„Ihr Körper zitterte, und ich dachte, es sei aus Angst, aber es stellte sich als eine durch Drogen verursachte Reaktion heraus.“
Sebastian saß auf der Couch, sprach am Handy mit übereinandergeschlagenen Beinen und hatte die obersten beiden Knöpfe seines schwarzen Hemdes geöffnet.
Anton fragte: „Was hat der Arzt gesagt?“
Sebastian konnte nicht umhin, einen Blick auf Janet zu werfen, die im Krankenhausbett lag, ihre zarte Gestalt von einer weichen weißen Decke bedeckt, mit einer Sauerstoffmaske, die sanft auf ihrem Mund lag.
„Sie warten darauf, dass sie aufwacht. Sie müssen noch einige Tests machen.“
„Traurig. Ich wollte Connor überraschen. Es würde ihn erschüttern, von ihrem Zustand zu erfahren. Soll ich ihm sagen, dass seine Tochter in Sicherheit ist?“ fragte Anton.
„Sag es ihm, falls es länger als einen Tag dauert, bis sie sich erholt. Ansonsten bringe ich sie zurück, sobald sie reisefähig ist.“
„Was? Dein Bodyguard soll sich um sie kümmern und sie zurückbringen. Deine Aufgabe ist erledigt. Komm nach Hause“, sagte Anton streng. „Deine Mutter und ich haben letzte Nacht kein Auge zugemacht. Wir waren überrascht, dass du sie ganz allein gerettet hast.“
Ein langes Schweigen entstand, sodass Anton die Stirn runzelte. „Sebastian?“
„Ich…“ Er zögerte und rieb sich mit der Hand die Augenbraue. „Ich kann diese Verantwortung niemandem überlassen. Ich habe ihr versprochen, sie nach Hause zu bringen. Es gibt keine Möglichkeit, dass ich ohne sie zurückkehre.“
„Kommt nicht infrage. Wenn du denkst, du könntest ihr Retter sein, irrst du dich. Gerade in deiner Nähe könnte sie wieder in Gefahr geraten.“
„Die Bedrohungen nehmen täglich zu, wir fühlen uns belagert. Nikolai ist hinter dir her. Die Tatsache, dass er jedes Detail über dich kennt, bringt Janet in große Gefahr, wenn du in ihrer Nähe bist.“
Sebastian sah noch einmal schweigend zu Janet. Er musste sich eingestehen, dass die Behauptung seines Vaters stimmte: Nikolai Siegel nutzte skrupellose Methoden, um die Genovese in den Vereinigten Staaten zu zerstören.
Nach Sebastians Großvater, Don Vitalino Genovese, war Nikolai zu einem neuen Symbol des Schreckens geworden. Sein weitreichendes Netzwerk verschaffte ihm wahrscheinlich Kenntnis von Sebastians aktuellem Aufenthaltsort.
„Ich denke darüber nach.“ Noch bevor Anton antworten konnte, hatte Sebastian aufgelegt.
***
Am Abend,
Janet wachte langsam in ihrem Krankenhausbett auf und nahm instinktiv die Sauerstoffmaske von ihrem Mund.
Nachdem sie einige Zeit gebraucht hatte, um wieder zu sich zu kommen, setzte sie sich auf und bemerkte, dass der Mann ihr den Rücken zukehrte. Er stand am Fenster, in Gedanken versunken. Sie schwieg und betrachtete seine breiten Schultern.
Sebastian drehte sich um; überrascht hob er die Augenbrauen. „Du hast es überlebt“, sagte er, während er zu ihr ans Bett trat.
„Wasser, bitte.“
Ihr Hals brannte wie Feuer, und Sebastian reichte ihr schnell ein Glas Wasser. Er sah sie intensiv an, seine durchdringenden schwarzen Augen fest auf sie gerichtet, während sie trank.
Sebastian bemerkte, wie ihre Hand zitterte, als sie das Glas zurückstellen wollte, und nahm es ihr ab.
„Danke.“
Sie senkte die Lider und wich seinem Blick aus. Die Matratze gab unter Sebastians Gewicht nach, als er sich neben sie setzte, und sie spürte, wie er eine Haarsträhne sanft hinter ihr Ohr strich.
