Ich wachte auf und öffnete meine Augen. Langsam setzte ich mich auf und blickte mich um. Erneut überkam mich der Drang aufzuspringen und zu flüchten, doch er würde mich innerhalb kürzester Zeit wieder eingefangen haben. Ich musste einen besseren Moment abwarten.
Er stand in der Küche und machte sich Kaffee. Es war später Vormittag, also hatte ich ein paar Stunden geschlafen. Erschöpft war ich nach wie vor von dem Kampf, den ich verloren hatte. Ich fühlte mich noch immer wund, aber zumindest waren die schlimmen Schmerzen verschwunden. "Möchtest du Kaffee?" Seine plötzliche Frage erschreckte mich und ich war binnen einer Sekunde hellwach. Sein Rücken blieb mir zugekehrt, während er mit seinen Vorbereitungen in der Küche fortfuhr. Das war mir lieber als seine Aufmerksamkeit. Ich beobachtete ihn aus sicherer Distanz. Er war barfuß, trug eine legere hellblaue Jeans und einen schwarzen weiten Kapuzenpullover.
"Ich würde gerne duschen gehen.", bat ich stattdessen. Ich fühlte mich schmutzig. "Hinterste Türe links. Ein Handtuch findest du in der Schublade. Ein frisches T-Shirt ist im Bad. Du hast fünfzehn Minuten."
"Hätten Sie was für jetzt zum drüber anziehen?... ich meine, ähm ich habe nichts an... könnten Sie...?" stammelte ich vor mich hin. Denn ich wollte nicht ohne Kleidung vor ihm zum Bad gehen.
"Die Uhr läuft Emma. Solltest du nicht rechtzeitig fertig sein, komme ich dich holen und das könnte schlecht für dich enden, wenn du nackt bist". Dieses Arschloch! Ich sprang auf und rannte so schnell ich konnte ins Bad. Dort angekommen warf ich die Türe hinter mir zu und lehnte mich dagegen. Meine Füße waren wie Wackelpudding und meine Hände zitterten. Mir liefen Tränen meine Wangen herab. Wer war dieser Mann und welche schrecklichen Dinge hatte er noch mit mir vor? Ich schluchzte und hielt mir die Hände vors Gesicht. Ich war in meinem persönlichen Alptraum gelandet. Ich malte mir schreckliche Szenarien aus, was mich nur noch mehr fertigmachte. Ich durfte mich jetzt aber nicht hängen lassen. Ich wusste, ich musste mich wieder fangen, denn mir lief die Zeit davon. Ich wollte nicht, dass er mich holen kam und mich wieder zum s*x mit ihm zwang. Ich atmete ein paar mal kurz tief durch und versuchte mich dadurch wieder etwas zu beruhigen. Als ich wieder einigermaßen gefasst war, betrachtete ich den Raum in dem ich mich befand. Das Bad war natürlich riesengroß und edel eingerichtet. Ich hatte nichts anderes erwartet. Eine riesige Badewanne stand in der Ecke, mit Blick nach draußen. Ich probierte, ob sich die Fenster öffnen ließen, doch sie waren abgesperrt. Mist, hier führte kein Weg nach draussen.
Bevor meine Zeit rum war, stieg ich schnell in die riesige Dusche aus Glas und drehte das Wasser auf. Ich blickte nach oben und ließ mir das Wasser über mein Gesicht rieseln. Eine wahre Wohltat! Ich wusch mir die Haare und reinigte mein Geschlecht um mir seine Spuren fortzuwaschen. Ich fühlte mich nicht besser, jedoch sauberer und trocknete mich ab. Es lag ein großes weißes T-Shirt am Waschtisch, vermutlich seines. Ich zog es an, da ich sonst nichts zur Auswahl hatte. Er reichte mir bis zu den Knien. Meine fünfzehn Minuten waren bestimmt bald um und ich bereitete mich geistig darauf vor, ihn gleich wieder zu begegnen. Ich wurde wieder unruhig. Ich schloss die Augen, atmete tief durch und öffnete die Türe. Als ich zögernd zurück in den Wohnbereich ging, saß er bereits beim Küchentisch und laß Zeitung. Den Börsenteil. War mein Entführer im Finanzbereich tätig?
