Kapitel 4

1263 Worte
Ich hob den Blick zu ihm. Alexander blieb ausdruckslos. Sein kalter, durchdringender Blick schnitt durch die Luft und traf mich direkt – so frostig wie Eis. Dann wanderten seine Augen zu Olivia, und mit tiefer, harter Stimme sagte er: „Ihr beide scheint ja viel Enthusiasmus zu haben. Als Direktorinnen liefert ihr euch vor euren Mitarbeitern eine öffentliche Auseinandersetzung. Ist das das Beispiel, das ihr setzen wollt? So führt ihr eure Teams? Für was haltet ihr dieses Unternehmen?“ In diesem Moment versank das gesamte Büro in schwerem Schweigen. Selbst die Luft schien gefroren zu sein. Alle senkten den Kopf und wandten still die Blicke ab, als warteten sie nervös darauf, was als Nächstes passieren würde. Olivia zeigte keinerlei Angst. Mit ruhiger, kontrollierter Stimme antwortete sie: „CEO Hawthorne, ich habe lediglich meine Arbeit gemacht. Es war Direktorin Vivienne, die hereingestürmt ist, herumgeschrien und mich geschlagen hat. Wie konnte sie das tun? Wie kann jemand wie sie noch Brand Director sein?“ Ihre Augen brannten vor einer Mischung aus Kränkung und Wut. Alexanders Blick glitt zu mir. In seinen Augen lag eine eisige Kälte, die mir einen Schauer über den Rücken jagte. „Entschuldigen Sie sich“, befahl er. Seine Stimme war so kalt wie immer. Ich biss die Zähne zusammen und atmete tief durch, um die Wut in meiner Brust zu unterdrücken. Meine Fäuste ballten sich, und meine Stimme blieb fest und entschlossen. „Direktorin Olivia muss sich zuerst bei mir entschuldigen, bevor ich mich bei ihr entschuldige.“ Ich wusste, dass ich als Direktorin keine Gewalt im Unternehmen zulassen konnte. Das hatte ich nie bestritten. Ich würde später die Konsequenzen tragen. Aber nur, wenn Olivia sich zuerst entschuldigte. Sie verdiente es nicht, weiterhin so zu tun, als sei sie unschuldig. Olivias Gesicht verzog sich unzufrieden, doch ein kalkulierender Blick blitzte in ihren Augen auf. Sie wandte sich an Alexander. „Boss, ich verstehe wirklich nicht, was ich falsch gemacht habe…“ Ich öffnete den Mund, um zu widersprechen. Doch Alexanders Stimme, kälter als Eis, schnitt mir das Wort ab. „Entschuldigen Sie sich.“ Dieses eine Wort traf mich wie ein unnachgiebiger Befehl. Es zerdrückte meinen Mut. Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen, und das Atmen fiel mir schwer. Ich wollte mich widersetzen. Doch in diesem Moment wurde mir klar, dass ich nicht den Mut hatte, ihm zu trotzen. Nicht unter diesem frostigen Blick. Ich sah zu ihm auf, fast ungläubig. Meine Augen waren leicht feucht, mein Herz schwer vor bitterem Schmerz. Diesmal kümmerte ihn die Wahrheit nicht. Er wollte nur meinen Gehorsam. Alexander interessierten die Fakten nicht. Nur das Ergebnis. „Ich sage es noch einmal. Entschuldigen Sie sich.“ Seine tiefe Stimme fiel erneut, als würde sie mein Schicksal besiegeln. Ich presste meine Finger in meine Handfläche und kämpfte darum, meine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Schließlich zwang ich die Worte hervor. „Direktorin Olivia… es tut mir leid.“ Olivia lächelte spöttisch. Ihr Gesicht war voller selbstgefälliger Genugtuung. „Direktorin Vivienne, hoffen wir, dass sich so etwas nicht wiederholt.“ Ihr Tonfall triefte vor der Arroganz einer Siegerin. Doch ich wusste, dass das noch nicht vorbei war. Meine Augen wurden kalt, und meine Stimme klang so frostig wie ein Winterwind. „Aber vielleicht könnte Direktorin Olivia erklären, warum die Markenbotschafterin ausgetauscht wurde?“ Olivia hob eine Augenbraue, wandte sich zu Alexander und antwortete ohne zu zögern: „Natürlich war das die Entscheidung von CEO Hawthorne.“ Ich erstarrte. Ein Gefühl der Unruhe breitete sich in meiner Brust aus. Unwillkürlich wanderte mein Blick zu Alexander, in der Hoffnung, dass er eine Erklärung geben würde. Doch er blieb still. Ohne ein Wort drehte er sich um und ging in Richtung seines Büros. Seine Schritte waren fest. „Direktorin Vivienne, kommen Sie in mein Büro.