Kapitel 9

1663 Worte
Kapitel 9 Am nächsten Morgen riefen ihre Eltern Marcus und Dahlia an, um ihr mitzuteilen, dass sie am Nachmittag von ihrem Urlaub zurückkommen würden. Das warme Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel, ließ die Staubkörnchen in der Luft tanzen, während sie auf dem weichen Sofa saß. Nachdem sie ihre Ämter niedergelegt hatten und Orion den Thron bestiegen hatte, hatten sie sich eine wohlverdiente Auszeit genommen, um sich zu entspannen und Zeit miteinander zu verbringen. Sie waren nun Junior-Mitglieder des Nationalen Ältestenrats, obwohl sie ihre Ämter nach ihrem Rücktritt als König und Königin nicht wieder aufgenommen hatten. Ihre Großeltern waren dort Senior-Älteste gewesen, und ihre Generation hatte den Kern des Rates gebildet. Als Gestaltwandler genossen sie ein langes Leben. Es war 350 Jahre her, seit Orion das Amt des Lykaner Königs übernommen hatte, aber aufgrund ihrer verlängerten Lebensdauer verlief die Zeit für sie anders. Ihr Aussehen alterte langsamer, sodass 350 Jahre in Menschenjahren vielleicht 30 Jahren entsprachen. Während sie in Gedanken versunken war, schwang die Tür auf und sie traten ein. Ihr strahlendes Lächeln erhellt den Raum. „Mama, Papa, ich habe euch so sehr vermisst!“, rief sie aus und eilte zu ihnen, um sie fest zu umarmen. Der vertraute Duft des Parfüms ihrer Mutter und die Weichheit des Pullovers ihres Vaters umhüllten sie. Immer wenn sie mit ihnen und Orion zusammen war, fühlte sie sich wieder wie ein kleines Mädchen, sorglos und geliebt. „Hey, Liebling, wie geht es dir?“, fragte Dahlia und musterte sie von Kopf bis Fuß, ihre Augen funkelten vor Wärme. „Mir geht es gut. Wie war euer Urlaub?“, fragte sie, während sie sie in die gemütliche Sitzecke führte, wobei ihre Neugier die Oberhand gewann. „Es war großartig, und wir haben unsere gemeinsame Zeit genossen, Prinzessin“, antwortete Marcus mit einem warmen Lächeln und ließ sich in den Sessel neben ihrer Mutter sinken. Sie lächelte, war glücklich, sie so entspannt und erholt zu sehen. Während sie sich unterhielten, kam Orion herein, dessen Anwesenheit sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zog. „Willkommen, Eure Königliche Hoheit“, sagte sie und verbeugte sich scherzhaft. „Guten Tag. Wie war eure Reise?“, fragte er und ließ seinen Blick über ihre Eltern schweifen. „Gut, mein Sohn. Wie geht es dir?“, fragte Dahlia und sah ihn dabei aufmerksam an. „Mir geht es gut“, antwortete er mit ausdruckslosen Gesicht. Sie setzten sich alle im Wohnzimmer nieder, und die Atmosphäre wurde ernst. Der Duft von frisch gebrühten Kaffee lag in der Luft. „Orion, was höre ich da, dass du nicht nach deiner Gefährtin suchst?“, fragte Dahlia mit besorgter Stimme. „Das Imperium braucht eine Königin, jemanden, der unser Volk vereint und für Stabilität sorgt.“ „Und wir stehen kurz vor einem Krieg“, fügte Marcus mit ernster Miene hinzu. „Viele Völker wollen unseren Untergang wegen der Prophezeiung, und wir brauchen jeden Vorteil, den wir bekommen können. Deine Gefährtin ist einer der Schlüssel zu unserem Überleben.“ „Mama, Papa, ich verstehe“, sagte Orion mit bedachter Stimme. „Ich habe bereits gesagt, dass ich nach der Eröffnungsfeier nach ihr suchen werde. Es ist ja nicht so, dass ich sie ablehnen kann, wenn ich sie finde.