"Setz dich, dein Kaffee steht am Tisch."
"Ich mag keinen Kaffee, danke.", antwortete ich ängstlich. Ich liebte Kaffee, aber seinen wollte ich nicht. Wer weiß, ob er mich nicht vergiften wollte. Ich traute mich kaum, mich dem Tisch zu nähern.
"Ich weiß, dass du Kaffee trinkst, also komm!", sagte er im Befehlston und blickte finster von seiner Zeitung auf. Woher wusste er, dass ich Kaffee trank? Er musterte mich mit einer Intensität, die mir unangenehm war. Trotz des T-Shirts, fühlte ich mich vor ihm nackt und ausgeliefert. Dieser Mann schürte meine Ängste, sodass ich unbewusst zurückwich. Mein Puls stieg und ich war in Alarmbereitschaft. "Was ist los? Hast du einen Geist gesehen?", fragte er mich, so als wüsste er nicht, warum ich ihn fürchtete.
"Bitte sehen Sie mich nicht so an, sie machen mir Angst", hörte ich mich sagen. Er grinste selbstgefällig.
"Angst zu haben, muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein Emma. Es ist ein natürlicher Antrieb um zu überleben." Verdammter Psycho! Ich bekam eine Gänsehaut. Was hatte er mit mir vor? Wollte er mich töten? Zweifellos! Und davor würde er mich sicher schänden! Lieber Gott, bitte hilf mir!
"Aber ich kann dich beruhigen, heute werde ich dir kein Haar krümmen. Du kannst dich also setzen. Und hör auf mich zu siezen, ich heiße Alexej."
Alexej. Der Teufel trägt also einen Namen. Ich ging zögernd in Richtung des Tisches und setzte mich mit Sicherheitsabstand dazu. Ihm schien es zu amüsieren, denn er grinste bescheuert. "Wie geht es dir? Hast du noch Schmerzen?" fragte er mich, als ich Platz genommen hatte. War das sein Ernst, dass er sich nach meinem Befinden erkundigte? Das musste ein schlechter Scherz sein. "Ich wurde von Ihnen vergewaltigt und werde hier gefangen gehalten! Es könnte bei mir nicht besser laufen!", antworte ich ihm sarkastisch. Ich musste wahnsinnig geworden sein, ihm so frech zu antworten, doch die Worte sprudelten einfach so aus mir raus. "Schön, dass du von deiner Anwesenheit ebenso begeistert bist wie ich. Ich spreche aber von deinen Schmerzen.", entgegnete er mir trocken und blickte mich finster an. Mit seinen Worten wies er mich sofort wieder in die Schranken. Ich sollte besser nicht mehr vorlaut sein, denn ich wollte nicht herausfinden, wie wütend er werden kann. "Es geht mir besser. Ich habe keine Schmerzen mehr.", antwortete ich eingeschüchtert. "Gut. Sollten sie wiederkehren, sag es mir." Er würde gar nichts von mir erfahren!
Ich hielt meine Kaffeetasse in beiden Händen, da ich aus Nervosität zitterte. Was wollte er nur von mir? Und warum war ich hier? Ich zögerte, die Fragen zu stellen, die mir auf der Zunge lagen, da ich Angst vor seinen Antworten hatte. Meine Handflächen waren schweißbedeckt und mein Herz raste. Ich nahm all meinen Mut zusammen. "Warum halten Sie mich gefangen und was wollen Sie noch von mir, wenn Sie kein Geld wollen?" Er sah von der Zeitung auf und lehnte sich entspannt zurück. "Bitte, wenn sie mich gehen lassen, schwöre ich, niemanden davon zu erzählen! Es wird niemand erfahren, ich verspreche es! Aber bitte lassen Sie mich frei!" schluchzte ich unter Tränen.
"Die Antworten auf deine Fragen würden dir alle nicht gefallen, also erspare ich sie dir.", sagte er ernst. Ich schaute ihn fassungslos an. Kein Mensch konnte doch so grausam sein oder? Wer war dieser Mann, der einfach beschloss mir mein Leben zu nehmen? Wie konnte es so ein schnelles Ende finden? Vor kurzem war doch noch alles in Ordnung. Ich hoffte, dass alles nur ein Traum war und ich bald erwachte.
