Kapitel 4: Magie

986 Worte
"Du nimmst das alles erstaunlich gefasst auf.", meinte die blonde Frau, die sich als Ophelia vorgestellt hatte. Sirina versuchte eine möglichst unbeteiligte Miene aufzusetzen. "Nun, bisher habe ich noch keine Beweise dafür gesehen, dass Sie die Wahrheit sagen. Vielleicht sind Sie nichts weiter als wahnsinnige Lügnerinnen.", gab sie zurück, doch innerlich machte sie gerade Freudensprünge. Hexen! Diese Frau sagte, sie seien Hexen. Obwohl ihr die Vernunft sagte, dass Magie nicht existierte, konnte sie sich einfach nicht daran hindern, dass Hoffnung in ihr aufstieg. Hoffnung, dass möglicherweise alles was sie bisher immer für Fantasie gehalten hatte, Realität war, dass ihre Geschichten, Realität waren. Aida sah Ophelia mit einem vielsagenden Blick an, und diese hob eine Hand und flüsterte einige fremdartige Worte. Wie aus dem Nichts erschien eine kleine Flamme über ihrer Hand. Sirina schnappte ungläubig nach Luft. Ophelia senkte die Hand und die Flamme verschwand wieder. Prüfend blickte sie Sirina an, die immer noch auf die Stelle starrte, wo gerade vorher noch die Flamme gewesen war, ehe sie ihre Fassade nicht mehr aufrechterhalten konnte. "Magie! Das war Magie! Echte Magie! Oh, das ist ja so cool!", rief sie begeistert aus und sprang aufgeregt auf und ab. Ophelia hob eine Augenbraue, doch sie musste trotzdem über die Begeisterung von Sirina schmunzeln. Auch Aida lächelte leicht. "Siehst du Teuerste, so reagiert man, wenn man von Magie erfährt.", flüsterte sie ihrer jungen Begleiterin zu. Ehe Ophelia etwas darauf erwidern konnte, begann plötzlich Sirinas Handy am Wohnzimmertisch zu läuten. Die beiden Frauen wirbelte wie von der Tarantel gestochen herum. "Teufelswerkzeug!", rief Aida aus und zeigte auf das Handy. Ein gleisender Blitz schoss aus ihrem Finger heraus und ließ das Handy zu Staub zerfallen. Mit offenem Mund sah Sirina das kleine Aschehäufchen an. "Mein Handy!", rief sie fassungslos und deutete hilflos auf die verkohlten Überreste, während Ophelia bloß mit gehobener Augenbraue dastand und zwischen Sirina und dem Aschehäufchen hin und her sah. "Dieses... Ding...schien dir wichtig gewesen zu sein.", meinte Aida stirnrunzelnd. Sirina klappte den Mund zu und sah sie ungläubig an. "Sie wissen nicht was ein Handy ist?" Aida und Ophelia wechselten einen kurzen Blick. "Diese moderne Technologie ist ein billiger Abklatsch unserer Magie. Ein erbärmlicher Versuch der Menschen, sich etwas anzueignen, was schon seit jeher außer Reichweite für sie war.", antwortete Ophelia an Aidas Stelle, und trat an Sirina heran. "Was auch immer dieses Handy konnte, du brauchst es nicht. Du trägst weitaus mehr Macht in dir, als dieses Stück Metall jemals in sich aufnehmen könnte.", fügte sie vielsagend hinzu. Sirina blinzelte sie verwirrt an. "Warte, Sie meinen, ich kann Magie wirken?" Nun mischte sich wieder Aida ein. "Allerdings. Du, meine Liebe, bist auserwählt worden, von Morganas Ring. Er hat die Magie in dir gespürt. Du bist die neueste Anwärterin, um eine Witch zu werden." Ihre Stimme klang beinahe feierlich. Sirina sah kurz zu ihr, dann wieder zu Ophelia, ehe sie schweigend an den beiden vorbei ging und sich neben den