“ Ich atmete tief durch, warf Olivia einen Blick zu. Mein Herz war voller Widersprüche. Doch am Ende folgte ich ihm. Die Bürotür schloss sich hinter mir. Ich konnte mich nicht länger zurückhalten. „Alexander, warum hast du Lena Ashford ersetzt?“ Alexander setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Er warf mir einen flüchtigen Blick zu, als hätte er nicht vor, direkt zu antworten. Stattdessen fragte er beiläufig: „Wie steht es mit der Scheidungsvereinbarung?“ Mein Herz sank. Plötzlich brachen all meine Gefühle an die Oberfläche. Ich wusste, dass er dem Thema absichtlich auswich. Und ich wusste auch, dass er mich zwang, eine Entscheidung zu treffen. Meine Brust zog sich zusammen, jeder Atemzug fühlte sich an, als würde er mich zerreißen. Meine Stimme zitterte leicht. „Ich war in den letzten Tagen sehr beschäftigt und hatte noch keine Zeit, sie anzusehen. Da du es so eilig hast, werde ich sie heute Abend durchgehen.“ Er schwieg einen Moment. Sein Blick wurde noch kälter, noch unerbittlicher. „Gut.“ Seine Antwort war kurz und knapp. Doch sie fühlte sich an wie ein scharfes Messer, das mich durchbohrte und mir fast den Atem raubte. In diesem Moment spürte ich förmlich die Kälte, die von ihm ausging. „Wenn… und ich meine nur wenn… wir ein Kind hätten… würdest du trotzdem auf der Scheidung bestehen?“ Meine Stimme wurde immer leiser. Fast ein Flüstern. Ich konnte kaum glauben, dass ich diese Worte wirklich aussprach. Alexander sah mich kalt an. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, als er antwortete: „Es gibt kein wenn. Und selbst wenn es eines gäbe, würde ich nicht zulassen, dass es geboren wird.“ In diesem Augenblick fühlte ich mich, als wäre mir alles brutal entzogen worden. Alle Hoffnung. Alle Kraft. Alles schien zu verschwinden. Meine Augen füllten sich mit Enttäuschung. Meine Lippen öffneten sich, doch ich konnte kein weiteres Wort hervorbringen. Ich senkte den Kopf. In diesem Moment wusste ich genau, wie seine Entscheidung lautete. Ganz gleich, was geschah – Er würde diese Ehe beenden. Und er würde keine unerwarteten Ereignisse zulassen, die sich ihm in den Weg stellten. Ich atmete tief durch und versuchte, den Schmerz in mir zu unterdrücken. „Ich verstehe.“ Dann zwang ich mich, mich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren. „Da du den Plan genehmigt hast – warum Lena Ashford ersetzen?“ Meine Gedanken waren chaotisch. Dass Alexander – der Leiter von The Beautiful Ariana – persönlich in eine so kleine Angelegenheit eingriff, war eine Entscheidung, die ich weder verstand noch akzeptieren konnte. „Es gibt einen Grund, sie zu ersetzen“, antwortete Alexander. Sein Ton blieb kalt. Ich biss mir auf die Lippe und konnte meine Frustration nicht länger zurückhalten. „Seit der Gründung von V&R habe ich alles geleitet, und du hast dich kaum jemals in die Richtung von V&R eingemischt. Jemanden plötzlich zu ersetzen hätte zuerst mit mir besprochen werden müssen.“ Er richtete sich in seinem Stuhl auf und schlug die Beine übereinander. Seine Augen blieben gleichgültig. „Ersetzen Sie sie durch Isabella.“ Der Name traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich stand einen Moment lang da, völlig betäubt. Dann fragte ich verwirrt: „Ersetzen… durch Isabella Blackwood?“ Ohne zu zögern antwortete Alexander: „Ja.“ Er hob eine Hand und klopfte mit den Fingern auf den Schreibtisch. „Isabella kehrt zurück, um ihre Karriere in ihrem Heimatland zu entwickeln. Diese Markenpartnerschaft ist für sie sehr wichtig.“ Ich holte tief Luft. Es fühlte sich an, als wäre das Blut in meinem Körper zu Eis geworden. Der Schmerz in meiner Brust wurde immer stärker. Jede Bewegung der Luft schien mich zu schneiden. Mein Herz und meine Lungen schmerzten. Und in diesem Moment wurde mir auf grausame Weise klar: Ich war nicht länger diejenige, die Entscheidungen traf.
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