“ Seine Worte hingen in der Luft, und sie konnten die Schwere seiner Zurückhaltung spüren. „Doch, das kannst du nicht. Lykaner haben nur einen einzigen Schicksalsgefährten, und wenn wir ihn einmal abgelehnt haben, bekommen wir nie eine zweite Chance oder einen anderen Partner, was unsere Verbindung heilig und einzigartig macht“, erklärte Marcus. „Wir können zwar entscheiden, unseren Partner nicht anzunehmen, ohne ihn direkt abzulehnen, aber wenn wir uns nicht innerhalb eines Monats nach dem Kennenlernen mit unserem Schicksalsgefährten paaren, löst das einen qualvollen Kreislauf aus.“ „Dieser Kreislauf, der sich einmal im Monat bei Vollmond wiederholt, bringt ein unstillbares Verlangen, unerträgliche Hitze und ein überwältigendes Bedürfnis nach unserem Partner mit sich“, fügte Dahlia mit ernstem Gesichtsausdruck hinzu. „Es ist eine körperliche und emotionale Qual, die Lykaner zur Verzweiflung treiben kann. Wir haben gesehen, wie es denen ergangen ist, die sich entschieden haben, sich nicht mit ihrem Partner zu paaren.“ „Wir Lykaner paaren uns normalerweise in der Vollmondnacht mit unserem wahren Partner und markieren ihn, um unsere Bindung zu festigen“, fuhr Marcus mit ruhiger Stimme fort. „Bei dieser Bindung geht es nicht nur um Liebe, sondern um das Überleben und den Fortbestand unserer Linie.“ „Und ja, Aurora hat uns bereits mitgeteilt, dass du gesagt hast, du würdest nach der Eröffnungsfeier nach deiner Partnerin suchen“, sagte Marcus und sah Orion dabei fest in die Augen. „Aber wir wollen nur sichergehen, dass du es ernst meinst und dir der Bedeutung bewusst bist. Und die Eröffnungsfeier kann nicht ohne uns stattfinden, wir müssen dabei sein. Es ist ein freudiges Ereignis für uns Lykaner, und deine Großeltern werden auch kommen.“ „Ja, wir müssen dabei sein und auch bei allem helfen“, sagte Marcus. „Okay, ich meine es ernst. Ich werde sie finden. Kann ich jetzt gehen?“, fragte Orion mit einer Mischung aus Frustration in der Stimme. „Ja, das kannst du, und wir kümmern uns um die Vorbereitungen“, sagte Aurora. Damit ging Orion. Als Orion ging, ging er zu seinem Büro, seine Gedanken konzentrierten sich auf die anstehenden Aufgaben. Als er eintrat, verband er sich sofort telepathisch mit seinem Beta und seinem Gamma, damit sie in sein Büro kamen. Als sie ankamen, begrüßten sie ihn, und Orion fragte: „Habt ihr beide den Nationalen Rat für Übernatürliches kontaktiert? Wurden alle Rassen informiert? Sie sollten alle über unsere Wiedereröffnung gegenüber der Welt und unser Wiederaufleben informiert werden.“ „Ja, wir haben Kontakt zu ihnen aufgenommen und auch eine Feier zu unserer Öffnung gegenüber der Welt angekündigt“, bestätigte Ryder mit einem Anflug von Stolz in der Stimme. „Wir haben Einladungen an alle Völker verschickt und werden nach dieser Besprechung auch mit jedem Volk einzeln Kontakt aufnehmen.“ „Koordiniert euch mit den Orakeln, um die Magie, die unseren Standort verbirgt, innerhalb einer Woche aufzuheben“, wies Orion mit autoritärer Stimme an. „Die Orakel haben die Magie um unser Reich herum seit Jahrhunderten aufrechterhalten, aber es ist an der Zeit, sie aufzuheben. Auf diese Weise können die Teilnehmer uns auf der Karte finden, wenn sie ankommen.“ Ryder meldete sich zu Wort, seine Stimme voller Neugier. „Was ist mit den Sicherheitsbedenken? Wir können es uns nicht leisten, unsere Wachsamkeit zu verringern, nicht bei so vielen potenziellen Bedrohungen, die im Verborgenen lauern.