Kapitel Zwei

900 Worte
Emilys Perspektive Ich beschloss, die Dumme zu spielen. Wenn ich mich wehrte, würde er mir wehtun — und das könnte meinem Baby schaden. Langsam drückte ich mich vom Boden hoch. Meine Stimme zitterte, aber ich zwang sie heraus. „Es tut mir leid… Ich gehe in die Küche und hole euch etwas zu essen. Aber bitte… darf ich mich zuerst umziehen? Ich bin völlig durchnässt.“ Ein Grinsen zog sich über Ryders Lippen. Seine Hand packte meine Schulter, sein Ton wurde plötzlich sanft, als hätte er mich nicht vor wenigen Augenblicken gewürgt. „Du hättest nicht so stur sein sollen. Du weißt, dass ich dich liebe. Aber das Junge — wir dürfen nicht zulassen, dass ihm etwas passiert. Die Zukunft dieses Rudels hängt davon ab. Die Ältesten, meine Eltern — sie haben darauf gewartet. Wir dürfen nicht unvorsichtig sein, Emily. Ich brauche deine Unterstützung dabei.“ Seine Worte sanken wie Gift in mich ein. In diesem Moment begriff ich — all die Jahre war ich nichts weiter als eine Spielfigur gewesen. Eine Närrin in den Armen eines Manipulators. „Meine Beine!“, schnitt Lisas schrille Stimme durch den Raum. Ryder drehte sich sofort um. „Ich brauche eine Massage“, quengelte sie. „Okay“, sagte er schnell und führte sie zum Sofa. Ich ließ sie dort und sah nicht zurück. Als ich das Schlafzimmer betrat, hing der Gestank von Schweiß und Lust noch schwer in der Luft. Die zerwühlten, befleckten Laken schrien förmlich nach dem, was sie getan hatten. Mir wurde übel. Ich zog meine nassen Kleider aus und ging direkt in die Küche. Ich kochte still und stellte mich gehorsam. Ich machte sogar sein Lieblingsessen. Er sollte es genießen. Bald würde er Lisa haben, und ihr Junges, und das Leben, das er immer gewollt hatte. Meine Zeit hier würde enden. Ich musste nur meine Flucht planen. Gerade als ich das Essen auf die Teller verteilte, kam Lisa hereingeschlendert. Sie lachte — dieses grausame, spöttische Lachen, das mir eine Gänsehaut machte — und kam auf mich zu. „Wie fühlt es sich an?“, fragte sie und legte den Kopf schief. Ich ignorierte sie. Sie trat näher, ihre Augen funkelten. „Ich rede mit dir. Wie fühlt es sich an, etwas zu stehlen, das einer anderen Frau gehört? Du musst leiden, oder? Denn wie könnte eine schwache Menschenfrau wie du meinen Ryder stehlen? Nein, das konntest du nicht. Du bist nicht stark genug.“ Ihre Worte sollten verletzen, aber ich blieb ruhig, meine Hand umklammerte den Teller fester. Als sie sich vorbeugte, so nah, dass ich ihren Atem spürte, legte ich meine Hand auf ihre Schulter und zwang mich zu einem schwachen Lächeln. „Du hast recht“, flüsterte ich. „Was jemand anderem gehört, kann man nicht stehlen.“ Sie lächelte selbstzufrieden. „Gut. Wenigstens kennst du deinen Platz, dumme Menschenfrau.“ Dann, bevor ich reagieren konnte, griff sie sich einen Teller mit Essen und schüttete ihn sich selbst über den Körper. Ihr Schrei zerriss die Luft. „Hilfe!“ Ryder kam angerannt. Sein Blick fiel auf Lisas Körper, an dem das Essen herablief. „Emily, was zur Hölle hast du getan?!“, brüllte er, ohne auch nur nachzufragen. Lisa schluchzte, ihre Stimme zitterte vor gespieltem Schmerz. „Sie hat es über mich geschüttet — nur weil ich ihr gesagt habe, dass sie mein Junges nicht ihres nennen darf.“ Ryders Gesicht verzerrte sich vor Wut. „Bist du verrückt?!“ Er stieß mich so hart, dass ich nach hinten taumelte. Seine Hand schlug mir ins Gesicht, das Geräusch hallte durch die Küche. Meine Sicht verschwamm vor Tränen, doch bevor ich Luft holen konnte, griff er sich den zweiten Teller und schüttete ihn mir über den Kopf. „Ich habe ihr nichts getan! Sie hat es sich selbst übergeschüttet!“, schrie ich, meine Stimme brach. Ryders Augen loderten, als er sich über mich beugte. „Klar. Weil ja eine schwangere Frau aus Spaß heißes Essen über sich selbst kippt?“ Seine Stimme war voller Verachtung. Er stach mit dem Finger auf mich. „Nein, Emily. Du bist einfach nur eifersüchtig. Und jetzt willst du mein Junges töten!“ Der Vorwurf traf mich härter als seine Ohrfeige. Meine Knie gaben nach, und ich klammerte mich an meinen Bauch, starrte ihn ungläubig an. „Das hast du verdient!“, donnerte er. „Du bösartige Frau!“ Er stieß mich erneut, und ich krachte zu Boden, mein Bauch schlug hart gegen den Schrank. Der Schmerz schoss so heftig durch mich hindurch, dass ich aufschrie. Aber Ryder sah nicht einmal zurück. Er hob Lisa auf und hielt sie, als wäre sie aus Glas. „Wir fahren ins Krankenhaus“, sagte er, seine Stimme voller Sorge — um sie, nicht um mich. Und damit gingen sie. Die Haustür schlug zu, ihre Schritte verklangen. Ich lag auf dem kalten Boden, hielt meinen Bauch und kämpfte allein gegen den Schmerz. „Ryder…“, stöhnte ich und rang nach Luft. Der Schmerz riss durch mich, scharf und gnadenlos, mein Bauch krampfte sich zusammen, als würde er auseinandergerissen. Meine Knie sanken auf den kalten Boden, während ich mich festhielt. Dann sah ich es — Blut, dunkel und schwer, das sich unter mir sammelte. „Nein… nein, bitte“, flüsterte ich, meine Sicht verschwamm vor Tränen. „Ich will mein Baby nicht verlieren. Nicht mein Baby…“
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