Kapitel Drei

1134 Worte
Emilys Perspektive Die Küchentür flog auf, und Ryder stürmte herein. Seine Augen weiteten sich, als er mich auf dem Boden liegen sah. „Du trägst mein Junges? Ist es das, was du gerade gesagt hast?“ Seine Stimme war scharf, fast verzweifelt. Schmerz durchzuckte mich, als ich mir zitternd den Bauch hielt. Für einen Moment fragte ich mich, woher diese Sorge plötzlich kam. Vorhin hatte er Lisa hinausgetragen, als wäre ich nichts. Aber die Worte kamen trotzdem über meine Lippen. „Ich… ich trage dein Junges.“ Aus dem Augenwinkel sah ich Lisa in der Tür stehen, ihr Gesicht vor Wut verzerrt. Trotz des Hasses in mir verspürte ich eine kleine, verdrehte Genugtuung, als ich ihr Stirnrunzeln sah. Ryders Gesicht wurde sofort weich. „Wie ist das möglich? Ich dachte, du kannst nicht schwanger werden? Ich bringe dich sofort ins Krankenhaus.“ Er hob mich in seine Arme. Lisas Stimme war scharf wie ein Messer. „Sie lügt, Ryder! Ich bin diejenige, die verletzt ist — sie hat mich verbrannt. Hast du nicht gesagt, der Arzt meinte, ihre Gebärmutter sei geschädigt? Dass sie nicht einmal schwanger werden kann? Sie sagt das nur, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn es wahr wäre, warum hat sie es dir nicht früher gesagt?“ Ihre Worte trieften vor Gift. Ich sah, wie Ryders Gesichtsausdruck schwankte und Zweifel in seine Augen krochen. „Ich sollte es erst bestätigen lassen“, murmelte er mehr zu sich selbst. Dann lauter: „Geh aus dem Weg.“ Er schob sie beiseite und brachte mich hinaus. „Ich komme mit. Ich werde ihre Lügen bestätigen“, hörte ich Lisa hinter uns rufen, ihre Schritte hastig. --- Ich wachte in einem Krankenhausbett auf, der Geruch von Desinfektionsmittel ließ mich fast ersticken. Ryder saß an meinem Bett. In dem Moment, als ich die Augen öffnete, schoss meine Hand zu meinem Bauch. „Mein Baby… mein Baby“, weinte ich. „Ist mein Baby in Ordnung?“ Ich umklammerte meinen Bauch, als könnte ich das Leben darin festhalten. Ryder griff nach meiner Hand und hielt sie. Ich riss sie weg, als hätte seine Berührung mich verbrannt. Warum hielt er meine Hand? Wer hatte ihm gesagt, ich bräuchte Trost von ihm? Ich zog mich zurück, Wut flammte in mir auf. Da kam der Arzt herein, gefolgt von Lisa, die in der Ecke des Zimmers stand — ruhig, gefasst, mit einem Lächeln wie eine Klinge. „Emily, du bist wach“, sagte der Arzt, aber ich hörte ihre freundlichen Worte nicht. Mein Fokus lag nur auf einer einzigen, verzweifelten Sache: meinem Kind. „Sagen Sie es mir. Ist mein Baby in Ordnung?“, verlangte ich. Das Gesicht des Arztes wurde ernst, und ich wusste es, noch bevor sie sprach. „Sagen Sie mir nicht, dass ich mein Baby verloren habe“, flüsterte ich. Bevor sie antworten konnte, brach ein Schrei aus mir hervor, der aus den Tiefen meiner Seele kam. „Nein — mein Baby. Meinem Baby darf nichts passieren!“ Ich presste meine Hand auf meinen Bauch und sackte gegen das Bett, der Raum begann sich zu drehen. „Emily, bitte — beruhige dich“, sagte Ryder und versuchte, mich zu beruhigen. Seine Stimme klang zu sanft, zu geübt. Mir stieg Galle hoch. Er hatte mich gestoßen, mein Baby getötet… und jetzt? Mit ihr gelacht? Mit ihr geschlafen? Er hatte kein Recht, jetzt freundlich zu sein. Wut schoss wie ein Stromschlag durch mich. Ich packte ihn am Kragen. „Mach keine Witze mit mir. Tu nicht so nett — du hast mein Baby getötet!