“ Orions Miene wurde ernst. „Ich habe einen umfassenden Sicherheitsplan. Ich habe ihn bereits mit Damon besprochen, er wird euch darüber informieren und eng mit den Orakeln zusammenarbeiten, um unsere Sicherheit zu gewährleisten.“ „Verstanden, wir kümmern uns darum“, antworteten sie unisono und verließen daraufhin sein Büro. Als Ryder und Damon Orions Büro verließen, kam eine Dienstmagd auf sie zu, deren Blick nervös durch den Flur huschte. „Entschuldigen Sie, Eure Ehren“, flüsterte sie mit kaum hörbarer Stimme. „Jemand hat diesen Brief gebracht und gesagt, er sei für Sie.“ Ryder nahm den Brief entgegen und überflog den Inhalt mit den Augen. „Genießen Sie Ihre Eröffnungsfeier, bevor das Unglück hereinbricht“, las er mit leiser, bedrohlicher Stimme vor. Der Brief war nicht unterschrieben, aber die Absicht war klar. Damons Augen verengten sich, sein Blick streifte misstrauisch den Flur. „Wer hat das gebracht?“, fragte er mit fester, aber beherrschter Stimme. Die Magd zögerte, ihre Hände zitterten, als sie sprach. „Ich weiß es nicht, Euer Ehren. Es war eine vermummte Gestalt. Sie hat mir den Brief gegeben und ist dann verschwunden. Ich habe nicht einmal ihr Gesicht gesehen.“ Ryders Miene verfinsterte sich, sein Kiefer spannte sich besorgt an. „Wir werden das weiter untersuchen. Danke, dass Sie uns darauf aufmerksam gemacht haben.“ Die Magd machte einen Knicks und verschwand schnell. Damons Stimme sank zu einem Flüstern herab. „Das ist nicht nur eine Drohung, Ryder. Das ist eine Warnung. Von jemandem.“ Ryders Blick traf Damons, und beide wussten, dass während der Feier etwas Bedeutendes passieren würde. Ryder und Damon drehten sich um und gingen zurück ins Büro. Orion blickte auf, als er das Geräusch der sich öffnenden Tür hörte. „Was ist los? Warum seid ihr zurückgekommen? Seid ihr mit der Arbeit fertig?“, fragte Orion. „Nein, aber du musst dir das hier ansehen“, sagte Ryder und reichte ihm den Brief. „Was steht darin?“, fragte Orion. „Sieh es dir selbst an“, sagte Ryder. „Okay“, antwortete Orion. „Wer hat diesen Brief geschickt?“, fragte Orion. „Wir wissen es nicht. Der Brief wurde von einer vermummten Person an eine Dienstmagd übergeben“, sagte Damon. „Wir müssen von nun an die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Empire verschärfen, denn wie kann jemand einen solchen Brief bringen, ohne dass wir wissen, wer es ist?“ „Ja, wir werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärken und alles überprüfen, um sicherzustellen, dass während und nach den Feierlichkeiten keine Probleme auftreten“, sagte Damon, da er für die Sicherheit verantwortlich war. Er begann, im Kopf die Sicherheitsprotokolle durchzugehen, die sie verbessern mussten. „Und ich glaube, dieser Brief könnte von den Rebellen stammen“, sagte Orion und kniff die Augen zusammen, während er über die möglichen Auswirkungen nachdachte. „Und stell sicher, dass du tust, was wir zuvor besprochen haben: Informiere die Rassen.“ „Okay, das werden wir“, antwortete Damon und machte sich eine mentale Notiz, seine Sicherheitsteams zu informieren. Damit verabschiedeten sie sich, beide bewusst, dass während der Feierlichkeiten besondere Vorsicht geboten war. Denn an diesem Tag würde etwas Bedeutendes geschehen, und sie hofften nur, dass es etwas Gutes für das Imperium sein würde.
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