Vier

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Kapitel Vier — Isebels letzte Tochter DAS HAUS DER CARTERS Eine ohrenbetäubende Ohrfeige landete auf Jennys Gesicht, und die heftige Wucht ließ sie flach auf den Boden fallen. Sie rang nach Luft, verzweifelt atmend. Josh kam näher, ein bestienähnlicher Ausdruck lag auf seinem Gesicht, während er sie finster anstarrte. Das Ausmaß an Hass, das in seinen Augen brannte, konnte Jenny immer noch nicht fassen. Sie glaubte, es sei ein Albtraum. Sie brauchte dringend jemanden, der sie aufweckte. Jenny sah überhaupt nicht mehr aus wie das Mädchen, das er erst vor wenigen Monaten geheiratet hatte. Jene Jenny hatte immer ein Lächeln im Gesicht, riss Witze mit ihren Freunden, saß schweigend da, ohne dass sie etwas bedrückte. Sie war frei. Aber diese Jenny....? Sie hatte überall auf ihrer Haut Blutergüsse. Verbrennungen an verschiedenen Stellen, alle zugefügt von dem Mann, den sie Ehemann nannte. Der Mann, der eigentlich ihr Gefährte sein sollte, wurde plötzlich handgreiflich gegen sie. Sie diente ihm eher als Boxsack denn als Ehefrau. Seit die Misshandlungen begannen — eine Woche nach ihrer Hochzeit — war sie zur besten Freundin ihres Make-up-Koffers geworden. Ihr neuer Beruf bestand darin, hart daran zu arbeiten, die Erinnerungen an die Übergriffe verborgen zu halten. Ihre einzige Freude war die Tatsache, dass er wusste, ihr Gesicht bei seinen bestialischen Taten auszusparen. Er wollte natürlich nicht erwischt werden. "Was zur Hölle ist los, Joshua!? Was zur Hölle habe ich dir getan?! Ich dachte, du liebst mich?", schrie Jenny und fühlte Schmerz in ihrem Herzen. Joshua war das, was sie früher ihren Ritter in glänzender Rüstung nannte. Jenny war ein Mädchen, das fast ihr ganzes Leben in ihrem Schneckenhaus gelebt hatte, nach dem Vergewaltigungsvorfall, der ihr passierte, als sie erst 12 war. Früher hasste sie das männliche Geschlecht, bis Josh auftauchte. Er gab ihr das Gefühl, er sei nicht wie die anderen. Er brachte sie dazu, ihn so sehr zu lieben. Nur um sich umzudrehen und kurz nach der Hochzeit sein wahres Gesicht zu zeigen? Und wenn man bedenkt, dass sie es nicht einmal jemandem erzählen konnte, weil er versprach, ihr das Leben zu nehmen, sobald sie es wagte. Fragt man sie, wie sie dorthin gekommen sind, würde sie sagen, sie wisse es nicht. Sie würde sagen, sie sei ahnungslos. Wie Josh sich mysteriöserweise von einem super fürsorglichen und liebevollen Ehemann in eine Bestie verwandelte, war ihr immer noch ein Rätsel. War das ein "Die Schöne und das Biest"-Film? Wenn es so wäre, wollte sie nicht die Schöne sein. Sie wollte für einmal Schneewittchen sein. "Dich lieben? Kann ein zerbrochenes Glas geliebt werden?", fragte er brüllend und trat ihr in die Rippen. Sie stieß einen Schrei vor purem Qual aus. Ein zerbrochenes Glas? Er nannte sie beschädigt? Seit wann benutzte er solche Worte ihr gegenüber? Wahrscheinlich seit einer der Nächte während ihrer Flitterwochen, in der er dabei erwischt wurde, wie er die Frau eines anderen anstarrte. Ihr Fehler war wahrscheinlich, ihn darauf anzusprechen. Danach änderte er sich komplett. Komisch, wie er derjenige war, der ein Vergehen beging, und sich trotzdem so verhalten durfte? "B...bitte. Wenn ich plötzlich etwas getan habe, um deinen Hass zu verdienen.... bitte sag es mir, damit wir einen Ausweg finden können", bettelte sie unter Tränen. "Ich liebe dich, Josh." "Du liebst mich? Warum