Ich war erleichtert, als ich endlich im Taxi saß. Ich blickte noch paar mal aus dem Fenster, doch ich entdeckte niemanden der mich verfolgte. Emma, sei nicht paranoid! Der Mann wollte bestimmt nur höflich sein. Ja, so musste es sein! Die Autofahrt dauerte nicht lange und als ich ankam, wartete mein Vermieter bereits vor der Tür. Er war ein kleiner freundlicher Mann mittleren Alters mit mehr Haaren im Gesicht als auf dem Kopf. Er schloss die Wohnung auf und bedeutete mir zuvorkommend einzutreten. Ich war positiv überrascht. Meine neue möblierte Wohnung, die aus einer Küche, einem Wohn und Schlafzimmer und einem Badezimmer bestand, war zwar nicht recht groß, aber dafür gemütlich eingerichtet und auf den ersten Blick sauber. Ich fühlte mich sofort wohl. Mein Vermieter erklärte mir das Notwendigste der Wohnung und verabschiedete sich kurze Zeit später. Ich könne mich aber jederzeit an ihn wenden, sollte ich bei etwas Hilfe benötigen.
Die Tür schloss ich hinter ihm ab und ging ins Schlafzimmer. Ich ließ mich rückwärts auf mein Bett fallen, atmete tief aus und schloss für ein paar Sekunden meine Augen, um den heutigen Tag review passieren zu lassen. Ich war endlich in Moskau angekommen!
Morgen würde ich gleich zu meinem zukünftigen Arbeitsplatz fahren, um mich bei Herrn Ivanowitsch, dem Leiter der Schule persönlich vorzustellen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln war die Schule gut zu erreichen, das hatte ich mir bereits zuvor rausgesucht. Ich erhob mich vom Bett und begann meinen Koffer auszupacken, als mir plötzlich einfiel, dass ich vergessen hatte, meine Mom anzurufen. Herrje, sie machte sich bestimmt schon wahnsinnige Sorgen! Ich wählte gleich ihre Nummer.
"Mom? Ja ich bins, sorry der Tag war ziemlich hektisch... Ja ich weiß! Tut mir leid! Ja, mir gehts gut!... Ich bin gerade erst in meiner Wohnung angekommen... ich vergaß mich sofort zu melden...ja der Flug verlief reibungslos und meine Wohnung ist richtig gemütlich, sie würde dir gefallen..." Die Begegnung mit dem großen Russen ließ ich bei meinen Erzählungen besser weg, sie würde sich nur unnötig Sorgen machen.
Wir telefonierten noch eine Weile miteinander und beendeten dann unser Gespräch, da mir beinahe die Augen zufielen. Den Koffer auszupacken verschob ich auf den nächsten Morgen. Ich wollte auch nicht zu lange wach bleiben, um für den morgigen Tag ausgeruht zu sein. Ich ging duschen, putzte mir noch die Zähne und legte mich danach ins Bett. Obwohl ich so müde war und sofort einnickte, schlief ich sehr unruhig. Immer wieder suchten mich kalte, schwarze Augen in meinen Träumen heim und große Hände die mich festhielten. Einmal sogar, wachte ich verschwitzt und mit Herzrasen auf. Es war bestimmt die Aufregung der Reise, die ich unterbewusst verarbeitete. Trotz der unruhigen Nacht, wachte ich relativ erholt am nächsten Morgen auf.
Ich machte mich ein wenig zurecht und verließ anschließend gut gelaunt meine Wohnung. Ein kleines Frühstück und Kaffee würde ich mir unterwegs besorgen. Die Bushaltestelle lag circa zehn Minuten zu Fuß enfernt. Auf dem Weg dorthin befand sich sogar eine kleine Bäckerei. Ich kaufte mir ein lecker gefülltes Pampuschki und nahm mir einen Kaffee für unterwegs mit. Es war sieben Uhr und die Straßte erwachte schon langsam zum Leben. Überall verließen die Menschen ihre Wohnungen, um sich auf den Weg zur Arbeit oder zur Schule zu machen. Ich stieg in den überfüllten Bus ein und hoffte die richtige Haltestelle nicht zu übersehen. Die Leute unterhielten sich angeregt, die Schüler lachten, während ich das Szenario genoss, welches sich mir bot. Die nächste Haltestelle war die meine und ich verließ den Bus zusammen mit ein paar Schülern. Die Schule auf die wir zugingen, war recht groß aber schon ein wenig in die Jahre gekommen. Sie war aus roten Backsteinen gebaut und verlieh ihr einen gewissen Charme. Als ich das Gebäude betrat, befanden sich die meisten Schüler bereits in den Klassen. Ich suchte das Direktorat auf, welches sich im ersten Stock befand und klopfte an die Tür.
Mr. Ivanowitsch bat mich freundlich herein und begrüßte mich herzlich. "Miss Green, es freut mich sehr, Sie endlich persönlich kennen zu lernen! Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise! Die Schüler freuen sich schon sehr auf ihren Englisch Unterricht. Es kommt nicht so häufig bei uns vor, dass wir in den Genuss eines 'Native teacher' kommen".
"Die Freude ist ganz meinerseits Mr. Ivanowitsch! Ich konnte es ebenfalls kaum erwarten hierher zu kommen. Und ja, meine Anreise verlief reibungslos.",
antwortete ich. Obwohl ich erst in etwa drei Wochen beginnen würde zu unterrichten, stellte mich der Direktor noch meiner künftigen Schulklasse vor. Es saßen fünfundzwanzig Kinder in der Klasse und allesamt machten sie einen sehr sympathischen Eindruck. Ich freute mich bereits schon sehr. Danach stellte mich Mr. Ivanowitsch noch ein paar meiner neuen Kolleginnen und Kollegen vor. Auch sie wirkten alle freundlich und sympathisch. Während des kurzen Kennenlernens erzählten sie, dass sich ein paar von den Kollegen nach der Arbeit noch auf einen Drink treffen würden und luden mich herzlich dazu ein, ebenfalls zu kommen. Ich sagte freudig zu, denn es war eine gute Gelegenheit, gleich Anschluss zu finden.
Als ich mich von Mr. Ivanowitsch verabschiedete, klingelte zeitgleich die Pausenglocke und alle Schüler stürmten raus in den Hof. Ich beeilte mich, um noch den Bus zu erwischen und ging schnellen Schrittes Richtung Haltestelle. Der Bus fuhr gerade vor und ich musste etwas laufen um ihn noch zu erwischen.