„Ri!“ Braydens Kopf erschien in der Tür zu Riannons Büro, gerade als sie ihr Gespräch mit der Schulleiterin über den Haushalt der Rudel-Grundschule beendete.
„Ja, wir sind hier fertig“, antwortete sie ruhig. Ria reichte der Frau vor ihr die Unterlagen, woraufhin diese ihr ein mitfühlendes Lächeln schenkte. Die Luna erinnerte sich noch genau daran, dass diese Frau bis zum bitteren Ende loyal an ihrer Seite gestanden hatte. Sie war einer der Gründe, warum es Ria gelungen war, ein wenig zusätzliches Budget für die Schule herauszuschlagen.
„Luna. Alpha.“ Die Schulleiterin neigte respektvoll den Kopf und verließ den Raum, sodass Ehemann und Ehefrau zum ersten Mal seit Langem wieder allein waren.
In den vergangenen Tagen hatte Riannon alles darangesetzt, Brayden zu meiden. Zu frisch war die Erinnerung an ihre frühere Realität – an all die Begegnungen, die stets in Enttäuschung oder Schmerz geendet hatten. Damals hatte sie sich bemüht, ihre Würde zu bewahren, hatte nie das Gespräch gesucht, sondern stets gewartet, bis er kam. Wie gewohnt hatten sie gemeinsam mit den Rudelmitgliedern gegessen, die routinemäßigen Besprechungen mit dem Beta, dem Gamma und anderen abgehalten, doch darüber hinaus hatte sie bei jeder Gelegenheit, in der Bray mit ihr sprechen wollte, eine tadellose Ausrede gefunden, um sich zurückzuziehen.
Es ergab keinen Sinn, mit ihm zu reden – nichts, was gesagt wurde, konnte das Geschehene ungeschehen machen. Kurz hatte sie darüber nachgedacht, ihm die Wahrheit über ihre Wiedergeburt zu offenbaren, doch sie hatte diesen Gedanken sofort verworfen. Zu groß war das Risiko, dass er sie für verrückt erklären und dies als Hebel gegen sie einsetzen würde, sobald sie die Scheidung einreichte und versuchte, ihr Rudel zurückzuerlangen.
Die Stille zwischen ihnen dehnte sich aus und wurde zunehmend unangenehm.
„Lang nicht gesehen“, begann er und versuchte, mit belanglosem Smalltalk die Stimmung zu entschärfen, während er näher trat. Riannon blieb absichtlich hinter ihrem Schreibtisch sitzen – sie wollte ihm die Annäherung nicht zu leicht machen.
„Ja, ist schon eine Weile her“, entgegnete sie ruhig und lehnte sich leicht in ihrem Stuhl zurück. „Geht es um den Alpha-Ball?“
„Hast du meine Blumen bekommen?“, fragte Brayden stattdessen.
Die Blumen hörten tatsächlich nicht auf zu kommen. Wahrscheinlich plagte ihn noch immer das schlechte Gewissen.
„Ja, sie sind wunderschön“, antwortete sie gezwungen, ein kaum merkliches Lächeln auf den Lippen. „Danke. Also – bist du deswegen hier? Wegen des Balls?“
Sie hatte diese Unterhaltung schon einmal geführt. In einem anderen Leben. In einem anderen Moment, der ihr das Herz gebrochen hatte.
„Ja.“ Brayden zupfte nervös am Kragen seines Hemdes, während sie ihn mit einem neutralen, fast gleichgültigen Blick musterte – was ihn sichtlich aus dem Gleichgewicht brachte.
„Es geht um Roxy, ich meine… Roxanne“, setzte er fort.
„Was ist mit ihr?“, fragte Ria und spielte bewusst die Unwissende.
„Hör mal“, drängte er, seufzte und vermied ihren Blick. „Ich habe ihr irgendwie versprochen, dass ich mit ihr als Gefährtin zum Ball gehe.“
„Oh, wirklich?“, neigte Riannon den Kopf. „Ich frage mich, wann und wie das passiert ist?“
„Es ist ...“, räusperte er sich. „Es ist eine lange Geschichte. Bitte versteh das. Jedes Mal, wenn sie unglücklich ist, stirbt ein Teil meines Wolfs. Außerdem war sie noch nie auf einem Ball wie diesem.“
„Oh, mein Gott!“, entfuhr es Ria, und sie schüttelte den Kopf. „Sollte ich vielleicht Enzo mitnehmen? Er hat auch noch nie eine solche Veranstaltung gesehen. Wenn ich so darüber nachdenke, Cole auch nicht.“
Sie erwähnte absichtlich die heißesten unverheirateten Krieger des Rudels. Ein Knurren entwich der Brust ihres Ehemanns. Das hatte er nun davon!