zum Teufel gehst du dann raus und hurerst mit anderen Männern rum?!", brüllte er und riss hart an ihren Haaren. Anderen Männern "Hallo" zu sagen, wenn man verheiratet ist, nennt Josh rumhuren. Wie lächerlich konnte es noch werden? "Josh!!", schrie sie auf. "Ich schwöre es, ich habe nicht einmal geflirtet. Der Typ war derjenige, der meine Aufmerksamkeit wollte. Ich habe mich nicht einmal bemüht, sein harmloses Hallo zu erwidern", versuchte sie zu erklären. Öffentliche Orte zu besuchen war plötzlich ein Problem. Er ließ sie keine Kontakte knüpfen, er hielt sie einfach wie ein Haustier gefangen. Das war nicht das Leben, für das sie unterschrieben hatte. So hatte sie sich ihre Ehe nicht vorgestellt. "Halt den Müll, den du Mund nennst!", er setzte gerade an, sie erneut zu schlagen, als es an der Tür klingelte. "Du hast Glück", spie er aus, bevor er zum Ausgang ihres Zimmers ging. Er hielt auf halbem Weg an. "Du weißt, was zu tun ist, oder, Ehefrauchen?", er grinste teuflisch und sie schluchzte. "Ja, das weiß ich", wimmerte sie. "Braves Mädchen", er ging kurz darauf hinaus. Jenny zwang sich vom Boden auf und zu ihrem Frisiertisch. Sie konnte nicht einmal ihre eigene Haut ansehen, ohne sich so zu schämen. Ihre einst makellose Haut war nun ein Zuhause für hässliche Wunden geworden. Sie konnte ihr Leben nicht fassen. Sie wünschte, sie könnte die Zeit zurückdrehen zu dem Tag, an dem sie glücklich "Ja, ich will" sagte. Sie hätte ein deutliches Nein gesagt und wäre aus dem Saal gegangen. Sie wünschte, sie könnte die Dinge ändern. "Erzähl es deinen Freunden, sie werden helfen", dieser Gedanke war ihr schon eine Milliarde Mal durch den Kopf gegangen, aber sie hatte erkannt, dass Josh gefährlich war. Sie wollte nicht riskieren, das Leben ihrer Freunde zu gefährden. In Anbetracht der Tatsache, dass Makisha ebenfalls ein Kind erwartete. Makisha würde sich zwangsläufig total aufregen, und wenn dem Baby etwas passieren würde.... Jenny würde es sich nicht verzeihen. "Was soll ich tun?", fragte sie sich selbst, starrte in den Spiegel, während frische Tränen über ihre Augen flossen. "Ehefrauchen?! Gigi und Makisha sind hier!!", hörte sie Joshs Stimme von unten. "Ich bin gleich unten, Schatz!", schrie sie in einem vorgetäuscht glücklichen Ton zurück. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Es war schwer für sie. Ihre Seelenschwestern anzulügen, dass sie in ihrer Ehe glücklich sei, wenn das komplette Gegenteil der Fall war. Sie waren die Ersten, denen es auffiel, wenn sie die Farbe ihres Lipglosses änderte. Es war noch schwerer für sie, alle blauen Flecken verborgen zu halten, wenn sie in ihrer Nähe war. Sie griff nach ihrer Foundation und ihrem Concealer und begann, an ihrer Haut zu arbeiten. "Sie müssen es nicht wissen. Es ist mein Kreuz, und ich werde es alleine tragen", sagte sie sich selbst, während sie weiter an ihrer Haut arbeitete. Unten lag Makisha mit dem Kopf auf Gigis Schoß. Es war erst eine Woche her, seit sie gemerkt hatte, dass sie schwanger war. Fünf Tage, seit sie ihren Job gekündigt hatte und vor sich hin faulenzte. "Wir hatten das Gespräch noch nicht, Kisha. Was machen wir wegen des Vaters?", fragte Gigi besorgt und sah Makisha an, die wie geistig abwesend wirkte. Sie war so, seit sie von der Schwangerschaft erfahren hatte. Sie konnte es immer noch nicht glauben. "Warum habe ich so viel Pech? Du hast ständig Affären und wirst nie schwanger. Warum also ich?", fragte