Der Morgen brach grell und hell an, als würde die Sonne sie verurteilen. Selene blinzelte, ihr Wolf hatte sich unter der Haut zusammengekauert, noch immer aufgewühlt von dem beinahe Verhör vor ihrer Tür letzte Nacht. Ethans Stimme hallte in ihrem Kopf wider – tief, rau, der Wahrheit erschreckend nahe. „Verheimlichst du mir etwas?“ Ihr Magen verkrampfte sich. Die Erinnerung brannte wie glühende Kohlen an ihren Rippen. Sie stand auf und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, bis sich ihr Atem beruhigte. Dann trat sie in den Flur – – und erstarrte. Überall waren Wachen. An den Ecken postiert. Doppelte Patrouillenwege. Zwei am Treppenhaus, wo normalerweise nur einer stand. Selbst Nina ging steif an ihnen vorbei, unsicher, wie sie mit dieser plötzlichen Wand aus Muskeln und Autorität u