“, zischte ich und meine Nägel gruben sich in den Stoff. „Du hättest mir sagen sollen, dass du schwanger bist“, sagte Ryder, seine Stimme eine Mischung aus Überraschung und Vorwurf. „Du hättest es mir sagen sollen—“ Da verlor ich die Kontrolle. Ich biss ihm hart in die Brust. Ein Brüllen stieg in meiner Kehle auf, ein roher, tierischer Laut, den ich selbst nicht erkannte. Wenn ich ihn hier und jetzt hätte erwürgen können, hätte ich es getan. Wenn ich Lisa für immer hätte zum Schweigen bringen können, hätte ich es getan. Trotz der Schmerzen in meinem Körper stürzte ich auf Lisa zu und packte sie am Hals. „Ich werde dich töten — ein Leben für ein Leben!“, schrie ich. „Bitte, Emily, ich habe nicht — ich habe dein Baby nicht getötet“, schluchzte Lisa, falsche Tränen liefen ihr über das Gesicht. „Bitte, lass mich los.“ Ihr falsches Flehen ekelte mich nur noch mehr an. In Sekunden waren Hände an mir — die Krankenschwestern, die Pfleger, Ryders Griff fest um meine Taille. Sie versuchten, mich zurückzuziehen, aber ich wehrte mich. Wie konnte ich sie einfach gehen lassen? Ich wollte, dass sie fühlt, was ich jetzt fühlte. „Wir werden noch ein anderes Baby bekommen, Emily“, sagte Ryder in derselben kühlen Stimme, als würde er einen Vertrag abschließen. „Du hast dieses hier verloren. Wenn du dich weiter so aufregst, wird es nur schlimmer.“ Er klang wie ein Geschäftsmann — ruhig, vernünftig — aber tief in mir hasste ich ihn, ich hasste, dass er so tat, als würde er sich kümmern. Meine Beine gaben nach und ich brach auf dem Boden zusammen. Es war schwer zu glauben, dass ich mein Kind verloren hatte. Trotz all der Krankenhausbesuche und Untersuchungen — sie hatten mein Glück nicht einmal lange genug halten lassen. „Wenn mein Kind nicht überleben kann“, schluchzte ich und krümmte mich auf den Fliesen, „warum sollte ihres dann?“ Lisas Gesicht zeigte einen neuen, schwachen Anflug von Angst. Ryders Kiefer spannte sich an. Ich presste meine Stirn gegen meine Knie und weinte. Ryder beugte sich zu mir herunter und legte seine Hand auf meine Schulter, sah mir direkt in die Augen. „Tu dir deswegen nichts an“, sagte er mit tiefer, ruhiger Stimme. „Ich habe dir gesagt, du trägst auch Lisas Kind. Ich weiß, du bist wütend und handelst impulsiv. Es ist auch mein Junges. Wir haben beide Schmerzen. Aber vertrau mir, ich gebe dir alles. Verlang, was du willst.“ Ich nickte, meine Kehle war wie zugeschnürt. „Alles?“, fragte ich. Er nickte. Ich nahm seine Hand und hielt sie fest, sah ihn an. Er sollte besser ernst meinen, was er sagte — dass er alles für mich tun würde. Denn ich verlangte nichts Kleines. Nur das, was sie mir angetan hatten. „Ich will, dass sie das fühlt“, flüsterte ich, meine Stimme brach. „Ich will, dass sie weiß, was es heißt, alles zu verlieren, so wie ich. Ich will, dass sie versteht, was es heißt, ein Kind zu verlieren. Ich will, dass ihr Kind weg ist.“
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