„Was ist nur los mit dir in letzter Zeit, Ri?“, fragte er ungläubig. „Meine Luna wird nicht mit jemand anderem zum Ball gehen!“
„Aber es ist in Ordnung, wenn mein Alpha mit jemand anderem auftaucht? Wie gerecht ist das denn?“, konterte sie kühl und hob eine Augenbraue. Sie wusste genau, dass Brayden es hasste, infrage gestellt zu werden.
„Vielleicht solltest du dieses Jahr einfach aussetzen!“, knurrte er, seine Stimme plötzlich drohend. Für einen kurzen Moment durchzuckte sie die Sorge – sie durfte diesen Ball nicht verpassen. Er war ein Schlüsselmoment für ihren Plan.
„Nein, danke“, entgegnete Ria bestimmt, die Arme vor der Brust verschränkt. „Ich habe eine persönliche Einladung erhalten. Und es ist wichtig, mich im Namen unseres Rudels mit den anderen Lunas zu vernetzen. Wir müssen immer noch den Austausch von Schülern und Kriegern organisieren und ein paar Paarungszeremonien für die Erwachsenen vorbereiten. Oder willst du, dass Roxy sich bei ihrem allerersten großen Auftritt gleich die Hände schmutzig macht? Was wäre sie für eine Cinderella, wenn sie gleich wieder arbeiten müsste?“
Brayden atmete tief durch die Nase aus – ein Zeichen, dass er innerlich brodelte. Doch Ria wusste: Diesmal hatte sie die Oberhand.
„In Ordnung“, grummelte er und stand auf. „Aber du wirst mit Ash gehen. Er geht ohnehin, da er der Beta des Rudels ist.“
„Nun raubst du auch ihm den Spaß am Leben?“, lachte Ria. „Ich bin sicher, er hat eine Begleitung und will beeindrucken.“
„Er hat bereits zugestimmt“, informierte Brayden sie. „Er wird dich dort auch beschützen.“
„Wie aufmerksam“, bemerkte sie und beschloss, es einfach hinzunehmen. Ash loszuwerden wäre sowieso einfach. Er würde irgendeine Tochter eines Alphas sehen, und schon wäre er weg.
Brayden machte Anstalten zu gehen, zögerte jedoch an der Tür und drehte sich noch einmal zu ihr um.
„Ri“, bot er an, als er ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. „Es ist nur eine Übergangszeit. Wir werden das überstehen, und alles wird gut sein.“
Lügen.
„Ich werde keine andere Luna außer dir haben.“
Lügen.
„Ich liebe dich immer noch. Es ist nur so, dass sie ein schweres Leben hatte, und ich bin kein Monster. Sie ist nur ein süßes Mädchen, und sie wird niemals deinen Platz einnehmen.“
Lügen, Lügen, Lügen!
„Danke, dass du mich bestätigst“, nickte sie. „Ich musste das hören, Bray.“ Sie zwang sich sogar zu einem Lächeln.
„Schau mal, wenn der Ball vorbei ist, nehmen wir uns einen Tag frei. Nur du und ich. Was hältst du davon?“, schlug er plötzlich vor, und überrascht sah sie zu ihm auf. Das war neu. Das war in der Vergangenheit noch nicht passiert.
„Dafür müssen wir unsere Termine überprüfen“, antwortete sie, während sie ihre Lippen weiter streckte. „Aber es ist eine nette Idee.“
„Dann sehe ich dich wieder?“, fragte er erleichtert, als ob er gerade eine Last losgeworden wäre.
„Ich bin deine Ehefrau, ja?“, lachte sie und sah zu, wie sein Lächeln verblasste. Er verließ den Raum und Rias Handy vibrierte mit einer Benachrichtigung, dass die Kleider bereits angekommen sein sollten.Sie hielt für einen kurzen Moment inne. Es beunruhigte sie, dass er einen gemeinsamen freien Tag vorgeschlagen hatte. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Sie wollte die Ereignisse ändern, die so viele Katastrophen verursacht hatten. Aber dieser bestimmte Teil war nicht in ihren Plänen vorgesehen.