Makisha leise, ihre Augen auf die Decke gerichtet. Gigi seufzte. "Das Wichtige ist, du hast jetzt ein Kind, daran lässt sich nichts ändern. Du musst es akzeptieren, Kisha. Oder willst du es loswerden?" Instinktiv legte Makisha ihre Hände um ihren Bauch. Die Schwangerschaft war so ungeplant, aber sie wollte kein unschuldiges Baby loswerden. Es war die Schuld dieses Mannes, dass ihre Karriere auf einer riesigen Pause stand, nicht die des Babys. Schließlich war das Baby nicht einfach vom Himmel in sie hineingesprungen. "Das ist Mord ersten Grades", murmelte sie deprimiert und Gigi lachte darüber, wie lustig sie aussah. "Egal, wie du dich entscheidest, ich und Jenny werden immer da sein, um dich zu unterstützen, okay?", Gigi küsste Makishas Stirn. "Na hallo, Mädels!!", Jenny grinste und kam die Treppe herunter. "Süße!", Gigi erwiderte das Grinsen. "Krachmacher", brummte Makisha und setzte sich auf. "Hey, Jen." "So mürrisch", neckten Jenny und Gigi im Chor. Jenny hatte ihr einfaches trägerloses Kleid gegen ein langärmeliges, hochgeschlossenes Kleid getauscht, das bis zu ihren Knöcheln reichte. Sie hatte begonnen, sich an lange Kleider zu gewöhnen, weil sie die einzigen Dinge waren, die ihre Blutergüsse verdecken konnten. "Und wie geht es Mutter und Kind heute?", fragte Jenny und setzte sich neben Gigi, die ihren Arm hielt. Jenny täuschte ein Lächeln vor, um den schmerzvollen Ausdruck zu verbergen, da Gigi genau eine der Stellen hielt, an denen sie verletzt worden war. "Elend! Ich muss arbeiten oder so. Ich bin es schon leid, den ganzen Tag zu Hause zu bleiben", jammerte Makisha. "Das ist nicht möglich. Du arbeitest nicht und fertig. Hast du nicht gehört, was der Arzt gesagt hat?", schalt Jenny sie. "Danke! Ich sage ihr diese Worte schon seit ewig, aber sie ist so stur", sprach Gigi und runzelte die Stirn in Richtung Makisha. "Aber ich bin es leid, untätig zu sein. Ich brauche etwas zu tun", protestierte Makisha. "Warum? Wegen des Geldes?", fragte Gigi. "Genau. Ich kann nicht weiter auf eure Kosten leben. Ich fange an, mich wie ein Schmarotzer zu fühlen", antwortete Makisha ehrlich. "Aber wir beschweren uns doch nicht, oder? Es ist unsere Aufgabe, uns um dich zu kümmern", sagte Gigi aufrichtig. "Ich weiß, ich kann das Schuldgefühl nur nicht unterdrücken", murmelte Makisha. "Was, wenn wir den Vater finden?", grinste Jenny verschmitzt. "Das wäre eine großartige Idee!!!", rief Makisha mit einem begeisterten Ausdruck aus. "Aber ich weiß nichts über ihn", ihr Gesichtsausdruck wurde sauer. "Dafür sind wir doch da, Dummkopf. Du erinnerst dich doch, wie er aussieht, oder?", fragte Gigi. "Tue ich nicht. Es ist wirklich verschwommen, weil mir nach dem Aufwachen so schwindelig war, es ist alles in meinem Kopf vermischt", zuckte Makisha mit den Schultern. Makisha war extrem vergesslich, was Dinge von geringerer Bedeutung betraf. Sie konnte ein Gespräch mit dir führen, und wenn du sie in zwei Wochen ansprachst, würde sie dich nicht wiedererkennen. "Aber ich bin sicher, ich würde ihn erkennen, wenn ich ihn sähe", fügte sie hinzu und gab den Mädchen ein wenig Hoffnung. "Okay, lasst uns auf Baby-Papa-Jagd gehen!", grinste Gigi aufgeregt. ANDRES ANWESEN Andre betrat das Haus und sah verdammt müde aus. Das Unternehmen befand sich in seiner extrem geschäftigen Saison und als CEO war sein Arbeitspensum unglaublich gewaltig. Er hatte das Elite's Hotel längst verlassen und war nach Hause