„Geht es dir gut?“
„J-ja. Danke, dass du mich gerettet hast.“ Ihre Stimme war leise, mit einem Anflug von Scheu.
„Schon gut“, sagte Sebastian gleichgültig. „Ich hole die Ärzte, damit sie dich untersuchen.“
Janets Blick folgte ihm, als er den Raum verließ. Nervös schluckte sie, als die Tür mit einem Klicken ins Schloss fiel. Der Balkon ihres Zimmers fiel ihr ins Auge. Ihre Sinne sehnten sich nach frischer Luft, und als sie aufstand, fühlten sich ihre Beine noch ungewohnt an.
Langsam trat sie hinaus auf den Balkon, atmete die erfrischende Luft ein und hatte das Gefühl, die Zeit verlangsame sich.
„Gott sei Dank hat er mich rechtzeitig erreicht.“ Janet segnete ihn in Gedanken, während sie die Autos unten auf der belebten Straße beobachtete. Dann klickte es in ihrem Kopf. Sie drehte sich und lehnte sich an das Geländer, während sie die Abfolge der Ereignisse in Gedanken noch einmal durchging.
Seine tiefe Stimme erklang wieder in ihren Ohren, und sie blickte ins Leere.
‚Ich bin gekommen, um dich zu retten.’
„Hat mein Vater dich geschickt, um mich zu retten? Bist du einer seiner Leute?“
‚Ja. Jetzt sei still und lass mich dir helfen.’
Janet biss sich auf die Lippen. ‚Wenn Dad ihn geschickt hätte, um mich zu retten, hätte er es sofort gesagt. Er hätte nicht auf meine Bestätigung gewartet.’
Ihre Augen irrten umher, während ihr Verstand unzählige Möglichkeiten durchspielte.
‚Halte dich von Genovese-Männern fern!’ erinnerte sie sich an Danes Warnung.
‚Aber wie erkenne ich sie?’
‚Alle Soldaten tragen Smaragd-Ringe am Daumen.’
Janets Augen weiteten sich. „Der Smaragd-Ring!“ Ihr Gedanke sprang zu dem Mann, der gerade den Raum verlassen hatte. Sie erinnerte sich lebhaft an die sanfte Berührung seines Fingers, als er ihr wenige Minuten zuvor eine Strähne hinters Ohr geschoben hatte.
‚Verdammt! Er ist kein Mitglied der Genovese-Armee.’ Ihr Herz raste bei dieser schockierenden Erkenntnis.
***
Sebastian und sein Sicherheitschef Nate führten ein ernstes Gespräch im Notfalltreppenhaus. „Wir sollten aufbrechen. Sie lebt, und wir können sie in Springfield behandeln lassen. Deine Sicherheit ist am wichtigsten!“
Der beißende Geruch von Zigarettenrauch hing in der Luft, während Sebastian einen tiefen Zug nahm und seine Augen nicht von Nate ließ. „Wenn du willst, kümmere ich mich um sie und bringe sie zurück. In New Orleans zu bleiben, ist für dich nicht sicher. Du weißt, dass Nikolai sein Geschäft hauptsächlich von hier aus betreibt. Wir setzen uns hier unnötig der Gefahr aus.“
„Das weiß ich alles. Trotzdem weigere ich mich, mit ihrem Leben zu spielen. Warten wir ab, was die Ärzte sagen!“
Nate rollte mit den Augen, und Sebastian bemerkte es. „Was soll das Augenrollen?“
„Magst du sie?“
Sebastian hob eine Augenbraue und sah ihn mit einer Mischung aus Unglauben und Belustigung an. „Willst du mich verarschen?“
„Seit Mr. Genovese dir ihr Foto gezeigt hat, bist du rastlos. Eigentlich wollten wir nach Springfield, das Team zusammenstellen und sie retten. Aber du hast eigenmächtig gehandelt, ohne deinen Vater zu fragen oder Unterstützung einzuholen. Ich habe dich noch nie so verzweifelt erlebt! Du bist die ganze Nacht im Krankenhaus bei ihr geblieben. Was läuft hier?“
„Connor hat Dad das Leben gerettet. Das ist nur eine Rückzahlung. Nichts weiter.“
Die Tür des Treppenhauses quietschte, und ein Wächter steckte vorsichtig den Kopf herein. „Janet kann morgen das Krankenhaus verlassen.“
„Perfekt!“ Sebastians Ausruf ließ Nate eine Augenbraue hochziehen, während er ihm die Treppe hinunter folgte.