Überresten ihres Handys hin zu knien, um mit ihren Fingern durch die Asche zu fahren. "Großartig, jetzt hast du sie überfordert.", zischte Ophelia kühl. "Ich habe ihr nur die Wahrheit gesagt. Bis eben schien sie äußerst aufgeregt zu sein, im Hinblick auf die Existenz von Magie.", gab Aida ebenso kühl zurück. "Nun, das war aber bevor du dieses Ding zerstört hat. Es scheint ganz so als sei es ihr sehr wichtig gewesen." "Woher sollte ich wissen das dieses Teufelswerk so eine große Bedeutung für sie hat?", rechtfertigte sich Aida. In dem Moment erhob sich Sirina und drehte sich zu den beiden Hexen um. "Erzählt mir mehr über Magie. Ich will alles wissen." Ein Lächeln erschien auf den Lippen der beiden Frauen. "Mit dem allergrößten Vergnügen, meine Liebe." "Avalon? So wie in der Arthur Sage? Das ist unglaublich!" Ophelia hob eine Augenbraue. "Nun, ich weiß zwar nicht wer dieser Arthur sein soll, aber gut zu hören das dir Avalon etwas sagt, dies erspart uns sehr viel Zeit. Am besten wir machen uns nun gleich auf den Weg. Wir sollten nach wie vor Magnus und Cedric aus dem Weg gehen, daher drängt die Zeit." Während Aida zustimmend nickte verschränkte Sirina fragend die Arme. "Magnus? Cedric?" Aida warf ihr bloß einen flüchtigen Blick zu. "Alles zu seiner Zeit. Lasst uns gehen.", befahl sie und stand auf. Ophelia folgte ihrem Beispiel, doch Sirina bewegte sich nicht. "Wie jetzt sofort?", fragte sie überrascht. "Aber natürlich. Ich wüsste nicht was uns noch aufhalten sollte." Nun war es Sirina die eine Augenbraue hob. "Naja, mein Leben hier vielleicht? Meine Eltern flippen aus wenn ich einfach so verschwinde. Und Alice... Verdammt Alice! Sie wartet bestimmt schon eine Ewigkeit auf mich!", rief Sirina erschrocken und sprang auf, doch ehe sie Hals über Kopf hinausstürmen konnte, hielt Aida sie an der Schulter zurück. "Hektik ist kein adäquates Verhalten für eine Witch.", tadelte sie Sirina sanft, die sie bloß irritiert ansah. "Aber Alice! Und die Uni. Ich habe in manchen Lehrveranstaltungen so etwas das nennt sich Anwesenheitspflicht. Das darf ich nicht verpassen.", widersprach Sirina, wurde jedoch von Ophelia unterbrochen, die sie mit einer Handbewegung zum Schweigen brachte. "Keine Sorge, darum haben wir uns bereits gekümmert." Misstrauisch sah Sirina zu ihr. "Irgendwie habe ich Angst vor der Antwort, aber ich muss einfach fragen. Was versteht ihr unter euch darum kümmern?" "Memoria leporem. Ein einfacher Erinnerungszauber.", antwortete Ophelia, ohne mit den Wimpern zu zucken. "Erinnerungszauber. Oh mein Gott, ihr habt mich aus ihrem Gedächtnis gelöscht?", rief Sirina schockiert aus. Ophelia runzelte die Stirn und warf Aida einen kurzen Blick zu. "Völlige Auslöschung? Das ist doch etwas drastisch. Nein, wir haben sie bloß Glauben lassen, dass du schon seit einiger Zeit im Ausland studierst. Und auch noch weiterhin dortbleiben wirst. Keiner wird deinen Aufenthaltsort hinterfragen." Sirina schloss peinlich berührt den Mund. "Oh.", murmelte sie beschämt, doch schnell fand sie zu ihrem alten Ich zurück und strahlte die beiden Frauen an. "Na wenn das so ist. Auf nach Avalon! Ich kann es kaum erwarten!"
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