Letztendlich kam sie zu spät zur Anprobe. Als sie den Raum betrat, der bereits mit den wichtigsten Frauen des Rudels gefüllt war, fühlte sie sofort die gespannte Atmosphäre. Maya war da, zusammen mit Tatiana und Aria – sie begrüßten Riannon wie immer herzlich und mit ehrlicher Freundlichkeit. Auf der gegenüberliegenden Seite saß Harper mit ihren üblichen Gehilfen.
Harper, Braydens Schwester, hatte Riannon nie gemocht – und das schon seit ihrer Kindheit. Der Grund dafür war ihr nie ganz klar gewesen, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass Harper mittlerweile zu den lautesten Unterstützerinnen von Roxy zählte. Sie war eine der Ersten gewesen, die sich öffentlich auf Roxannes Seite geschlagen hatte, und hatte mit ihrer einflussreichen Haltung vielen Unentschlossenen die Richtung vorgegeben. Riannon war sich sicher: Ohne Harper wäre Roxannes Aufstieg im Rudel weitaus schwerer gewesen.
„Bringt die Kleider rein“, befahl Ria ruhig, aber bestimmt. Sie wollte das Ganze schnell hinter sich bringen.
Es war eine langjährige Tradition des Rudels, dass alle Damen, die zum Alpha-Ball eingeladen waren, gemeinsam ihre Kleider aussuchten – die Kosten übernahm das Rudel. Schließlich repräsentierten sie alle Silberfluss, und der Auftritt bei diesem Ball war mehr als nur eine Formalität: Er sollte den anderen Rudeln zeigen, wie stark, organisiert und wohlhabend sie waren. Ein eleganter, geschlossener Auftritt war ein Zeichen von Stärke.
Ein paar Omegas rollten Kleiderständer mit den schönsten Abendkleidern exklusiver Designer in den Raum. Die Frauen des Rudels betrachteten die Auswahl mit Neugier und Begeisterung, aber es war klar, dass die Luna immer die erste war, die ihr Kleid auswählte. Danach durften die anderen, entsprechend ihrer Ränge, ihre Kleider aussuchen, und der Rest wurde zurückgeschickt. Es war eine respektierte, aber auch etwas angespannte Tradition – wer zuerst wählte, hatte mehr Auswahl, und der Druck, die „richtige“ Wahl zu treffen, war hoch.
Riannon wusste genau, welches Kleid sie wählen würde, aber sie tat so, als müsse sie sich alle Kleider genau ansehen. Sie wollte keinen Verdacht erregen, vor allem nicht vor Harper, die immer ein Auge auf sie hatte.
„Was ist mit dem smaragdgrünen?“, schlug Harper mit einem spöttischen Lächeln vor, während sie auf ein Kleid deutete, das in einem satten Grün schimmerte – eine Farbe, die Riannon mit ihren blonden Haaren und blauen Augen nie gestanden hätte. Es war fast ein Hinweis darauf, dass sie es nicht gut tragen könnte, was Riannon nur noch mehr herausforderte.
„Gefällt es dir?“, fragte Ria ruhig, als sie das Kleid in die Hand nahm und es locker an ihre Brust hielt. „Es ist von Zac Rosen.“
„Wunderschön!“, erwiderte Harper mit einem spöttischen Ton, der Riannon nur zu gut bekannt war. Sie konnte das Versteckspiel ihrer Schwägerin schon lange durchschauen.
„Dann lasse ich es dir“, sagte Ria mit einem scharfen Blick und ließ das Kleid wieder zurück in den Ständer hängen, bevor sie sich einem anderen Kleid zuwandte, das ihren eigenen Vorstellungen eher entsprach. Sie hatte es bereits im Kopf, dieses Kleid, das sie gut kannte. Pfirsichfarben, glänzend, mit zahlreichen Strasssteinen, die sich über die Oberseite erstreckten und im Licht funkelten. Ein atemberaubendes Stück.
Es war das richtige Kleid für sie – und es würde ihr erlauben, die Aufmerksamkeit zu lenken, die sie benötigte. Ohne ein weiteres Wort nahm sie es vom Ständer und trat vor den Spiegel. Sie stellte sich das Bild vor: Sie in diesem Kleid, stark und entschlossen.