"Werden Sie mich töten? Bitte, ich will wissen, was mit mir passieren wird!" Ich sah nur noch Umrisse, da ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Er ignorierte meine Frage und sagte stattdessen: "Ich muss heute geschäftlich außer Haus und kehre erst am Abend wieder zurück. Du kannst dich im Erdgeschoß frei bewegen. Meine Haushälterin Maria kommt in einer Stunde. Wenn du etwas benötigst, scheue dich nicht, es ihr zu sagen. Sie wird es dir besorgen. Ich denke, es ist unnötig dir zu sagen, dass du sie nicht um Hilfe bitten brauchst. Sie weiß um deine Situation Bescheid und ist mir gegenüber loyal. Alle Räume sind Video überwacht. Wenn du versuchst zu fliehen, wirst du die Konsequenzen hart zu spüren bekommen. Hast du das verstanden Emma?". Ich schluckte und nickte rasch. Was er mit 'hart bestrafen' meinte, war eindeutig. Würde ich versuchen zu entkommen, würde er mich erneut gegen meinen Willen nehmen. "Und ich sagte dir bereits, du sollst mich beim Vornamen nennen. Ich wiederhole mich ungern." Ich konnte nichts mehr darauf erwidern. Ich war sprachlos und unter Schock. Ich saß einfach nur da und starrte in meinen Kaffee. Ich klingte mich gedanklich aus. Ich konnte nicht mal mehr weinen. "Emma?.... Emma!" Ich sah erschrocken zu ihm auf, als er mich an der Schulter berührte. Ich zuckte vor Schreck zurück. Er stand neben mir und musste mich wohl schon ein paar mal angesprochen haben, doch ich nahm ihn nicht wahr. "Komm mit, ich zeige dir den Rest des Hauses." Ich wollte es nicht sehen! Ich wollte IHN nicht mehr sehen! Ich folgte ihm trotzdem schweigend um einer möglichen Bestrafung aus dem Weg zu gehen. Alexej führte mich in die restlichen Räume im Erdgeschoss, darunter noch eine Bibliothek, und sagte mir, ich könne alles frei nutzen. Mir war jedoch nicht danach mich zu amüsieren. Ich wollte einfach nur schlafen und hoffen, dass wenn ich aufwachte, alles nur ein böser Traum war. Als der 'Rundgang' beendet war, erinnerte er mich erneut, dass das Haus ausbruchssicher wäre und ich mir deshalb einen Versuch ersparen sollte. Kurze Zeit später verließ er das Anwesen und ich war allein. Ich legte mich zurück ins Bett und schloss die Augen, doch ich konnte nicht schlafen. Ich blieb einfach regungslos liegen und wollte mich in Luft auflösen. Plötzlich klopfte es an der Tür und eine kleine ältere Frau trat ein. "Signora Green? Bitte erschrecken sie nicht. Ich bin Maria." Ihr Akzent verriet, dass sie aus Spanien oder Mexico kommen musste. Ich wischte mir rasch die Tränen aus dem Gesicht.
Auch wenn sie freundlich wirkte, war sie auf der Seite meines Entführers. Ich konnte ihr also ebenfalls nicht trauen. Ich setzte mich auf und sah sie mit meinen verquollenen Augen an. "Ich heiße Emma.", sagte ich abgeschlagen. "Es freut mich sehr Sie kennen zu lernen Emma. Ich habe Ihnen etwas zu Essen mitgebracht, sie müssen schon sehr hungig sein." Ich erkannte Mitleid in ihren Augen, als sie mich ansah. "Das ist freundlich von Ihnen, aber ich habe keinen Appetit." Ich stieg aus dem Bett und ging zu ihr rüber. Ich musste sie einfach um Hilfe bitten. Ich musste es zumindest versuchen. "Maria, bitte Sie müssen mir helfen. Ich muss hier raus. Er hält mich hier gefangen und wird mich töten. Er hat... " Ich begann erneut zu weinen. Ich sprach nicht weiter, weil ich ihr die Einzelheiten aus Scham nicht erzählen wollte. Maria sah mich betroffen an und sagte leise. "Ich kann Ihnen nicht helfen. Ich wünschte ich könnte! Bitte, bringen Sie mich nicht in Schwierigkeiten... Bitte Signora es tut mir leid, ich darf Ihnen nicht helfen!", antwortete sie mir mit traurigen Augen. Ich merkte, dass sie es ehrlich meinte, und wir wussten beide, welche Konsequenzen das für sie hätte. Vermutlich würde sie das nicht überleben, so wie ich. "Es tut mir leid, ich will Ihnen keine Probleme machen. Ich bin nur.... ich weiß nicht wie ich sonst hier rauskommen soll...." Ich schlug mir die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich. Maria streichelte mir zaghaft über die Schultern und versuchte mich zu trösten. "Ich wünschte ich könnte was für Sie tun. Es tut mir leid Signora.