zurückgekehrt. Schließlich war Bianca mit ihren Dreharbeiten dort fertig. "Mein Baby!!", rief Eloise, Andres Mutter, als sie mit einem Tablett Schokoladenkekse aus der Küche kam. "Hey, Mum. Was machst du hier?", fragte er und ging auf sie zu, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. "Es ist lange her, dass ich dich gesehen habe. Warum, bin ich davon ausgeschlossen, meinen Sohn zu sehen?", sie runzelte die Stirn und sah beleidigt aus. Andre seufzte. Er spürte, wie Kopfschmerzen aufkamen. "Nein, es ist nur so, dass du nie zu Besuch kommst, außer wenn du um etwas bittest", bemerkte Andre. "Nun, diesmal liegst du falsch", spottete die Frau und Andre warf ihr einen wissenden Blick zu. "Ich habe nur eine Frage zu stellen", sagte die Frau kurz darauf. "Ich wusste es", er lachte leise. "Was ist es, Mum?" "Wann genau wirst du heiraten?" "Aber Mum, ich bin mit Bianca verlobt. Das weißt du. Und außerdem wird die Hochzeit wahrscheinlich schon sehr bald stattfinden", antwortete er und seine Mutter spottete. "Als ich fragte, wann du heiraten wirst, meinte ich, einen Menschen zu heiraten, ich bezog mich nicht darauf, dass du Isebels letzte Tochter heiratest.....", sagte die Frau gerade. "Aber Mum....", versuchte Andre zu sagen. "Nenn mich nicht Mum. Sie ist unhöflich, arrogant, denkt, sie sei besser als alle anderen. Kein Funken Respekt, sie weiß nicht einmal, wie man kocht! Wie kannst du nur damit einverstanden sein, sie zu heiraten? Willst du ernsthaft den Rest deines Lebens davon leben, dich von Junkfood zu ernähren?!", sprach Eloise missbilligend. "Natürlich nicht. Ich habe dich, du wirst für mich kochen", Andre zwinkerte und seine Mutter schlug ihm auf den Arm. "Ich werde nicht mehr als zwanzig Jahre auf der Erde bleiben, du wirst länger bleiben. Sie soll dich füttern, auch wenn ich weg bin!", schnaubte Eloise. "Du hast nichts gesagt, als Dad und Onkel Bob beschlossen haben, uns an unseren Geburtstagen zu verloben", zuckte Andre mit den Schultern. "Sie sah als Kind so süß und schön aus. Wie hättest du von mir erwartet, dass ich wissen würde, dass sie so werden würde?", brummte Eloise. "Dann bleib dabei. Denn ich werde sie heiraten, egal was passiert." "Es ist ja nicht so, als ob du sie lieben würdest. Geh einfach da raus und finde jemanden, den du schwängern kannst oder so. Ich möchte nur so gerne meine Enkelkinder im Arm halten", schmollte Eloise. "Das kann ich nicht tun, Mum. Du wirst einfach lernen müssen, Bianca zu lieben", antwortete er und begann seinen Weg die Treppe hinauf. "Aber Sohn, der Schamane, den ich gestern sah, sagte, da sei eine Frau mit schlechter Energie um dich herum, ich bin sicher, sie ist es!!", schrie Eloise ihm hinterher, aber er ignorierte sie und betrat sein Zimmer. Er ließ sich auf sein Bett fallen und erlaubte der weichen Matratze, den Stress, den er fühlte, aufzusaugen. Wieder kam sie ihm in den Sinn. Er griff in seine Schublade, nahm den Zettel und las ihn zum x-ten Mal. "Hey. Es tut mir leid, wenn ich dich letzte Nacht in eine schwierige Lage gebracht habe. Ich entschuldige mich wirklich. Ich wäre wirklich erleichtert, wenn du nicht zum Stalker wirst und das einfach als den One-Night-Stand nimmst, der es ist. Danke........... Makisha." Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht, während er über das Stück Papier strich. "Makisha", flüsterte er. "Ich frage mich, wie es dir geht."
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