Die Tür öffnete sich plötzlich, und Roxy stürmte herein, ihre Bewegungen hektisch. Sie schien außer Atem, als sie sich entschuldigte: „Oh, meine Göttin! Luna! Es tut mir so leid! Ich werde einfach gehen, damit ich deine Stimmung nicht verderbe.“
Doch allein ihre Anwesenheit hatte bereits einen Effekt auf Riannon. Sie spürte, wie die Spannung in ihr stieg. Roxy wusste genau, wie sie sich zu verhalten hatte, um die Stimmung zu beeinflussen. Und das war natürlich manipulativ, auch wenn sie es versuchte, subtil zu gestalten.
„Bleib dann“, sagte Riannon ruhig, ihre Stimme wie immer unter Kontrolle. Sie schenkte ihr ein sanftes Lächeln, das jedoch kaum die Kälte verbarg, die in ihren Augen lag. Sie bemerkte, wie alle anderen still beobachteten. „Auch du gehst zum Ball und brauchst ein Outfit.“
Roxy zögerte einen Moment, bevor sie flüsterte: „Ich habe bereits eins gekauft. Mit all dem Geld, das du mir gegeben hast. Ich habe es bei Devill’s gekauft.“
Eine der Gehilfen von Harper schnaubte unwillkürlich. Devill’s war eine Marke, die für Teenager und billigere Designs bekannt war, nicht gerade etwas, das für einen solchen Anlass als angemessen galt.
„Das reicht nicht aus“, sagte Riannon schließlich, dreht sich zu ihr um und seufzte laut. „Du brauchst ein Kleid, das gut genug für deinen neuen Status ist.“
„Und was wäre das?“, fragte Harper spöttisch, ihre Stimme drängend.
„Mitglied des Rudels Silberfluss“, antwortete Ria ohne Zögern, ihre Augen fixierten Harper und Roxy gleichermaßen. „Schaut euch um. Was gefällt dir?“
Ihre Worte hallten in dem Raum wider, und der Raum schien für einen Moment zu erstarren. Es war nicht nur ein Kleid, das sie auswählte. Es war ein Statement, eine Erinnerung daran, wer hier die wahre Autorität hatte.
Ein kleines Schluchzen erklang und dann folgte ein zeitlich abgestimmtes Schniefen. Alle drehten sich um, um Roxy weinen zu sehen.
„Das ist so süß!“, wimmerte sie. „Du bist eine großartige Luna, dich um jemanden wie mich zu kümmern. Ich hatte noch nie ein so schönes Kleid in meinem Leben!“
Sie zeigte auf das Kleid, das Riannon in der Hand hielt.
„Ich dachte, ich würde nie ... die Gelegenheit ... haben“, stotterte sie.
Sie brach in Tränen aus, und Ria tat ihr Bestes, um nicht mit den Augen zu rollen.
„Du kannst es haben.“ Sie streckte ihr die Kleidung entgegen, und praktisch jeder im Raum war schockiert.
„Aber Luna!“ Aria keuchte. „Du solltest die Erste sein.“
„Das ist in Ordnung.“ Riannon zuckte mit den Schultern. „Ich habe da hinten auch ein rotes gesehen, das mir gefallen hat. Roxy kann dieses hier haben, da es sie zu Tränen gerührt hat.“
Roxanne schien etwas verwirrt, und die Luna kam näher, schob das geschmacklose pfirsichfarbene Kleid beiseite, das gut genug für einen Ball in einem malerischen Dorf war.
„Nein, wirklich.“ Ria grinste. „Ich möchte, dass du es hast.“
Ihre Blicke trafen sich, und Roxy starrte, realisierend, dass sie gerade eingelegt worden war.
„Geh jetzt in dein Zimmer und probier es an. Es wird wunderschön an dir aussehen.“ Oder abscheulich.
Sobald Roxy weg war, ging Ria schnell zurück zum Regal und griff sich das erste rote Kleid, das sie sah.
„Ich nehme dieses hier.“ Sie verließ das Zimmer so schnell wie möglich, gefolgt von Maya. „Wählt aus, was ihr mögt, meine Damen“, rief sie ihnen über die Schulter zu, als sie ging.
Sie gingen direkt in Mayas Schlafzimmer und sobald sie die Tür schlossen, brachen sie hysterisch in Gelächter aus.
„Oh, meine Göttin!“, kicherte Maya. „Das war lustig“
„Tatsächlich“, stimmte Riannon zu, und mit einer eleganten Geste warf sie das rote Stück Stoff, das sie ursprünglich gewählt hatte, beiseite. Der wahre Schatz, den sie zum Ball tragen würde, lag bereits in ihrem Zimmer. Es war das schönste Kleid, das sie je gesehen hatte.
