Kapitel Drei
Während Emily langsam aufwachte, bemerkte sie, dass sie sich gut fühlte.
Sehr gut sogar.
Ihr war weder warm noch kalt, und die Decke, unter der sie sich befand, hatte genau das richtige Gewicht und die perfekte Dicke. Die Matratze, auf der sie lag, war ebenfalls unglaublich angenehm; es fühlte sich an, als würde sie auf etwas schlafen, das für ihren Körper maßgefertigt worden war. Sie war außerdem erstaunlich entspannt. Die allgegenwärtigen Verspannungen ihres Nackens waren zum ersten Mal seit Monaten verschwunden.
Ein zufriedenes Lächeln machte sich auf Emilys Lippen breit, und sie kuschelte sich tiefer unter die Decke. Diese Nacht musste sie besser geschlafen haben als seit Ewigkeiten. Sie konnte kaum glauben, dass das in einem billigen kleinen Gasthof in einer abgelegenen Gegend in Costa Rica geschehen war.
Das waren bestimmt die frische Luft und die Bewegung, entschied sie und wollte ihre Augen immer noch nicht öffnen. Dieses ganze Wandern musste sie erschöpft haben. Wandern … Irgendetwas stieg in ihrem Hinterkopf auf, etwas Beunruhigendes …
Der Fall von der Brücke! Nach Luft schnappend, setzte sich Emily ruckartig hin und öffnete ihre Augen.
Sie war nicht in dem Gasthof.
Sie war auch nicht tot.
Eine Sekunde lang schienen diese beiden Tatsachen unvereinbar zu sein. Wenn sie dieses furchtbare Ereignis geträumt hatte, sollte sie dann nicht an dem Ort aufwachen, an dem sie sich zuletzt schlafen gelegt hatte? Und falls es kein Traum gewesen war, wo war sie? Warum war sie nicht tot oder zumindest schwer verletzt?
Mit rasendem Herzen betrachtete Emily ihre Umgebung, während sie sich die Decke schützend um die Brust legte. Sie konnte fühlen, wie das weiche Material ihren Körper berührte – ihren nackten Körper –, und die Erkenntnis, dass sie keine Kleidung trug, verschlimmerte ihre Panik um ein Tausendfaches.
Wo zur Hölle war sie?
Das hier war kein Krankenhaus, dessen war sie sich sicher.
Sie saß auf einem großen, runden Bett, dessen Matratze die eigenartigste Textur hatte, auf die sie jemals gestoßen war. Es war weder ein Federkern noch Memory Foam, der sich ihrem Körper anzupassen schien. Dieser Eindruck war so stark, dass sie förmlich fühlen konnte, wie sich das Ding unter ihr bewegte.
Abgesehen von dem Bett war der Raum völlig leer. Emily konnte nicht einmal die Lichtquelle ausmachen, die alles in einem sanften Ton erhellte. Die Wände, der Boden und die Decke waren cremefarben, genauso wie der Bezug des eigenartigen Bettes.
Es gab weder Fenster noch Türen.
Was zum Teufel …?
Da sie sich fühlte, als würde sie hyperventilieren, versuchte Emily tief und beruhigend durchzuatmen. Es musste eine Erklärung für das alles geben – eine rationale Erklärung. Sie war einfach noch nicht auf sie gekommen.
Mit vorsichtigen Bewegungen rutschte sie bis zur Bettkante und schwang ihre Füße auf den Boden. Die Tatsache, dass sie sich so leicht bewegen konnte, ohne Schmerzen oder andere Unannehmlichkeiten, war beunruhigend. Falls sie sich nicht nur eingebildet hatte, von der Brücke gefallen zu sein, sollte sie dann nicht wenigstens ein paar gebrochene Knochen haben? Die Alternative – dass das alles ein lebhafter Traum gewesen war – ergab wegen ihres derzeitigen Aufenthaltsorts nicht viel Sinn.
Emily stand auf, zog die Decke vom Bett, um sie um sich zu wickeln, und versuchte gleichzeitig, der Panik, die sich in ihrem Hinterkopf ausbreitete, nicht nachzugeben, als sich ein Teil der Wand vor ihr auflöste.
Sie löste sich im wahrsten Sinne des Wortes auf und ließ einen Mann in den Raum.
Er trat durch die Öffnung in der Wand, als sei sie ein Türrahmen, und bewegte seinen großen und kräftigen Körper mit der geschmeidigen Leichtigkeit eines Athleten.
»Hallo Emily«, sagte er sanft, während er seine dunklen Augen auf sie richtete. »Ich hatte nicht erwartet, dass du so schnell aufwachen würdest.«