Janet lief nervös im Zimmer auf und ab, Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. ‚Wer sind sie? Noch ein Feind der Genovese? Kam er, um mich zu retten, um einen Deal auszuhandeln, oder ist die Gefahr für mich noch größer geworden?’
Die Tür öffnete sich sanft mit einem Klick, und sie wich instinktiv zurück. Sebastians Ankunft ließ sie scharf nach Luft schnappen. Ihre Augen hefteten sich an ihn. „Ich habe dir Abendessen aus einem der besten Restaurants in New Orleans mitgebracht.“
‚New Orleans!’ Ihre Ohren spitzten sich.
Die Krankenschwester schob den Essenswagen herein und stellte ihn ordentlich auf den Couchtisch neben dem Bett. Janet blieb reglos, die Augen auf Sebastian gerichtet, der seine Ärmel hochkrempelte und sich auf die Couch setzte.
„Janet?“
Mit einem Blinzeln trat sie näher und setzte sich ihm gegenüber auf die Couch. „Nun, ich habe mit deinem Arzt gesprochen, und er meinte, du hättest keine Diät-Einschränkungen.“
Ihr Magen knurrte. Es fühlte sich an, als sei es ewig her, seit sie eine richtige Mahlzeit gegessen hatte, aber sie hatte Bedenken, etwas von ihm anzunehmen.
„Nur zu!“
Janets Augen leuchteten, als sie den Deckel öffnete – ein Detail, das Sebastian nicht entging. „Das ist Barbecue-Shrimp-Pasta. Wir haben auch Gemüsesuppe und…“
„Vielen Dank, dass du dich um mich kümmerst.“ Janet lächelte. Sie richtete das Essen an und reichte ihm einen Teller.
„Danke.“
Er nahm den Teller, und der Duft des Essens erfüllte den Raum. Sebastian empfand sie als bescheiden und bodenständig – ein starker Kontrast zu ihrem rücksichtslosen Vater. Janet hingegen wollte nur sicherstellen, dass er ebenfalls aß, da sie befürchtete, er könnte ihr Essen vergiftet haben.
Während sie sich Pasta nahm, lief Janet rot an, als sie merkte, dass er sie ansah. Schnell wandte Sebastian den Blick ab und tat, als sei er völlig auf sein Essen konzentriert.
„Wie heißt du…“
Bevor sie die Frage beenden konnte, trat Nate unerwartet ins Zimmer. „Hey, ich dachte…“ Er brach kurz ab, musterte Sebastians Teller und sah ihn fragend an.
„Was machst du da?“
„Essen, nehme ich an!“ Bevor Nate etwas erwidern konnte, fiel Sebastian ihm ins Wort. „Warte draußen auf mich.“
Janets Blick fiel auf Nates Hand, und sofort fiel ihr das Fehlen des Smaragd-Rings auf. Als er den Raum verließ, setzte ihr Herz einen Schlag aus, während er ihr im Vorbeigehen einen flüchtigen Blick zuwarf.
„Hast du ein Problem damit, mit mir zu essen?“ Sie sah wieder zu Sebastian.
„Nein. Er sorgt sich nur um mich.“
„Schon gut.“
Das Klirren von Besteck war das Einzige, was zu hören war, während sie schweigend aßen. „Ich habe mit deinem Arzt gesprochen. Du kannst morgen entlassen werden. Ruh dich aus. Wir sehen uns morgen.“
Janet nickte und atmete erleichtert auf, als Sebastian den Raum verließ. Sie trank ein Glas Wasser und fächelte sich Luft zu, während sie unruhig hin- und herlief.
‚Es wird schon gut. Bald bin ich hier draußen. Ich bin stark!’ betete sie still. Doch mit der Zeit bildeten sich Blasen und Ausschläge auf ihren Händen. Sie sah in den Spiegel im Badezimmer und grinste beim Anblick der roten Haut.