Ein atemberaubendes weinrotes, schulterfreies Kleid aus Seidenchiffon, das sich perfekt um ihre Brust schmiegte und dann in sanften Falten bis zur Taille hinabfloss. Der Stoff bildete ein geometrisches Muster, das die Formen ihres Körpers schmeichelte, bevor er elegant bis zum Boden hinabgleitete, mit einem freien Fall, der jedes Mal, wenn sie sich bewegte, in einer fast königlichen Weise schwankte.
Es war ein Kleid, das für eine Königin gemacht war.
Im vorherigen Leben hatte Riannon es nie einmal in Erwägung gezogen, es zu bestellen. Es war viel zu teuer, viel zu extravagant für sie damals. Doch diesmal, mit einer neuen Entschlossenheit und der nötigen Macht, dachte sie sich: Warum auch nicht? Sie war mehr als nur die Luna des Silberfluss-Rudels – sie war die, die über ihre eigene Zukunft entschied.
Das letzte Mal, als sie zum Alpha-Ball ging, war es eine schreckliche Erfahrung für sie. Roxanne trug ein wunderschönes weißes Kleid und sah sehr nach der unschuldigen kleinen Omega aus, als die sie sich gerne ausgab und so das Mitgefühl aller anderen erlangte.
Gleichzeitig erntete Riannon Mitleid von den Alphas und wurde von einigen Lunas verspottet, die sie nie mochten. Es war schon genug Demütigung, als Drittrangige an der Seite ihres Mannes und seiner Gefährtin zu erscheinen, aber als wäre das nicht genug, verbrachte Brayden den ganzen Abend an Roxys Seite. Ria war die ganze Zeit über schlecht gelaunt, obwohl es ihr immer noch gelang, einige Verhandlungen zu führen.
Dieses Mal wusste sie, was sie erwartete, und war bereit. Dieses Mal ging sie dorthin, um zu arbeiten.
„Sehe ich gut aus?“, grinste Maya, als sie in einem eng anliegenden königsblauen Kleid aus dem Badezimmer trat, das perfekt zu ihrer braunen Haut und dunklen Haaren passte.
„Du hast auch eines genommen, sehe ich.“ Riannon nickte ihr anerkennend zu, während ihre Freundin sich vor ihr drehte.
Heute war ein Erfolg, dank Maya. Sie war diejenige, die alle Kleider vor den Rudel-Omegas erhielt und Ria das gewünschte Kleid brachte, ohne dass sie jemand sah.
„Natürlich“, bemerkte sie und legte die Hände in die Hüften. „Wir verlassen dieses Rudel, also werde ich ihnen kein Geld sparen“
„Aber schrei es nicht im Herrenhaus herum, okay?“ Ria rollte mit den Augen. „Es ist schließlich ein Geheimnis. Du siehst gut aus.“
„Danke!“ Maya schien zuzustimmen. „Schade, dass ich nicht mit dir komme. Vielleicht beim nächsten Mal, oder?“
„Wenn ich die Alpha bin und du mein Beta bist, wirst du jedes Jahr daran teilnehmen“, versprach Luna und zwinkerte ihr zu.
Am Abend schminkte sie sich sorgfältig und stylte ihre Haare. Dann ging sie in den Hauptteil ihres Schlafzimmers und entdeckte eine blaue Schachtel auf dem kleinen Tisch neben einem frischen Blumenstrauß. Sie öffnete sie und fand eine luxuriöse, wahrscheinlich wahnsinnig teure Diamantkette. An ihr hing eine einfache Karte mit einem einzigen Wort, das eingraviert war: Entschuldigung.
„Hm.“ Sie biss sich auf die Lippe und erinnerte sich daran, dass Brayden diese Kette zuvor Roxy geschenkt hatte. Er hatte ihr auch ein Paar Rubinohrstecker geschenkt, die Riannon nie getragen hatte. Doch das war inzwischen Geschichte.
Aber jetzt war nicht die Zeit, darüber nachzudenken.
Sie legte die Kette an – es war das perfekte letzte Stück – und machte sich auf den Weg zum Ball.
Als sie die Treppe hinunterging und der Rock ihres Kleides wunderschön um ihre Beine schwang, hielt sie einen Moment inne, um sich selbst zu bewundern. Die meisten ihrer Haare waren hochgesteckt, mit einigen lockigen Strähnen, die über ihre nackten Schultern fielen.
„Du siehst heute Abend wunderschön aus.“ Eine männliche Stimme ließ sie zusammenzucken.