Kapitel 8
Die Lykaner waren damit beschäftigt, sich auf ihre Rückkehr in die Welt vorzubereiten. Während ihrer Abgeschiedenheit hatten sie ihre Fähigkeiten verfeinert und ihr Handwerk perfektioniert, ihre Sinne waren geschärft und ihre Reflexe waren schnell. Es war verkündet worden, dass die Göttin beschlossen hatte, dass es Zeit für sie war, sich zu zeigen, und die Lykaner waren begierig darauf, sich bald der Welt zu öffnen.
Die Menschen, insbesondere die Jungen, waren begeistert. Ihre Augen leuchteten vor Vorfreude, als sie sich an Karten und Bücher über die Welt erinnerten. Sie hatten in der Akademie etwas über die Geografie der Welt gelernt und Videos und Bilder von anderen Rassen gesehen, aber sie wussten, dass nichts mit der Erfahrung der Welt aus erster Hand vergleichbar war. Sie sehnten sich danach, die Städte zu erkunden, den Wind in ihrem Fell zu spüren und die Geheimnisse der Welt zu entdecken.
Orions Blick wanderte durch den schwach beleuchteten Raum seines Büros im Palast, wo das sanfte Licht der Kerzen Schatten an die Wände warf, während er fleißig den Stapel Papierkram sortierte. Der Geruch von altem Pergament und Leder Einbänden lag in der Luft. Das Kratzen der Federkiele auf dem Papier hallte leise wider.
Plötzlich ertönte ein Klopfen an der schweren Holztür und durchbrach die Stille. „Herein“, befahl Orion. Seine Stimme hallte mit Autorität wider. Er runzelte leicht die Stirn, als er von den Dokumenten auf blickte.
Die Tür quietschte beim Öffnen und gab den Blick frei auf Ryder, Orions treuen Beta und Stellvertreter, der mit einem leichten Lächeln auf den Lippen aufrecht dastand. Damon, sein Gamma und dritter Befehlshaber, wirkte ruhig und selbstbewusst. Orions Schwester Aurora ging zum Sofa im Büro und setzte sich. Ihr langes Haar fiel ihr wie ein goldener Wasserfall über den Rücken.
Ryder und Damon standen vor dem Schreibtisch. Ihre Augen waren auf Orion gerichtet, sie warteten auf seine Anweisungen. „Wie haben Sie die Ankündigung unserer Eröffnung aufgenommen?“, fragte Orion. Seine Stimme klang neugierig und besorgt zugleich. Er kniff die Augen leicht zusammen, während er auf ihre Antwort wartete.
„Sie waren überglücklich, da die Nachricht von Aurora kam, der Seherin dieser Generation“, antwortete Ryder. Seine Stimme war voller Begeisterung. „Die Menschen sind voller Aufregung und alle sind begierig darauf, die Welt jenseits unserer Grenzen zu erkunden.“
Orion nickte und ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen. „Gut. Stellt sicher, dass alles in Ordnung ist und es keine Probleme mit den Vorbereitungen gibt. Ich möchte, dass unser Übergang reibungslos und nahtlos verläuft.“
Nachdem sie die Anweisungen erhalten hatten, nickten Ryder und Damon gleichzeitig und wandten sich zum Gehen. „Wir werden alles regeln, Eure Hoheit“, sagte Ryder, bevor sie das Büro verließen und Orion mit seiner Schwester Aurora allein ließen.
Die Tür schloss sich leise hinter ihnen. Orion lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Sein Blick wanderte zu Aurora. Sie saß ruhig da. Ihr Blick war durchdringend. Ihre Augen schienen sich in seine Seele zu bohren.
Orions Gesichtsausdruck wurde zurückhaltend. Seine Stimme war leise und bedächtig. „Was willst du, Aurora?“
Sie stand von dem weichen Sofa auf und ging zu Orions Schreibtisch, wobei sie seinen Gesichtsausdruck studierte. Seine Augen wirkten zurückhaltend. Das sanfte Leuchten der Kerzen warf ein warmes Licht auf seine Gesichtszüge. Sie kannte ihn zu gut, um sich davon abschrecken zu lassen.
„Was soll dieser Blick? Was meinst du mit ‚Was ich will‘? Kann ich nicht einfach vorbeikommen, um Zeit mit dir zu verbringen und dir Gesellschaft zu leisten, Bruder?“ Sie stieß ihn spielerisch mit dem Ellbogen an.
Orions Blick wurde weicher. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Das Leder knarrte leise. Ein Hauch von einem Lächeln spielte um seine Lippen. „Weil ich weiß, dass du nicht ohne Grund zu mir kommst, Aurora. Also, raus damit.“ Seine Stimme war leise. Sie hörte einen Hauch von Neugier darin.
