabriel niemand kannte, und neigte den Kopf, ihre Stimme war leise und rau. König Ronans Blick heftete sich auf die Gestalt, er kniff die Augen zusammen. „Hast du Neuigkeiten?“ Die vermummte Gestalt nickte. „Ja, mein König, ich habe Ihre Botschaft überbracht und den Plan erfolgreich ausgeführt“, sagte Gabriel. Der König lächelte, seine Augen funkelten berechnend. „Gut. Ich wusste, dass er dem Angebot der Macht nicht widerstehen und einen solchen Vorschlag nicht ablehnen würde. Sorge dafür, dass alles über unsere Pläne im Verborgenen bleibt. Wir wissen, dass er uns nicht vertrauen wird, aber wir müssen ihm glauben lassen, dass er die Kontrolle hat. Achte jedoch darauf, dass er nicht den vollen Umfang unserer Strategie erfährt und meinen Plan ruiniert. „Ja, ich werde dafür sorgen. Er wird unsere Augen im Lykaner Reich sein und ihr Vertrauen gewinnen, ohne zu wissen, dass er ihr Untergang sein wird. Ich kann es kaum erwarten, dass sie bei ihrer Eröffnungszeremonie das Geschenk sehen, das wir für sie vorbereitet haben. Es wird unerwartet kommen“, sagte Gabriel. „Die Lykaner werden denken, dass niemand weiß, dass die Prophezeiung in Kraft tritt, wenn sich die bestimmten Partner treffen, aber ich weiß es. Niemand wird sich vorstellen können, dass ich noch lebe“, sagte Ronan. „Vor Jahrhunderten war ich der König der Hexenzirkel. Es war eine unserer mächtigen Hexen, die die Prophezeiung vorausgesehen hat. Seitdem habe ich begonnen, meinen vorgetäuschten Tod zu planen, und die Welt hat daran geglaubt. Seitdem habe ich meine Armeen im Untergrund geplant und aufgebaut.“ Ronan war ein gerissener und ehrgeiziger Herrscher. Er hat immer danach gestrebt, die übernatürliche Welt zu beherrschen. Sein Ehrgeiz wurde mit jedem Tag größer, angeheizt von seinem Verlangen nach Macht und Kontrolle. Die Prophezeiung hatte jedoch seine Pläne durchkreuzt und ihn gezwungen, sich anzupassen und weiterzuentwickeln. Ronans Strategie, eine mächtige Armee aufzubauen und jegliche Opposition zu beseitigen, stieß in der Welt auf Vorsicht und Wachsamkeit. Seit der Offenbarung der Prophezeiung war die übernatürliche Gemeinschaft in höchster Alarmbereitschaft und misstrauisch gegenüber jedem, der versuchte, die Kontrolle zu übernehmen. Ronan wusste, dass er vorsichtig vorgehen und seine wahren Absichten hinter einer Maske der Täuschung verbergen musste. Da Ronan seine Macht nicht offen aufbauen konnte, war er gezwungen, seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Er hatte die Situation geschickt manipuliert und vorgegeben, unter dem Fluch einer Hexe zu leiden, die verbotene Kräfte ausübte. In Wirklichkeit hatte er heimlich Pläne geschmiedet und Kräfte gesammelt, bis der perfekte Moment zum Zuschlagen gekommen war. Dann begann er, heimlich seine Macht aufzubauen. Sein treuer Untergebener, der sich in den dunklen Künsten auskannte, folgte ihm und rekrutierte Gleichgesinnte für ihre Sache, wodurch Ronans Einfluss in der übernatürlichen Welt wuchs. Gemeinsam bauten sie ein unterirdisches Netzwerk auf und nutzten versteckte Tunnel und geheime Kammern als ihre verdeckte Operationsbasis. Ronan rekrutierte auch Menschen, die bereit waren, mit ihm zusammenzuarbeiten, und versprach ihnen, dass er nach Möglichkeiten suchen würde, ihnen ein längeres Leben zu ermöglichen, vergleichbar mit dem der Gestaltwandler. Er lockte sie mit dem Versprechen eines langen Lebens, und einige Menschen, getrieben von dem Wunsch nach Langlebigkeit, erklärten sich bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten. Die Mehrheit lehnte dies jedoch ab, da sie Ronans Absichten skeptisch gegenüberstanden und die Risiken fürchteten. Unbeeindruckt davon begann Ronan mit seinen treuen Anhängern, sowohl Menschen als auch übernatürlichen Wesen, zu planen und zu forschen. Er hatte heimlich die Loyalität einiger Anführer verschiedener übernatürlicher Fraktionen gewonnen, die bereit waren, hinter den Kulissen mit ihm zusammenzuarbeiten. Gemeinsam studierten sie alte Folianten und suchten nach den Geheimnissen der Macht und Langlebigkeit. Seine Augen brannten vor Ehrgeiz. „Ich will der Herrscher sein, der über die gesamte übernatürliche Welt herrscht. Und da sich die Prophezeiung erfüllt hat, muss ich sie sich entfalten lassen.“ Die Lichter in der unterirdischen Kammer erloschen nacheinander. König Ronan verschwand in der Dunkelheit und hinterließ nur das Echo seiner Worte: „Egal was passiert, ich werde der Herrscher sein.“ Ein Plan für den Lykaner und Davina wurde bereits in die Tat umgesetzt. „Die Fäden des Schicksals verweben sich perfekt, und bald wird die Zeit kommen, in der ich die Früchte meiner Geduld ernten kann.“ Er lehnte sich zurück, den Blick auf einen entfernten Punkt gerichtet, und in seinem Kopf schwirren bereits die Möglichkeiten herum. „Sollten sie sich über ihren Auftakt freuen, ohne zu ahnen, dass sich über ihnen ein Sturm zusammenbraut, der bald über sie hereinbrechen wird.“ Seine Stimme hallte von düsterer Befriedigung wider, einem unheilvollen Versprechen, dass ihre Rückkehr bald von unvorhergesehenen Folgen überschattet werden würde. Die Luft schien kälter zu werden, als Ronans Worte in der Luft hingen, Gabriel spürte die Angst. Er wusste, dass er Ronans Gerissenheit und Skrupellosigkeit nicht unterschätzen durfte, und die Auswirkungen seiner Intrigen ließen ihn erschauern.
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