...Ich stelle ihnen das Essen in den Kühlschrank, sie können es auch später essen.", sagte Maria noch und machte sich wehmütig an die Hausarbeit. "Danke.", sagte ich traurig und ging wieder zurück zum Bett. Nach ein paar Stunden verabschiedete sich Maria und ich wartete, bis mein Hänker zurückkehrte. Gegen einundzwanzig Uhr öffnete sich die Eingangstür und der große Russe betrat den Raum. Die Stimmung wurde augenblicklich düster. Seine Augen suchten mich und als er mich erblickte, kam er zum Bett und setzte sich. Ich blieb aufrecht sitzen. Ich war zu kraftlos um weg zu laufen oder mich zu wehren. Ich würde es über mich ergehen lassen, egal was er vorhatte. "Du hast nichts gegessen. Komm steh auf, und iss mit mir.", sagte er mit einem starken russischen Akzent und ging Richtung Küche. "Ich habe keinen Hunger, danke." "Willst du etwa, dass ich dich holen komme?" Nein! Das wollte ich keinenfalls! So schnell es ging, stand ich vom Bett auf und ging Richtung Tisch. Ich wankte kurz etwas, da mir schon ziemlich schwindlig war. Alexej entging das natürlich nicht. Ich hatte auch nichts getrunken fiel mir ein. Er stellte mir ein großes Glas Wasser vor die Nase und befahl mir es auszutrinken. Er befüllte es erneut, nachdem ich es hastig ausgetrunken hatte. Kurze Zeit später brachte er zwei Teller mit Lasagne zum Tisch. Mir rann das Wasser im Mund zusammen, so gut roch es. Erst jetzt bemerkte ich wie hungrig ich war. Wortlos aßen wir. "Es ist noch Lasagne übrig, wenn du welche möchtest" sagte Alexej während er aß. "Nein, danke ich bin satt." Sie schmeckte wirklich köstlich, jedoch brachte ich keinen Bissen mehr runter. Er nahm beide Teller mit und kehrte mit einem vollen wieder zurück. Sich selbst schenkte er noch ein Glas Wodka ein. Er betrachtete mich von der Seite, ich spürte seine Blicke auf mir.
"Du wirst heute noch deine Mutter anrufen und ihr erzählen, dass du dein Handy verloren hast und es etwas dauern wird, bis du ein neues bekommst. Du wirst ihr auch sagen, wie toll es hier ist und es dir gut geht. Du willst doch nicht, dass sich das ändert und deine Mutter einen Grund bekommt, um sich Sorgen zu machen, nicht wahr?", sagte er mir mit einem Ton, der keine Missverständnisse aufkommen ließ. Dieser Dreckskerl! Ich hasste ihn und seine überhebliche Art! Er drohte mir.
Aber ich war auch überglücklich, dass ich meine Mom anrufen durfte. Ich dachte ich würde nie wieder ihre Stimme hören! Was sollte ich ihr erzählen?
Sollte ich sie wissen lassen, dass ich entführt wurde? Das würde mich nicht retten! Ganz im Gegenteil. Ich würde meine Mutter vielleicht auch noch in Gefahr bringen und für mich bedeutete das vermutlich mein vorzeitiges Ende. Ich wusste weder wo ich war, noch wer Alexej war. Was würde er danach mit mit anstellen? Ich verwarf meine Überlegungen gleich wieder. "Was passiert, wenn sie merkt, dass etwas bei mir nicht stimmt?", fragte ich. "Es ist in deinem Interesse, dass sie das nicht tut."