Sie kicherte. Eine Wärme erfüllte ihre Brust bei diesem vertrauten Geplänkel. „Okay, gut. Ich bin verletzt, dass du nicht gedacht hast, ich wollte einfach nur Zeit mit dir verbringen. Aber eigentlich bin ich gekommen, um dich zu fragen, was du von der Prophezeiung hältst und, was noch wichtiger ist, von deiner Gefährtin, derjenigen, die dazu bestimmt ist, unsere Königin zu werden. Nur zusammen seid ihr beide der Schlüssel zum Sieg und zur Hoffnung, diesen Krieg zu gewinnen.“
Ihre Worte hingen in der Luft. Sie wartete auf seine Antwort. Orions Miene verdüsterte sich. In seiner Stimme schwang Verärgerung mit. „Nun, ich denke nicht besonders über diese Paarung Sache nach. Ich bin nicht an einer Gefährtin interessiert, geschweige denn daran, mich wegen der Prophezeiung an jemanden zu binden, und wie sicher bist du dir, dass ich der König bin, von dem die Prophezeiung spricht? Ich möchte meine Zeit nicht damit verbringen, nach einer Gefährtin zu suchen, ich habe danach kein Verlangen."
Sie beugte sich vor. Ihr Blick war auf Orion geheftet. Die flackernden Kerzen warfen Schatten an die Wände. „Ich bin mir sicher, okay, vertrau mir, Orion, ich würde dich niemals anlügen. Du bist der auserwählte König.“
„Und du machst wohl Witze, wenn du sagst, dass du keine Partnerin willst, oder? Es geht nicht um dich, Orion. Du musst sie finden, deine Partnerin und unsere auserwählte Königin. Du hast keine Wahl“, sagte sie. Ihre Stimme klang eindringlich. „Wir brauchen sie, damit unser Volk in diesem bevorstehenden Krieg überleben kann. Das weißt du ganz genau. Du musst sie finden.“
Orion presste die Kiefer aufeinander. In seinen Augen blitzte Widerstand auf. Sie konnte die Anspannung in seinen Schultern sehen, so wie seine Hände die Armlehnen seines Stuhls umklammerten.
„Du weißt, dass unsere Chancen, den Krieg zu gewinnen, ohne deine Gefährtin gering sind. Unsere Rasse könnte ausgelöscht werden“, fuhr sie fort. Ihre Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. „Denke über deine eigenen Wünsche hinaus, Orion. Denke an das Imperium. Wir brauchen unsere Königin als fürsorgliche Figur in diesen turbulenten Zeiten.“
Verzweiflung schlich sich in ihren Tonfall. Sie spürte, wie ihr Herz in ihrer Brust pochte.
Orions Gesichtsausdruck blieb hartnäckig. Er kniff die Augen zusammen, während er Auroras Worten lauschte. Frustriert presste er die Kiefer aufeinander. Er hatte immer gewusst, dass es möglich war, seine Gefährtin zu finden, aber er hätte nie gedacht, dass es notwendig sein würde. Die Last der Prophezeiung und des Krieges lastete schwer auf ihm und gab ihm das Gefühl, gefangen zu sein.
„Es ist mir egal, meine Gefährtin zu finden“, sagte er. Seine Stimme war leise und rau. „Konzentrieren wir uns auf den Krieg und die Eröffnung.“ Aber als er Aurora ansah, erkannte er die Besorgnis in ihren Augen. Er wusste, dass er das Thema nicht ewig ignorieren konnte.
„Okay, warten wir bis nach der Eröffnung, bevor ich darüber nachdenke, nach ihr zu suchen. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um das Überleben unserer Rasse auch ohne Partnerin zu sichern.“ Seine Stimme war leise. Er spürte einen Hauch von Frustration und Entschlossenheit.
Aurora holte tief Luft und versuchte, ihre Frustration zu unterdrücken. „Okay, aber ich habe es unseren Eltern bereits gesagt, obwohl ich genau wusste, dass du keine Partnerin willst. Und sie kommen gerade aus dem Urlaub zurück. Ich habe es ihnen gesagt. Und sie waren nicht begeistert davon.“
Aurora verließ Orions Büro. „Orion, ich weiß, dass du es nicht magst, wenn man dich kontrolliert oder deine Entscheidungen manipuliert. Selbst wenn es sich um einen von der Göttin ausgewählten Partner handelt, hast du keine Wahl, und ich meine es ernst: Ich werde dafür sorgen, dass du deinen Partner findest und akzeptierst. Das ist mein Versprechen zum Wohle dieses Reiches.“